Donnerstag, Juli 07, 2016

Nicht mehr schäbig - endlich hübsch

Vielleicht ist das sogar eines der Motive in meinem Leben. Jedenfalls ein Motiv, das mich die letzten Jahre stark in Hinblick auf Kleidung beschäftigt. Eben hatte ich noch einen anderen Aha-Effekt aus einem ganz anderen Feld, aber wenn ich es mir recht überlege, dann gehört das zusammen.

Endlich habe ich mich dazu entschlossen, ein Grafikprogramm zu lernen. Ich brauche Grafiken für die neuen Produkte und ich habe nicht das Geld, diese machen zu lassen. Angeblich kostet so eine Grafik mehr als 150 € und bei 10 Grafiken pro Dokument summiert sich das hübsch. Der Liebste hat mir in den letzten Wochen geholfen, er kann das. Aber das ist nicht leicht, neben ihm zu sitzen, zur Verfügung zu stehen und ihn dauernd anzuhimmeln, damit er bereit ist, zu arbeiten.

Ab gesehen davon, dass ich zu faul war, mich in die neue Materie einzuarbeiten, hatte ich auch schlichtweg Schiss. Tief in mir war der Glaubenssatz verwurzelt, dass ich künstlerisch/gestalterisch unbegabt bin. Im Kunstunterricht in der Schule war ich wahrhaftig keine Leuchte. Das war ein Feld, das ich Zeit meines Lebens den anderen überliess. Mittlerweile weiß ich zwar, dass ich gar nicht so unbegabt bin zu Zeichnen, übe mich darin und zeige sogar Skizzen drüben im Blog. Es macht mir sogar Spaß, mit Filzstiften zu zeichnen. Genau wie beim Sachbuchschreiben im Gegensatz zur Belletristik geht es mir aber immer um die Aussage, die ich transportieren will; "schön" masste ich mir erst gar nicht an. Zum anderen habe ich in den letzten Jahren auch beobachtet, dass die Welt um mich herum immer mehr "hochglanz" wird. Blogs sehen auf einmal aus, wie Magazin, Flyer sehen nicht mehr aus, wie aus Zeitschriften zusammengeklebt und selbst bei Instagram hat mir gestern eine nen Trick verraten, wie ich dort animierte Collagen einbaue - es gibt dafür ein einfach zu bedienendes, kostenloses Programm. Diese Perfektion an allen Orten ist mir schon ein bisschen unheimlich. Eine ganze Weile habe ich dieses Hochrüsten nicht mitgemacht, aber ich befürchte, irgendwann bin ich draußen aus dem Spiel, wenn es bei mir alles altmodisch und schäbig aussieht.

Maulend bestellte ich mir ein Buch über das Grafikprogramm und nach fast drei Wochen davor Drücken, lud ich mir das Programm herunter und siehe da. Es ist gar nicht so uninteressant wie befürchtete zu lesen und auch wenn ich gestern Abend schwer stöhnte. Nach zwei Stunden hatte ich eine akzeptable Grafik erstellt. Ach!

Und heute, heute schwelge ich in den Möglichkeiten: endlich habe ich eine Lösung, wie ich meine Teilnehmerinnen-Unterlagen für die Workshops adäquat gestalten kann. Ich vermute, das ist noch nicht mal aufwendig! Aber besser noch, seit längerem hege ich die Idee, kleine E-Books heraus zu geben, in denen ich gebündeltes Wissen verkaufe ohne, dass ich a) ein Riesenprojekt wie ein ganzes Buch zusammen bekommen muß und b) ohne dass ich einen Großteil der Einnahmen an einen Verlag abgeben muss. Eigentlich bin ich doch gerade dabei, einen Verlag zu gründen, warum sollte es da nicht auch Schnittmuster geben. Lektorinnen kenne ich und wenn diese kleinen Büchlein auch schöne Grafiken bekommen können und schön werden, dann wäre das doch durchaus ein gutes Geschäftsmodell, bei dem sehr viel mehr als bisher in der Tasche bleiben kann.

Aber was mich wirklich berührt und zu der Überschrift brachte: ich kann Dinge hübsch machen. Genauso, wie ich mir meine Kleidung selbst mache und dadurch an Selbstbewusstsein gewann, kann ich auch Dinge, die ich aus der Hand gebe hübsch machen, wenn ich lerne, mit dem Grafikprogramm umzugehen. Ich kann mich nicht immer darauf zurück ziehen, dass die Inhalte zählen und im Geheimen schämen, dass das, was ich den Leuten von mir mitgebe, sei es Unterlagen oder aber ein handgeschriebenes Flipchart, schäbig aussehen. Seit Jahren denke ich darüber nach, wie ich höhere Preise verlangen kann und immer saß mir ein kleines Teufelchen auf der Schulter das sagte "die Leute geben dir das nicht, du bist schäbig!" Dieser Glaubenssatz ist so tief in mir verwurzelt und war sicherlich dafür verantwortlich, dass viele Dinge nicht klappten, weil ich widersprüchliche Botschaften aussendete. Es wurde Zeit, den Glaubenssatz über Bord zu werfen. Aus eigener Kraft kann ich etwas ändern. Ist das nicht großartig?!  Ich bin kompetent, schön, gut angezogen und in Zukunft habe ich tolle Unterlagen und ein Großteil des Geldes wandert in meine Tasche. Jawohl!

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen