Donnerstag, April 07, 2016

Umdefiniert

Es ist gar nicht so leicht, eine Mutter zu sein. Mir fällt es immer noch schwer, meine Ansprüche an mich mit den Veränderungen des Kindes anzupassen. Das hatte ich schon mal: irgendwann musste ich lernen, dass das Kind kein Säugling mehr ist und ich nicht bei jedem Heulen springen muss. Jetzt ist gerade wieder so eine Stufe erreicht, bei der ich von außen gemeldet bekomme "verändere dich", es ist kein Kleinkind mehr.

Ich spreche von der Quality Time, dieser Verfluchten! Mein Kind geht in die Betreuung, ich arbeite - in Teilzeit. Übrig bleiben Nachmittagsstunden, die wir gemeinsam verbringen. Es ist eine bewusste Entscheidung von mir und uns, dass ich nicht Vollzeit arbeite. Ich finde schon, dass wen man sich für ein Kind entscheidet, auch Zeit mit ihm verbringen sollte. Aber mir ist nicht klar, was in dieser gemeinsamen Zeit gemacht werden soll. Ganz ehrlich: wir haben ziemlich unterschiedliche Interessen.

Bisher dachte ich, dass ich die Zeit am Nachmittag wirklich gemeinsam mit dem Kind verbringen sollte und etwas mit ihm zusammen mache. Erst eimal runterkommen, meinetwegen dabei etwas Fernsehen, dann machen wir etwas gemeinsames. Wollen wir basteln? Raus? Ehrlich gesagt, bin ich immer froh, wenn das Kind beginnt zu spielen. Wozu hat es denn das ganze Zimmer voll Spielzeug. Wenn ich etwas im Haushalt mache, fängt es an zu spielen. Nehme ich mir ein Buch, liege ich auf dem Sofa ist dem Kind langweilig. Meine Strategie seit Monaten: nach der Pause etwas Haushalt. Dann beginnt das Kind zu spielen und ich habe eine undefinierte Zeit für mich. Erstaunlicherweise wurde mir dann langweilig. Ich wusste gar nicht recht, was ich mit mir anfangen sollte. Das ist ja auch gar nicht so einfach, wenn ungewiss ist, wie lange diese Zeitspanne ist. Es rentiert nicht für 17 Minuten die Nähmaschine auszupacken.

Der Liebste und die beste Freundin meinen ich spinne.

Ich solle doch nicht glauben, ich wäre zur Unterhaltung des Kindes da. Ich wäre da, um auf es aufzupassen und ansprechbar zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Immerhin bekommt es doch Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf.

Mmmmmh.

Habe ich da wieder etwas verpasst? Habe ich übersehen, dass da ein neuer Lebensabschnitt begann? Ich hoffte immer, dass "alles anders wird, wenn das Kind endlich mal alleine nach draußen geht", aber ich änderte nichts an der Zeit drinnen.

Nach den Gesprächen mit dem Liebsten und der Freundin nun die Planänderung. Gestern raffte ich mich auf, kramte ein vom letzten Jahr unvollendetes Nähprojekt raus, suchte mühsam die Sachen zusammen und machte einfach mein Ding. Und das Kind spielte. Es war gar kein Problem. Ok, es war nur ein kurzer Nachmittag. Wir sprechen von ungefähr einer Stunde. Aber es ist ein Anfang.

Sollte Veränderung möglich und ganz leicht sein, wenn ich einfach in meinem Kopf etwas ändere?

Solche Sachen erzähle ich im Coaching. Eigentlich schwierig, wenn ich selbst nicht immer dran glaube.

Ich bin ein bisschen überrascht von der Aussicht, die in Sichtweite ist. Könnte es sein, dass ich die Nachmittage tatsächlich mir gehören? Dass ich machen kann, was ich will? Das wäre phänomenal. Ich kann das gar nicht glauben. Ob es wirklich so einfach ist, etwas umzudefinieren?

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen