Mittwoch, April 13, 2016

Respekt

Der Liebste hat Ärger mit einem (Geschäfts-)freund. Ich konnte den noch nie leiden. Einmal nur habe ich ihn getroffen und ich weiß, dass ich mich anschließend schlecht fühlte und dass er dafür verantwortlich war. Es ist schon viele Jahre her. Ich schob noch einen Kinderwagen vor mir her und war mit dem Liebsten und seinen Kollegen zum Lunch verabredet. In dem Gespräch mit dem Geschäftsfreund, hatte ich das Gefühl, nicht bestehen zu können. Ich verstand mich als "pausierende Beraterin", studiert, berufserfahren, kompetent, aber derzeit pausierend und durchaus auch prüfend, ob das noch der richtige Beruf für mich wäre. Der Geschäftsfreund machte alles, was ich sagte nieder und gab mir das Gefühl minderwertig und inkompetent zu sein. Kein Wunder, dass ich ihn nicht leiden konnte.

Das war nun ein sehr deutliches Beispiel, aber was, wenn auch andere mehr oder weniger offen respektlos mit mir, mir als Frau, mir als Mutter umgehen um mir - vielleicht auch nur um sich selbst besser zu fühlen - signalisieren, dass ich nichts wert bin. Und was ist, wenn ich das glaube. Wenn ich das Gefühl habe, ich mag diese Menschen nicht, aber das Gesagte trotzdem wirkt. Was ist, wenn Mütter, egal ob in der Elternzeit oder danach, dauernd solche Botschaften bekommen. Wäre es ein Wunder, wenn es Selbstwertzweifel gäbe. Und was soll überhaupt dieser Konjunktiv.

Ich bin noch nicht sicher, was das alles zu bedeuten hat, aber ich habe das Gefühl, dass diese Begegnung oder dieser aktuelle Streit sichtbar macht, was ein Grund ist, das ich mir im Weg stehe. Vielleicht ist es nur ein Teil, ein Baustein, aber ich kann mich so gut an dieses Gefühl erinnern, in dem Gespräch zu strampeln um irgendwie kompetent wahrgenommen zu werden, und einfach nicht auf einen grünen Zweig kommen zu können. Anscheinend hat mich das sehr getroffen.

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Ein weiterer Aspekt, der in dem aktuellen Streit ans Tageslicht kam bzw. formuliert wurde. Der Geschäftsfreund ist verärgert, weil er angeblich nicht die Leistung bekam, die er erwartete. Er hätte sich bewusst für eine GmbH statt für einen Freelancer für seinen Auftrag entschieden, denn er hätte erwartet, dass die GmbH ausreichend Ressourcen hat, um auch schwierige Situationen ausgleichen zu können. Blabla.

Für mich macht das noch mal deutlich, warum es - trotz immer wieder auftauchender Zweifel - sinnvoll ist, mit dem eigenen Namen als Freiberuflerin zu firmieren, statt wie vor 17 Jahren den Versuch zu unternehmen, mit einem Unternehmensnamen professioneller aufzutreten. Das fühlte sich nach kurzer Zeit damals nicht richtig an und mir wurde durch den Streit von dem ich erzählt bekam, noch mal klarer, warum: ich möchte halten können, was ich verspreche und nicht vorgeben etwas zu sein, was ich nicht bin.

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Fazit: Statt auf meine Defizite zu schauen, möchte ich auf das stolz sein, was ich erreicht habe. Das heißt nicht, dass mir für manche Projekte möglicherweise Wissen, Erfahrung oder Übung fehlt. Aber deswegen muß ich mich nicht niedermachen oder frustriert sein. Ich kann einfach nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten und ich kann durchaus darauf vertrauen, dass ich die Ressourcen in mir trage, das gut zu machen.

Und ich werde vorsichtig sein, bei Begegnungen, die mir nicht gut tun. Es ist nicht ok, abgewertet zu werden. Ich sollte meinem Gefühl trauen. Und ich freue mich, dass sich der Liebste streitet, denn das bedeutet, dass er das strikte Arbeiten auf der Inhaltsebene und den damit verbundenen Tunnelblick überwunden und sich weiterentwickelt hat. Ich freue mich, dass er den mangelnden Respekt einfordert. Da kann ich auch noch was davon lernen.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen