Freitag, April 08, 2016

Krabbenkorb

"Ich rate Dir, die üblichen Honorare zu nehmen. Es haben schon öfters mal Kolleginnen versucht, höhere Honorare zu nehmen, aber die waren dann immer ganz schnell wieder verschwunden."

Warum hatte ich eigentlich nicht nachgefragt, als die Frau mir dies sagte?

Ich glaube, ich dachte mir meinen Teil und wollte sie aber weiterreden lassen.

Ich beschäftige mich immer noch intensiv mit Honorarkalkulation im neuen Feld und es wurmt mich, dass es so ein Frauen-Volkshochschul-Feld ist. Verdorben. Es war schon immer so und es scheint wenig Bestrebungen zu geben, es zu ändern. Und wahrscheinlich bekommen diejenigen, die es versuchen zu ändern, dann auch noch von den Kolleginnen einen auf den Deckel. Krabbenkorb eben. Wenn wir schon gekocht werden, dann soll es keiner gestattet werden, vorher auszubrechen. Wenn, dann sollen alle leiden.

Doch ich weigere mich, dieses Spiel mitzumachen und der Lunchtermin mit meiner Yogalehrerinfreundin mit den hohen Preisen unterstützte mich natürlich in meinen Gedanken. Das, was ich anbiete, macht sonst Keine. Mein Produkt ist neu konzipiert und einzigartig. Ich habe zwar mit dem Thema noch keine super langjährige Erfahrung, aber mit den Methoden, dem unterrichten und dem konzipieren. Ich kann mit fester Stimme sagen, dass mein Produkt gut ist. Ich bin sicher, die Teilnehmerinnen gehen mit einem guten Gefühl und etwas handfest Gelerntem nachhause. Und ich bin kein Neuling. Mich kann man googlen und man findet mich, ich war im Fernsehen ich habe Tausende von Büchern verkauft, ich schreibe seit Jahren öffentlich zum Thema, mein Gesicht ist in diesen Kreisen bekannt. Um es mit den Worten meiner Freundin zu sagen "Du bist nicht schwer zu verkaufen!".

Vielleicht ist es nicht so absurd zu glauben, dass die amerikanischen Verhältnisse mit etwas Zeitverzögerung auch zu uns kommen. Dort gibt es die "Kurse um die Ecke" und es gibt die "Stars". Die Stars sind in den Medien präsent und haben eine große Fanbase. Niemand würde auf die Idee kommen, das ein Kurs bei einem Star das gleiche kostet wie um die Ecke.

Ok, ich habe Facebook "verschlafen", da könnte ich mehr Fans haben. Aber ist das die Währung? Außerdem bin ich dran und so schlecht sieht es nicht aus. Und meine Website ist immer noch nicht fertig. Das sollte langsam mal passieren, um mein gesamtes Portefolio abzubilden und die etwas brach liegenden Bereiche zu reaktivieren. Aber in dem neuen Feld bin ich bekannt und vor allen Dingen gut auffindbar. Ich muss mich nicht verstecken und es ist ok, anders zu sein als die anderen - ich bin keine Krabbe. Ich würde gerne Krabbencocktail essen. (Damit meine ich nicht, dass ich die Kolleginnen verspeisen will, sondern eher, dass es mir zusteht, mir etwas zu gönnen.)

Ich brauche ein paar Textbausteine, die ich lesen kann, wenn ich mit jemand telefoniere, um mich zu verkaufen. Textbausteine, mit denen ganz selbstverständlich formuliert ist, warum meine Produkte und ich toll sind. Ich vermute, es ist die Geisteshaltung, die den Unterschied macht. Es kann einfach nicht sein, dass ich schwer zu verkaufen bin! Ich bin leicht zu verkaufen!

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen