Dienstag, April 05, 2016

Erwartungen

Der Liebste sagt, ich hätte zu hohe Erwartungen. Ständig wäre ich himmelhochjauchzend voller Tatkraft, Pläne und Ziele und dann im tiefen Loch, wenn sich meine Erwartungen nicht erfüllen.

Ist das schlecht?

Gut, das Loch, die Enttäuschungen, mag ich auch nicht. Aber ist das nicht das Leben? Ist es nicht ein ständiges Auf- und Ab und ist es nicht wunderbar, dass ich (bzw. wir Menschen) immer wieder die Kraft aufbringen, wieder aufzustehen, uns aufzurappeln und neu anzufangen nach einer Enttäuschung?

Er sagt, das Leben wäre ein Kreis und kein Auf- und Ab.

Ja?

Er schraubt seine Erwartungen niedrig und strengt sich ordentlich an, verlang von sich das Beste und darüber hinaus. Ich bin eher lässig, gehe davon aus, dass ich Dinge schaffe, dass alles, was ich brauche in mir ist und dass ich notfalls eben noch etwas lerne - lernen macht Spaß. Ich gehe davon aus, dass wenn ich etwas mit Freude und Elan mache, dass das dann schon außergewöhnlich gute Ergebnisse bringt. Ich versuche nicht mit Kraft gegen Widerstände zu rennen, mühevoll mit Schweiß zu arbeiten sondern mit Hingabe und Begeisterung. Ja und ich gebe zu: ich bin auch bequem und manchmal ein bisschen faul. Aber das bin ich niemals, wenn ich etwas tue, das ich liebe.

Wir kommen aus so unterschiedlichen Familien und leben konsequent deren Wertesysteme. Während mir vermittelt wurde, dass ich die Welt erobern kann und das ich super bin ("Lehrer haben nicht immer recht"), wurde ihm vermittelt, dass er sich ordentlich anstrengen und abrackern muß und dann wird sein Leben zumindest ein bisschen besser als das seiner Eltern. Mir wurde erlaubt, ich wurde sogar dazu aufgefordert, nach den Sternen zu greifen. Ich wurde rausgeschubst in die Welt, um sie zu erobern.

Ich mag so ungerne von diesen Werten und Idealen lassen, auch wenn ich einsehe, dass ich mich verändern muß, um erfolgreicher zu werden. Das bin doch ich! Entweder, ich muss diese Werte konsequenter leben und alles aus dem Weg räumen, was mich davon abhält, das zu tun, was ich liebe oder ich muß mich von meiner bisherigen Vorgehensweise verabschieden fleissig, beharrlich und kämpferisch werden. Oder von beidem ein bisschen und die angeblich so gesunde Mitte?

Was wünsche ich meinem Kind? Gönne ich ihm die Träume von der Superkraft und versuche ihn stark zu machen, für die Abenteuer des Lebens oder trimme ich ihn darauf zu keulen, sich anzupassen, zu ackern und zu kämpfen, damit er mit den Schwierigkeiten, die das Leben für ihn bereit hält, umgehen kann? Vielleicht hat unser Kind ja mehr davon, wenn seine so unterschiedlichen Elternteile ihm diese so unterschiedlichen Strategien vorleben und er dann selbst herausfinden kann, was für ihn gut ist?

Vielleicht spreche ich deswegen lieber mit meinen Freundinnen, weil sie meine Lebensphilosophie teilen und vergesse so einiges, dem Liebsten zu erzählen. Von den Freundinnen bekomme ich wohlwollende Unterstützung. Von dem Liebsten zwar Liebe, aber auch Forderungen, schonungslose Kritik und klare Ansagen. Er würde sagen, dass wir Frauen Heititei machen, aber ich habe nicht das Gefühl, von Speichelleckerinnen umgeben zu sein, die mir nach dem Mund reden. Es ist wahrscheinlich so, dass ich mir genau diese Freundinnen ausgesucht haben, weil wir eine Weltsicht teilen.

Er sagt, ich solle meine Erwartungen korrigieren.

Ich nehme das als Hinweis, um darüber nachzudenken, aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, so werden zu wollen, wie er. Ich mag mein Leben, auch wenn es diese grauen, trüben Phasen hat, wenn die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Aber es hat eben auch die Höhepunkte.

Und wie kann ich ein Buch schreiben, ohne die Hoffnung, dass es ein Bestseller wird?

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen