Mittwoch, März 02, 2016

Zurechtgerückt

Träume sind schon so ne Sache. Ich mag da jetzt nicht Ziel nennen. Das wäre zu strategisch. Nein, es war eher ein Traum, eine Vision verbunden mit dem Gefühl, unerreichbar zu sein. Nicht, weil es nicht wahrscheinlich wäre, sondern weil es mit meiner aktuellen Lebenssituation nur so schwer zu vereinbaren ist.

Ich spreche von einer Lesereise. Gestern auf der Lesung fragte ich die mir vom Sehen schon länger bekannte Autorin, die mit großem Knall ihren erstem Roman als Spitzentitel verkaufen konnte, was mich einfach nur freut, wie sie dazu gekommen ist, eine Lesereise zu machen. Ich meine: erster Roman. Wie kommt so etwas zustande? Nen Spitzentitel hatte ich auch schon mal, allerdings Sachbuch. Vielleicht ist es da anders? Also tolle Plakate, schneller Einstieg in die Bestsellerliste und ne Lesereise. Nicht schlecht. Ab gesehen davon, dass ich weiß, dass es sowieso nur läuft, wenn ein Buch ein Spitzentitel ist, also vom Verlag auf einer Doppelseite in der Vorschau präsentiert wird und auch zusätzliches Marketingbudget bekommt - das mit der Lesereise wurmte mich irgendwie. Ich mag Lesungen, ich freue mich über die damit verbundene PR, aber es ist auch ein großer Aufwand, in irgendein Kaff, hunderte von Kilometern entfernt zu fahren und es ist auch nicht gerade mit üppigem Honorar verbunden. Jedenfalls bei mir.

Die Autorin sagte, dass die Lesereise einfach passiert wäre. Buchhandlungen hätten angefragt, der Verlag hätte das organisiert.

Bei mir gibt es zwar auch auch mal ne Anfrage über den Verlag, aber den Rest mache ich. Diverse Mails und Telefonate hin und her und der blöde Verlag hat mir sogar die 50 Poster geschickt, damit ich sie fortan selbst verschicke. Das ist wohl der falsche Verlag!

Und dann sprach ich noch mit einer anderen Autorin, bekannt aus Funk und Fernsehen. Sie erzählte, dass sie nach 40 Lesungen kaputt ist und nicht mehr kann, aber 60 Lesungen auf dem Programm hat. Sie erzählte von einsamen, nicht wirklich schönen Hotelzimmern, von Hunger, weil vor der Lesung nichts gegessen wird und es hinterher in dem Kaff nichts mehr gibt. Von Bifi und nicht mehr über die eigenen Witze lachen können. Mein Traum platzte wie eine Seifenblase.

Eine richtige Lesereise kann ich ohnehin nicht machen. Meine familiäre Situation erlaubt es mir nicht, wochenlang am Stück weg zu sein und jede Reise bedeutet für mich einen größeren Angang: ich muß organisieren und schlimmer noch, ich muss um Unterstützung bitten. Meine Wünsche werden von den Familienmitgliedern zwar in der Regel erfüllt, aber ich habe immer das Gefühl, dass diese Extrawünsche eine Ausnahme bleiben sollen und ich sehr dankbar dafür sein muss.

Vielleicht habe ich mir etwas vorgemacht? Vielleicht ersehne ich gar nicht die Lesereise? Oder vielleicht ist die Realität so viel weniger glamourös als der Traum, dass es wirklich besser ist, sich von dem Traum zu verabschieden.

Letztlich geht es mir eigentlich nur um eines: ich will weiter Bücher schreiben, denn ich schreibe gerne und ich finde es auch nett hin und wieder, eine Lesung zu machen. 

Das bedeutet aber, dass ich gar keine Lesereise erträume, sondern eigentlich nur ausreichend Erfolg, so dass ich neue Projekte machen darf und ausreichend Geld dafür bekomme.

Ich weiß, dass es oft günstiger ist, konkrete Träume zu haben, bunt ausgemalte Wünsche erfüllt "das Universum" leichter, als so einen abstrakten Wunsch wie der nach Geld und Erfolg. Aber ich glaube, die Lesereise ist es nicht, was ich wirklich will. Wie male ich meine Vision neu?

Und ganz nebenher bemerkte ich: ich bin so unglaublich schlecht darin, mich selbst zu verkaufen, von mir zu erzählen. Was laberte ich "bin aus dem Sumpf der Familienphase endlich wieder raus"....oh meine Güte. In Nebensätze sagte ich "ich bin wieder da! Ich habe ein neues Buch! Es ist ein Manifest". Das sollten die Hauptsätze sein!

Vermutlich geht es gar nicht um den Traum, um die Vision sondern darum, im Hier und Jetzt Worte dafür zu finden was ist und was daran toll ist.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen