Freitag, Februar 05, 2016

Scheiß auf die Gerechtigkeit!

Nach dem Theater saßen der Lieblingsonkel und ich noch beisammen und redeten über die Inszenierung. Gerechtigkeit war ein Thema und irgendwann sagte der vornehme, ältere Herr "Scheiß auf die Gerechtigkeit", voller Emotionen und mit großem Ernst. Er erzählte, wie er sich über seinen Vater aufregte, der auf einen ausgesprochenen Wunsch stets antwortete "das kann ich dir nicht geben, weil ich es sonst deiner Schwester auch geben müsste" und ich verstand, denn seine Schwester ist meine Mutter und diese krude Form von Gerechtigkeit musste auch ich oft erleben.

Schon als Kind spürte ich, dass damit etwas nicht in Ordnung ist und verstand nicht, warum stets ein Ausgleich stattfinden müsste. Ich wollte gesehen werden, ich wollte in meinen Bedürfnissen ernst genommen werden. Ausgleichende Gerechtigkeit bedeutet, dass auch ein anderer etwas bekommt, ohne dafür ein Bedürfnis zu haben.

"Wer so eine Gerechtigkeit will, weiß nicht, was Liebe ist." sagte er und ich fühlte mich verstanden. Ein Leben lang kämpfe ich nun schon dafür, gesehen und geliebt zu werden.

Ich Idiotin will in die Talkshow damit meine Eltern stolz auf mich sind. Muss ich ins Fernsehen, damit sie mich endlich sehen? Mittlerweile bin ich eigentlich alt genug, um zu wissen, wer ich bin und sollte doch unabhängig sein, von der Bewertung meiner Eltern. Aber von der Liebe wird man vermutlich niemals abhängig. Doch es tut gut, "Scheiß auf die Gerechtigkeit" zu sagen und nach eigenen Maximen zu leben.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen