Mittwoch, Februar 10, 2016

Mein Name an der Tür

Ich bin sehr gerührt. Sitze zum Probearbeiten in einem Büro. Klingt unspektulär, ist es aber nicht. Seit 15 Jahren habe ich nicht mehr in einem Büro gearbeitet. Homeoffice, Familienphase, Homeoffice. Auf dem Weg, während des Berufsverkehrs in den öffentlichen Verkehrmitteln, merkte ich erst, wie abgeschottet von der Welt ich in den letzten Jahren war. Frühmorgens in Bus und S-Bahn waren ganz andere Menschen zu sehen. Mehr, wie du und ich. 80% der Menschen waren unter 50. Alle hatten Taschen dabei und fuhren zur Arbeit. Ganz normal. Nur für mich war es nicht normal, ich saß aufgeregt dazwischen. Wie am ersten Schultag oder besser noch, wie bei einem Schnupperbesuch in einer anderen Welt.

Jedes Jahr im Februar habe ich die Sehnsucht nach einem Büroraum. Letztes Jahr war ich auf der Suche nach einem Näh-Büro, einem Arbeitsplatz, an dem ich Schreiben und Nähen kann. Das stellte sich als sehr schwierig heraus. Dieses Jahr weiß ich, dass mein Fokus auf dem Coaching liegt. Ich habe Lust, wieder Coachings zu geben - nicht, um jetzt wie ein Zahnarzt einen Coachingklienten nach dem anderen zu empfangen und abends nicht mehr zu wissen, was mir die einzelnen Menschen erzählt haben. Nein, ich möchte auch weiter Schreiben als Hauptprodukt sehen. Aber ich möchte wieder Coachings geben. Und genauer gesagt: ich möchte selbstbewusst auftreten und sagen „kommen Sie gerne zu mir, mein Name steht an der Tür.“

Als ich am Montag dieses Büro anschaute war ich erst sehr klein mit Hut. Die schicke Atmosphäre des Architekturbüros + Arbeitsplätze schüchterte mich ein. Dabei war ich doch genau auf die Eiermannschreibtische und das Stichwort Architekten in der Anzeige abgefahren. Mir erschien der Sprung aus dem Homeoffice sehr groß. Von der Jogginghose in das stylishe Büro. Ich hatte das Gefühl, dass es etwas dazwischen geben müsste, um langsam in das Büroleben hinein zu wachsen. Mittlerweile habe ich noch andere Büroarbeitsplätze angesehen und habe nun das Gefühl, dass ich genau dieses Schicke brauche. Ich habe weder die finanziellen Mittel noch das Händchen, ein stylishes Büro einzurichten. Warum also nicht davon profitieren, was andere vorgelegt haben? Ich darf es ja heute ausprobieren. Noch sitze ich hier fast alleine, die anderen Freiberuflerinnen starten wohl erst später in den Tag - das finde ich aber ganz angenehm, um Schritt für Schritt meine Schüchternheit abzulegen und hier anzukommen.

Gestern traf ich mich mit einer Freundin zum Lunch. Auch dieses Rauskommen aus der heimischen Bude war ungemein wohltuend, obwohl ich zunächst dachte, dass ich eigentlich gar keine Zeit dafür hätte. Welch dumme Rechnung! Das ist so gut investierte Zeit. Ich hoffe, dass die Fahrzeit hin und weg vom Büro auch gut investierte Zeit ist. Als ich heute morgen gerührt über den Markt lief, hatte ich diese Gefühl, es kann aber gut sein, dass ich recht bald davon genervt bin. Wie alle Freundinnen, denen ich vom Büro erzählte sagte sie „wie wunderbar, mach das!“ und am Schluss stellte sie die entscheidende Frage (Es ist so großartig, so kluge und einfühlsame Freundinnen zu haben!): Was soll an der Tür stehen?

Die Frage der Fragen: wer bin ich und wenn ja wie viele. Welchen Teil meines „Gemischtwarenladens“ mache ich sichtbar? Nun ja, eines nach dem anderen. Jetzt sitze ich erst einmal hier und überlege, ob ich Geld und Zeit investiere, aus meiner Gemütlichkeit rauszukommen und mit dem Arbeiten ernst zu machen. Mein Bauch sagt seit zwei Tagen JAAA, JAAA, JAAAA. Aber jetzt erst mal schnupperen und seelig in mich hineingrinsen mit dem der Textzeile im Ohr „… wie mein Name an der Tür“. Ja, darum gehts. Mein Gemischtwarenladen ist mein Name. Ich biete das an, weil ich ich bin und niemand sonst kann das, was ich mache. Mein Name gehört an eine Tür, damit ich freundlich dazu einladen kann, etwas mit mir zu arbeiten und mir dafür Geld zu geben. So soll das sein!

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen