Donnerstag, Februar 11, 2016

Wer bin ich und wenn ja wie viele?

Ich lande immer wieder am gleichen Punkt. Wer bin ich und wenn ja wie viele?  Wie nenne ich meinen Gemischtwarenladen? Ich biete unterschiedliche Dienstleistungen an und statt das länger zu verschweigen, sage ich das nun der Öffentlichkeit. Aber wie?

Ganz konkret bin ich nicht nur an meiner neuen Website, sondern habe auch das schöne Problem, ein Türschild für mein neues Büro zu brauchen. Für den Onlineauftritt habe ich mich dazu entschlossen, die unterschiedlichen Dienstleistungen und Themen nebeneinander stehen zu lassen, denn das ist das, was mich ausmacht. Ich bin ich, genau so und mit alle dem, selbst wenn jemand nur einen Ausschnitt davon möchte. Im Internet ist Platz - da darf das alles stehen. Sollen sich die Leute doch ihren Teil dabei denken. An der Tür ist das dann doch etwas anderes.

Ich vermute, dass die KundInnen, die in meine Büro kommen, nur Coaching bei mir kaufen. Die anderen Produkte und Dienstleistungen werden online abgewickelt. Es gibt also keinen Grund, das diese unbedingt an der Tür stehen müssen. Und trotzdem fühlt es sich komisch an, an die Tür nur meinen Namen und "Coaching" zu schreiben. Wo bleiben da die Bücher, die Texte, das professionelle Bloggen? Und wo bleibt die Marke und das Gewerbe?

Die Klammer bin ich, mein Name. Alles läuft letztlich über meinen Namen, die Texte, die Beratung und auch die Produkte, die unter der Marke verkauft werden, denn das Gewerbe trägt meinen Namen. Würde es also nicht reichen, einfach nur ein hübsch designtes Türschild zu haben, auf dem nur mein Name steht? Den Gemischtwarenladen kann ich doch an anderer Stelle erklären. Oder?

Während ich innerlich meinen Frieden damit gemacht habe zu akzeptieren, dass ich "viele" bin und unterschiedliche Dinge anbiete und genau das meine Qualität ausmacht, fällt es mir schwer, das nach außen hin zu erklären und zu vertreten. Ich merke, wie ich ganz viel darüber nachdenke, was andere von mir denken könnten und ob das alles so ok ist, wie ich mir das überlegt habe. Na klar ist das wichtig, denn ich will ja auch etwas verkaufen, aber mit diesen Gedanken habe ich schon wieder das Gefühl zu zerfasern und mich zu verlieren.

Mittwoch, Februar 10, 2016

Mein Name an der Tür

Ich bin sehr gerührt. Sitze zum Probearbeiten in einem Büro. Klingt unspektulär, ist es aber nicht. Seit 15 Jahren habe ich nicht mehr in einem Büro gearbeitet. Homeoffice, Familienphase, Homeoffice. Auf dem Weg, während des Berufsverkehrs in den öffentlichen Verkehrmitteln, merkte ich erst, wie abgeschottet von der Welt ich in den letzten Jahren war. Frühmorgens in Bus und S-Bahn waren ganz andere Menschen zu sehen. Mehr, wie du und ich. 80% der Menschen waren unter 50. Alle hatten Taschen dabei und fuhren zur Arbeit. Ganz normal. Nur für mich war es nicht normal, ich saß aufgeregt dazwischen. Wie am ersten Schultag oder besser noch, wie bei einem Schnupperbesuch in einer anderen Welt.

Jedes Jahr im Februar habe ich die Sehnsucht nach einem Büroraum. Letztes Jahr war ich auf der Suche nach einem Näh-Büro, einem Arbeitsplatz, an dem ich Schreiben und Nähen kann. Das stellte sich als sehr schwierig heraus. Dieses Jahr weiß ich, dass mein Fokus auf dem Coaching liegt. Ich habe Lust, wieder Coachings zu geben - nicht, um jetzt wie ein Zahnarzt einen Coachingklienten nach dem anderen zu empfangen und abends nicht mehr zu wissen, was mir die einzelnen Menschen erzählt haben. Nein, ich möchte auch weiter Schreiben als Hauptprodukt sehen. Aber ich möchte wieder Coachings geben. Und genauer gesagt: ich möchte selbstbewusst auftreten und sagen „kommen Sie gerne zu mir, mein Name steht an der Tür.“

Als ich am Montag dieses Büro anschaute war ich erst sehr klein mit Hut. Die schicke Atmosphäre des Architekturbüros + Arbeitsplätze schüchterte mich ein. Dabei war ich doch genau auf die Eiermannschreibtische und das Stichwort Architekten in der Anzeige abgefahren. Mir erschien der Sprung aus dem Homeoffice sehr groß. Von der Jogginghose in das stylishe Büro. Ich hatte das Gefühl, dass es etwas dazwischen geben müsste, um langsam in das Büroleben hinein zu wachsen. Mittlerweile habe ich noch andere Büroarbeitsplätze angesehen und habe nun das Gefühl, dass ich genau dieses Schicke brauche. Ich habe weder die finanziellen Mittel noch das Händchen, ein stylishes Büro einzurichten. Warum also nicht davon profitieren, was andere vorgelegt haben? Ich darf es ja heute ausprobieren. Noch sitze ich hier fast alleine, die anderen Freiberuflerinnen starten wohl erst später in den Tag - das finde ich aber ganz angenehm, um Schritt für Schritt meine Schüchternheit abzulegen und hier anzukommen.

Gestern traf ich mich mit einer Freundin zum Lunch. Auch dieses Rauskommen aus der heimischen Bude war ungemein wohltuend, obwohl ich zunächst dachte, dass ich eigentlich gar keine Zeit dafür hätte. Welch dumme Rechnung! Das ist so gut investierte Zeit. Ich hoffe, dass die Fahrzeit hin und weg vom Büro auch gut investierte Zeit ist. Als ich heute morgen gerührt über den Markt lief, hatte ich diese Gefühl, es kann aber gut sein, dass ich recht bald davon genervt bin. Wie alle Freundinnen, denen ich vom Büro erzählte sagte sie „wie wunderbar, mach das!“ und am Schluss stellte sie die entscheidende Frage (Es ist so großartig, so kluge und einfühlsame Freundinnen zu haben!): Was soll an der Tür stehen?

Die Frage der Fragen: wer bin ich und wenn ja wie viele. Welchen Teil meines „Gemischtwarenladens“ mache ich sichtbar? Nun ja, eines nach dem anderen. Jetzt sitze ich erst einmal hier und überlege, ob ich Geld und Zeit investiere, aus meiner Gemütlichkeit rauszukommen und mit dem Arbeiten ernst zu machen. Mein Bauch sagt seit zwei Tagen JAAA, JAAA, JAAAA. Aber jetzt erst mal schnupperen und seelig in mich hineingrinsen mit dem der Textzeile im Ohr „… wie mein Name an der Tür“. Ja, darum gehts. Mein Gemischtwarenladen ist mein Name. Ich biete das an, weil ich ich bin und niemand sonst kann das, was ich mache. Mein Name gehört an eine Tür, damit ich freundlich dazu einladen kann, etwas mit mir zu arbeiten und mir dafür Geld zu geben. So soll das sein!

Freitag, Februar 05, 2016

Scheiß auf die Gerechtigkeit!

Nach dem Theater saßen der Lieblingsonkel und ich noch beisammen und redeten über die Inszenierung. Gerechtigkeit war ein Thema und irgendwann sagte der vornehme, ältere Herr "Scheiß auf die Gerechtigkeit", voller Emotionen und mit großem Ernst. Er erzählte, wie er sich über seinen Vater aufregte, der auf einen ausgesprochenen Wunsch stets antwortete "das kann ich dir nicht geben, weil ich es sonst deiner Schwester auch geben müsste" und ich verstand, denn seine Schwester ist meine Mutter und diese krude Form von Gerechtigkeit musste auch ich oft erleben.

Schon als Kind spürte ich, dass damit etwas nicht in Ordnung ist und verstand nicht, warum stets ein Ausgleich stattfinden müsste. Ich wollte gesehen werden, ich wollte in meinen Bedürfnissen ernst genommen werden. Ausgleichende Gerechtigkeit bedeutet, dass auch ein anderer etwas bekommt, ohne dafür ein Bedürfnis zu haben.

"Wer so eine Gerechtigkeit will, weiß nicht, was Liebe ist." sagte er und ich fühlte mich verstanden. Ein Leben lang kämpfe ich nun schon dafür, gesehen und geliebt zu werden.

Ich Idiotin will in die Talkshow damit meine Eltern stolz auf mich sind. Muss ich ins Fernsehen, damit sie mich endlich sehen? Mittlerweile bin ich eigentlich alt genug, um zu wissen, wer ich bin und sollte doch unabhängig sein, von der Bewertung meiner Eltern. Aber von der Liebe wird man vermutlich niemals abhängig. Doch es tut gut, "Scheiß auf die Gerechtigkeit" zu sagen und nach eigenen Maximen zu leben.

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen