Dienstag, Februar 03, 2015

Unter Vorbehalt

Als ich heute morgen am Eingang der Kita mal wieder das Schild "Wir haben mehrere Fälle von Magen-Darm-Virus" entdeckte, mußte ich schlucken. Nicht nur, dass die ganze Familie in der letzten Woche unter der Seuche litt, mein erster Gedanke war "schon wieder!" und mein zweiter "deswegen ist Planen so unnütz!".

Morgen habe ich um 11 Uhr, also mitten am Vormittag einen Kundentermin. Wenn das Kind krank wird, muß ich ihn absagen. Der Kindsvater arbeitet viel, ich bin die Hauptkümmerin, das ist unser Deal. Dafür darf ich freiberuflich sein, nur Teilzeit arbeiten und arbeiten, was mir Spaß macht. Wenn das Kind krank ist, muß ich springen. Hätte ich den Termin an die Randzeiten des beruflichen Einsatzes meines Mannes gelegt, bestünde die Chance, dass er seine Termine schieben kann, um das Kind während meines Termines zu betreuen. So mitten am Tag, no way, dazu ist er zu wichtig. Also kann ich nur hoffen, dass das Kind und wir gegen diesen Virus nun immun sind und morgen alles gut geht.

Das ist einer der Gründe, wieso es mir so verdammt schwer fällt, von der Baby- und Kleinkindmutter wieder in die Rolle einer normal berufstätigen Frau zu schlüpfen. Mein Leben ist so volatil. Nicht nur, dass ich stundenweise einen Job mache, der meine Selbständigkeit ergänzt aber eben mit fremdbestimmter, kurzfristiger Einsatzplanung verbunden ist. Sobald was mit dem Kind ist, muß ich alles fallen lassen. Und will ich beruflich oder privat verreisen, muß ich gefühlt um Erlaubnis bitten oder zumindest lobpreisen und dankbar sein, wenn mein Mann oder die Familie mich unterstütz (so selten, wie das auch ist, leben doch die Großeltern weit weg).

Im Voraus eilenden gehorsam versuche ich schon weitesgehend Pläne zu vermeiden, mit denen ich andere Leute belasten könnte. Ich melde mich nicht zu Abendveranstaltungen an, die um 19 Uhr beginnen, weil der Mann sonst früher nach Hause kommen müsste, um das Kind zu übernehmen. Ich versage mir Mädelswochenenden, weil ich dem Mann nicht zumuten kann, dauernd am Wochenende das Kind zu haben, wenn ich schon zweimal im Monat Samstags arbeite, er braucht ja auch mal Ruhe. Ich mache keinen Termin für die Krebsvorsorge oder beim Zahnarzt, weil ich befürchte, ihn sowieso nicht einhalten zu können.

Das ganze Problem ist vermutlich nur in meinem Kopf. Mein Mann würde sagen, ich solle einfach Termine machen und sie verkünden, dann würde sich schon eine Vertretung für mich ergeben und im konkreten Fall, wenn ich ihn bitte, dann klappt es ja auch immer und er bemüht sich, mich zu unterstützen. Aber es ist eben nur eine Unterstützung ein "mir zu Liebe" und ich habe jedes Mal das Gefühl, ich muß konfettiwerfend auf den Knien dankbar sein.

Mit dieser Haltung schaffe ich es nicht, vor meinem 50. Geburtstag wieder richtig Berufstätig zu sein!

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen