Donnerstag, Oktober 30, 2014

Begegnung

Heute morgen beim Bäcker traf ich eine Frau, mit der ich meinen ersten Nähkurs gemacht habe. Ihr "na, nähst du immer noch und der Griff an das Revers meines Mantels" war übergriffig. Ich ärgerte mich, dass ich ungeschminkt war und gleichzeitig schalt ich mich, dass ich immer noch ein schlechtes Gefühl bekomme, wenn ich diesen Typ Frau treffe: blond, hübsch, jugendlich-schlank-flott, piepsige Stimme mit dazu passendem Augenaufschlag, mit erfolgreichem Mann verheiratet ... 

Es ist dieser Typ Frau, der mich rasend macht. So wie diese Fernsehmoderatorin, die ohne ein Wort der Begrüßung in der Garderobe zu mir sagte, dass ich es bestimmt auch nicht leicht hätte, während sie ihre Wallemähne mit Haarspray einsprühte, so dass ganz neckisch, wie zufällig die eine Seite über die Schulter fällt und die andere eben nicht. Sehe ich dieses Frau im Fernsehen, bin ich immer noch wütend, auch wenn die Begegnung 10 Jahre her ist.

Die Frau, die ich beim Bäcker traf mag mich nicht. Das ist kein Gefühl, das weiß ich, denn sie gehörte zu einer Gruppe Frauen, die beschloss sich ohne mich weiter zu treffen, obwohl ich lange die Organisationsarbeit der vorherigen Treffen übernommen hatte. Ich war damals erleichtert, dass mich dieser Gruppenausschluss nicht so sehr traf, wie er mich als junges Mädchen getroffen hatte und suchte mir andere Menschen, mit denen ich meine Begeisterung eigentlich sogar noch besser teilen konnte, die allerdings den Nachteil hatten, nur übers Internet verfügbar zu sein.

Die Frau, die ich bei Bäcker traf, begrüßte mich überschwänglich. Ich habe mittlerweile gelernt, im gleichen Tonfall etwas Belangloses wie "ach, das ist aber lange her..." zu sagen und auch auf die übergriffige Frage zu antworten, dass ich das Nähen immer noch toll und bereichernd finde. Sie antwortete, dass sie ja doch niemals so zufrieden war wie mit Kaufklamotten (mit ihrer Figur und ihrem Geldbeutel auch sicherlich nachvollziehbar) und klippklapp ging ihr Portemonnai auf und ich bekam noch ein Foto ihrer wohlgeratenen Kinder mit Schultüte präsentiert. Fehlte nur noch eine Bemerkung, welchen Karriereschritt ihr Mann gerade getan hat, aber stattdessen betonte sie, wie viel sie nun arbeite. Ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern oder mir vorstellen, welchen Beruf sie wohl ausüben könnte.

Ich sagte nichts zu dieser Selbstdarstellungsnummer und auch nichts weiter über mich - ich kam sowieso nicht wirklich zu Wort. Schon komisch, wo ich doch sonst nicht auf den Mund gefallen bin. Aber ich ärgere mich, dass mich so eine Begegnung immer noch aufregt. Sollte ich nicht mittlerweile etwas cooler sein und gelassen darüber stehen, dass es auch andere Frauen gibt? Warum muß ich mich trotz allem vergleichen?

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen