Freitag, April 19, 2013

Ein Jahr später

Manchmal vermisse ich mein kleines, altes Blog (und weiß noch nicht mal, ob ich lieber der oder das Blog sage). Gestern, als ich auf der tirili-Lesung war, wurde mir ein wenig traurig ums Herz, ob der Vernachlässigung. Auf meinem DIY-Blog habe ich weit größere BesucherInnenzahlen und bin gut vernetzt. In dieser "Szene" bin ich angekommen. Dieser Blog war immer der Blog der kleinen Nische. Keine Ahnung, ob überhaupt noch jemand liest, was ich hier schreibe. Ich weiß auch nicht, ob das wichtig ist.

Das Vermissen fällt mir schon seit ein paar Wochen auf. Auf dem DIY-Blog würde ich gerne substanzieller schreiben. Bessere Texte, bewegender, persönlicher. Mir geht es schließlich nicht ums Zeigen und Protzen. Mir geht es ums Schreiben, ums Bewegen. Ich möchte mich bewegen und es freut mich, wenn sich auch in anderen etwas bewegt, weil ihnen meine Gedanken gefallen. Aber weil ich dort Fotos zeige und weil es dort so wahnsinnig viele LeserInnen sind, bin ich ein wenig schüchtern geworden. Die ganzen Irrungen und Wirrungen im "echten Leben" der letzten Wochen und Monate, sorgten auch nicht für die nötige Ruhe, um "gute Texte" zu schreiben. Die Fokusierung auf das DIY Thema hat den immensen Vorteil, dass irgendwie klar ist, worüber ich schreibe. Dann, wenn ich die Grenzen überschreite, könnte es interessant werden, aber ich bin nicht sicher, ob ich das will, denn gerade das scheinbar einfache, die Konzentration auf ein Thema gefällt mir "dort drüben".

Vielleicht ist dieses kleine Blog auch ein kleines Blog, weil ich so in den Jahren, in denen es existiert, eigentlich immer nur um mich kreise. Die großen Blogs, die berühmten A-Blogger, geben ihren Kommentar zur Welt ab. Das interessiert mich nur am Rande, gerade, seit dem ich Mutter bin, ist mein Horizont sowieso noch enger geworden. Mich interessiert, was andere über die Welt denken, aber manchmal gehen meine Gedanken nicht weiter, da lohnt es sich nicht, noch einmal das Gleiche in eigenen Worten zu schreiben. Also bleibe ich bei mir und kreise um meine Welt. Ob das jetzt für andere von Interesse ist? Keine Ahnung.

Gestern auf der Lesung sah ich Gesichter, die ich kannte. Seit mehr als 15 Jahren bewege ich mich nun in meinen Nischen des Internets, da bleibt es nicht aus, dass man sich wieder begegnet. Leider wußte ich nicht mehr, wann und in welchem Zusammenhang ich diese Menschen schon mal gesehen habe. Wahrscheinlich war es sowieso nur aus der Ferne - auch ein merkwürdiges Blogphänomen: diese berühmten Blogs werden von vielen gelesen und der Promistatus verhindert Begegnung - zumindest in den Augen der "Fans". Ich beobachte dann diejenigen, die sich schon länger kennen und bin so schüchtern, wie ein Mädchen auf dem Schulhof. Kennen wir uns? Nein, ich glaube nicht.

Fast 10 Jahre existiert dieses Blog. In den letzten Jahren habe ich hier sehr wenig geschrieben. Als ich zum 10jährigen Blogjubiläum des Haltungsturners hier meine Texte noch einmal las, fand ich allerdings vieles - für mich - noch aktuell. Dieses peinliche Gefühl, dass sich einstellt, wenn man ein Tagebuch aus Teeniezeiten liest, trat glücklicherweise nicht auf! Dass dieses Blog noch im Internet steht, ist ein Beweis dafür, dass ich schon 10 Jahre dabei bin. Ein alter Bloghase. Achja damals, das Chatten, die Brandeins-Mailingliste, die Blogs.

Wie jedes Jahr fahre ich nicht auf die republica. Ich habe wenig Lust, mich wie das einsame Schulhofmädchen zu fühlen und die bekannten Gesichter nur neugierig von Weitem zu beobachten. Letztes Jahr hatte ich Hemmungen, weil ich das Gefühl hatte, auf Fragen zu antworten zu können "ich schreibe ein DIY-Blog" und erwartete abschätzige Blicke. Dieses Jahr haben wir uns mit einem DIY-Thema für die republica beworben und wurden abgelehnt. Die Tiefe unserer Auseinandersetzung mit der DIY-Blogszene war nicht gewünscht oder wurde nicht verstanden, ein oberflächlicherer Beitrag zum Thema wird auf der republica gehalten. Ich bin auf das Video gespannt. Ein wenig gekränkt, sagte ich mir die Teilnahme ab. Sooo wichtig ist das dann doch nicht. Keine Lust auf doofe Schulhofgefühle, obwohl es mich auch traurig macht, nicht zu den alten Bloghasen dazu zu gehören, obwohl ich doch ein altes Häschen bin.

Das "nicht dazu gehören" zieht sich durch mein Leben. Ich bin eine Reisende. Ich verlasse Projekte zu voreilig, bevor ich Ruhm Anerkennung dafür bekomme. Wenn ich etwas verstanden habe, wenn ich etwas gut kann, beginne ich mich zu langweilen und dann werde ich Feuer und Flamme für ein neues Thema und ziehe weiter. Das führt dazu, dass ich niemals Spezialistin in einem Thema geworden bin, dafür aber ein breites Wissen habe, viele Leute vom Sehen kenne, aber niemals wirklich verankert in einer Szene gewesen bin. Dabei bin ich eine treue Freundin und halte und pflege den Kontakt zu den Personen, die mir aus vergangenen Zeiten noch wichtig bin. Aber ich bin diejenige, die weggegangen ist und wenn ich mich nicht melde, gerate ich in Vergessenheit. Ich bin diejenige, die die alten Blogs immer noch liest und ein wenig traurig darüber bin, wenn ich auf twitter nicht von denjenigen gefolgt werde, die ich seit Jahren begleite.

Im DIY-Bereich ist zum ersten Mal etwas Neues geschehen. Für meine Verhältnisse treibe ich mich schon sehr lange dort herum und habe auch einen gewissen Promi-Status erreicht. Und noch ist mir das Thema nicht langweilig. Ich nähe nach wie vor gerne und finde es sehr reizvoll, meine Garderobe an mein Selbstbild anzupassen. Dabei genieße ich das Lernen und den handwerklichen Fortschritt aber auch das Ausprobieren, wer ich eigentlich bin. Jetzt bleibt die Frage, ob ich, damit mir im DIY-Bereich nicht langweilig wird, dort noch mehr reflektieren, um mich kreisen und denken soll, ob ich den Wunsch nach guten Texten dort weiter ausleben soll, mit dem Risiko mehr und mehr und mehr von mir zu zeigen. Oder ob es dieses kleine Blog braucht, als Ergänzung. Ob ich meine Ressourcen einteilen sollte und mir wieder etwas mehr Zeit gönnen sollte, mich den "Wundern" zu widmen, um mich selbst nicht zu verlieren. Ich habe eine Sehnsucht, nach guten Texten; wohlwissend, dass diese nicht auf Kommando kommen. Aber das einzige was hilft, ist einfach zu beginnen. Dieser Post in ein Anfang, ein Versuch, von was auch immer. Mal sehen, wie es weitergehen wird.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen