Mittwoch, September 29, 2010

Erst nachdenken und dann...

.... erst aussprechen.

Die Lektion gab es gestern und heute mehrfach vom Kleinen. Er ist derzeit so mitfühlend und sensibel. Man muß wirklich aufpassen, was er sagt.

Gestern rutschte mir heraus "Wenn du die Birne nicht isst, wird Oma aber traurig sein. Sie hat sie extra für dich mitgebracht." Er wird ganz ruhig. Er bleibt auffallend ruhig. Ein Stück Birne in der Hand bewegungslos. Ganz langsam schiebt sich die Unterlippe hervor und fängt fast unmerklich an zu zittern. Erst da bemerke ich, was ich angerichtet habe. Dabei wollte ich doch nur, dass er auch was Gesundes isst, statt immer nur Kohlenhydrate und dass wir endlich endlich  fertig mit Abendessen werden...

"Was ist denn los?" frage ich. Seine Antwort. "Auch traurig", sagt er und führt die Birne zaghaft zum Mund, beißt ein klitzekleines Stück ab. Der Gesichtsausdruck wird immer verzweifelter.

Wir haben ihm dann erklärt, dass er nicht essen muß, wenn er nicht mag und dass das doof war, was Mama sagte und schlussendlich dann die Oma angerufen, die versicherte wirklich nicht traurig zu sein.

Immer wieder passiert mir das, dass ich ihn so unendlich verunsichere. Heute stand er auf dem Esstisch, ich sah ihn schon auf den rutschigen Platzset schliddern, sich an meinem teuersten Möbelstück, meiner  heiligen Lieblingslampe festhalten, Papas Digitalspiegelreflex aus dem Regal zu reißen und auf Macbook fallen.... "Was machst du da?" Sagte ich laut. "Ich will das nicht! Nein, nein, nein". Kind setzt sich auf den Teppich und ist ganz still. Er weint nicht. Er sitzt nur da. Ich verlasse den Raum, um mich weiter abzutrocknen und anzuziehen. Es ist verdächtig still, da sollte ich nochmal im Wohnzimmer schaun, was er gerade für einen Unfug macht. Er sitzt immer noch still auf dem Teppich. Regungslos, nur die Unterlippe zittert. Erst schob er mich weg, dann durfte ich ihn nach ein paar Minuten doch umarmen. Nach einem Kuss und einer Entschuldigung für die laute Reaktion meinerseits, durfte ich ihm erklären, warum ich das so doof fand.

Erwachsene "stecken mehr weg". Denken wir oft. Aber wie oft übersehen wir zarte Kinderseelen in großen Erwachsenenkörpern, deren Unterlippe zittert, weil wir gerade Mist geredet haben. Zumindest mir geht das so.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen