Sonntag, November 28, 2010

Was passiert mit den Büchern

Spannender Text zum Nochmallesen von Kathrin Passig "Das Buch als Geldbäumchen". Ich muß mich mal beobachten, wie das bei mir und den Büchern ist. An einer Stelle fühle ich mich ertappt. Der letzte Umzug ist auch schon fast 5 Jahre her und es stimmt, seit dem stehen die Bücher nicht mehr geordnet im Regal!

Freitag, November 19, 2010

achtsam schön von hinten

"wie soll isch, wie soll isch, wie soll isch misch nach dir sehnen, wenn du stets, wenn du stets, wenn du stets bei mir bist?" sang die hysterische Elternselbsthilfegruppe, abgeschobenen in einem Raum der Kita, während sich die Kinder freudig eingewöhnten. ("Schön von Hinten" von Stereo Total)

Es fällt mir wirklich schwer zu akzeptieren, dass der Kleine fortan eine Welt hat, von der ich wenig weiß. Schließlich sind die Antworten auf die Fragen "Na, was habt ihr heute so gemacht", doch sehr begrenzt. Niemals dachte ich, dass ich zu solcher Nähe fähig wäre und jetzt kann ich mich kaum trennen - wohlwissend, dass man es nicht Quality-time nennen muß, um das doch wesentlich freudigere Miteinander, dass durch Vermissen entsteht, genießen zu können.

Ich bemühe mich, ganz früh aufzustehen, um in Ruhe zum Kindergarten gehen zu können, statt zu hetzen. Der Tagesanfang wäre sonst unerträglich. Ich bin, wenn wir die Ruhe haben, ganz entzückt, welche wunderbaren Einfälle der Kleine an den Tag legt. Jeden Tag sucht er einen Stock und jeden Tag spielt er etwas anderes damit: Tierpfleger, der die Kuhkacka wegmacht, Drachen steigen lassen, "stauben" (staubsaugen)... und heute war der Stock, der eher einem Reisigbesen glich eine Krake. Ob ich es durchhalte, für Achtsamkeit früh aufzustehen?

Donnerstag, Oktober 14, 2010

eins mehr

Seit gestern habe ich ein Kind mehr. Nach etlichen Spielplatzstreitereien kaufte ich dem Kleinen einen Puppenbuggy. Er liebt ihn. Aber seit dem liebt er seine Puppe auch. Sie muß ALLES mitmachen. Wenn der Puppenpapa nicht mehr weiter weiß, nicht mehr weiter kann oder schlichtweg keine Lust mehr hat, muß Mama ran z.B. minutenlang trösten, nachdem sie vom Wickeltisch gefallen ist (als ich aufm Klo saß). Erst, als ich dann noch zwei Lieder für die Puppe sang, "hörte sie auf zu weinen". Ich fühle mich etwas genötigt. Aber süß isses.

Dienstag, Oktober 05, 2010

Ach...

Gestern abend war ich ungefähr 5 Stunden in einer kalten Kirche, um mit meinem Chor ein Konzert zu geben. Das war vielleicht ätzend, nicht nur wegen der Kälte. Ich saß da und fragte mich, was ich überhaupt hier mache. Viel lieber wäre ich bei Mann und Kind gewesen. Und überhaupt ist es eine Zumutung, Leute zu stundenlangem Geträller von Laienchören zu schleppen. Singen macht ja Spaß, aber zuhören...

Heute hatte ich einen ausgesprochen schönen Tag mit dem Kleinen. Ich war gar nicht genervt, auch nicht beim stundenlangen Lego-auf-dem-Boden-spielen. Wird Zeit, dass die Kita beginnt und ich ihn öfters vermisse.

Mittwoch, September 29, 2010

Erst nachdenken und dann...

.... erst aussprechen.

Die Lektion gab es gestern und heute mehrfach vom Kleinen. Er ist derzeit so mitfühlend und sensibel. Man muß wirklich aufpassen, was er sagt.

Gestern rutschte mir heraus "Wenn du die Birne nicht isst, wird Oma aber traurig sein. Sie hat sie extra für dich mitgebracht." Er wird ganz ruhig. Er bleibt auffallend ruhig. Ein Stück Birne in der Hand bewegungslos. Ganz langsam schiebt sich die Unterlippe hervor und fängt fast unmerklich an zu zittern. Erst da bemerke ich, was ich angerichtet habe. Dabei wollte ich doch nur, dass er auch was Gesundes isst, statt immer nur Kohlenhydrate und dass wir endlich endlich  fertig mit Abendessen werden...

"Was ist denn los?" frage ich. Seine Antwort. "Auch traurig", sagt er und führt die Birne zaghaft zum Mund, beißt ein klitzekleines Stück ab. Der Gesichtsausdruck wird immer verzweifelter.

Wir haben ihm dann erklärt, dass er nicht essen muß, wenn er nicht mag und dass das doof war, was Mama sagte und schlussendlich dann die Oma angerufen, die versicherte wirklich nicht traurig zu sein.

Immer wieder passiert mir das, dass ich ihn so unendlich verunsichere. Heute stand er auf dem Esstisch, ich sah ihn schon auf den rutschigen Platzset schliddern, sich an meinem teuersten Möbelstück, meiner  heiligen Lieblingslampe festhalten, Papas Digitalspiegelreflex aus dem Regal zu reißen und auf Macbook fallen.... "Was machst du da?" Sagte ich laut. "Ich will das nicht! Nein, nein, nein". Kind setzt sich auf den Teppich und ist ganz still. Er weint nicht. Er sitzt nur da. Ich verlasse den Raum, um mich weiter abzutrocknen und anzuziehen. Es ist verdächtig still, da sollte ich nochmal im Wohnzimmer schaun, was er gerade für einen Unfug macht. Er sitzt immer noch still auf dem Teppich. Regungslos, nur die Unterlippe zittert. Erst schob er mich weg, dann durfte ich ihn nach ein paar Minuten doch umarmen. Nach einem Kuss und einer Entschuldigung für die laute Reaktion meinerseits, durfte ich ihm erklären, warum ich das so doof fand.

Erwachsene "stecken mehr weg". Denken wir oft. Aber wie oft übersehen wir zarte Kinderseelen in großen Erwachsenenkörpern, deren Unterlippe zittert, weil wir gerade Mist geredet haben. Zumindest mir geht das so.

Dienstag, September 28, 2010

Einfach nur...

... aussprechen.

Manchmal habe ich das Gefühl, man muß das böse Wort "Depression" nur aussprechen, um ihm die Stirne zu zeigen. Es ist auf jeden Fall jetzt wieder besser.

In dem Buch, das ich gerade lese, wird auch das bedachte Aussprechen auch empfolen.

"Gebet ist die Beziehung: die Hälfte der Arbeit muss ich erledigen. Wenn ich eine Veränderung wünsche, aber nicht einmal in Worte fassen will, wie ich mir diese Veränderung konkret vorstelle, wie soll ich das Gewünschte dann jemals bekommen?" Der halbe Nutzen des Gebetes liegt im Bitten selbst in der Äußerung einer klar formulierten und wohl überlegten Absicht. Wenn wir das nicht schaffen, sind all unsere Bitten und wünsche schlaff und träge, winden sich wie ein kalter neben um unsere Füße, ohne sich zu erheben."

Und etwas vorher wird der wunderbare italienische Witz erzählt

Ein alter Mann geht jeden Tag in die Kirche und bitte eine Statue "Bitte, bitte bitte, lieber Heiliger, schenk mir doch die Gnade, in der Lotterie zu gewinnen." Dieses Gejammer zieht sich über Monate hin. Schließlich wird die Statue lebendig, blickt auf den bettelnden Mann hinunter und sagt verärgert: "Mein Sohn, kauf dir doch - bitte, bitte, bitte - ein Los."

zitiert aus "Eat, Pray, Love" von Elisabeth Gilbert

In mir rumort es völlig konfus. Keine Ahnung, ob aus dem, worüber ich gerade nachdenke, eine Buchidee oder neue Beratung wird. Aber ich habe wieder Herzklopfen und das ist es, worauf es ankommt. Erst, wenn ich mich für etwas begeistere, wenn ich energetisch aufgeladen werde, wenn ich neue Menschen treffe, die mich bezaubern und Gespräche führe, die mich anregen, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Das, was mich kribbeln ließ, hat bisher immer gute Sachen gebracht. Und wenn es nicht direkt Erfolge zeigte, hat das Kribbeln wenigstens gut getan.

Und - wie hier gewünscht - nen Auftrag für ne Kolummne, nächstes Jahr 4 Stück, habe ich auch. Einfach so. Hach, toll!

Freitag, September 24, 2010

Veränderungen stehen an

Ich habe Angst vor der Zeit, die bald kommt. Alle sagen, dass das normal wäre. Aber es ist trotzdem Angst. Diese äußert sich in einer leichten Depression und ziemlichen Beklemmungen.

Der Kleine kommt zum 1. November in die Kita und freut sich darauf. Ich freue mich, dass sich alles so wunderbar ergeben hat. So hatte ich es mir gewünscht. Ich wollte ein Kind erst fremdbetreuen lassen, wenn es für alle gut ist und so ist es jetzt. Wir haben einen Platz in der neuen Kita von "unserem Guru", der Kleine freut sich und kann es kaum erwarten und ich denke, dass der Zeitpunkt jetzt genau der richtige ist. Er liebt es, mit Kindern zusammen zu sein und ich denke so oft, dass eine Person einfach zu wenig ist, um ein Kind (maßgeblich) zu erziehen. Wenn wir aneinanderrasseln, dann erkenne ich die Grenzen meiner Konfliktfähigkeit und es tut mir leid, wenn ich ihn genervt durch einen Tag voller Wunder (so ist das Leben für Kinder) begleite und ihm und mir mit meinen erwachsenen Maßstäben wie "pünktlich sein" oder "sauber sein", die Freude verderbe.

Also theoretisch ist alles gut. Aber die Kita ist so teuer und ich weiß wirklich nicht, womit ich in nächster Zeit Geld verdienen kann und will. Ich fühle mich so leer. Es gibt weder großartige Ideen noch Begeisterung. Mein wundervoller Mann macht mir keinen Druck aber ich mache ihn mir selbst.

Jetzt versuche ich einen Deal mit mir zu machen: November Eingewöhung (die in dieser wundervollen Kita "Kennenlernzeit" heißt, Dezember "Wellness für mich, um wieder zu mir zu finden", zwei Wochen Weihnachtsferien und dann gehts los. Ich weiß, dass 4 Wochen nicht reichen werden, um wieder Alte zu sein, so ein ganz normaler erwachsener berufstätiger Mensch. Ich weiß auch, dass es illusorisch ist anzunehmen, dass ich am 2. Januar konkrete Projekte habe und dann einfach loslege. Aber wenn ich so denke, dann ist es irgendwie überschaubarer.

Alter

Vorgestern abend, als ich auf dem Weg zum Treff der schönen Mütter war, dachte ich darüber nach, ob wohl bei allen Menschen in den 40ern die Zipperlein so präsent sind, dass sie im Mittelpunkt des Lebens und der Gespräche stehen müssen. Uns lähmen sie sehr. Mich nerven sie sehr.

Und plums - lag ich auf dem Boden. Aufgeschrammte Knie und ein verknackstes Handgelenk.

Das erschien mir wie eine sehr deutliche Nachricht aus dem Universum. Doch leider habe ich sie nicht verstanden.

Der Abend mit den schönen Müttern war aber sehr schön und wie immer war ich hoch beglückt, dass ich so nette Frauen kenne.

Montag, Juli 19, 2010

Amtsmüde

Was ist denn das für ein Wort und für eine Unsitte? Ich verstehe ja, dass man genervt sein kann, keine Lust mehr hat, keine neuen Ideen oder auch kaum noch Kraft. Aber ein Amt ist ein Amt. Und dafür gibt es Legislaturperioden. Wer sich wählen lässt, der weiß wofür und wie lange. Ich finde, dann kneift man verdammt noch mal die Arschbacken zusammen und macht seinen Job. Was für eine Frechheit, dass der Bundespräsident und der hamburger Bürgermeister einfach abdanken. Egal, was für Begründungen genannt werden. Ich finde es schwach und ärgerlich.

Dienstag, Juli 13, 2010

neue Berufe und alte Freunde

Zwei nette Gesprächspartner in Frankfurt, zwei neue Ideen. Noch hat mich die Arbeitswut ja noch nicht wirklich wieder:

1. Kolumnen schreiben. Ja, den Plan hatte ich schon mal zu berühmteren Zeiten und mich nicht getraut. Noch mal nen Anlauf und jetzt wirklich? Wäre schon toll, zu schreiben, was mich bewegt mit festem Abgabetermin und Kohle dafür. Wie man wohl an so nen Auftrag rankommt?

2. Stadtführerin. Mal wieder was neues Lernen und dafür Applaus bekommen. Das sind eigentlich Sachen, die schon zu mir passen. Das Rumlaufen wäre das, was mich am ehesten daran stört. 40 Leute und 10 Euro pro Person ohne Quittung sind natürlich schon ne feine Sache. Und was ist, wenns regnet? Und wenn nur 3 kommen? Und überhaupt, wie macht man das bekannt. Aber Sonntags vormittags mal was unternehmen und dann dafür Applaus bekommen. Könnte man schon mal überlegen.

Jedenfalls waren wir uns alle einig, dass man nur Romane schreiben sollte, wenn sie so gut werden, wie die Korrekturen. Darunter gehts einfach nicht. Also dann doch erstmal wieder nen Klugscheißersachbuch oder eben was ganz anderes machen.

Und das, was ich eigentlich alle Nase lang schreiben könnte. Hach, macht mich das glücklich, tolle Menschen zu meinen Freunden zählen zu können. Was macht mich das glücklich, wenn Gespräche inspirieren sind. Ich brauche das, wie die Luft zum Leben und sollte mich wieder mehr darum kümmern.

Und was mir noch aufgefallen ist: ich lerne nur noch tolle Frauen kenne. Das ist wohl normal, ehrbar und vernünftig, wenn man verheiratet ist. Aber irgendwie schade ist es schon, wenn männliche, kluge Neuzugänge nur über den Gatten kommen. Glücklicherweise gibts ja noch nen paar alte Gute. Und zum Glück sind gute Frauen eine nachwachsende Ressource in meinem Leben. Meine Oma nannte das eine "Gabe". Da hat sie wohl recht.

Mittwoch, Juni 23, 2010

Lieblingsessen

Es kommt hin und wieder vor, aber nicht all zu oft. Gerade an einem Tag, wo wir uns die ganze Zeit - völlig übermüdet beiderseits - in den Haaren liegt, rührt es besonders, wenn der Sohn das Kinderlieblingsessen meines Bruders und mein zweit oder drittliebstes als Kind "Reis-mit-Thunfisch-und-Senfsoße" mit einem Klopfen auf die Brust, einem herzzerreißendem Blick und einem "Mami, meckt lecker" goutiert.

Habe ich schon erwähnt, dass er jetzt ganz viel singt. Ich schmelze mehrfach täglich dahin.

Dienstag, Mai 11, 2010

soo schön

Am Samstag hatte ich einen freien Tag. Wie ich diese Tage liebe, wenn der Mann mit dem Sohn den ganzen Tag unterwegs ist. Ich könnte sie noch öfter haben, als alle zwei Monate... Freitags hatte ich schon alles Lästige erledigt, also hatte ich den ganzen Samstag Zeit für mich. Vormittags nähen, nachmittags Flohmarkt und Buschimuschi kaufen (so heißt doch dieser Modeschmuckladen *g*).

Das Nähen war ganz bezaubernd, auch wenn ich 1. nicht fertig wurde und 2. wieder genau das gleiche Problem mit den Ärmeln an meiner zweiten Probetunika hatte, wie an der ersten. Was mir aber besonders gut gefallen hat, war folgendes: Ich nähte zunächst alle Nähte (die Seitennähte und die Wienernähte) mit großzügiger Nahtzugabe großzügig zusammen. Und dann steckte ich und nähte Schritt für Schritt engere Nähte. Ich malte sozusagen mit den Nähten auf dem Stoff herum, bis Brust, Rücken und Taille passten. Auch wenn es mehr Arbeitsgänge waren, als wenn mir jemand beim Abstecken geholfen hätte, so fand ich es irgendwie poetisch.

Mittwoch, Mai 05, 2010

Mehr sehen

Seit ein paar Tagen fällt es mir auf und beglückt mich: ich gehe wieder wach und interessiert durch die Welt. Seit dem ich nähe, kann ich kaum aufhören zu schauen: Kleidungsstücke im Detail, Farbkombinationen an Mensch und Natur, Proportionen. Überall gibt es Interessantes zu sehen. Ich kann mich kaum sattsehen. Selbst Bussfahren ist wieder spannend. Wie schön, wieder da zu sein!

Freitag, April 30, 2010

wunderbar

Ganz wunderbar ist es, wenn der 20 Monate alte Sohn das Anziehen eines Rockes/Kleides oder einer Kette mit dem entsprechendem Blick und "schick!" kommentiert.

Mittwoch, März 24, 2010

Ätzend

An den Zähnen erkennt man, wer Geld hat und wer nicht. Ich habe wenig Geld und hoffe immer, dass man es nicht sieht. Bisher wurde ich von größeren Sachen verschont und wußte nicht mal, dass ich damals, zum Studententarif, sogar zwei Krönchen bekommen hatte. Jetzt diese größere Sache. Seit Wochen habe ich ständig Notfalltermine beim Zahnarzt. Der verflixte Zahn wird aufgebort, gespült, Medikament rein. Dauernd Schmerzmittel und letzte Woche Antibiotikum. Immer noch nicht besser. Wenns nach der heutigen Behandlung nicht besser wird, dann muß er raus. Und dann kommen die Kosten - auf die Leute zu, die es sich leisten können, keine Lücke stehen zu lassen. Wie gut, dass ich heute die Abrechung für Buch1 im Briefkasten hatte. Meine kleine "Rente". Das müsste reichen...Puh!

Dienstag, März 23, 2010

Flow mal wieder - endlich

Hach, es geht aufwärts. Der Frühling ist auf dem Weg und das fühlt sich gut an. Die letzten Tage auf dem Spielplatz waren schön. Ein bißchen kam das vermisste schöne Gefühl vom letzten Sommer wieder auf, als wir fast jeden Tag mit "der Gang" aus Müttern und Kindern verbrachten und die letzten Augusttage genossen, bevor die anderen Kinder in die Kita kamen. Erst jetzt merke ich, wie einsam ich im Herbst und Winter war.

Aber der Superflow kam in den letzten Wochen vom Nähen. Als Teenie habe ich genäht. Sehr unordentlich und wenig wurde fertig. Ganz spontan meldete ich mich im Januar zu einem Nähkurs in der Elternschule an. Und es war toll! Es hat so riesen Spaß gemacht, sich stundenlang auf etwas zu konzentrieren, sich ganz viel Mühe zu geben, für die Sorgfalt gelobt und für das Ergebnis bewundert zu werden. Hach! Außerdem machte es mich glücklich, dass so viele nette Frauen in dem Kurs waren. In den Wochen davor hatte ich schon an mir gezweifelt. Ich hatte wie verrückt versucht, andere Muddis kennenzulernen, die ihre Kinder auch noch nicht in der Kita haben und fand alle, wirklich alle, doof. Ich dachte schon, es läge an mir, dass ich alle doof fände. Manchmal ist man ja selbst doof drauf und findet deswegen alle anderen merkwürdig. Aber daran lag es nicht. Die einen waren wirklich doof und die aus dem Nähkurs sind tolle Frauen. Juchhu, endlich wieder tolle Frauen. Es ist so wunderbar, etwas gemeinsam mit tollen Frauen zu machen. Wie habe ich das vermisst. Und das Nähen geht weiter. Jeden Freitag treffen wir uns nun in der Elternschule zum gemeinsamen Nähen, erzählen, lachen und weinen. Viel Auftrennen gehört da wohl dazu, denn die Konzentration lässt manchmal zu wünschen übrig. Aber schön ist es!

Freitag, Februar 19, 2010

Qualität

"Wenn sie bei uns Patientin werden wollen," sagte die Zahnärztin, "dann müssen sie jeden Tag Zahnseide benutzen". Ab gesehen davon, dass ich gerade den Mund voller Blut hatte und mir die Tränen vor Schmerzen über die Wange liefen, war ich doch schwer beeindruckt und nehme nun tatsächlich Zahnseide.

Was mir daran besonders gefällt: ist es nicht spannend, Kunden Bedingungen zu stellen und somit die eigene Leistung noch kostbarer darzustellen? Darüber muß ich noch ein bißchen nachdenken. Bisher bin ich so ein Denken gar nicht gewöhnt, denn schließlich bin ich eine Frau - also gewöhnt, mein Licht etwas unter den Scheffel zu stellen und die eigene Leistung als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Und ist es nicht fantastisch, den Kunden eine Aufgabe zu geben, deren Ergebnis kontrollierbar ist und bei dem sie täglich an mich denken.

Freitag, Februar 05, 2010

Das macht Hoffnung

Natürlich hatte ich die älteren Leutchen öfters gesehen, wenn sie die Blätter zusammen kehrten. Geschäftig eilte ich an ihnen vorbei, ein wenig peinlich berührt. Aber ich war doch Mieterin, das machen doch die, die wir dafür bezahlen und überhaupt, das Laub stört doch gar nicht. (Wenn, dann nur die Laubbläser.)

Aber als wir die älteren Leutchen Schnee schippen sahen, mußten wir aus die Schaufel leihen und es auch tun. Erst der Gatte, dann auch ich. Und als ich schippte, traf ich die anderen jungen Nachbarn. Und wenige Tage später schippten sie auch.

Also können Vorbilder doch wirken und das Gute in die Welt bringen.

Dienstag, Januar 26, 2010

Für und Wider immer wieder

Es ist so absurd, denn es ist nur ein Chor. Nur ein Freizeitvergnügen. Dabei sollte es doch vor allen Dingen vergnüglich sein. Ich weiß gar nicht so genau, warum es mich so aufwühlt.

In Chor A singe ich seit 2001 - obwohl ich immer wieder unzufrieden bin. Er ist mir ein bißchen zu sehr "Spaßchor". Ich gehöre zu den Besten und bin oft gelangweilt, dass sich Proben wie Kaugummi ziehen und ich so selten gefordert werde. Ich mag die Lieder, die Arrangements, den Chorleiter. Ich mag auch das Trinken-gehen nach den Proben. Es ist schön, einen festen Wochentag mit Programm zu haben.

Chor B ist anspruchsvoller. Ich war bei einer "Audition" und wurde nur mit einem "Naja" genommen. Ich vereinbarte eine Probezeit auf Gegenseitigkeit. So recht geheuer war mir der Chor nie. Die Arrangements oft ein wenig zu kunstvoll, die Menschen etwas zu sehr motiviert. Doch die Herausforderung reizt. Mal wieder was lernen, üben müssen, sich anstrengen müssen. Mit Menschen zusammen sein, die richtig Musik machen wollen.

Am Abend des Vorsingens schon ein Hin und Her-Gefühl. Soll ich vorsingen oder nicht. Na egal, ich machs einfach. Dann zwischen den Jahren ein starkes Gefühl, Nein sagen zu wollen. Merkwürdigerweise versagte mich zwei Tage nach der Audition die Stimme. Statt mich auf die Probezeit vorzubereiten, schwieg ich. Aber es lag nicht nur daran, dass ich die Noten nicht herausholte. So richtig motiviert war ich auch nicht. Die eine Probe an der ich teilnahm, machte Spaß, die andere nicht. Was blieb war das Gefühl, nicht neben den Strebern stehen zu wollen. Ob ich mit diesen Leuten klar komme?

Und dann das blöde Gefühl, Chor A nicht im Stich lassen zu wollen. Was wäre, wenn ich ginge. Gäbe es dann den Tenor noch? Und warum fällt es mir so schwer, einfach etwas zu ändern, obwohl ich schon lange nicht richtig zufrieden bin? Was macht mich so treu gegenüber diesem Chor?

Und jetzt sagt der Bauch ein klares Nein zur Alternative B. Und trotzdem komme ich mir vor, als hätte ich versagt, als würde ich kneifen. Ja, Chor B wäre eine Herausforderung. Da müsste ich was für tun und müsste mich auch benehmen. Ich haben wohl auch ein wenig Angst, zu versagen. Aber es soll doch ein Vergnügen sein?

Warum mache ich es mir mit der Entscheidung zu schwer? Nur mit dieser? Vielleicht ist auch etwas ganz anderes dran?

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen