Donnerstag, November 15, 2007

Gitte

Jetzt leb ich jeden Tag aus,
jetzt trink ich jedes Glas leer
ich will nicht viel,
ich will mehr
jetzt bin ich frei und will alles

Immer wieder hatte ich in den letzten Wochen ein Konzertplakat von "Gitte" gesehen und an meine Mutter gedacht. Weil sie, also meine Mutter, heute Geburtstag hat, schreibe ich meine Gedanken dazu, die mich jedes Mal zum Lächeln brachten, auf.

Ich lerne Spanisch und Bridge,
ich spiele Schach und Klavier
Ich kämpf gewinn und verlier und gebe nicht auf
ich will alles

Ich weiß nicht, ob meine Erinnerung exakt stimmt, aber mir ist, als hätte meine Mutter zu ihrem 40. diese Langspielplatte geschenkt bekommen. Fortan tönte regelmäßig "Ich will alles" und "Ich bin stark" durch die Wohnung. Ich bin sicher, mein Vater und mein Bruder können ebenso wie ich die Texte auswendig. Vielleicht können wir sie nicht frei zitieren, aber mitgrölen könnten wir alle ganz sicher.

Ich sage nie mehr vielleicht,
ich schrei hinaus, was ich fiühl
Und setzte alles aufs Spiel
Ich will mehr
ich will mehr
ich will alles


Vielleicht war 40 das Alter, in dem meine Mutter einen Emanzipationsschub bekam. Irgendwann um diese Zeit, fing sie wieder an Teilzeit zu arbeiten, lernte in der Abendschule einen neuen Beruf und startete noch mal durch. Für uns Kinder bedeutete das damals vor allen Dingen "Büroreis" (gelb, indisch und mit Rosinen, morgens aufgesetzt und dank Timer zum richtigen Zeitpunkt fertig) und ekelhafte Frühlingsrollen (außen verbrannt und innen gefroren), statt leckerem, selbst gekochtem Mittagessen. Und eben Gitte. Heute bin ich stolz darauf, was sie alles auf die Beine stellte.

Nie mehr bescheiden und stumm
Nie mehr betrogen und dumm
Nein - Ich will alles,
Ich will alles - und zwar sofort
ehe der letzte Traum in mir zu Staub verdorrt
Ich will leben,
will mich geben
so wie ich bin
und was mich kaputt macht nehme ich nicht mehr hin

Wie anders ist doch mein Leben! Nächstes Jahr werde ich 40 und es gibt nichts, von dem ich mich emanzipieren könnte, wollte oder müsste. Als meine Mutter 40 wurde, waren wir 15 und 11 - ich bastele gerade ein Kind und hoffe, dass ich dazu noch nicht zu alt bin. Ich bin weit gereist, habe schon verschiedene Berufe ausprobiert. Alles ist anders. Und doch berührt mich Gitte, wenn ich an ihre Texte denke.

Niemand speit mich ab, niemand macht mich satt
Zu lang hab ich verzichtet und mich selber klein gemacht
Ich will alles
ich will alles
Sperr mich nicht ein, ich will nie mehr zu früh zufrieden sein

Ich baue Mauern aus Licht,
ich mache Wasser zu Wein
Ich fang den Augenblick ein,
denn ich bin frei und will alles

Auch wenn ich mich nicht emanzipieren muß, so ist mein Leben doch stark davon geprägt, immer wieder auf der Suche nach dem eigenen Weg zu sein. Das ist manchmal gar nicht so leicht, denn bei mir ist es stets ein "hin zu etwas". Manchmal denke ich ein "weg von" gäbe einem wenigstens den Impuls und eine vorbestimmte Richtung, weil wenigstens eine Option schon mal ausgeschlossen ist. Aber egal, ich behalte mir vor, einfach loszulaufen und die Richtung zu ändern, wenn sie mir nicht passt. So empfinde ich ein bewusstest Leben mit einer Haltung, das letztlich Sinn schafft. Und genau das will ich meinen Klientinnen und Leserinnen vermitteln. Ein bisschen wie Gitte.

Ich will kein Zuschauer sein,
ich möchte selber was tun und immer wissen warum
Ich geb nicht nach - ich will alles

Herzlichen Glückwunsch! Alles Gute zum Geburtstag!

Ich will nie mehr was bereuen
Will nicht gescheit sein, nur klug
Will nicht perfekt sein, nur gut
Ich will mehr
ich will mehr
ich will alles

Nur zu!

Etabliert

Wow, eben klingelte es. Der Paktemann schnaufte wie Darth Vader die Treppen hoch. Verdienterweise. Er trug ein Bücherpaket. Ich öffnete und staunte. 6. Auflage. Ich bin wirklich beeindruckt und gerührt. Damals - das ist erst 4 Jahre her - als ich mein erste Buch verkaufte, hatte ich keine Bestsellerambitionen, mein Traum war ein anderer. Ich hoffte, dass es ein Buch wird, dass sich in den Buchhandlungen etabliert, ein Buch, das ganz selbstverständlich zum Repertoire gehört. Das habe ich geschafft. Wer hätte das gedacht. Wahnsinn!

Sonntag, November 04, 2007

Hamster

Am Freitag habe ich in der Apotheke meines Vertrauens (die mir übrigens ein besseres Angebot machte, als Internetapotheken) eine Menge Geld gelassen. Ich holte meine Spritzen, sehr aufgeregt, wann es endlich los geht. Mein Lieblingsapotheker verpackte mit alles sehr hübsch in eine Styroporbox (inklusive Klebebandhenkel, ein sehr hübsches Damenhandtäschchen) und schenkte mir nicht nur einen Kühlakku, sondern auch noch eine Handcreme. Na, wenns hilft!

Zuhause angekommen begutachtete ich natürlich meinen Kauf. Sehr sehr schick. Der "Pen" zum Spritzen ist natürlich für Anfänger. Nach der fiesen Spritze, die ich nun schon zwei mal selbst in den Bauch rammte und einmal den Liebsten stechen liess, ist so ein Pen wirklich Kinderkram. Aber darum gehts ja auch. Er sieht aus wie ein Kugelschreiber und hat auch so einen schicken Clip. Ob ich ihn ab nächster Woche am Revers tragen soll? Die Spritzen, diese fiesen großen langen Dinger mussten komplett reingeschoben werden, wie das mit dem schicken Pen geht, muß ich nochmal nachlesen, aber ich glaube, bald kann mich nichts mehr schocken.

Naja, fast nichts. Ich studierte natürlich nicht nur den Packungsinhalt, sondern auch noch die Verpackung. "Hergestellt aus den Ovarialzellen von chinesischen Hamstern". Na super. Und ich dachte, das wäre ein künstlich hergestelltes Produkt, dass einer Biotechfirma ein Vermögen einbringt, weil es nicht genügend Nonnen gibt, deren unverseuchtes Wechseljahres-Urin man nehmen kann, um alle Paare mit Kinderwunsch zu beglücken. Nee, ausgerechnet chinesische Hamster müssen daran glauben. Sollte es ein Junge werden, nennen wir ihn wie den Fernsehkoch: Johann.

Während ich vor der Hochzeit sehr gerne das Moskitonetz in die Haare steckte, und zu dem Liebsten mehrmals täglich sagte, dass er nun die Braut küssen könnte, habe ich nun ein neues Spiel entdeckt. Heute war wirklich schönes Wetter. Also steckte ich den Fiffi, das Haarteil, unter das T-Shirt, zog es dramatisch heraus, nahm es wie eine Handpuppe, krabbelte dem Liebsten entgegen und spielte Hamster: "Papa, gehst du mit mir auf den Spiiiiiieeelplatz???".

Nachtrag zu Halloween

Ich habe es ja nicht so sehr mit diesen jahreszeitlichen Festen, aber der Liebste meinte, es wäre besser, vorbereitet zu sein. Nicht, dass ungezogene Kinder unsere Türe mit Wachsmalstiften verunstalten. Also habe ich Mittwoch noch ein paar Süßigkeiten gekauft und stellte die gefüllte Schüssel bereit.
Tatsächlich, es klingelte! Durch die Gegensprechanlage hörte ich ein kindliches Schnaufen.
"Hallo?"
Es schnaufte.
"Dann kommt mal hoch in den 4. Stock"
Darth Vader und sein Freund Dracula kamen die Treppe hoch. Der kleine dicke Darth schnaufte ganz schön, vor Anstrengung.
"Singt ihr mir jetzt ein Lied?"
Dracula erröte "wir können keines"
"Oh, das ist aber schlecht...." dramaturgische Pause. Darth schnauft nervös. Beide murmelten etwas bedrohliches.
"Wie bitte?"
Beide murmeln noch mal. Ich verstand kein Wort, doch amüsiert und großzügig, liess ich sie trotzdem in die Schüssel greifen.

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen