Dienstag, Oktober 30, 2007

Die Lust am erzählen

"Was motiviert dich beim schreiben?" fragte ich schon mehrmals einen befreundeten Autor. Ich bin so beeindruckt von seiner Motivation, hat er doch Buch II geschrieben, obwohl kein Verlag sein Buch I haben wollte und ist jetzt, kurz nach Erscheinen von Buch II bereits an Buch III. Seine Antwort lautet stets: "mich treibt dich Lust am erzählen".

Tja, denke ich dann. Das ist bei Sachbuchautoren anders. So redete ich mich bisher in Gedanken heraus. Mich motiviert in der Tat am allermeisten die Überweisung des Vorschusses. Ich bin eben keine Künstlerin.

Doch das Buchprojekt, an dem ich gerade sitze, liegt mir am Herzen. Doof nur, dass es noch nicht geschrieben ist. Gemäß meinem Motto, über Dinge zu schreiben, die mich interessieren, ist es natürlich ein Teil meines Lebens. Dieser Abschnitt ist aber vorbei ohne komplett abgehakt zu sein. Schreibt man nun besser, während man noch mitten drin ist oder lange, nachdem man es abgehakt und gut durchreflektiert hat? Bisher war das eigentlich noch nie meine Frage. Die Bücher schrieben sich einfach so. Da ich aber nun schon bei Buch IV angekommen bin, und das Schreiben zum Beruf wurde, kann ich nicht einfach warten, bis wieder mal ein Buch "einfach so" aus mir heraus will.

Warum drücke ich mich so vor dem Schreiben? Wieso fällt es mir so schwer, einfach morgens die Datei zu öffnen und loszulegen. Wenn ich einmal drin bin, dann fliesst es auch meistens. Aber es ist so unsäglich schwer, zu starten.

Komischerweise ist es ein Buchprojekt, was auch so ganz anders ist als die vorherigen. Nicht nur, dass es belletristischer ist als die Vorgänger. Ich habe mehr als eine Gliederung gemacht, denn dieses mal gibt es mehrere handelnde Personen. Gedanklich ist es fertig. Es muß nur noch "erzählt" werden. Und genau das hemmt mich. Es hemmt mich "mit anderen Zungen zu reden", dabei weiß ich, was sie sagen wollen/sollen. Absurd. Wo bleibt nur meine Lust am erzählen?

Vielleicht hilft ein Ziel: also gut, ich beschließe jetzt mal, dass das Buch in der ersten Version Anfang Dezember fertig ist. Hand drauf!

Sonntag, Oktober 28, 2007

Großzügige Natur

Draußen, vor dem Fenster fliegen unzählige Schmetterlinge. Ich bin so lange verwundert darüber, dass im Herbst Schmetterlinge fliegen, bis ich verstehe, dass der Baum vor dem Haus, seine Samem, mit kleinen Propellern ausgestattet, durch die Gegend fliegen lässt . Ich bin beeindruckt und werte das als gutes Zeichen für die Fruchtbarkeit.

Mittwoch, Oktober 24, 2007

Hopsen

Hopsen sagt man natürlich nicht dazu, aber wir tun es. Nia heißt bei mir und dem Gatten "hopsen", denn das ist einer der vielen Gründe,warum Nia so glücklich macht. Ich bin jahrelang nicht mehr gehopst und hatte vergessen, wie gut das tut. Ich kann mich erinnern, dass wir als Kind gerne so einen Hüpflauf an der Hand meiner Mutter machten. Anscheinend ist das Hopsen ein ganz natürliches Bedürfnis. Das hatte ich vergessen!

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich alter Sportmuffel mal so begeistert sein würde. Naja nie, im Grunde finde ich Sport nicht schlecht und ich war auch ne zeitlang begeistert joggen (bis ich mal wieder nen Problem mit nem Band im Gelenk hatte) und ich habe mal gerne Aqua-Gymnastik gemacht (aufgehört, weil die Möpse im Badeanzug beim Hopsen zu wenig gestützt sind), ich habe als Jugendliche Handball gespielt und ganz früher mal, da machte ich in den Achtzigern etwas, das sich Jazzgymnastik nannte.

Aber früher oder später hörte ich mit jeder dieser Aktivitäten wieder auf, weil irgendwas nicht stimmte. Im Fitnessstudio hatte ich mich abgemeldet, weil ich es hasste, meinen trainierten Rücken mit der schweren Sporttasche wieder krumm zu machen. Also startete ich Pilates. Ganz hübsch. Das mache ich auch immer noch. Die Abwesenheit von Rückenschmerzen ist ne gute Sache. Aber etwas zu tun, nur um etwas zu vermeiden ist irgendwie öde. Ich will auch was bekommen und zwar Spaß. Beim Nia gibts den Spaß zum Training dazu. Oder ist Nia vielleicht Spaß und das Training gibts umsonst dazu?

Jazzgymnastik kommt Nia noch am nächsten. Das war auchRumhopsen-zur-Musik. Aufgehört habe ich damals, weil das immer stylischer wurde. Damals wurden diese glänzende Wursthautgymnastikanzüge mit Spaghettiträgern in und als meine Möpse zu wachsen anfingen, konnte ich nicht mehr mitmachen, weil damals sichtbare BH-Träger noch tabu waren. Vor den Möpsen hatte ich immer so eine blaue Frotteeturnhose an und tanzte barfuß. Die Turnhose liebte ich heiß und innig. Als die Möpse wuchsen wurde mir bewußt, dass meine Lieblingshose wenig stylisch war. Ich wechselte zu Handball, da durfte man so schön aggressiv sein. Das passte mir besser in die Pubertät. Beim Nia ist alles erlaubt. Das finde ich herrlich anarchistisch. Man darf tragen was man will und machen was man will. Super. Mal ist mir nach "hübschmachen" fürs Tanzen, mal nicht. Und egal, was ich anhabe. Es macht Spaß!

Jetzt hopse ich wieder. Jedes mal wenn ich Nia tanze, dann juchzt mein Körper freudig auf, weil er Bewegungen bekommt, die er anscheinend braucht, die ihm aber mein erwachsenenes Ich seit mehr als 20 Jahren mehr oder weniger vorenthalten hat: hopsen, im Kreis drehen und sich freudig zur Musik zu bewegen. Hach, ist das schön. Ich wollte den Liebsten ja zu einem Tanzkurs überreden, aber er zeigte, trotz der netten zwei Stunden vor der Hochzeit, wenig Interesse. Pah, dann tanze ich eben alleine. Für die Diskos, die heutzutage sicherlich alle Clubs heißen, bin ich zu alt bzw. ist mein Musikgeschmack zu antiquiert, aber beim Nia darf ich wieder hopsen.

Und nicht zuletzt fahre ich natürlich auf das Argument ab, dass Nia meine Weiblichkeit stärkt. Das glaube ich, auch wenn es komisch klingt. Ich merke doch, wie meine Bewegungen tänzerischer, meine Haltung aufrechter wird. Wieso sollen sich dann nicht die brütenden Eier darüber freuen und sich an meiner Weiblichkeit ergötzen? Wir werden sehen. Gute Laune hilft den Eierchen bestimmt.

Freitag, Oktober 05, 2007

Umleitung

Obwohl ich natürlich nicht davon ausgehe, dass sich die Lesermassen meines Blogs auch noch irgendwo anders im Internet herumtreiben, möchte ich es doch nicht versäumen, auf meinen Beitrag 04 in der neuen mindesthaltbar hinzuweisen. Man kann ihn natürlich auch hier lesen. Aber da isses noch schöner und natürlich gibt es auch noch viele andere Geschichten rund um die RAF. Also hingehen und schauen!

Betroffenheit

Es war meine erste politische Diskussion. Und wie es sich für die 70er Jahre gehörte, war ich ordentlich betroffen. Klar kannte ich als Kind die RAF. Nicht persönlich, aber vertraut waren sie mir. Schließlich hatte ich oft genug Zeit, mir ihre Gesichter gründlich anzuschauen. Meine Mutter stand in der üblichen Warteschlange der Post, um Briefmarken zu kaufen und ich jedes Mal fasziniert vor dem Fahndungsplakat. Die waren berühmt! Ganz schön grimmige Gestalten waren das! Doch unsympathisch fand ich sie nicht. Sie machten mir auch keine Angst, denn Bedrohung ging in meiner kleinen Welt eher von bösen Wölfen wie im Märchen oder von Männern mit Süßigkeiten, mit denen wir nicht reden durften, aus. Die Bilder der Terroristen faszinierten mich. Ich wusste nicht, was diese Menschen gemacht hatten oder weswegen sie gesucht wurden. Doch was ein Terrorist ist, war mir sonnenklar: Mein kleiner Bruder machte oft genug Terror.

Ich gebe zu, ich hatte Lieblinge. Manche Menschen auf den Bildern erschienen mir netter als andere. Es traf mich gewaltig, als so ein Bild eines Tages durchgestrichen wurde. Mein Liebling wurde einfach weggekreuzt! Ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Wäre ich heutzutage Kind, würde ich wahrscheinlich denken, dass eine Jury meinen Favoriten "rausgevotet" hatte.

Als Schleyer entführt wurde, war ich auf Klassenfahrt. Ich war neun Jahre alt und unheimlich betroffen. Wir stapften in Cordhosen und gelben Regenmänteln durch den Wald. Meine Freundin Andrea und ich diskutierten über die Entführung. Wir fanden es ganz schön gemein, dass Terroristen den Mann entführt hatten. Keine Ahnung, woher wir von der Entführung wussten. Irgendwie hatten wir es mitbekommen. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meine Eltern ein pädagogisch wertvolles Gespräch mit mir über das Thema geführt hätten. Aber wir waren ja auch auf Klassenfahrt.
In unseren Kinderspielen gab es auch Entführungen. Doch das war etwas anderes. Wenn wir Indianer spielten, wussten wir, dass das eigentlich nichts mit der Welt, in der wir lebten, zu tun hatte. Wir nahmen Gefangene, banden sie an den Marterpfahl und hüpften tanzend und singend um sie herum. Spätestens wenn wir zum Essen gerufen wurden, gaben wir die Geiseln wieder frei und aus dem verfeindeten Bleichgesicht wurde wieder der doofe Wolfgang.

Dass man einen Menschen entführt und ihn anschließend erschießt, fanden wir fies. Das ist doch gemein! Wir bedauerten seine Kinder und fragten uns, wie es ihnen geht. Uns hätte es gar nicht gefallen, wenn man unsere Väter entführt und erschossen hätte. Wir fragten uns, warum Terroristen so etwas taten und fanden keine Antwort. Am Ziel unserer Wanderung angekommen, vergaßen wir unsere Lehrerin zu fragen.

Meine Erinnerungen sind nebulös. Leider kann ich mich nicht an unsere Diskussion erinnern. Aber ich weiß, dass es ein ernstes, gewichtiges Gespräch war. Ich habe deutlich vor Augen, wie wir durch den regennassen Wald stapften, um uns herum die Welt vergaßen, weil uns das, was wir besprachen so sehr beschäftigte. Es war meine erste politische Diskussion. Und wie es sich für die 70er Jahre gehörte, war ich ordentlich betroffen.
Diese Betroffenheit ist mir abhanden gekommen. Während 9/11 war ich in Urlaub und zu allem Überfluss auch noch krank. Mit fieberndem Kopf sah ich die Bilder im Fernsehen. Es berührte mich nicht, unterschieden sich die Bilder doch nicht wesentlich von einem Actionfilm. Unser Urlaub ging weiter. Mich beschäftigte damals mehr, ob ich noch ein paar gesunde Tage ohne Fieber am Strand verbringen könnte, als mich um den Zustand der Welt zu sorgen. Das Fieber verschwand und wir hatten noch eine Woche Spaß. Aus unsere Parallelwelt zurück gekommen, fanden wir große Betroffenheit vor. Mit Grabesstimme wurden wir darüber aufgeklärt, dass unsere Welt fortan ein Ort der Bedrohung sei. Ich zuckte mit den Achseln und machte mich daran, hunderte von Mails aufzuarbeiten, die sich während meines Urlaubs angesammelt hatten.

Damals, in Cordhosen und gelbem Regenmantel, hatte ich es herbeigesehnt, groß und erwachsen zu sein, um die Welt zu retten. Heute weiß ich, dass mein Einfluß nur marginal ist. Ich bilde mir ein, die Macht der Medien zu durchschauen - und schaue weg. Manchmal frage ich mich, ob das, was in der Tagesschau läuft, nicht genauso irreal sein könnte wie unsere Indianerspiele. Immer seltener lese, schaue oder höre ich Nachrichten. Ich bin zu bequem und zu resigniert für Betroffenheit und Diskussionen. Da schaue ich doch lieber Popstars. Die sind auch ein bisschen berühmt.

(Geschichte als "Auftragarbeit" von mindestenshaltbar und dort auch zuerst veröffentlicht - nett, sich mal zu einem Thema inspirieren zu lassen. Von selbst, wäre ich wahrscheinlich nicht einfach so auf die RAF gekommen)

Der Hund nervt

Wer hätte das gedacht, .meike ist auf den Hund gekommen. Glücklicherweise ist er nur virtuell. Ich habe einen nintendog. Lucky, welch putziges Tierchen ein Golden Retriever Mädchen. Allerdings bin ich selbst für einen virtuellen Hund nicht geeignet. Nach einer Woche fröhlichem Spielen (hach, was das Frauchen stolz, als Lucky einen Pokal beim Frisbee-Wettbewerb gewonnen hat), geht es mir auf die Nerven, dreimal täglich die DS rauszuholen, Lucky zu füttern, mit ihm Gassi zu gehen und zu trainieren. Ich Rabenmutter! Darf man überhaupt darüber bloggen oder wird die Krankenkasse die Kostenbewilligung für die reproduktionsmedizinischen Kosten zurücknehmen?

Lucky hat jetzt Flöhe, weil ich ihm versuche beizubringen, dass es durchaus eine Alternative ist, nur einmal pro Tag Beachtung zu bekommen. Außerdem versuche ich die Tochter einer Freundin dazu zu bekommen, Lucky zu adoptieren. Meine Güte, was mache ich nur?

Layout

Ich werde wahnsinnig. Da blogge ich seit vier Jahren und auf einmal komme ich auf die Idee, an dem lang bewährtem Layout herumzubasteln. Wochenlang schaue ich mein Blog an und erkenne es nicht wieder und jetzt ist das alte Layout, was angeblich irgendwo gespeichert ist verschwunden. Jetzt sieht es zwar fast so aus, wie früher, aber ich fremdele immer noch. Ob man sich daran gewöhnt?

Die neuen Tags gefallen mir. Dafür hat sich der Wechsel gelohnt. Es wäre natürlich zu schick, die vielen alten Posting noch zu taggen. Irgendwann, bei Kerzenlicht, einer Tasse Tee und viel Lebkuchen mache ich das vielleicht im langen, aber wenig bitteren, hamburger Winter.

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen