Sonntag, September 02, 2007

Warum?

So, bin gestern mit "Beste Jahre" von John von Düffel fertig geworden. Ein nettes Buch, wenn es mich auch nicht ganz so umgehauen hat, wie "Houweland" oder "Ego". Es gibt Sätze und Absätze in dem Buch von denen ich neidisch bin, dass ich sie nicht selbst geschrieben habe. Sehr treffende Beobachtungen über das, was die Menschen "im mittleren Lebensalter" umtreibt oder umtrieb.

Allerdings ist es kein Roman über Reproduktionsmedizin - wie ich irrtümlich annahm, nachdem ich mehrere Ankündigungen gelesen hatte. Der Titel ist also durchaus treffend gewählt. Was mich wirklich sehr verwundert ist, dass es diverse Bücher, auch Romane, von Frauen gibt, die das gleiche Thema beinhalten, aber als Special-Interest-Literatur wahrgenommen - genauer gesagt "nicht wahrgenommen" werden. "Beste Jahre" hingegen ist für den Deutschen Buchpreis nominiert. Nur, weil es von einem Mann geschrieben ist?

Klar ist es bemerkenswert. Ich finde, es ist ein gutes Buch und Herr von Düffel hat mit seinem Werkt insgesamt durchaus mal den Buchpreis verdient. Und natürlich habe ich es nicht nur gekauft, weil ich die Bücher von Herrn von Düffel gerne lese, sondern weil ich auch extrem neugierig war, was ein Mann über den Wunsch nach einem Kind und über Reproduktionsmedizin denkt. Aber so richtig viel habe ich darüber nicht erfahren. Merkwürdig distanziert schreibt er - und vielleicht ist genau das die Botschaft. Männer sind einfach zwangsläufig distanzierter zu dem Thema als Frauen. Wenn ich bedenke, wieviel Denkzeit das Thema Kind bei mir in allen Facetten beansprucht hat. Das ist wirklich nicht zu vergleichen. Roman hin, Roman her.

Naja, ich will das Buch nicht schlechtreden. Wie gesagt, es gibt viele schlaue Sätze darin und ich habe es auch gerne und voller Spannung gelesen. Die Sprache und manche Reflektion unterscheidet "Beste Jahre" schon von Büchern wie "Eisprung" von Judith Uyterlinde oder "Wenigstens ein bißchen schwanger" von Sinead Moriarty. Ersteres ist eher "Betroffenheitsliteratur", also direkt eine erlebte Geschichte erzählt und nicht als Roman in eine Kunstform gehoben und zweiteres ist eher ein unterhaltsamer Roman (der im Filmgenre Komödie heißen würde) als eine kunstvoll komponierte und sprachlich fein ausgearbeitete Geschichte. Insofern bietet "Beste Jahre" in der Tat mehr Qualität. Aber zum Beispiel "Der lange Weg zum Kind" von Linda Carbone und Ed Decker ist ein gutes Buch; literarisch anspruchsvoller (auch wenn es "Erfahrungsbericht" statt Roman genannt wird) als die oben genannten, informativ und berührend. Ich frage mich , ob "Beste Jahre" nicht doch aufgrund des Geschlecht und des Renomees des Autors mehr wahrgenommen wird, statt aufgrund seiner Kunstfertigkeit. Ich weiß, mit solchen Thesen gehe ich den meisten Leuten auf den Wecker - aber das ist mir egal.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen