Mittwoch, August 15, 2007

Wenn das Schreiben wie von selbst geht

Ganz besondere Momente sind das beim Schreiben, wenn auf einmal die Finger wie von selbst über die Tastatur fliegen, als würde man Klavier spielen. Im Moment fühlt es sich so an, als gäbe es den Text schon und er wollte nur durch mich geschrieben werden. Es gibt Momente, wo ich alles vergesse und es sich einfach schreibt. Genauso ist es, wenn man Klavier spielt und plötzlich die Noten nicht mehr braucht und sich dann das Lied von selbst meldet und man das Gefühl bekommt, es würde einem vorgesungen werden. Wenn das Schreiben wie ein Walzer von Chopin ist, dann ist es göttlich.

Nur zu gut kenne ich die Momente, wo man sich beim Schreiben für das entschuldigen will, was man gerade verzapft. So, wie wenn ich einen Walzer verhunze und gedanklich bei Chopin Abbitte leiste, denn so wie ich ihn spiele (kein Wunder, 20 Jahre kein Klavier mehr) hat er sich das sicherlich nicht vorgestellt. Was ich allerdings seltsam finde, ist dass beim Korrekturlesen herauskommt, dass das, was ich so mühselig schrieb, was mir so verquer, schlecht und hingerotzt vorkam, letztlich gar nicht so schlecht ist. Es beginnt mit einem oder zwei schlechten Absätzen, aber dann ist es ok, wenn auch vor Fehlern nur so strotzend. Es ist schlecht, denn es braucht viel Arbeit, solche Rumpftexte zu überarbeiten. Aber trotzdem sind die Gedanken da, nur dass sie eben nicht fließen. Soll man sich dann an solchen Tagen zum Schreiben zwingen?

Letzte Woche hatte ich das Gefühl, dass sich das Manuskript verselbstständigt. Eigentlich ist es ein fragmentarischer Text. Lauter kleine Texte nur lose in Kapiteln zusammengebunden. Plötzlich sponnen sich Fäden und ich begann Fußnoten einzustreuen, um Verweise auf andere Kapitel zu machen. Im Netz hätte ich verlinkt. Wie sehr fehlen Links bei einem gedruckten Buch! Wie schön wäre es, den Leser sich selbst durch das Buch navigieren zu lassen und nicht diese stringente Form vorzugeben. Mal sehen, ob mir dazu noch was kreatives einfällt.

Mein Manuskript ist fast fertig. Spätestens Samstag will ich es herausgeben und anderen zum Korrekturlesen anvertrauen. Das ist ein großer Moment. Noch hat niemand etwas gelesen. Gar nicht so leicht, ein Werk als "fertig" zu deklarieren. Aber es ist ja erst die erste Korrekturschleife, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden noch ein paar Schleifen folgen.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen