Dienstag, August 07, 2007

Flirten für Anfänger und Fortgeschrittene

Am Wochenende habe ich einen Flirtkurs mitgemacht. War natürlich nur Recherche, bin ja verheiratet. Das war nicht das Schlechteste, aus sicherer Position, ganz gelassend, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Mir taten allerdings die anderen Teilnehmer ein bißchen leid. Zum Teil waren Sie so sehr darauf konzentriert, ihr elendes Singledasein endlich beenden zu müssen, dass ich vom hinüberschauen schon ganz verkrampft wurde.

Letztlich habe ich natürlich, über die Recherche hinaus, doch auch noch ein paar wertvolle Erkenntnisse mit nach Hause genommen. Ich habe beschlossen, die Hamburger jetzt hartnäckig zu grüßen, insbesondere meine Nachbarn, auch wenn sie mich jedes mal anschauen, als käme ich von den Zeugen Jehovas. Schon komisch, als ich vor ein paar Jahren mit meinen Eltern in Süddeutschland in Urlaub war, war es mir peinlich, dass mein Vater jeden Menschen, den wir irgendwo trafen, grüßte. Aber diese norddeutsche distanzierte Art, passt mir frankfurter Mädscher, auch irgendwie nicht. Wenn Flirten "absichtlose Nettigkeiten sind, die die Welt schöner und freundlicher machen", dann will ich mich ein bißchen mehr bemühen, nicht immer so zielgerichtet oder muffelig durch die Gegend zu laufen. Schon komisch. Wenn ich mit jemand spreche, dann neige ich zur Grinsebacke, aber kaum bin ich alleine, dann geht bei mir der Bildschirmschoner an und ich neige zu Merkel-Falten.

Zunächst war ich ganz erstaunt, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses so normal waren. Eigentlich ganz normale sympatische Menschen in meinem Alter. Klar, wenn man so spät noch nicht Mr. oder Mrs. Right abbekommen hat, dann juckts irgendwann im Familienplanungszentrum. Bei einigen fragte ich mich aber, wie shcon so oft in meinem Leben, warum der oder diejenige alleine ist. Ich fand diese Personen spannend, auch wenn zum großen Teil schon eine gute Idee gewesen wäre, etwas das Outfit zu optimieren.

Nach und nach kamen aber tatsächlich immer mehr alte Kränkungen, Ängste und unaufgelöste Probleme zum Vorschein. Bei den wenigsten hatte ich das Gefühl, dass es kleiner Trick ihre Probleme lösen könnte, vielen wünschte ich eine Therapie. Aber vielleicht sind zwei Tage Kurs ja trotzdem gut, um etwas an der Haltung zu ändern. Vielleicht verbessert sich das Leben, wenn man an ein paar Schrauben dreht und etwas weniger zielgerichtet auf potentielle Kandidaten zustürmt und sich vornimmt, mehr Spaß am Leben zu haben - ob zwei Tage reichen, solche Erkenntnisse im Leben zu verankern? Vermutlich funktioniert so ein Kurs besser, als ein Buch verschämt im Internet zu bestellen, aber nix gegen Bücher, da lebe ich schließlich davon.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen