Montag, Dezember 03, 2007

Geschenke

"Ich schaffe es nicht..," sagte ich am Telefon einer Freundin.
"Oh, das passt wunderbar. Ich bin auch geradeso beschäftigt."

Die fast aufgetaute Suppe war der Anlass, nicht aus dem Haus zu rennen und mich an mein Versprechen zu halten. Ich sah den halbgefrorenen organenen Klotz und dachte, dass es viel besser sei, inne zu halten und alles im richtigen Tempo zu machen. Mir Zeit zu nehmen für mich und für die Aufgaben die ich zu erledigen habe. Diese Prioritätensetzung bedeutet natürlich, dass ich auf etwas verzichten muß. Ich mußte mich trauen, einfach bei meiner Freundin anzurufen und um Verschiebung zu bitten. Dabei mag ich es selbst nicht, sitzen gelassen zu werden.

Und oh Wunder, es war überhaupt kein Problem. Sie hätte sich genauso wie ich gehetzt und zwei Tage später passt es viel besser. Und plötzlich empfanden wir die zwei gewonnenen Stunden wie ein Geschenk.

Donnerstag, November 15, 2007

Gitte

Jetzt leb ich jeden Tag aus,
jetzt trink ich jedes Glas leer
ich will nicht viel,
ich will mehr
jetzt bin ich frei und will alles

Immer wieder hatte ich in den letzten Wochen ein Konzertplakat von "Gitte" gesehen und an meine Mutter gedacht. Weil sie, also meine Mutter, heute Geburtstag hat, schreibe ich meine Gedanken dazu, die mich jedes Mal zum Lächeln brachten, auf.

Ich lerne Spanisch und Bridge,
ich spiele Schach und Klavier
Ich kämpf gewinn und verlier und gebe nicht auf
ich will alles

Ich weiß nicht, ob meine Erinnerung exakt stimmt, aber mir ist, als hätte meine Mutter zu ihrem 40. diese Langspielplatte geschenkt bekommen. Fortan tönte regelmäßig "Ich will alles" und "Ich bin stark" durch die Wohnung. Ich bin sicher, mein Vater und mein Bruder können ebenso wie ich die Texte auswendig. Vielleicht können wir sie nicht frei zitieren, aber mitgrölen könnten wir alle ganz sicher.

Ich sage nie mehr vielleicht,
ich schrei hinaus, was ich fiühl
Und setzte alles aufs Spiel
Ich will mehr
ich will mehr
ich will alles


Vielleicht war 40 das Alter, in dem meine Mutter einen Emanzipationsschub bekam. Irgendwann um diese Zeit, fing sie wieder an Teilzeit zu arbeiten, lernte in der Abendschule einen neuen Beruf und startete noch mal durch. Für uns Kinder bedeutete das damals vor allen Dingen "Büroreis" (gelb, indisch und mit Rosinen, morgens aufgesetzt und dank Timer zum richtigen Zeitpunkt fertig) und ekelhafte Frühlingsrollen (außen verbrannt und innen gefroren), statt leckerem, selbst gekochtem Mittagessen. Und eben Gitte. Heute bin ich stolz darauf, was sie alles auf die Beine stellte.

Nie mehr bescheiden und stumm
Nie mehr betrogen und dumm
Nein - Ich will alles,
Ich will alles - und zwar sofort
ehe der letzte Traum in mir zu Staub verdorrt
Ich will leben,
will mich geben
so wie ich bin
und was mich kaputt macht nehme ich nicht mehr hin

Wie anders ist doch mein Leben! Nächstes Jahr werde ich 40 und es gibt nichts, von dem ich mich emanzipieren könnte, wollte oder müsste. Als meine Mutter 40 wurde, waren wir 15 und 11 - ich bastele gerade ein Kind und hoffe, dass ich dazu noch nicht zu alt bin. Ich bin weit gereist, habe schon verschiedene Berufe ausprobiert. Alles ist anders. Und doch berührt mich Gitte, wenn ich an ihre Texte denke.

Niemand speit mich ab, niemand macht mich satt
Zu lang hab ich verzichtet und mich selber klein gemacht
Ich will alles
ich will alles
Sperr mich nicht ein, ich will nie mehr zu früh zufrieden sein

Ich baue Mauern aus Licht,
ich mache Wasser zu Wein
Ich fang den Augenblick ein,
denn ich bin frei und will alles

Auch wenn ich mich nicht emanzipieren muß, so ist mein Leben doch stark davon geprägt, immer wieder auf der Suche nach dem eigenen Weg zu sein. Das ist manchmal gar nicht so leicht, denn bei mir ist es stets ein "hin zu etwas". Manchmal denke ich ein "weg von" gäbe einem wenigstens den Impuls und eine vorbestimmte Richtung, weil wenigstens eine Option schon mal ausgeschlossen ist. Aber egal, ich behalte mir vor, einfach loszulaufen und die Richtung zu ändern, wenn sie mir nicht passt. So empfinde ich ein bewusstest Leben mit einer Haltung, das letztlich Sinn schafft. Und genau das will ich meinen Klientinnen und Leserinnen vermitteln. Ein bisschen wie Gitte.

Ich will kein Zuschauer sein,
ich möchte selber was tun und immer wissen warum
Ich geb nicht nach - ich will alles

Herzlichen Glückwunsch! Alles Gute zum Geburtstag!

Ich will nie mehr was bereuen
Will nicht gescheit sein, nur klug
Will nicht perfekt sein, nur gut
Ich will mehr
ich will mehr
ich will alles

Nur zu!

Etabliert

Wow, eben klingelte es. Der Paktemann schnaufte wie Darth Vader die Treppen hoch. Verdienterweise. Er trug ein Bücherpaket. Ich öffnete und staunte. 6. Auflage. Ich bin wirklich beeindruckt und gerührt. Damals - das ist erst 4 Jahre her - als ich mein erste Buch verkaufte, hatte ich keine Bestsellerambitionen, mein Traum war ein anderer. Ich hoffte, dass es ein Buch wird, dass sich in den Buchhandlungen etabliert, ein Buch, das ganz selbstverständlich zum Repertoire gehört. Das habe ich geschafft. Wer hätte das gedacht. Wahnsinn!

Sonntag, November 04, 2007

Hamster

Am Freitag habe ich in der Apotheke meines Vertrauens (die mir übrigens ein besseres Angebot machte, als Internetapotheken) eine Menge Geld gelassen. Ich holte meine Spritzen, sehr aufgeregt, wann es endlich los geht. Mein Lieblingsapotheker verpackte mit alles sehr hübsch in eine Styroporbox (inklusive Klebebandhenkel, ein sehr hübsches Damenhandtäschchen) und schenkte mir nicht nur einen Kühlakku, sondern auch noch eine Handcreme. Na, wenns hilft!

Zuhause angekommen begutachtete ich natürlich meinen Kauf. Sehr sehr schick. Der "Pen" zum Spritzen ist natürlich für Anfänger. Nach der fiesen Spritze, die ich nun schon zwei mal selbst in den Bauch rammte und einmal den Liebsten stechen liess, ist so ein Pen wirklich Kinderkram. Aber darum gehts ja auch. Er sieht aus wie ein Kugelschreiber und hat auch so einen schicken Clip. Ob ich ihn ab nächster Woche am Revers tragen soll? Die Spritzen, diese fiesen großen langen Dinger mussten komplett reingeschoben werden, wie das mit dem schicken Pen geht, muß ich nochmal nachlesen, aber ich glaube, bald kann mich nichts mehr schocken.

Naja, fast nichts. Ich studierte natürlich nicht nur den Packungsinhalt, sondern auch noch die Verpackung. "Hergestellt aus den Ovarialzellen von chinesischen Hamstern". Na super. Und ich dachte, das wäre ein künstlich hergestelltes Produkt, dass einer Biotechfirma ein Vermögen einbringt, weil es nicht genügend Nonnen gibt, deren unverseuchtes Wechseljahres-Urin man nehmen kann, um alle Paare mit Kinderwunsch zu beglücken. Nee, ausgerechnet chinesische Hamster müssen daran glauben. Sollte es ein Junge werden, nennen wir ihn wie den Fernsehkoch: Johann.

Während ich vor der Hochzeit sehr gerne das Moskitonetz in die Haare steckte, und zu dem Liebsten mehrmals täglich sagte, dass er nun die Braut küssen könnte, habe ich nun ein neues Spiel entdeckt. Heute war wirklich schönes Wetter. Also steckte ich den Fiffi, das Haarteil, unter das T-Shirt, zog es dramatisch heraus, nahm es wie eine Handpuppe, krabbelte dem Liebsten entgegen und spielte Hamster: "Papa, gehst du mit mir auf den Spiiiiiieeelplatz???".

Nachtrag zu Halloween

Ich habe es ja nicht so sehr mit diesen jahreszeitlichen Festen, aber der Liebste meinte, es wäre besser, vorbereitet zu sein. Nicht, dass ungezogene Kinder unsere Türe mit Wachsmalstiften verunstalten. Also habe ich Mittwoch noch ein paar Süßigkeiten gekauft und stellte die gefüllte Schüssel bereit.
Tatsächlich, es klingelte! Durch die Gegensprechanlage hörte ich ein kindliches Schnaufen.
"Hallo?"
Es schnaufte.
"Dann kommt mal hoch in den 4. Stock"
Darth Vader und sein Freund Dracula kamen die Treppe hoch. Der kleine dicke Darth schnaufte ganz schön, vor Anstrengung.
"Singt ihr mir jetzt ein Lied?"
Dracula erröte "wir können keines"
"Oh, das ist aber schlecht...." dramaturgische Pause. Darth schnauft nervös. Beide murmelten etwas bedrohliches.
"Wie bitte?"
Beide murmeln noch mal. Ich verstand kein Wort, doch amüsiert und großzügig, liess ich sie trotzdem in die Schüssel greifen.

Dienstag, Oktober 30, 2007

Die Lust am erzählen

"Was motiviert dich beim schreiben?" fragte ich schon mehrmals einen befreundeten Autor. Ich bin so beeindruckt von seiner Motivation, hat er doch Buch II geschrieben, obwohl kein Verlag sein Buch I haben wollte und ist jetzt, kurz nach Erscheinen von Buch II bereits an Buch III. Seine Antwort lautet stets: "mich treibt dich Lust am erzählen".

Tja, denke ich dann. Das ist bei Sachbuchautoren anders. So redete ich mich bisher in Gedanken heraus. Mich motiviert in der Tat am allermeisten die Überweisung des Vorschusses. Ich bin eben keine Künstlerin.

Doch das Buchprojekt, an dem ich gerade sitze, liegt mir am Herzen. Doof nur, dass es noch nicht geschrieben ist. Gemäß meinem Motto, über Dinge zu schreiben, die mich interessieren, ist es natürlich ein Teil meines Lebens. Dieser Abschnitt ist aber vorbei ohne komplett abgehakt zu sein. Schreibt man nun besser, während man noch mitten drin ist oder lange, nachdem man es abgehakt und gut durchreflektiert hat? Bisher war das eigentlich noch nie meine Frage. Die Bücher schrieben sich einfach so. Da ich aber nun schon bei Buch IV angekommen bin, und das Schreiben zum Beruf wurde, kann ich nicht einfach warten, bis wieder mal ein Buch "einfach so" aus mir heraus will.

Warum drücke ich mich so vor dem Schreiben? Wieso fällt es mir so schwer, einfach morgens die Datei zu öffnen und loszulegen. Wenn ich einmal drin bin, dann fliesst es auch meistens. Aber es ist so unsäglich schwer, zu starten.

Komischerweise ist es ein Buchprojekt, was auch so ganz anders ist als die vorherigen. Nicht nur, dass es belletristischer ist als die Vorgänger. Ich habe mehr als eine Gliederung gemacht, denn dieses mal gibt es mehrere handelnde Personen. Gedanklich ist es fertig. Es muß nur noch "erzählt" werden. Und genau das hemmt mich. Es hemmt mich "mit anderen Zungen zu reden", dabei weiß ich, was sie sagen wollen/sollen. Absurd. Wo bleibt nur meine Lust am erzählen?

Vielleicht hilft ein Ziel: also gut, ich beschließe jetzt mal, dass das Buch in der ersten Version Anfang Dezember fertig ist. Hand drauf!

Sonntag, Oktober 28, 2007

Großzügige Natur

Draußen, vor dem Fenster fliegen unzählige Schmetterlinge. Ich bin so lange verwundert darüber, dass im Herbst Schmetterlinge fliegen, bis ich verstehe, dass der Baum vor dem Haus, seine Samem, mit kleinen Propellern ausgestattet, durch die Gegend fliegen lässt . Ich bin beeindruckt und werte das als gutes Zeichen für die Fruchtbarkeit.

Mittwoch, Oktober 24, 2007

Hopsen

Hopsen sagt man natürlich nicht dazu, aber wir tun es. Nia heißt bei mir und dem Gatten "hopsen", denn das ist einer der vielen Gründe,warum Nia so glücklich macht. Ich bin jahrelang nicht mehr gehopst und hatte vergessen, wie gut das tut. Ich kann mich erinnern, dass wir als Kind gerne so einen Hüpflauf an der Hand meiner Mutter machten. Anscheinend ist das Hopsen ein ganz natürliches Bedürfnis. Das hatte ich vergessen!

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich alter Sportmuffel mal so begeistert sein würde. Naja nie, im Grunde finde ich Sport nicht schlecht und ich war auch ne zeitlang begeistert joggen (bis ich mal wieder nen Problem mit nem Band im Gelenk hatte) und ich habe mal gerne Aqua-Gymnastik gemacht (aufgehört, weil die Möpse im Badeanzug beim Hopsen zu wenig gestützt sind), ich habe als Jugendliche Handball gespielt und ganz früher mal, da machte ich in den Achtzigern etwas, das sich Jazzgymnastik nannte.

Aber früher oder später hörte ich mit jeder dieser Aktivitäten wieder auf, weil irgendwas nicht stimmte. Im Fitnessstudio hatte ich mich abgemeldet, weil ich es hasste, meinen trainierten Rücken mit der schweren Sporttasche wieder krumm zu machen. Also startete ich Pilates. Ganz hübsch. Das mache ich auch immer noch. Die Abwesenheit von Rückenschmerzen ist ne gute Sache. Aber etwas zu tun, nur um etwas zu vermeiden ist irgendwie öde. Ich will auch was bekommen und zwar Spaß. Beim Nia gibts den Spaß zum Training dazu. Oder ist Nia vielleicht Spaß und das Training gibts umsonst dazu?

Jazzgymnastik kommt Nia noch am nächsten. Das war auchRumhopsen-zur-Musik. Aufgehört habe ich damals, weil das immer stylischer wurde. Damals wurden diese glänzende Wursthautgymnastikanzüge mit Spaghettiträgern in und als meine Möpse zu wachsen anfingen, konnte ich nicht mehr mitmachen, weil damals sichtbare BH-Träger noch tabu waren. Vor den Möpsen hatte ich immer so eine blaue Frotteeturnhose an und tanzte barfuß. Die Turnhose liebte ich heiß und innig. Als die Möpse wuchsen wurde mir bewußt, dass meine Lieblingshose wenig stylisch war. Ich wechselte zu Handball, da durfte man so schön aggressiv sein. Das passte mir besser in die Pubertät. Beim Nia ist alles erlaubt. Das finde ich herrlich anarchistisch. Man darf tragen was man will und machen was man will. Super. Mal ist mir nach "hübschmachen" fürs Tanzen, mal nicht. Und egal, was ich anhabe. Es macht Spaß!

Jetzt hopse ich wieder. Jedes mal wenn ich Nia tanze, dann juchzt mein Körper freudig auf, weil er Bewegungen bekommt, die er anscheinend braucht, die ihm aber mein erwachsenenes Ich seit mehr als 20 Jahren mehr oder weniger vorenthalten hat: hopsen, im Kreis drehen und sich freudig zur Musik zu bewegen. Hach, ist das schön. Ich wollte den Liebsten ja zu einem Tanzkurs überreden, aber er zeigte, trotz der netten zwei Stunden vor der Hochzeit, wenig Interesse. Pah, dann tanze ich eben alleine. Für die Diskos, die heutzutage sicherlich alle Clubs heißen, bin ich zu alt bzw. ist mein Musikgeschmack zu antiquiert, aber beim Nia darf ich wieder hopsen.

Und nicht zuletzt fahre ich natürlich auf das Argument ab, dass Nia meine Weiblichkeit stärkt. Das glaube ich, auch wenn es komisch klingt. Ich merke doch, wie meine Bewegungen tänzerischer, meine Haltung aufrechter wird. Wieso sollen sich dann nicht die brütenden Eier darüber freuen und sich an meiner Weiblichkeit ergötzen? Wir werden sehen. Gute Laune hilft den Eierchen bestimmt.

Freitag, Oktober 05, 2007

Umleitung

Obwohl ich natürlich nicht davon ausgehe, dass sich die Lesermassen meines Blogs auch noch irgendwo anders im Internet herumtreiben, möchte ich es doch nicht versäumen, auf meinen Beitrag 04 in der neuen mindesthaltbar hinzuweisen. Man kann ihn natürlich auch hier lesen. Aber da isses noch schöner und natürlich gibt es auch noch viele andere Geschichten rund um die RAF. Also hingehen und schauen!

Betroffenheit

Es war meine erste politische Diskussion. Und wie es sich für die 70er Jahre gehörte, war ich ordentlich betroffen. Klar kannte ich als Kind die RAF. Nicht persönlich, aber vertraut waren sie mir. Schließlich hatte ich oft genug Zeit, mir ihre Gesichter gründlich anzuschauen. Meine Mutter stand in der üblichen Warteschlange der Post, um Briefmarken zu kaufen und ich jedes Mal fasziniert vor dem Fahndungsplakat. Die waren berühmt! Ganz schön grimmige Gestalten waren das! Doch unsympathisch fand ich sie nicht. Sie machten mir auch keine Angst, denn Bedrohung ging in meiner kleinen Welt eher von bösen Wölfen wie im Märchen oder von Männern mit Süßigkeiten, mit denen wir nicht reden durften, aus. Die Bilder der Terroristen faszinierten mich. Ich wusste nicht, was diese Menschen gemacht hatten oder weswegen sie gesucht wurden. Doch was ein Terrorist ist, war mir sonnenklar: Mein kleiner Bruder machte oft genug Terror.

Ich gebe zu, ich hatte Lieblinge. Manche Menschen auf den Bildern erschienen mir netter als andere. Es traf mich gewaltig, als so ein Bild eines Tages durchgestrichen wurde. Mein Liebling wurde einfach weggekreuzt! Ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Wäre ich heutzutage Kind, würde ich wahrscheinlich denken, dass eine Jury meinen Favoriten "rausgevotet" hatte.

Als Schleyer entführt wurde, war ich auf Klassenfahrt. Ich war neun Jahre alt und unheimlich betroffen. Wir stapften in Cordhosen und gelben Regenmänteln durch den Wald. Meine Freundin Andrea und ich diskutierten über die Entführung. Wir fanden es ganz schön gemein, dass Terroristen den Mann entführt hatten. Keine Ahnung, woher wir von der Entführung wussten. Irgendwie hatten wir es mitbekommen. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meine Eltern ein pädagogisch wertvolles Gespräch mit mir über das Thema geführt hätten. Aber wir waren ja auch auf Klassenfahrt.
In unseren Kinderspielen gab es auch Entführungen. Doch das war etwas anderes. Wenn wir Indianer spielten, wussten wir, dass das eigentlich nichts mit der Welt, in der wir lebten, zu tun hatte. Wir nahmen Gefangene, banden sie an den Marterpfahl und hüpften tanzend und singend um sie herum. Spätestens wenn wir zum Essen gerufen wurden, gaben wir die Geiseln wieder frei und aus dem verfeindeten Bleichgesicht wurde wieder der doofe Wolfgang.

Dass man einen Menschen entführt und ihn anschließend erschießt, fanden wir fies. Das ist doch gemein! Wir bedauerten seine Kinder und fragten uns, wie es ihnen geht. Uns hätte es gar nicht gefallen, wenn man unsere Väter entführt und erschossen hätte. Wir fragten uns, warum Terroristen so etwas taten und fanden keine Antwort. Am Ziel unserer Wanderung angekommen, vergaßen wir unsere Lehrerin zu fragen.

Meine Erinnerungen sind nebulös. Leider kann ich mich nicht an unsere Diskussion erinnern. Aber ich weiß, dass es ein ernstes, gewichtiges Gespräch war. Ich habe deutlich vor Augen, wie wir durch den regennassen Wald stapften, um uns herum die Welt vergaßen, weil uns das, was wir besprachen so sehr beschäftigte. Es war meine erste politische Diskussion. Und wie es sich für die 70er Jahre gehörte, war ich ordentlich betroffen.
Diese Betroffenheit ist mir abhanden gekommen. Während 9/11 war ich in Urlaub und zu allem Überfluss auch noch krank. Mit fieberndem Kopf sah ich die Bilder im Fernsehen. Es berührte mich nicht, unterschieden sich die Bilder doch nicht wesentlich von einem Actionfilm. Unser Urlaub ging weiter. Mich beschäftigte damals mehr, ob ich noch ein paar gesunde Tage ohne Fieber am Strand verbringen könnte, als mich um den Zustand der Welt zu sorgen. Das Fieber verschwand und wir hatten noch eine Woche Spaß. Aus unsere Parallelwelt zurück gekommen, fanden wir große Betroffenheit vor. Mit Grabesstimme wurden wir darüber aufgeklärt, dass unsere Welt fortan ein Ort der Bedrohung sei. Ich zuckte mit den Achseln und machte mich daran, hunderte von Mails aufzuarbeiten, die sich während meines Urlaubs angesammelt hatten.

Damals, in Cordhosen und gelbem Regenmantel, hatte ich es herbeigesehnt, groß und erwachsen zu sein, um die Welt zu retten. Heute weiß ich, dass mein Einfluß nur marginal ist. Ich bilde mir ein, die Macht der Medien zu durchschauen - und schaue weg. Manchmal frage ich mich, ob das, was in der Tagesschau läuft, nicht genauso irreal sein könnte wie unsere Indianerspiele. Immer seltener lese, schaue oder höre ich Nachrichten. Ich bin zu bequem und zu resigniert für Betroffenheit und Diskussionen. Da schaue ich doch lieber Popstars. Die sind auch ein bisschen berühmt.

(Geschichte als "Auftragarbeit" von mindestenshaltbar und dort auch zuerst veröffentlicht - nett, sich mal zu einem Thema inspirieren zu lassen. Von selbst, wäre ich wahrscheinlich nicht einfach so auf die RAF gekommen)

Der Hund nervt

Wer hätte das gedacht, .meike ist auf den Hund gekommen. Glücklicherweise ist er nur virtuell. Ich habe einen nintendog. Lucky, welch putziges Tierchen ein Golden Retriever Mädchen. Allerdings bin ich selbst für einen virtuellen Hund nicht geeignet. Nach einer Woche fröhlichem Spielen (hach, was das Frauchen stolz, als Lucky einen Pokal beim Frisbee-Wettbewerb gewonnen hat), geht es mir auf die Nerven, dreimal täglich die DS rauszuholen, Lucky zu füttern, mit ihm Gassi zu gehen und zu trainieren. Ich Rabenmutter! Darf man überhaupt darüber bloggen oder wird die Krankenkasse die Kostenbewilligung für die reproduktionsmedizinischen Kosten zurücknehmen?

Lucky hat jetzt Flöhe, weil ich ihm versuche beizubringen, dass es durchaus eine Alternative ist, nur einmal pro Tag Beachtung zu bekommen. Außerdem versuche ich die Tochter einer Freundin dazu zu bekommen, Lucky zu adoptieren. Meine Güte, was mache ich nur?

Layout

Ich werde wahnsinnig. Da blogge ich seit vier Jahren und auf einmal komme ich auf die Idee, an dem lang bewährtem Layout herumzubasteln. Wochenlang schaue ich mein Blog an und erkenne es nicht wieder und jetzt ist das alte Layout, was angeblich irgendwo gespeichert ist verschwunden. Jetzt sieht es zwar fast so aus, wie früher, aber ich fremdele immer noch. Ob man sich daran gewöhnt?

Die neuen Tags gefallen mir. Dafür hat sich der Wechsel gelohnt. Es wäre natürlich zu schick, die vielen alten Posting noch zu taggen. Irgendwann, bei Kerzenlicht, einer Tasse Tee und viel Lebkuchen mache ich das vielleicht im langen, aber wenig bitteren, hamburger Winter.

Mittwoch, September 12, 2007

Freudscher Fehler

Eben habe ich in einem Blogbeitrag bei Elle das Wort "Morgenmagazin" innerlich ersetzt und als "Morgenurin" gelesen. Komplette Verstrahlung erreicht!


(oder Fantasien über den Zustand von Bloggerinnen. Könnte auch sein, hat sicherlich aber auch mit der eigenen Verstrahlung zu tun).

Mittwoch, September 05, 2007

Expertinnen

Für mein neues Buch interviewe ich Expertinnen. Jeder Buchteil schließt mit einem Interview zum Thema ab. Was lag näher, als in meinem erweiterten Freundeskreis zu schauen, was ich für Expertinnen zu bieten habe. Gesagt getan, es war gar nicht schwer, die passenden Expertinnen hatte ich schnell gefunden - die Termine zu vereinbaren war schon schwieriger. Nach und nach habe ich fast alle Interviews geführt und es ist sowas von spannend!

Obwohl meine Freiberuflerfreundinnen und ich viel über den Job sprechen, geht es doch oft um das Drumherum der Arbeit. Neue Aufträge, Projektideen, ausbleibende Zahlungen, anstrengende Kunden, spannende Begegnungen, fehlende Aufträge, Neuorientierung oder die Einsamkeit am eigenen Schreibtisch ohne Kollegen. Aber selten geht es um Inhalte.

Zum ersten Mal habe ich richtig nachgefragt, was meine Freundinnen genau tun und was sie daran fasziniert. Es war wunderschön, ihnen zuzuhören, wenn sie von ihrer Mission berichteten, was genau ihr Motto ist und wie das mein Leben bereichern würde. Bei jeder der Expertinnen hätte ich am liebsten gleich einen Kurs oder eine Beratung gekauft. Am übernächsten Sonntag beginne ich mit Nia. Ich hätte es nie gedacht, dass ich mich dazu aufraffen, mich das trauen würde, aber Lea erzählte so begeisternd davon, dass ich mich einfach zu ihrem Nia-Workshop anmeldete. Ich bin sehr gespannt.

Vielleicht mache ich mal ein ganzes Buch mit Interviews. Es gibt so viel faszinierendes an den Menschen zu entdecken, die ich kenne. Oder ich frage einfach so mal genauer nach.

Sonntag, September 02, 2007

Warum?

So, bin gestern mit "Beste Jahre" von John von Düffel fertig geworden. Ein nettes Buch, wenn es mich auch nicht ganz so umgehauen hat, wie "Houweland" oder "Ego". Es gibt Sätze und Absätze in dem Buch von denen ich neidisch bin, dass ich sie nicht selbst geschrieben habe. Sehr treffende Beobachtungen über das, was die Menschen "im mittleren Lebensalter" umtreibt oder umtrieb.

Allerdings ist es kein Roman über Reproduktionsmedizin - wie ich irrtümlich annahm, nachdem ich mehrere Ankündigungen gelesen hatte. Der Titel ist also durchaus treffend gewählt. Was mich wirklich sehr verwundert ist, dass es diverse Bücher, auch Romane, von Frauen gibt, die das gleiche Thema beinhalten, aber als Special-Interest-Literatur wahrgenommen - genauer gesagt "nicht wahrgenommen" werden. "Beste Jahre" hingegen ist für den Deutschen Buchpreis nominiert. Nur, weil es von einem Mann geschrieben ist?

Klar ist es bemerkenswert. Ich finde, es ist ein gutes Buch und Herr von Düffel hat mit seinem Werkt insgesamt durchaus mal den Buchpreis verdient. Und natürlich habe ich es nicht nur gekauft, weil ich die Bücher von Herrn von Düffel gerne lese, sondern weil ich auch extrem neugierig war, was ein Mann über den Wunsch nach einem Kind und über Reproduktionsmedizin denkt. Aber so richtig viel habe ich darüber nicht erfahren. Merkwürdig distanziert schreibt er - und vielleicht ist genau das die Botschaft. Männer sind einfach zwangsläufig distanzierter zu dem Thema als Frauen. Wenn ich bedenke, wieviel Denkzeit das Thema Kind bei mir in allen Facetten beansprucht hat. Das ist wirklich nicht zu vergleichen. Roman hin, Roman her.

Naja, ich will das Buch nicht schlechtreden. Wie gesagt, es gibt viele schlaue Sätze darin und ich habe es auch gerne und voller Spannung gelesen. Die Sprache und manche Reflektion unterscheidet "Beste Jahre" schon von Büchern wie "Eisprung" von Judith Uyterlinde oder "Wenigstens ein bißchen schwanger" von Sinead Moriarty. Ersteres ist eher "Betroffenheitsliteratur", also direkt eine erlebte Geschichte erzählt und nicht als Roman in eine Kunstform gehoben und zweiteres ist eher ein unterhaltsamer Roman (der im Filmgenre Komödie heißen würde) als eine kunstvoll komponierte und sprachlich fein ausgearbeitete Geschichte. Insofern bietet "Beste Jahre" in der Tat mehr Qualität. Aber zum Beispiel "Der lange Weg zum Kind" von Linda Carbone und Ed Decker ist ein gutes Buch; literarisch anspruchsvoller (auch wenn es "Erfahrungsbericht" statt Roman genannt wird) als die oben genannten, informativ und berührend. Ich frage mich , ob "Beste Jahre" nicht doch aufgrund des Geschlecht und des Renomees des Autors mehr wahrgenommen wird, statt aufgrund seiner Kunstfertigkeit. Ich weiß, mit solchen Thesen gehe ich den meisten Leuten auf den Wecker - aber das ist mir egal.

Donnerstag, August 30, 2007

Diminutiv

Vorhin ertappte ich mich dabei, wie ich wirklich nett zu mir war. Ich sprach mit mir selbst und benutzte den Diminutiv. Toll. Das ist mir in letzter Zeit schon öfters aufgefallen.

Lange Jahre habe ich als Kind darunter gelitten, dass man aus meinem Namen keine Koseform oder einen coolen Spitznamen bilden konnte. Wie heiß habe ich schon ab dem Kindergarten die ganzen Andis, Steffis und Claudis beneidet. Später grämte ich mich, weil verkleinern und vor allen Dingen verniedlichen irgendwie nicht zu mir passte.

Und jetzt benutzt der Gatte manchmal das "- chen" und ich übernehme es sogar. Mein Leben hat sich wirklich immens verbessert! Und als Guru für nen gutes Leben ist es doch ein wirklich gutes Zeichen, wenn ich zur mir selbst zärtlich bin.

Mittwoch, August 29, 2007

Schokolade

Bisher war ich nicht so der Schokoladentyp. Klar, immer mal habe auch ich Lust auf Schokolade, aber erstaunlicherweise hatte ich nie Probleme mit ganzen Tafeln. Ein oder zwei Stücke reichen mir auf einmal. So richtig gut, hat mir Schokolade auch nie geschmeckt. Ich bin eher der Gebäcktyp. Dann schon gerne mit Schokolade.

Seit dem ich den berliner Schokoladenladen in't Veld entdeckt habe, ist das anders. Vielleicht gefällt mir dort auch besonders das Kauferlebnis. Kann sein. Egal, hauptsache es schmeckt. Bisher war ich den Hausmarken (insbesondere der, mit der braunen Verpackung) verfallen. Ich mag es, dass es dort zarte Täfelchen und nicht so ein wuchtiges Stück Schokolade ist, das man in den Mund nimmt.

Doch jetzt bin ich noch in eine andere Sorte verliebt: Djakarta (Criollo Trinitario) von Pralus.



Erstaunlich. 75 % Kakao und so viel Schmelz. Unglaublich! Lecker!

Dienstag, August 28, 2007

Musik, Musik!

Musik gehört zu meinem Leben dazu. Damit meine ich Musik-machen. Musik hören ist ganz nett, ich kann aber auch ohne. Musik machen finde ich wunderbar. Es gibt nichts, was mich so sehr entspannt und auf andere Gedanken bringt. Genauer gesagt, wird mein Kopf davon schön leer. Vermutlich ein ähnlicher Effekt wie Meditation, aber damit habe ich nichts am Hut, seitdem ich mal ein japanisches Dojo besuchte und es wirklich sehr unbequem fand. Im Gegensatz zu Herrn van de Wetering konnte ich dem wirklich nichts abgewinnen außer Schmerzen, die ich nicht erstrebenswert finde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Vor knapp zwanzig Jahren habe ich mein Elternhaus verlassen (ohgott, so lange schon her?) und dabei auch das Klavier dort gelassen. Dies geschah allerdings nicht freiwillig. Meine Mutter hat es einfach behalten. Seither wettere ich dagegen, ein Kind ein Instrument lernen zu lassen, dass es beim Auszug nicht mitnehmen darf. Das ist fies. 12 Jahre Klavierunterricht für den Arsch.

Zunächst versuchte ich mich im Singen, mußte aber feststellen, dass ich für das Singen nur ein klitzekleines bißchen mehr begabt war, als für das BWL-Studium. Aus vernünftigen Gründen habe ich mich dann gegen das Singen in Hotelbars und für das bekloppte Studium entschieden. Die Musik trat damals sehr in den Hintergrund und verschwand irgendwo hinter den Weinflaschen. In Berlin ergab sich wenigstens eine ordentliche Band, aber ich Dummchen mußte ja Berlin verlassen und jetzt habe ich den Salat: einen Chor.

Jeden Montag dackele ich in den Chor. Das mache ich seit Februar 2001. 6 Jahre lang. Und mindestens 5 Jahre davon bin ich genervt. Es ist ja ok, wenn nicht alle Leute gleich musikalisch sind, aber müssen sie deswegen ihr Hirn zuhause lassen? Warum können sich die Leute keine Texte merken? Liegt es daran, dass sie die englischen Wörter nicht verstehen? Warum brüllen die Menschen bei Liebesliedern? Warum muß der Bass, wenn er seine Stimme nicht kann, voller Inbrunst die Sopranstimme gröhlen? Warum können Sopranistinnen nicht hoch singen und stellen sich an, wenn es von ihnen verlangt wird? Und warum lachen die Leute über extrem schlechte Witze?

Und trotzdem gehe ich jede Woche wieder hin, weil Musik einfach zum Leben dazu gehört. Eigentlich ist es schade, irgendetwas mangels besserer Alternativen zu tun. Eigentlich gefällt mir das nicht. Aber wie könnte ich das ändern?

Montag, August 27, 2007

Mutprobe

Letzte Woche war ich zum ersten Mal mit meinem Patenkind auf dem Klo. Es ergab sich so. Ich sagte zu ihrer Mutter, dass ich mal auf die Toilette müssste und schwups hatte ich eine kleine Hand in meiner "ich muß auch". Da hoffte ich doch sehr, dass es sich nur um Pipi handelte. Wir haben es prima gemeistert und ich war ganz schön stolz.

Und was ist das Spannende an der Geschichte, fragte der Gatte. Tja, ich fand das ganz schön konkret, so mit Kind. Bisher bin ich ja nur die Tantenrolle gewohnt: Geschenke mitbringen, Blödsinn machen, auf den Spielplatz gehen und das Eis bezahlen. Wenns kompliziert wurde, habe ich die Gören bisher immer wieder abgegeben. Mir war schon bewußt, dass es mit eigenen Kindern womöglich etwas komplizierter sein könnte. Also fand ich es schon bemerkenswert, mit Emma auf dem Klo gewesen zu sein. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber ich bin tatsächlich in der Lage, von und mit den Kindern zu lernen und es sogar gut zu finden.

Sonntag, August 19, 2007

Getroffen

Jetzt bin ich in den Wechseljahren. Genauer gesagt. Wechselmonaten. Was tut man nicht alles, um ein Kind zu bekommen. Bis Ende des Jahres wechsele ich vor mich hin und spreche kleine Mantren vor mich hin, dass ich mich trotzdem gut fühle. Ich gehe offen damit um, nicht dass die Leute denken, ich wäre komisch, falls ich hysterisch in Tränen ausbreche.

Eben habe mich mir heldinnenhaft die Spritze in den Bauch gehauen. Es tat zwar nicht weh, aber es ist schon eine verdammte Überwindung so etwas zu tun.

Ziel verfehlt

Gestern wollte ich das Manuskript soweit fertig haben, um es Korrekturlesern zum Lesen zu geben, derweil ich mir ein paar Tage in Berlin einen faulen Lenz mache neue Inspiration hole. Hat leider nicht geklappt. Wie bei jedem Buch habe ich mittlerweile komplett den Überblick verloren, ob es zuviel oder zu wenig Text ist und an welcher Stelle noch was fehlt.

Ich kann nicht viel an meiner Situation ändern, außer heute einfach weiterzumachen, so weit ich komme und dann Text, den ich habe rauszugeben und abzuwarten, wie die anderen ihn finden und was sie daraus machen. Ärgern und enttäuscht sein bringt nix. Der Abstand tut mir sicherlich gut.

Weiter gehts...

Freitag, August 17, 2007

Schöne Weisheit

Bin total beschäftigt, weil ja morgen spätestens, das Manuskript als fertig deklariert werden soll, aber beim Morgenkaffee lese ich gerne ein wenig im Internet - das gönne ich mir auch in hektischen Zeiten - und habe eine wunderbare Weisheit bei dem schwangeren Bald-Vater gefunden.

"Immer dahin sehen, wo du hinwillst, mein Kind, und wenn du nicht mehr kannst, leg dich auf den Bauch."

Tja, das sollte man wirklich häufiger beherzigen.

Mittwoch, August 15, 2007

Wenn das Schreiben wie von selbst geht

Ganz besondere Momente sind das beim Schreiben, wenn auf einmal die Finger wie von selbst über die Tastatur fliegen, als würde man Klavier spielen. Im Moment fühlt es sich so an, als gäbe es den Text schon und er wollte nur durch mich geschrieben werden. Es gibt Momente, wo ich alles vergesse und es sich einfach schreibt. Genauso ist es, wenn man Klavier spielt und plötzlich die Noten nicht mehr braucht und sich dann das Lied von selbst meldet und man das Gefühl bekommt, es würde einem vorgesungen werden. Wenn das Schreiben wie ein Walzer von Chopin ist, dann ist es göttlich.

Nur zu gut kenne ich die Momente, wo man sich beim Schreiben für das entschuldigen will, was man gerade verzapft. So, wie wenn ich einen Walzer verhunze und gedanklich bei Chopin Abbitte leiste, denn so wie ich ihn spiele (kein Wunder, 20 Jahre kein Klavier mehr) hat er sich das sicherlich nicht vorgestellt. Was ich allerdings seltsam finde, ist dass beim Korrekturlesen herauskommt, dass das, was ich so mühselig schrieb, was mir so verquer, schlecht und hingerotzt vorkam, letztlich gar nicht so schlecht ist. Es beginnt mit einem oder zwei schlechten Absätzen, aber dann ist es ok, wenn auch vor Fehlern nur so strotzend. Es ist schlecht, denn es braucht viel Arbeit, solche Rumpftexte zu überarbeiten. Aber trotzdem sind die Gedanken da, nur dass sie eben nicht fließen. Soll man sich dann an solchen Tagen zum Schreiben zwingen?

Letzte Woche hatte ich das Gefühl, dass sich das Manuskript verselbstständigt. Eigentlich ist es ein fragmentarischer Text. Lauter kleine Texte nur lose in Kapiteln zusammengebunden. Plötzlich sponnen sich Fäden und ich begann Fußnoten einzustreuen, um Verweise auf andere Kapitel zu machen. Im Netz hätte ich verlinkt. Wie sehr fehlen Links bei einem gedruckten Buch! Wie schön wäre es, den Leser sich selbst durch das Buch navigieren zu lassen und nicht diese stringente Form vorzugeben. Mal sehen, ob mir dazu noch was kreatives einfällt.

Mein Manuskript ist fast fertig. Spätestens Samstag will ich es herausgeben und anderen zum Korrekturlesen anvertrauen. Das ist ein großer Moment. Noch hat niemand etwas gelesen. Gar nicht so leicht, ein Werk als "fertig" zu deklarieren. Aber es ist ja erst die erste Korrekturschleife, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden noch ein paar Schleifen folgen.

Samstag, August 11, 2007

Markt

In den letzten Monaten habe ich mir angewöhnt, Samstags zum Markt zu radeln und genieße das sehr. Klar, früher bin ich aus dem Haus gefallen und hatte den Gemüsehändler vor der Tür. Und schon länger kaufe ich gerne im Biomarkt. Aber nirgends, wie auf dem Markt, fühle ich so direkt, in welchem Reichtum wir leben und wie wunderschön es ist. Gerade in den Sommermonaten bietet sich auf dem Markt eine unglaubliche Fülle. Alles sieht so lecker aus und am liebsten würde ich alles sofort anbeißen. Wenn ich schwer bepackt nachhause radele, dann freue ich mich schon immer wie Bolle darauf, alles zu probieren und dann endlich zu kochen. Wer hätte gedacht, dass ich mal so häuslich werde!

Im Gegenzug kann ich aber kaum noch in Supermärkte gehen. Ich bin komplett überfordert von der Auswahl und die ganze Atmosphäre macht mich irre. Diese schrecklichen Menschen und die ekelhaften Dinge, die sie bergeweise in ihre Einkaufswagen laden. Wo ich es auf dem Markt total spannend und entspannend finde, von Stand zu Stand zu laufen und zu schauen, welche Tomaten mich mehr anlachen, finde ich es komplett absurd unter hunderten von Nudelsorten zu wählen.

Und dann gibt es da noch die Markleute, die man regelmäßig trifft. Mit denen man Rezepte austauscht und die in der Woche darauf fragen, wie es geschmeckt hat. Man hat mit Menschen zu tun. Man kann fragen, was man nicht weiß. Das ist schön. Schon merkwürdig, dass ich das als etwas Besonderes empfinde!

Ich schwimme wahrlich nicht in Geld, aber es macht mir Spaß, Geld für gute Nahrungsmittel auszugeben, diese zu verarbeiten und zu genießen. Und ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass Fertiggerichte wirklich billiger sind. Je mehr ich mich mit dem Thema Essen beschäftigte, desto schwerer fällt es mir, diese industrielle Nahrung zu kaufen. Ich merke, es gibt da noch einen Bereich, wo es noch geht - die Süßigkeiten. Aber z.B. kann ich keine Fruchtjoghurts mehr essen. Wenn ich bedenke, wieviele Zwischenmahlzeiten in meinem Leben früher aus Fruchtjoghurt bestanden! Heute muß ich einfach daran denken, dass die Erdbeeren in angeblichem Erdbeerjoghurt zum großen Teil aus Sägespänen gemacht sind und mit künstlichem Erdbeeraroma und Farbstoffen "veredelt" werden. Das ist doch eklig!

Aber das Leben ist schön, wollen wir uns nicht mit dem Ekligen aufhalten. Auf dem Markt wurde mir mal wieder vor Augen geführt, wie wunderbar unsere Welt glücklicherweise immer noch ist und wie reich wir sind. Ich habe gekauft, der Kühlschrank ist voll... und jetzt fange ich an zu schnippeln. Hach!

Dienstag, August 07, 2007

Flirten für Anfänger und Fortgeschrittene

Am Wochenende habe ich einen Flirtkurs mitgemacht. War natürlich nur Recherche, bin ja verheiratet. Das war nicht das Schlechteste, aus sicherer Position, ganz gelassend, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Mir taten allerdings die anderen Teilnehmer ein bißchen leid. Zum Teil waren Sie so sehr darauf konzentriert, ihr elendes Singledasein endlich beenden zu müssen, dass ich vom hinüberschauen schon ganz verkrampft wurde.

Letztlich habe ich natürlich, über die Recherche hinaus, doch auch noch ein paar wertvolle Erkenntnisse mit nach Hause genommen. Ich habe beschlossen, die Hamburger jetzt hartnäckig zu grüßen, insbesondere meine Nachbarn, auch wenn sie mich jedes mal anschauen, als käme ich von den Zeugen Jehovas. Schon komisch, als ich vor ein paar Jahren mit meinen Eltern in Süddeutschland in Urlaub war, war es mir peinlich, dass mein Vater jeden Menschen, den wir irgendwo trafen, grüßte. Aber diese norddeutsche distanzierte Art, passt mir frankfurter Mädscher, auch irgendwie nicht. Wenn Flirten "absichtlose Nettigkeiten sind, die die Welt schöner und freundlicher machen", dann will ich mich ein bißchen mehr bemühen, nicht immer so zielgerichtet oder muffelig durch die Gegend zu laufen. Schon komisch. Wenn ich mit jemand spreche, dann neige ich zur Grinsebacke, aber kaum bin ich alleine, dann geht bei mir der Bildschirmschoner an und ich neige zu Merkel-Falten.

Zunächst war ich ganz erstaunt, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses so normal waren. Eigentlich ganz normale sympatische Menschen in meinem Alter. Klar, wenn man so spät noch nicht Mr. oder Mrs. Right abbekommen hat, dann juckts irgendwann im Familienplanungszentrum. Bei einigen fragte ich mich aber, wie shcon so oft in meinem Leben, warum der oder diejenige alleine ist. Ich fand diese Personen spannend, auch wenn zum großen Teil schon eine gute Idee gewesen wäre, etwas das Outfit zu optimieren.

Nach und nach kamen aber tatsächlich immer mehr alte Kränkungen, Ängste und unaufgelöste Probleme zum Vorschein. Bei den wenigsten hatte ich das Gefühl, dass es kleiner Trick ihre Probleme lösen könnte, vielen wünschte ich eine Therapie. Aber vielleicht sind zwei Tage Kurs ja trotzdem gut, um etwas an der Haltung zu ändern. Vielleicht verbessert sich das Leben, wenn man an ein paar Schrauben dreht und etwas weniger zielgerichtet auf potentielle Kandidaten zustürmt und sich vornimmt, mehr Spaß am Leben zu haben - ob zwei Tage reichen, solche Erkenntnisse im Leben zu verankern? Vermutlich funktioniert so ein Kurs besser, als ein Buch verschämt im Internet zu bestellen, aber nix gegen Bücher, da lebe ich schließlich davon.

Fast ein Gentleman

Gestern, beim Gemüsehändler rollte mir ein Tampon aus der Tasche, als ich hektisch und voll beladen nach meinem Portemonnai kramte. Der türkische junge Mann vor mir, wollte mir eigentlich höflich helfen und das Heruntergefallene aufheben. Als er erkannte, was es war (immerhin) zuckte er, extrem peinlich berührt, weg und war dankbar, dass ich mich selbst darum kümmerte.

Wieso ist das für Männer so unanangehm? Also ich finde es auch nicht super, einmal im Monat ne Woche "in anderen Umständen" zu sein, aber so lange die Dinger nicht benutzt sind, sind sie doch wirklich harmlos. Merkwürdig.

Donnerstag, August 02, 2007

Weichei

Du mußt härter werden, sagt er häufig zu mir und das sind nicht gerade die Momente, wo ich das Spiegeln in einer Beziehung schätze. Es wurmt mich, wenn er das sagt, deswegen schätze ich es theoretisch schon, wenn er das sagt. Aber gerne höre ich das nicht.

Ich streite mich nicht gerne und Rache finde ich auch ein doofes Konzept. Natürlich kommen mir manchmal die Tränen, wenn jemand fies zu mir ist, aber es hängt von der Situation ab, ob ich mich gerade wehre. Es gibt zwei Sachen, die mir das wehren erleichtern: 1. ich fühle mich generell fit, stark und schön (und nicht gerade auf dem letzten Zahn und urlaubsreif wie zur Zeit) und 2. die Sache selbst ist mir nicht wichtig bzw. der Angriff hat mich nicht persönlich getroffen. Dann kann ich sogar in Echtzeit zurückschießen, statt mich zu ärgern und mir Stunden später auszudenken, was ich alles hätte sagen könne.

Grundsätzlich gehe ich aber Konflikten eher aus dem Weg. Viele Dinge sind mir einfach nicht wichtig genug. Wenn ich nett zu mir bin, dann finde ich mich in solchen Momenten unheimlich gelassen und reif. Alles Kinderkram, was die anderen da veranstalten und Schadenfreude und Rache ist sowieso schlecht fürs Karma.

Und trotzdem hat er Recht, wenn er mich auffordert, härter zu werden. Klar zu sagen, wenn mir etwas nicht passt oder mir gerade jemand auf den Füßen herumtrampelt. Immer dann, wenn ich es nicht tue, bleibt etwas zurück. Die unvollende Gestalt macht es mir schwer, mit der Geschichte abzuschließen und raubt mir Energie.

Tja, die guten Vorsätze werde ich nach dem Urlaub umsetzen. Jetzt fühle ich mich einfach nur, wie durch den Fleischwolf gedreht. Leider muß vor dem Urlaub im September erst noch ein Buch fertig werden...

Mehr Zeit - für was?

Als ich gestern mit einer befreundeten Kollegin einen Telefontermin vereinbarte, sagte sie "nicht vor 10 Uhr" und ich war kurz entsetzt. Mir war schon entfallen, dass ich genau diese Antwort in den letzten Jahren gegeben hatte - bevor ich mit dem Gatten zusammen zog. Als einen Vorteil des Freiberuflerinnendaseins schätze ich es, nach meinem Biorythmus zu arbeiten und aufzustehen, wann es mir passte.

Als Teil eines Paares schätze ich jetzt die gemeinsamen Frühstücke - auch wenn das frühe Aufstehen mir immer noch Schwierigkeiten bereitet. Es fühlte sich aber falsch an, wenn ich an Tagen, an denen der Liebste zur gewohnten Zeit zur Arbeit geht, einfach wie ne faule Diva liegen bleiben würde. Es wäre auch deshalb falsch, weil ich ja mitnichten so viel am Wochenende und abends arbeite wie früher. Kommt der Mann nach Hause und hat Feierabend, dann möchte auch ich nicht mehr arbeiten und lasse gerne alles stehen und liegen.

An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass ich unheimlich viel Zeit mit hinterher überhaupt nicht mehr nachvollziehbaren Sachen verdaddele. Jetzt wo ich drüber nachdenke. Ich habe ja auch mehr Zeit, wenn ich früher aufstehe. Aber es fühlt sich anders an. Eben nicht gemäß meines Biorythmusses. Deswegen bin ich oft müde und habe oft das Gefühl, nicht genügend geschafft zu haben. Für das Schreiben ist die Einsamkeit und das arbeiten, wann immer man will, das Singleleben besser. Fürs Leben ist es schöner als Paar.

Dienstag, Juli 31, 2007

Das ist der Sommer...

... sagte eben der zwangsgutgelaunte Radiomoderator aus dem Spackenradio, nur weil im Vorfeld ein Spanier "Silencio" schrie. Das dachte ich mir auch gerade. Heute macht mich das Wetter und der seit Wochen andauernde Krach der Baustelle gegenüber wirklich fertig.

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass ich gerade nicht in der richtigen Stimmung bin einen "hey-ich-habe-das-Leben-gecheckt-und-verrate-euch-ganz-lustig-wie-es-geht"-Ratgeber zu schreiben.

Montag, Juli 30, 2007

Merke !

Wenn einer die Decke auf den Kopf fällt, wenn Schreiben überhaupt nichts mit Lust zu tun hat, wenn es zum Radfahren zu regnerisch ist, um einen Blick in die Zivilisation zu und und unter Menschen einen Kaffee zu trinken... dann ist es hilfreich mit einer Freundin (oder dem Herrn Bandini) zu telefonieren, weil Menschenstimmen froh machen können.

Telefonieren ist auf jeden Fall besser als mailen (und bloggen, obwohl bloggen schon toll ist), denn es findet in Echtzeit statt. Genau das, was ich am mailen liebe, die zeitversetzte Kommunikation, ist manchmal eben nicht das Beste. Manchmal braucht es ein Gespräch, dass sich daraus ergibt, dass man sich Assoziationen zuwirft, um den Gesprächsleitfaden zu entwickeln. Manchmal muß man erzählen, wie es einer geht und eine Reaktion darauf zu bekommen und manchmal muß man, und ich wiederhole mich gerne, einfach eine menschliche Stimme hören.

Friere und sei haltbar!

Ich habe ein neues Hobby: einfrieren. Seit einer guten Woche haben wir eine neue „Kühl- und Gefrierkombination“. Von Gefrierschrank zu sprechen, wäre etwas vermessen, eher ist es eine Kommode oder eine Art Beistelltischchen mit drei Schubladen. Aber eine Steigerung des Dreisternefaches ist es auf jeden Fall!

Schon seit Jahren träumte ich davon, größere Mengen zu kochen und in kleineren Mengen einzufrieren. Ich koche sehr gerne, aber eben nicht jeden Tag. Um das Ganze systematisch zu beginnen, bestellte ich ein Buch bei Amazon. Witzigerweise ist es aus den Siebzigern und dementsprechend erinnerte es mich an meine Mutter. Dafür kostete es auch nur 1,07 Euro. Aber wie das mit bestellten Büchern so ist, musste ich ungeduldig einige Tage darauf warten.

Zwischenzeitlich versuchte ich mit Freundinnen über mein neues Hobby zu sprechen? Besonders bewegte mich die Anschaffung von Behältnissen. Schon lange wollte ich mal auf eine Tupperparty gehen – aber braucht man unbedingt diese teuren Töpfchen? Ich war wirklich erstaunt, dass mich alle belachten und das Thema wechselten. Woher soll man denn seine Informationen haben (wenn nicht aus dem Internet). Ich finde, das sind durchaus spannende Fragen, ob man lieber in Tupper oder in Gefrierbeutel investieren sollte!

Der Liebste beglückte mich wenige Tage nach dem Kauf mit einem Dosenset von Tschobi und auch die Schwiegermutter lies noch ein paar Döschen springen. Das fand ich schon mal super – ganz abgesehen davon, dass einem die Dosen jetzt immer entgegenpurzeln, wenn man den Küchenschrank öffnet.

Ich übe mich im Einfrieren. Die Petit Fours mit Zuckerguss waren noch nicht optimal, denn der Zuckerguss verändert sich irgendwie und die liebevoll geformten (von mir!) Marzipanrosen verlaufen doch irgendwie beim auftauen. Auch die Brombeeren hätte ich gerne auf einem Tablett eingefroren, um sie anschließend gefroren in einen Beutel zu packen, so dass man sie einzelnd entnehmen kann, hätte ich denn ein Tablett gehabt... Es gibt noch viel auszuprobieren und für Tipps bin ich dankbar.

Jetzt muß ich aber erstmal die Augenbrauenfarbe abwischen, dass ich nachher hübsch und nicht mit dicken schwarzen Balken durch die Gegend laufe. Auch das ist ja eine Wissenschaft für sich. Was habe ich rumprobiert, bis ich die Farbe vom Friseurbedarf fand...auch darüber müsste man mal reden!

Wie fängt man wieder an?

Ich frage mich schon seit Wochen, wieso ich nicht mehr blogge. Stopp, so ganz stimmt das nicht, ich blogge, allerdings nicht hier, sondern in einem geheimen Special-Interest-Blog. Am Computer schreibe ich genug - wenn auch zu wenig "für Geld". Eine richtige ausgewachsene Schreibhemmung ist es also nicht. Mittlerweile habe ich auch die technischen Schwierigkeiten behoben, mit mehreren Identitäten durchs WWW zu schleichen, ohne deswegen Kuddelmuddel zu verursachen. Alles prima. Wieso bloggte ich also nicht?

Es war nicht die Technik, nicht die Verlagerung der Interessen. Nein, es war noch mehr, was sich nicht in Worte fassen lässt. Ich versuche es mal so: plötzlich hatte ich ein privates Thema, das so groß, so bewegend war, dass es sich nicht lapidar öffentlich bloggen lies. Es war so intim, so privat und auch ein wenig versponnen, so dass ich diesen Teil meiner Persönlichkeit nicht einfach so in die Weiten des Internets werfen wollte. Allzugut kenne ich diese, in guter freudscher Tradition, schnellen Verurteilung der weiblichen Konzentration auf Themen als Hysterie - als ob stundenlange Recherche vor technischen Kaufentscheidungen nichts anderes als Konzentration wären. Aber ich schweife ab...

Kurz und gut. Ich verrate ja, worum es ging und geht: um den Versuch, ein Kind zu machen. So banal und gleichzeitig so kompliziert, wenn man mit schnellen Schritten auf die 40 zugeht. Die Höhen und Tiefen, die ich in den letzten Monaten erlebte, waren nicht blogbar, zumindest nicht hier. Aber sie waren ein so wesentlicher Teil meines Lebens, dass ich eben nicht nebenher über die Banalitäten des Alltags bloggen konnte. Das Dilemma der Blogs, so viel Authentizität wie möglich, aber so viel Verschlüsselung zum Schutz der Privatsphäre wie nötig, zerrissen mich im öffentlichen Raum.

Da aber mein Blog nicht nur für andere da ist, sondern auch mein Tagebuch für alle Lebenslagen ist, wäre es schade, wenn ich es aufgeben würde. Den Bloggeburtstag hatte ich übersehen, doch stellte ich immer wieder fest, dass dieses Blog doch schon zu den Urgesteinen zählt, auch wenn es in einer versteckten Nische des Internets herumdümpelt. Es wäre zu schade, ganz von der Oberfläche zu verschwinden. Vielleicht war diese Pause eben ein wichtiger Teil des Erkenntnisprozesses rund ums bloggen.

Aber wie fängt man wieder an? Wie macht man weiter? Wie schade, dass ich kein Verzeichnis mit Mailadressen meiner damaligen LeserInnen habe. Wie schön wäre es, eine "ich bin wieder da"-Mail zu schicken, die mich dazu verpflichen würde, am Ball zu bleiben. Wie schade, dass ich mich immer gegen den RSS-Fead sperrte.

Tja, so isses, also gibt es einen Neuanfang, der wie in Anfang ist und wir werden sehen, wohin es führt...

Donnerstag, Februar 22, 2007

Vertrau doch endlich mal deiner Intuition!

Ich bin wirklich unnötig kompliziert. Seit Tagen quäle ich mich mit einem Buchprojekt herum, das sich im Kopf als Entwurf fertig anfühlt. Ich bekam es einfach nicht "zu Papier" und schrieb mal wieder wilde Fragmente, die anschließend nur wieder tierisch viel Arbeit machen, wenn ich sie in das entstehende Manuskript sortieren muß. (Ganz zu schweigen davon, wieviele Fragmente ich anschließend gar nicht verwende.) Es macht mir Schwierigkeiten, dass dieses Sachbuchprojekt noch belletristischer ist, als meine vorherigen Bücher.

Dieses Mal will ich mit mehreren Personen arbeiten, die etwas erleben, aus dem man lernen kann. Ich schaffte es bisher einfach nicht, die Personen zu skizzieren und eine Gliederung zu machen. Dabei habe ich weiß Gott genügend Fernsehserien gesehen, die, wenn auch nicht ganz so didaktisch gemeint, doch genau dieses Prinzip immer und immer wieder aufgreifen. Ich wußte, wie es sein soll, ich weiß, dass es gut ist, aber ich bekam es einfach nicht hin.

Seit Tagen habe ich irgendwie das Gefühl, dass das Projekt Form annehmen könnte, wenn ich mit einem Pinsel an einer Leinwand stehen würde. Im Geiste ensteht ständig dieses Bild, dass ich einen breiten Pinsel in der Hand habe und mit einem weichen großen Schwung male.

Vorhin kapierte ich endlich, was mein Unbewußtes mir sagen wollte. Natürlich, ich sollte das Flipchart benutzen, was direkt neben meinem Schreibtisch steht (statt Solitär zu spielen).

Mittwoch, Februar 21, 2007

Kuriositäten

Seit Tagen überlege ich, welche Dinge an mir kurios sein mögen. Man selbst merkt das ja nicht, aber der Haltungsturner ist kurios, die Frau Kaltmamsell, Herr Rau, Frau Modeste, Frau Fragmente und viele mehr. Ha, jetzt fällt mir etwas ein, was zu meinem Leben gehört, aber andere Menschen ziemlich merkwürdig finden könnten.

1. Ich schaue seit mehr als 10 Jahren "Verbotene Liebe" so oft es geht und würde sagen, ich komme auf ca. 180 Sendungen pro Jahr, obwohl ich weiß, dass es eine unglaubliche Zeitverschwendung ist. Zusammengerechnet sind es ca. 75 Tage ohne Schlafen. Ich bleibe allerdings nicht extra zuhause, um es nicht zu verpassen und ich zeichne es auch nicht auf.

2. Ich muß neben dem Bett eine Flasche Wasser stehen haben, sonst kann ich nicht einschlafen. Außerdem brauche ich Labello auf den Lippen zum einschlafen.

3. Beim Eierkochen stelle ich einen Kurzzeitwecker und schlage dann noch etwas Zeit nach Gefühl drauf, um das optimale Ei zu kochen.

4.Ich schreibe den kleinen Buchstaben "f" von unten (erst unten mit dem Stift aufsetzen und dann nach oben fahren)

5. Ich unterhalten mich gerne in größerer Runde über Safer-Blasen.

6. Als Kind wollte ich Vater werden.

und eine abgelegte Kuriosität: Ich konnte mehr als 20 Jahre nicht einschlafen, wenn ich kein Halstuch anhatte.

Keine Ahnung, ob mein Blog überhaupt sechs verschiedene Leser hat. Also an wen sollte ich das Stöckchen weitergeben? Ich werfe es einfach mal in die Luft und wer mag, stellt sich drunter, fängt es auf und verrät uns ein paar Kuriositäten über sich. Nur der Frau Saintphalle, der werfe ich das Stöckchen ganz besonders liebevoll zu, weil ich immens gespannt bin, was sie an Kuriositäten zu bieten hat.

Freitag, Februar 16, 2007

nah....und fern......

Das Blog hier liegt ziemlich brach, aber zumindest von mir ist es nicht vergessen. Ob es noch jemand liest? Ich bin derzeit mit anderen Theman an anderen Orten beschäftigt, die zu privat sind, um sie zu bloggen, aber aufgeben, werde ich das hier natürlich trotzdem nicht.

Was mich gerade beschäftigt, in mir noch nachhallt. Vorhin rief eine Freundin aus Amerika an. Auf dem Mobiltelefon. Für mich ist das immer noch völlig irre. Ich empfinde mobiles telefonieren immer noch als irre teuer und auf die Idee, egal mit welchem Telefon nach Amerika zu telefonieren, finde ich völlig absurd - dabei habe ich niemals geprüft, ob das tatsächlich teuer ist.

Es war toll, ihre Stimme zu hören. Ich vermisse sie. Vielleicht sollte ich doch mal schauen, was Flüge kosten und ob wir skypen können.

Das Ipod-Stöckchen

Vom Haltungsturner einfach so genommen. Aber ich werfe es weiter. Mich würde interessieren, wie HerrLich, 40undetwasmehr und Sierra shuffeln.

Die Regeln:

Soundtrack of Life:
Wenn dein Leben ein Film wäre, was würde der Soundtrack sein?
Also, so geht’s:
1. Öffne deinen Musicplayer (iTunes, Winamp, Media Player, iPod etc.)
2. Stelle es auf Shuffle/ Random
3. Drücke “Play”
4. Schreibe für jede Antwort den Songtitel, der gerade gespielt wird, auf:
5. Drücke für jede neue Frage den “next” Button.
6. Lüge nicht und tue nicht so als ob du cool wärst… Tipp’s einfach ein!

1. Vorspann
„New York City“ von Craig Armstrong
Na, das ist doch mal ein pathetischer Anfang! Passend, würde ich sagen. Große Auftritte mag ich ja schon. Und dann noch Spannung, was noch kommt, ein bißchen schräg und nicht so schlicht, wie man anfänglich vermutet. Schön.

2. Aufwachen
„Tacea la Notte Placida“ gesungen von Maria Callas. Nicht das schlechteste Aufwachen. Süß und eindringlich. Irgendwie auch mütterlich, das Gefühl kommt auf, dass ich nicht alleine aufwache und durch die Welt gehen muß, sondern, dass Maria mich an die Hand nimmt und begleitet.

3. Erster Schultag
„Going to a Gogo“ von Smokey Robinson. Jetzt kommt endlich mal etwa Rhythmus ins Spiel. Das Lied ist mir aber ziemlich fremd. Es ist von einem Motown Sampler und gehört nicht zu meinen Favoriten. Ich kann mich nicht erinnern, es jemals bewußt angehört zu haben – auch das würde passen, denn Schule habe ich, im Rückblick betrachtet, viel zu unbewußt besucht.

4. Verlieben
Eigentlich kam jetzt das Kapitel aus „Jetzt mußt du wissen“ aus dem Krimi „Auferstehung der Toten“ des wunderbaren Wolf Haas. Von ihm selbst ganz wunderbar gelesen. In Wolf Haas bin ich ja schon seit Jahren verliebt und wenn ich seine Bücher lese, kann ich gar nicht mehr anders, als so reden wie er – das ist ein bißchen peinlich. Aber verliebt durch die Gegend zu schweben, kann ja auch manchmal peinlich sein.

Jetzt noch mal richtig, was für Musik zum Verlieben? „Peer Gynt Suite Nr. 2“ von Edvard Grieg. Ja, das fühlt sich an, wie verliebt sein.

5. Das erste Mal
„I Can`t get next to you“ The Temptations. Kein Kommentar.

6. Kampflied
„Dies Irae“ aus Mozarts Requiem. Hach, da feuert mich der Chor schön an. Wenn ich das höre, dann denke ich immer an den Mozart-Film und den Eifer, den Mozart beim Schreiben entwickelt, obwohl es ihm nicht gut dabei geht. Passt sehr schön. Habe das eben noch mal online übersetzen lassen, da ich kein Latein lernte „Der Tag des Zornes, der die Welt in Asche fallen lässt“, also ganz so sehr wollte ich nicht verwüsten, aber ich habe mir vorgenommen, immer mehr zu kämpfen, statt bequem klein beizugeben, da passt dann so eine Untermalung.

7. Schluss machen
„Summer Nights“ von John Travolta und Olivia Newton John. Sehr schön.... Beschreibt wahrscheinlich meine frühere Männerauswahl und die peinlichen Szenen drumherum. Jetzt brauche ich ja kein Lied fürs Schlußmachen mehr.

8. Abschlussball
„Tag am Meer“ von den Fantastischen Vier. Nun, mit dem Thema Abschlussball konnte ich sowieso nicht so viel anfangen – lieber verbringe ich einen Tag am Meer!

9. Leben
„Jimmy Mack“ Martha Reeves. Eigentlich ein Lied, was mir schon immer gründlich auf die Nerven gingt, weil es so schrill ist. Stammt auch von dem Motown Sampler. Habe den Text eben noch mal nachgeschlagen. Aha, er handelt von einer Frau, die sich für eine andere Möglichkeit entscheidet, weil die, die sie eigentlich präferierte, nicht eintraf – positiv formuliert. Man könnte natürlich auch sagen, dass sie sich einem anderen Mann hingab, weil der andere gerade nicht zur Hand war, aber ich bevorzuge natürlich erstere Interpretation.


10. Nervenzusammenbruch
„The same love that made me laugh“ von Al Jarreau. Das kann einen schon verrückt machen, dass alles zwei Seiten hat.

11. Autofahren
„Tainted Love“ von Soft Cell. Ja perfekt. Ich liebe beim Autofahren alles, bei dem man mitsingen kann.

12. Flashback
„Saving all my love for you“ von Tom Waits

13. Wieder zusammen kommen
„Sperr mich ein“ von Element of Cime – hui, solche Wünsche habe ich?

14. Geburt des ersten Kindes
Na, das ist ja im wahrsten Sinne des Wortes Zukunftsmusik. „Stockholm Sweetnin“ noch mal Al Jarreau, Ich habe mir über das Lied bisher wenig Gedanken gemacht. Mein aktueller Eindruck gerade „nett und melodisch“. Aber Al Jarreau habe ich zuletzt vor ungefähr 18 Jahren gehört.

15. Endkampf
„Cuori Agitati“ von Eros Ramazotti. Keine Ahnung, was das übersetzt heißt. Mich erinnert die Platte an einen schönen Urlaub, damals, als Deutschland gegen Italien bei der Weltmeisterschaft spielte und wir Urlaub in Umbrien machten. Endkampf?

16. Todesszene
„Just Another Sucker on the vine“ von Tom Waits. Nicht das schlechteste, finde ich, Tom Waits zur Todesszene zu spielen. Allerdings habe ich mir niemals einen Tod, neben einer Wein-Flasche vorgestellt. Das Lied ist vielleicht ein wenig zu lieblich für den Tod – aber warum eigetnlich nicht, ein melodiöses Leben, ein Leben voller Melodien könnte durchaus angenehm mit einer kleinen Melodie enden, die verspricht, niemals aufzuhören, obwohl sie es natürlich doch tut.

17. Beerdigung
„Wem gehört die Welt?“ von Joy Denalane. Der Refrain passt schon:

„Wem gehört die Welt- Die Welt ist mein
Songtexte wem gehört die Welt- die Welt ist dein
nichts was heute ist, muss für immer sein
Songtext wem gehört die Welt- die Welt ist rund
wem gehört die Welt- und muss sich dreh'n
Lyrics was unten war, wird oben steh'n“

18. Abspann

„Hit Skit“ von Freundeskreis. Also Gequatsche mag ich ja überhaupt nicht auf CDs. Das ist ein Mini-Track, den ich immer weitergedrückt hatte und nur anhörte, wenn es sich nicht vermeiden liess. Nur wenige nervige Sekunden. Mhmmm kurzer Abspann.

Montag, Januar 29, 2007

Kleines Glück

Eben habe ich dem Winter zwei Sonnenstrahlen abgetrotzt und schweigend genossen. Ich hätte auch das Haus verlassen können, so hatte ich es mir zumindest den ganzen Vormittag vorgenommen und gemerkt, dass ich mich davor drückte, denn das Ziel, das nutzlose Einkaufzentrum reizte wie immer nicht. Dann beschloß ich mich in Mantel, Mütze und Handschuhe gehüllt, auf den Balkon zu setzen, um Mittag zu essen und ein wenig zu lesen. Die Sonne war schön, der Wind kalt und leider konnte man die Autos auf der Straße gegenüber kaum übersehen, weil die Bäume noch keine Blätter haben. Ich sehne den Frühling und den Sommer herbei, wenn ich endlich wieder die Balkonstühle aus dem Keller hole.

Samstag, Januar 27, 2007

Kochstöckchen

Es hat mich zwar niemand darum gebeten, aber nachdem ich das Stöckchen beim Don, bei der Frau Kaltmamsell und beim Haltungsturner las, war ich so frei, es mir zu kopieren und auch auszufüllen.

1) Kannst du kochen? Wenn ja, kochst Du gerne?


Ja, und ich koche gerne. Ich koche gerne für andere. Gemeinsames Essen ist toll, eine sehr schöne Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und sich zu unterhalten. Ich liebe es auch, noch eine Weile vor den abgegessen Tellern zu sitzen (und habe mich deshalb mal für einen rauchenden Mitbewohner entschieden). Für andere kochen ist Liebe. Ich mache das gerne.

Kochen mag ich auch, weil man etwas mit Dingen macht normalerweise ist die "Welt der Dinge" ja weniger meine Welt als die der Gedanken. Man kauft irgendwelche Dinge ein, oder züchtet sie auf dem Balkon und dann verändert man sie, schmeißt sie zusammen und es wird etwas Neues. Das finde ich magisch. Es befriedigt mich, dass man in relativ kurzer Zeit (z.B. im Vergleich zu einer Renovierung oder zum stricken eines Kleidungsstückes) ein Ergebnis erzielen kann.

Kochen ist auch gut gegen Aggressionen. Am besten funktioniert bei mir Karotten schneiden.

Nicht zuletzt verschafft Kochen auch Anerkennung. Um es mit meinem Lieblingsbeispiel zu sagen: den Müll trägt deswegen in einer WG keiner gerne runter, weil man dafür kein Lob bekommt.

2) Wann isst bei Euch die ganze Familie gemeinsam?

Wir frühstücken gemeinsam und speisen am Wochenende gemeinsam. Abends gibt es nur eine Kleinigkeit und auch nicht immer, weil ich oft am späten Nachmittag etwas koche und dann, wenn der Gatte nach Hause kommt, keinen Hunger habe - höchstens Futterneid - aber zur Gesellschaft eine Kleinigkeit mitesse oder einen Tee trinke.

3) Was isst Du zum Frühstück?

Seit dem ich den Liebsten kenne meist Toast mit Goldsaft und Marmelade. Die Jahre davor habe ich, nach einer Diät und Ernährungsumstellung, fünf Jahre morgens Obst geschnippelt und Müsli gegessen. Eigentlich hat mir das gut getan und ich frage mich oft, warum ich das nicht wieder mache. Der einzige Grund ist dieser schreckliche Futterneid. Toast riecht einfach so unglaublich gut.

4) Wann, wo und wie esst ihr in der Woche?


Seit dem der Gatte mich kennt, isst er nicht mehr vor dem Fernseher, sondern am Tisch, weil er die regelmäßigen Gespräche schätzt. Das gilt für Frühstück und Abendessen. Wenn ich mittags etwas koche, dann sitze ich am Tisch und lese beim Essen die Zeitung, obwohl ich weiß, dass das Bullshit ist. Manchmal gönne ich mir etwas "außer Haus", weil mich das erstens an die frische Luft bringt und zweitens für Abwechslung auf meinem Speiseplan sorgt.

5) Wie oft geht Ihr ins Restaurant?

Viel zu selten. Ich liebe es, essen zu gehen. Zum einen, weil man Dinge essen kann, an die man sich nicht rantraut, sie zu kochen oder die zu kompliziert sind und weil das Essen auf dem Teller viel hübscher angerichtet ist, als bei mir.

Das allerschönste beim Essen gehen mit dem Liebsten ist die Rendevouz-Atmosphäre, die zuhause einfach nicht aufkommen mag.

Leider teilt der Liebste meine Leidenschaft nur begrenzt. Das Einzige, was er mag ist All-you-can-eat-Sushi und das ist das Gegenteil von Romantik (und mit vollem Bauch hat man hinterher auch keine Lust mehr romantisch-und-so-weiter zu sein). Ich bin gar nicht sicher, warum er nicht gerne essen geht, vermute aber, dass er zum einen lieber zuhause is(s)t und es zum anderen zu teuer empfindet.

6) Wie oft bestellt Ihr Euch was?

Nie. Machen so was nicht nur Computer-Leute?

7) Zu 5 und 6: Wenn es keine finanziellen Hindernisse gäbe, würdet ihr das gerne öfters tun?

Bestellen finde ich absurd. Dann gehe ich lieber essen oder koche eben aus dem was da ist eine schnelle Pasta.

Eine Einschränkung muß ich allerdings machen. Wenn man beruflich ständig essen geht, dann macht das außerhäusige essen nicht mehr so viel Spaß - da das bei mir nicht Fall ist, kann ich es gut genießen.

8) Gibt es bei Euch so was wie „Standardgerichte”, die regelmäßig auf den Tisch kommen?

Bei "uns" noch nicht wirklich. Das liegt daran, dass ich, seit dem wir zusammen sind, jedes Wochenende mindestens ein neues Gericht ausprobiere. Als ich Single war, gingen mir meine Standardrezepte tierisch auf den Geist, aber ich bekam den Hintern nicht hoch, mal etwas neues zu probieren. Jetzt, mit dem Liebsten, schaue ich gerne Kochsendungen und probiere Jamie Oliver-Rezepte hoch und runter. Ein paar Favoriten gibt es, aber noch nicht wirklich Standardgerichte.

Zu meinen persönlichen Standards gehören: Nudeln mit Bolognese (so wie meine Mutter sie macht), wenn ich traurig bin und Reis-mit-Tunfisch-und-Senfsoße, wenn es schnell gehen soll, man richtig hunger hat und nicht einkaufen war.

Achso, es gibt doch einen Standard: Sushi machen wir häufiger selbst. Das hatte ich ja ganz vergessen. Ist ja aber auch nicht wirklich "kochen".


9) Hast Du schon mal für mehr als 6 Personen gekocht?

Ja, das mache ich gerne. Ich habe mir vor vielen Jahren extra einen Tisch zum ausziehen gekauft, an den bis zu 10 Personen dran passten. Wenn man davon absieht, dass ich keine Meisterin im Speisen-schön-anrichten bin, dann kommen meine Gäste gerne immer wieder - früher meist zu "Grüner Soße" oder Erbsensuppe.

10) Kochst du jeden Tag?

Nein. Ich las bei Don Dahlmann, dass er es tat und dachte "Hut ab". Ich weiß, dass es mir gut täte, aber leider scheitere ich ebenso daran wie an Sport.

11) Hast Du schon mal ein Rezept aus dem Kochblog ausprobiert?

Ja, wenn man die Vorspeisenplatte als Kochblog versteht. Ich liebe das New York Cheesecake Rezept.


12) Wer kocht bei Euch häufiger?

Ich. Am Anfang unserer Beziehung haben wir zusammen gekocht, aber ich stellte mich nicht als besonders teamfähig oder begabte Kochlehrerin heraus. Das stört mich aber nicht, denn ich erlebe die Zeiten in der Küche am Wochenende als sehr kreativ und entspannend. Meist räumt der Gatte im Anschluß die Küche auf (die ich allerdings nicht als Schlachtfeld hinterlasse). Dieser Liebesdienst gefällt mir genauso gut, wie wenn er überraschend für mich kocht.

13) Und wer kann besser kochen?

Der Alltag beweist: ich. Aber alles, was er für mich kochte, war ganz wunderbar. Ich vermute, er kann das alles, ist aber langsamer und weniger geübt. Vielleicht sollten wir doch mal wieder zusammen kochen...

14) Gibt es schon mal Streit ums Essen?

Nein. Es gibt nur einen kleinen Futterneid meinerseits, von dem der Liebste etwas genervt ist. Das bezieht sich aber eher auf Süßigkeiten.

Es gibt noch ein Bedauern, aber das ist kein Streit. Der Liebste isst keine vierbeinigen Tiere. Wenn ich die Kochbücher durchblättere oder Kochsendungen sehe, dann bedauere ich oft, dass viele Gerichte einfach nicht in Frage kommen. Das finde ich schade, aber es ist keine Katastrophe.

15) Kochst du heute völlig anders, als Deine Mutter / Deine Eltern?

Ja. Obwohl ich das Kochen, viele Tricks und Kniffe bei meiner Mutter gelernt habe. Ich koche internationaler, sehr gerne indisch, thai oder japanisch. Bei meinen Eltern ist die Küche eher eine Mischung aus deutsch und italienisch. Ich habe eine andere Vorliebe für Gemüse als sie, meines ist meist knackiger und ich koche niemals Mehlschwitzen, außerdem gibt es bei uns noch viel weniger Fleisch als bei meinen Eltern. Und weniger Salat.


Aber "völlig" anders ist es nicht. Schon ähnlich, nur etwas bereicherter vielleicht.

16) Wenn ja, isst Du trotzdem gerne bei Deinen Eltern?

Klar, es schmeckt doch nirgends so gut, wie bei Muttern. Ich mag es, wenn meine Mutter "zaubert", d.h. irgendwas aus Resten kocht. Ich liebe den weihnachtlichen Kartoffelsalat mit Frikadellen und ihren/seinen Wirsing.

Ich esse auch sehr gerne bei meinen Schwiegereltern, insbesondere Kohl und Pinkel. Hach, da freu ich mich schon wieder drauf. Außerdem gibt es da immer Fleisch. Auch wenn ich nicht viel Fleisch esse, freue ich mich immer, wenn es mal eine Gelegenheit dazu gibt.

17) Bist Du Vegetarier oder könntest Du Dir vorstellen vegetarisch zu leben?

Nein, aber ich esse wenig Fleisch. Das liegt daran, dass es bei uns zuhause wenig Fleisch gab. Ich mag es auch, genauso wenig wie meine Mutter, zubereiten und schon das Einkaufen von Fleisch gefällt mir wegen des Wartens an Fleischtheken nicht.

Ich bin keine Vegetarierin, aber ich esse nur ca. 2 Mal im Monat Fleisch und Wurst eigentlich niemals. In Tagungsstätten auf Weiterbildungen esse ich fast immer vegetarisch, weil ich denke, dass sie dort wohl billiges Fleisch nutzen - oder ich bilde mir das zumindest ein.

18) Was würdest Du gerne mal ausprobieren, an was Du Dich bisher nicht rangewagt hast?

Braten und Fischrezepte ohne Grätengefummel.

19) Kochst Du lieber oder findest Du Backen spannender?

Früher mochte ich backen lieber, heute empfinde ich das Kochen als vielfältiger.

20) Was war die größte Misere, die Du in der Küche angerichtet hast?

Kann mich gerade an keine erinnern, obwohl es sicherlich welche gab.

21) Was essen Deine Kinder am liebsten?

Ich schätze, meine zukünftigen Nachkommen werden Nudeln mit Bolognese und Reis mit Tunfisch und Senfsoße am liebsten essen.

22) Was mögen Deine Kinder überhaupt nicht?

Das werden wir sehen.

23) Was magst Du überhaupt nicht?

Leber

Mittwoch, Januar 03, 2007

Angriff der Killerviren

Eine Erkältung schleicht sich hinterrücks an. Wieso nur? Ich hatte letztens irgendwo gelesen, dass man dann eine Erkältung bekommt, wenn man sich von jemand ansteckt. Die Ansteckungsgefahr erhöht sich im Winter, weil man sich dort häufiger in geschlossenen Räumen mit infizierten Menschen aufhält. Gestern habe ich nicht das Haus verlassen, heute auch noch nicht. Also kann es nur sein, dass sie mir der Liebste von der Arbeit mitgebracht hat. Na fein. Socken an und viel Tee trinken. Und beim Universum bestellen, dass ich die kleinen Feinde in meinem Körper besiege.

Dienstag, Januar 02, 2007

Jahresanfangsritual

Jedes Jahr das gleiche Ritual: ich überarbeite meinen Filou (Filofax).

Jedes Jahr übertrage ich die Geburtstage und denke an Menschen, die mir irgendwann in meinem Leben begegnet sind. Manche sehe ich häufiger, andere selten, wiederum andere schon seit Jahren gar nicht mehr. Es ist jedes Jahr eine gründliche Entscheidung, welcher Eintrag überdauert und welcher nicht. Da ich alte Kalender nicht aufhebe, ist eine Streichung meist eine endgültige Entscheidung. Das Erinnern aber auch das Aussortieren tut gut.

Während ich die Kalenderblätter durchblättere, erlebe ich das Jahr im Schnelldurchlauf noch einmal. Ich wundere mich manchmal, das manche Erlebnisse schon so lange oder erst so kurz her sind. Ich finde Telefonnummern, die mir damals nicht wichtig genug waren, um sie ordentlich aufzuschreiben oder im Mobiltelefon zu programmieren und entscheide, ob ich dies nun zum Jahreswechsel tue oder sein lasse. In Gedanken wiederhole ich Begegnungen und Erlebnisse und prüfe, wie wertvoll sie für mich im Rückblick waren. Manches relativiert sich ganz schön.

Ich änderte endlich meine Adresse und den Menschen, der im Notfall zu verständigen sei. Es fühlt sich so manifest an und ich wundere mich, wie ich die ganzen letzten Monate über diese veralteten Informationen nicht gestolpert bin. Ich entdecke, dass ich Blutgruppe B habe, eine Information, die mir immer wieder entfällt und bemerke, dass mein Reisepass abgelaufen ist. Viel ältere Erinnerungen kommen, als ich mir die Stempel in meinem Reisepass ins Gedächtnis rufe. Ich bin schon sehr lange, nicht mehr so weit herumgekommen, sonst hätte ich viel eher bemerkt, dass der Pass abgelaufen ist.

Natürlich könnte ich mir einen elektronischen Filou kaufen. Seit Jahren denke ich immer mal wieder daran, wenn ich den zerschlissenene Ledereinband sehe. Natürlich wäre vieles praktischer und einfacher. Aber ich würde das Jahresend- oder anfangsritual vermissen.

Angekommen

Sehr schön. Bin nun im neuen Jahr angekommen und es fühlt sich eigentlich ganz schön an.

Meine Fähigkeiten als Projektmanagerin waren gefragt. Es ist gar nicht so leicht, ein Projekt gemeinsam zu bearbeiten - vor allen Dingen, wenn es sich um zwei Freigeister als Projektpartnerinnen handelt. Ich bin die Erfahrene in dem Projekt und doch auch gleichzeitig die Werbende. Es liegt mir am Herzen, dieses Projekt genau mit dieser Partnerin zu machen, doch bin ich schwer gefordert, wenn ich austariere, wieviel ich führe muß, kann oder will. Mein Zeitgefühl sagt mir, dass es sinnvoll ist, etwas zu beschleunigen, endlich Butter bei die Fische zu machen. Meine Erfahrung widerspricht, denn mit Druck habe ich im Leben noch nicht viel erreicht. Wieder einmal komme ich zu der Erkenntnis, dass gleichberechtigtes Arbeiten verdammt schwierig ist. Kann es überhaupt funktionieren? Muß automatisch eine hierarische Situation entstehen?

Konkret: wir daddeln seit Wochen an dem Angebot herum. Der Vertragspartner signalisiert mehr als deutlich sein Interesse. Man müsste also einfach nur etwas hinschicken, ein bißchen nachbessern und ein schicker Vertrag mit einem kleinen Batzen auf dem Konto wäre realisiert. Woran hakt es? An einer Arbeitsprobe von ihr. Ich bin ziemlich unmotiviert, weiter an dem Angebot herumzufeilen, wenn ihre versprochene Arbeitsprobe nicht kommt. Ich kenne das Phänomen der Schreibhemmung nur zu gut - und habe keine Ahnung, wie ich jemand darüber hinweg helfen kann.

Wir haben eine Vereinbarung getroffen, eine Frist gesetzt und ich habe angeboten, über eine neue Rollenverteilung nachzudenken. Wahrscheinlich ist das die Lösung: verschiedene Aufgaben zu definieren, Rollen auszuformulieren und dann nicht nur Tacheles zu reden, sondern gültige Vereinbarungen zu treffen. Gar nicht leicht, bei scheinbar gleichberechtigten Partnerinnen. Ein spannendes Projekt!

Startschwierigkeiten

Wie ging noch mal arbeiten?

Irgendwie komme ich nicht ins neue Geschäftsjahr. Das sind wieder diese Momente, in denen ich das freie Arbeiten verdamme und mir herzzerreißend Kollegen und normale betriebliche Abläufe wünsche. Einfach nach dem Urlaub ins Büro kommen und vom Fluß der Arbeiten mitgenommen zu werden, ohne zu denken. Heute würde ich es mir wünschen.

Es fehlt der Impuls. Ich öffne noch nicht mal die relevanten Dateien, sondern mache hier mal rum und dort mal rum. Ganz zu schweigen von der leidigen Vorsteueranmeldung. Die Migräne erleichtert mir allerdings das Denken auch nicht wirklich. Noch ein Nachteil des Arbeiten von zuhauses. Irgendwie definiere ich mich seltener als krank, als es wahrscheinlich sinnvoll wäre.

Ich weiß noch, wie ich damals erstaunt war, wie unproduktiv Menschen in Angststelltenverhältnissen arbeiten. Warum schelte ich mich also immer und immer, wenn es mal mit dem Arbeiten ncht so klappt, wie ich es mir wünsche?

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen