Sonntag, Juni 11, 2006

ein traum in weiß

es war ganz schön aufregend in diesen brautläden. aber schön wars. ich hatte ja einen ziemlichen horror davor, dass da nur junge elfengleiche mädchen stehen und ich ganz bescheuert in diesen kleidern aussehen würde. das trauma habe ich von den einkäufen zur konfirmation und zum tanzkurs. ich erinnere mich, wie ich beide male weinend in der umkleidekabine stand, so hässlich und falsch fand ich mich - der eindruck täuschte nicht. sowohl in der kirche als auch beim abschlußball sahen die anderen viel würdevoller und schöner aus als ich. als ich dies vor einigen tagen meiner mutter berichtete, war sie erstaunt (schon schade, dass sie mein leid damals nicht mitbekommen hatte) und sagte, sie hätte mir keine schöneren kleider kaufen können, weil sie nicht genügend geld gehabt hätte. der schmerz, dieses gefühl, nicht schön genug zu sein, sitzt tief. sehr tief und glücklicherweise wurde er gestern ein wenig geheilt. es ist ein merkwürdiges ding, aber jede frau sieht schön in einem brautkleid aus - sei es auch noch so eine hässliche gardine.

es war ein ganz bezauberndes gefühl, als die dame mit in die kabine kam und mir half, in die robe einzusteigen. wer hätte gedacht, dass mein ein brautkleid mit einer art "köpper" entert? der petticoat kitzelte. ob das wohl sein muß? so viel stoff! ich schwanke, nicht nur vor hitzewallungen, als ich auf das billige höckerchenstieg in dem kleid für über 1000 euro. verrückt. ich kann die kleider, die ich gestern probierte, überhaupt nicht auseinander halten. sie waren eben alle weiß und irgendwie schön. leider haben meine freundin und ich, die glücklicherweise händchenhaltend dabei war, meine kamera gleich im ersten laden fallen lassen. schade, es wäre natürlich grandios gewesen, sich die kleider in einem ruhigem moment mit etwas abstand noch mal anzuschauen, um rauszufinden, was mir steht und gefällt.

das trauma ist einigemaßen geheilt. es war sowieso eine alte wunde, eine art phantomschmerz. in den letzten jahren war viel gras über die sache gewachsen, aber die situation damals in den umkleidekabinen vergesse ich nie. ich hoffe, ich werde mal eine mutter, die das tiefe leid ihrer kinder erfühlen kann und kreativ nach lösungen sucht.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen