Dienstag, Februar 28, 2006

wohlan denn, herz, nimm abschied und gesunde

jetzt komme ich langsam wieder zu mir. es war ganz schön anstrengend in letzter zeit. ausmisten, umziehen, renovieren, einleben und nebenher noch ein buch fertig machen. die knochen tun von der ungewohnten körperlichen arbeit weh, das gehirn kommt kaum nach, mich an das neue zu gewöhnen und mich vom alten zu verabschieden. so viele kleinigkeiten, die ich in den letzten wochen in der hand hielt, entschied, ob ich sie behalten würde und so vieles, von dem ich abschied nahm.

heute morgen. um 6.30 war ich in der wohnung und legte noch letzte hand an. der liebste mußte heute früh zur arbeit, also fuhr ich gestern um 8 dankbar, entkräftet, vor erschöpfung heulend nachhause, um heute früher anzufangen. ein weiser entschluss, konnte ich gestern abend schon nicht mehr den pinsel halten. auf den knien schrubbte ich die farbflecken weg und strich noch mal den letzten vergessenen türrahmen. dann hatte ich noch 40 minuten zeit und keine lust auf lesen oder kaffee. ich stand in der leeren wohnung und erinnerte mich, wie ich sie das erste mal sah. damals flutschten die möbel im geiste an die stellen, an denen sie später standen und ich wußte, dass dies mein zuhause sein würde. es war meine burg, meine höhle, mein zuhause für mehr als fünf jahre. die wohnung, der ausblick aus der wohnung und der stadtteil mit den vielen cafés und bars vor der haustür. die müllsäcke auf der straße machten mir es in den letzten tagen leichter, abschied zu nehmen. es ist, bei aller beschaulichkeit, auch ein lauter, dreckiger stadtteil. und doch liebe ich das dorf in der stadt und frage mich, ob ich mich wohl schnell an den vorortcharakter des neuen zuhauses gewöhnen kann.

von einem hölzernen buddha, den ich in vietnam kaufte, nahm ich auch abschied. so recht, wurden wir nie warm miteinander. aber einen buddha kann man doch nicht wegschmeißen! also stellte ich ihn auf einen elektrowandschrank im treppenhaus, mit blick zu meiner alten wohnung. er beschützte mich bei der abnahme (war easy, sogar mit lob "ordentlich was aus dem material gemacht")und wird auf das marode haus nun weiter aufpassen. ich bin jetzt groß und passe auf mich selbst auf und auf mein glück und meine liebe.


Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Stufen/Hesse)

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen