Mittwoch, Februar 15, 2006

attraktive provinz

aus dem leben einer autorin. ich schlage mich mal wieder mit netten angeboten aus der provinz rum. provinz ist nicht soo schlecht. die veranstaltungen sind meist gut besucht, weil nicht die große konkurrenz der großstadt die ankündigung untergehen lässt. es ist ja auch toll, wenn die leute eine, zwei jahre nach erscheinen des letzten buches noch kennen und einladen. andererseits sind solche veranstaltungen nur nett - geld bringen sie nicht wirklich.

die eine veranstaltung habe ich zugesagt und stelle jetzt fest, dass ich abends nicht mehr zurück nach hamburg mit der bahn komme. es gibt situationen, wo ein auto doch hilfreich wäre. es wird bestimmt ein netter abend, aber übernachten ist bei meinem derzeitigen termindruck nicht drin. von den übernachtungskosten, die bei so einer veranstaltung leider auch nicht der veranstalter übernimmt, ganz zu schweigen. es fällt mir schwer, mich darauf zu freuen.

eine andere anfrage habe ich wohl mit zu hohen aufwandsentschädigungsforderungen abgewimmelt. ich spreche bewußt von aufwandsentschädigung statt von honorar, denn von "ehre" kann man bei diesen sümmchen nicht sprechen. eine veranstaltung, bei der ich 5 stunden zug hin und noch mal zurück fahre und übernachten muß. und dann sind die leute entsetzt, wenn ich dafür geld haben will. dabei biete ich stets an, mit zweiter klasse bahncard zu fahren und das finde ich wirklich nicht divenhaft.

ich frage mich, ob man einen ROI (return on investment) für sowas berechnen kann. rentieren sich lesungen? klar,da kommen dann 30 leute und sind mehr oder weniger glücklich, die autorin mal in echt gesehen zu haben. aber rentiert sich das? wenn 30 leute kommen, verkaufe ich auf der lesung, wenn es gut läuft 20 bücher. kaufen die leute es in der buchhandlung, verdiene ich ca. 50 cent pro buch. kaufen sie es auf einer von mir organisierten lesung etwa 3 euro. gegenüber dem verlag muß ich mich rechtfertigen, wenn ich mich gegen einen büchertisch einer örtlichen buchhandlung ausspreche und die bücher selbst dort hinschleppen will, um etwas mehr zu verdienen. nehmen wir an, ich begeistere 2/3 der anwesenden und diese werden fans, dann empfehlen sie das buch noch zweimal (davon wird es vielleicht ein mal gekauft und ein mal geliehen) und verschenken es noch einmal. das heißt, ich würde zusätzlich noch 40 bücher (im laufe der nächsten monate) über den buchhandel verkaufen. das wäre über die aufwandsentschädigung hinaus eine summe von 80 euro, die ich dann auch noch versteuern muß. das sind die zahlen dafür, wenn es gut läuft. an abenden, an denen ich nicht begeistern kann oder die pressearbeit und werbung mies gelaufen ist, fahre ich mit weniger geld nachhause und schleppe den rest der bücher. wenn die lesung außerhalb hamburgs stattfindet, bin ich einen ganzen tag oder mehr unterwegs. das kann sich nicht rentieren! aber es gehört irgendwie zu dem job dazu. klar, es macht spass, aber in zeiten wie diesen,wenn ich nicht weiß, wo mir der kopf steht, ist es mehr belastung als freude.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen