Dienstag, November 01, 2005

bitte lächeln

ich hasse fotoshootings. leider gehören solche sachen zu den nebenjobs als autorin.

na klar wusste ich, dass ich ein foto abgeben müsste. stand ja in meinem vertrag. trotzdem kam die abgabeaufforderung sehr knapp. zunächst hoffte ich, dass wir am wochenende zufällig das perfekte bild machten. leider war es nicht dabei. also organisierte ich gestern schnellschnell ein shooting. internet sei dank kann man fotos vorher anschauen, ohne durch die halbe weltgeschichte zu reisen. leider kann man nicht auf websites erkennen, ob man den menschen hinter der kamera sympatisch findet.

schnellschnell hieß auch, dass ich nicht wirklich viel zeit hatte zu überlegen, welche botschaft das bild haben soll bzw. was ich anziehen will. trotzdem war ich gut vorbereitet. ich hatte eine vorschau, ein plakat und mehrere outfits dabei. der assistentin hatte ich im vorfeld gesagt, dass es sich um pressefotos in mehreren posen handeln würde. als ich ankam verdarben mir zwei dinge die laune: 1. hatte ich meinen lippenstift vergessen und zweitens wollte mir die assistentin muster von bewerbungsfotos zeigen. der erste kontakt mit der fotografin war zickig, "nein, einen lippenstift hätte sie nicht für mich". ich kaufte schnell im haus neben an einen lippenstift. sie nahm sich nicht die zeit, ein paar worte mit mir zu wechseln, also briefte ich mißgelaunt die assistentin. doch es kam noch schlimmer. als ich mir gel in die haare schmierte, herrschte mich die fotografin an, dass ich mich vor dem shooting nicht eincremen dürfte. das hatte ich mitnichten vor. nachdem ich mein gesicht mit tüchern abgewischt hatte, bat ich sie - wie vorher mit der assistentin telefonisch vereinbart - um puder. wiederum wurde ich angemotzt, dass es sich ja wohl gehören würde, dass eine frau ihren eigenen puder dabei hätte. "das wäre doch wie ein BH". meine laune sank in den keller. ich fragte mich, wie ich wohl locker werden und wie das lächeln auf mein gesicht kommen sollte. als ich sie bat darauf zu achten, dass mein ausschnitt nicht den halben busen freilegt, zickte sie mich wieder an "ich hätte mir ja auch was anderes anziehen könne, schließlich würde sie von oben fotografieren". na toll. einzig wildes imaginieren meines verlobten brachte mir ein verkrampftes lächeln um die lippen.

was war es doch letztes jahr schön. als ich für ein shooting nach münchen flog. ich schlief im hotel nach einem netten abend mit dem reizenden lektor. morgens wurde ich von dem fotografen und meiner ansprechpartnerin aus dem marketing abgeholt. sie flösten mir zwei glas sekt ein, damit ich lockerer würde und unterhielten sich erst mal eine stunde nett mit mir. das shooting war natürlich auch kein vergnügen, denn lockerheit in solchen angelegenheiten gehört nicht zu meinen stärken. aber es war angenehm und es kamen zumindest zwei tolle fotos dabei heraus. und das schönste: ich fühlte mich königlich. so soll es doch schließlich auch sein!

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen