Mittwoch, Oktober 05, 2005

orte zuhause

my home is my castle. in den letzten jahren, war ich viel alleine zuhaus. so war das eigentlich nicht geplant, aber es hatte sich so ergeben. deswegen verkamen manche dinge. mein esstisch zum beispiel. ich hatte ihn mir gekauft, nachdem ich ihn mir jahrelang gewünscht hatte. als ich nach hamburg zog, brauchte ich unbedingt eine wohnung, in der ich den tisch in voller größe aufstellen konnte. ich entschied mich für eben diese wohnung, weil ich ihn nicht in ein spießiges esszimmer verbannen mußte, sondern er den zentralen platz bekam.

ein esstisch ist ein begegnungsplatz. sei es, dass sich die familie dort zum essen trifft oder aber die ersatzfamlie, die lieben freunde. in meiner familie wurde das abendessen sowie die mahlzeiten am wochenende am esstisch eingenommen. dort herrschten zwar andere tischsitten, als beim in-der-küche-essen aber unser esstisch war doch nicht so eine geheiligte reliquie wie in anderen familien, bei denen er nur "für gut" reserviert war. wir aßen zusammen und erzählten uns die ereignisse des tages. neben dem esstisch stand das bücherregal mit den nachschlagewerken. kam eine frage auf, wurde das essen unterbrochen und die antwort sofort nachgeschlagen. auf diese weise habe ich nicht nur viel gelernt, sondern auch verinnerlicht, dass es nicht peinlich ist, etwas nicht zu wissen.

an meinem esstisch saßen in den letzten jahren zu wenig leute. deswegen liegt dort gerne die ungeöffnete post und das, was ich aus meinen taschen ausräume, wenn ich kurz nach hause komme, mich umziehe, um sofort wieder loszulösen. es ist ein unordentlicher ablageplatz. wenig einladend. wenn gäste kommen, muß ich den tisch unter dem gewusel suchen. immer, wenn gäste da waren, habe ich es sehr genossen. die wohnung bekam eine wärmere atmosphäre. sie lebte.

wenn ich nur einen menschen zu besuch habe, dann ist der esstisch etwas zu groß. abgesehen davon, dass die beine dieses tisches wirklich doof platziert sind, so dass man entweder ein tischbein zwischen den beinen hat oder aber am äußersten rand des tisches sitze, ist es ein bißchen steif zusammen an dem tisch zu sitzen. das ausweichen auf das sofa bessert es allerdings nicht. gemeinsames sitzen auf einem zweisitzer, erinnert mich unweigerlich an loriot. man kann natürlich die schuhe ausziehen und die gliedmaßen miteinander verknoten aber der sprung von loriot zum verknoten ist schon heftig und intim.

mein sofa ist ein ort für mich. ich liege am liebsten quer darauf, den kopf und die füße hoch. man kann dort herrlich telefonieren und fernsehen. liegen und doch nicht im bett liegen. mein sessel ist auch ein ort für mich. dort lese ich mit vorliebe, denn er steht gut im licht. am tisch sitze ich sehr selten. wenn man alleine wohnt, verkommt man ja leicht ein bißchen. ich schelte mich dafür, vor dem fernseher zu essen und mache es trotzdem häufig. gefrühstückt wird im lesesessel.

ich beobachtete, dass ich mich immer öfter mit freunden an öffentlichen orten traf. ich liebe cafés, ich liebe diese externen wohnzimmer. es liegt nicht nur daran, dass dort der kaffee so gut schmeckt. oft fragte ich mich, warum ich mich lieber an neutralem ort traf. wollte ich meine intimen geheimnisse für mich behalten, die meine wohnung gerne so leichtfertig ausplaudert? eine zeitlang fand ich diese hypothese plausibel. aber so recht war sie nicht haltbar. klar, sie traf für bekannte zu, aber freunden zeigte ich ohnehin mehr von mir. wieso trafen wir uns nicht in meiner bude? jetzt denke ich, dass ich nicht weiß wo. sollen wir zu zweit an dem großen tisch sitzen und nicht wissen, wohin mit den armen, weil die stühle keine lehnen haben? oder sollen wir verschämt auf dem sofa sitzen, dass so wenig zum gemeinsamen lümmeln einläd? ich weiß nicht, wohin in meiner wohnung, ich eine freundin oder einen freund einladen soll. das dilemma löse ich, in dem ich ein café vorschlage.

meine wohnung ist sehr wenig auf paar-sein ausgerichtet. ich weiß nicht recht, wohin mit ihm. sitzen wir auf dem sofa, sehe ich immerzu meinen unordentlichen schreibtisch, der noch so viel arbeit birgt. der kompromiss zwischen wohn- und arbeitszimmer ist so offensichtlich. die arbeit dominiert. das dem sofa gegenüberstehende bücherregal, erschlägt einen fast. es ist zu voll, die bücher stehen und liegen in zweiter reihe. eine unordentliche fläche, sehr dominant im raum. erschlagend. wir frühstücken am esstisch. das ist ok. es hat etwas familiäres. aber wohin sonst. es scheint mir, als wäre der platz für ein paar das bett. aber ich will die beziehung nicht auf das bett reduzieren. wie leicht gerät man im bett in versuchung, sich einen hauch zu viel anzufassen und das reden zu vergessen.

immer öfter möchte ich sie einfach verlassen, meine wohnung, meine zuflucht, meine höhle. ich möchte ein neues nest bauen. ein zuhause, das ein wir beherbergen kann. eine wohnung, die darauf angelegt ist, begnegung zu inszenieren. eine wohnung, die höhlen und treffpunkte birgt. in der sich jeder in jeder laune zuhause fühlt. es erscheint mir fast unmöglich, eine wohnung, die für das alleineleben konzipiert wurde so zu verändern, dass sich zwei darin wohlfühlen können. oder bin ich unflexibel im denken?

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen