Mittwoch, Oktober 12, 2005

exhibitionismus

ja, warum blogge ich eigentlich? warum schreibe ich öffentlich? warum nicht in einem kleinen feinen tagebüchlein?

ich blogge seit mehr als zwei jahren. eine einheitliche antwort ist nicht möglich. mein bloggen hat sich immer wieder verändert. mal ist es schreibübung, manchmal notizzettel und manchmal auch das band, das weit entfernte freunde mit mir verbindet. ich mag es, dass es sehr unterschiedliche themenfelder berührt. ich mag es, dass ich keinen erfolgsdruck dabei verspüre. mir ist es egal, wieviel leute hier lesen. ich freue mich aber über rückmeldungen.

aber warum öffentlich? ich mag meinen computer. ich schreibe gerne mit tastatur. handschriftlich fällt es mir mittlerweile schwer. ich finde auch mails nicht unpersönlicher als handgeschriebene briefe. ich mag die technologie. es ist so herrlich einfach. es ist internet. ich kann von überall auf der welt einfach bloggen. es ist so eine nette art, gedanken aufzuheben, ohne, dass sie als altpapier noch mehr unordnung in meine wohnung bringen. ich mag computer, auch wenn sie mir manchmal graue haare machen. aber warum öffentlich? natürlich könnte ich mein blog verpassworten und den schlüssel dazu nur ausgewählten leuten geben.

aber stellt sich nicht auch die umgekehrte frage. wieso nicht öffentlich? regelt nicht der markt dieses problem. entweder hat das, was ich schreibe relevanz für viele leute, dann könnte sich dieses blog herumsprechen. in maßen tat es es bereits. oder aber ich schreibe triviales zeugs, dann ist es ohnehin egal, ob es in meinem kleinen feinen büchlein unter meinem kopfkissen liegt oder in einer versteckten ecke der weiten des internet. ich mag kommentare. gut, hier ist nicht gerade eine kommentarflut aber immer wieder bringt mich ein feedback zu meinen texten zum lachen oder nachdenken. manchmal freue ich mich einfach, "ein bekanntes gesicht wiederzusehen" und zu merken, dass eine verbindung besteht, auch wenn keine direkte kommunikation gepflegt wird.

manchmal frage ich mich, wie es ist, mit mir verwandt, befreundet oder verliebt zu sein. wie es sich anfühlt, der öffentlichkeit präsentiert zu werden. ich versuche beim schreiben nicht über andere zu schreiben, sie nicht bloßzustellen. ich versuche mich und meine gefühle zu beschreiben und die anderen und die geschichten über die anderen nur als gelegenheit, als anregung oder als spiegel zu nutzen. das unterscheidet das bloggen nicht von der tätigkeit als autorin. auch dort ist es immer wieder ein grenzgang zwischen der vermittlung von erkenntnis und indiskretion. es gehört schon eine portion exhibitionismus dazu, gerne zu schreiben.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen