Donnerstag, September 08, 2005

nimm das zurück

noch ein berlin-nachtrag. was ist denn heute vor mir los. escapismus. keine lust auf das richtige leben, lieber träumen?

jeden monat ein paar tage in berlin. das schrie förmlich danach, die band zu reanimieren. fünf jahre hatten wir zusammen musik gemacht. nicht schön, aber die leute und wir waren glücklich. nachdem ich vorher jahrelang versucht hatte ernsthafte musik zu machen,immer wieder mit mir gerungen hatte, ob ich vielleicht nicht doch genügend begabung hätte, sie zu meinem beruf zu machen, war ich in berlin endlich an dem punkt angelangt, wo ich loslassen konnte. erst, als ich den anspruch aufgab, fand ich die perfekte art und weise, mich musikalisch auszutoben: nimm das.

wir waren mehr als eine band. viele menschen. vier musiker, vier sängerinnen und vier sänger. und viele fans, die regelmäßig zu unseren konzerten kamen, nach den proben mit uns rituell tranken oder sogar mit nach hamburg zu unseren zwei gastspielen fuhren. wir probten fast jede woche. immer im sommer, nach den semesterferien war es schwer, wieder anzufangen. und trotzdem waren wir nicht totzukriegen. es kriselte immer wieder, menschen gingen und kamen. einer wurde sogar gegangen. man konnte nicht wirklich von allen sagen, dass sie begnadete musiker waren, aber jeder war wichtig und richtig. wir versuchten so zusammen zu sein, dass jeder so sein durfte, wie er wollte und ist. das ist wohl liebe und das spürten die fans.

souliger boygroupschlager mit disco und countryeinflüssen. 22 konzerte. bei den ersten konzerten diskutierten wir noch über den band namen. das zweite konzert bestritt "nimm das ex furcht". das dritte "gemischte sauna feat. nimm das". ich gebe zu, ich setzte mich penetrant durch, aber ich fand "nimm das" einfach zu schön. wir sangen ausschließlich deutsch. lieblingslieder mit eigenen texten. es gab keinen star - jeder war der star. wo wälzen sich sonst die sängerinnen vor dem gitaristen auf der bühne herum?

also ich vor fünf jahren nach hamburg zog, war es eigentlich schon mit der band vorbei. es war marode. immer schwieriger wurde es, die proben zu organisieren. der gitarist, der wichtigste mann, gab es doch fast keinerlei notation, war auf dem absprung. mein umzug war fast das ende. ein konzert im sommer darauf gab es noch. dann war es vorbei. doch in meiner kücher hängt seit dem das große plakat mit nimm das. das erste, was jeder bemerkt, wenn er meine wohnung betritt. für mich war die band nie ganz tod. die cd höre ich gerne beim putzen.

und jetzt "nimm das zurück". wenn nicht jetzt, wann dann. wir wußten, wir müssten den gitarristen überreden und wir wußten, dass es nicht leicht werden würde. ein kleiner trick und er kam. und schließlich lächelte er genauso glücklich wie wir alle. es fühlte sich so wunderbar an, die alten lieder zu singen und wie damals gemeinsam zu schwitzen. damals. ja damals, als wir in einem viel zu kleinen proberaum für so soviel leute, probten, zogen wir uns bis auf die unterwäsche aus, wenn es zu heiß wurde. wir löschten das licht, wenn nichts klappte und das half immer. mit fünf jahren abstand trauten wir uns das noch nicht. aber wir waren eins in unserem strahlendem lächeln. ich bin gespannt, ob und wie es weitergeht! nimm das zurück!

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen