Dienstag, September 06, 2005

my home is my castle

vielleicht ist es neurotisch. oder normal, wenn man lange alleine lebt und lange lange single ist. ich bin immerhin nicht mehr ganz so neurotisch wie zu den zeiten, als ich diplomarbeit schrieb: damals konnte ich noch nicht mal den gedanken ertragen, dass jemand auf meine toilette gehen könnte.

meine wohnung ist meine höhle. und ziemlich unordentlich. vom verschmutzten kühlschrank ganz zu schweigen. jemand in meine wohnung einzuladen finde ich zunehmend intimer. früher, ja früher, als ich in WGs lebte, da waren sowieso ständig fremde leute da. jetzt lebe ich seit 5 jahren wieder alleine. da ist es schon was besonderes, wenn jemand mir so nah kommen darf.

es ist ein netter anlass, aufzuräumen und das bad besonders gründlich zu putzen, wenn leute zum essen kommen. die küche darf dann ein paar spritzer haben, sie könnten ja auch aktuell sein. essensgäste habe ich gerne. es ist schön, in einer kleinen gruppe um den esstisch herum zu sitzen und zu palavern. schöner als in kneipen. und trotzdem treffe ich die meisten leute an öffentlichen, verrauchten orten - obwohl ich damals die wohnung so aussuchte, dass der große esstisch hineinpassen mußte.

in den letzten zwei wochen habe ich 8 nächte bei ihm verbracht. er schlief noch keine nacht hier. langsam ist es komisch. er war schon hier und theatralisch, wie das leben manchmal schlechter als in schlechten filmen spielt, war auf einmal das klo verstopft. er reagierte super, trocknete meine tränen und löste das beschissene problem. nur geschlafen hat er hier noch nicht. probewohnen war sozusagen noch nicht drin.

prokura nennt er es, wenn er mir erlaubt bestimmte dinge "einfach zu tun." es begann mit der heizung in seinem auto, ging weiter mit seinem kühlschrank, seinen handtüchernund sogar den schrank mit den süßigkeiten hat er mir gezeigt. ich habe eine klorolle von dem vorgesehenen ort geholt und in de klorollenhalter geklemmt und die geschirrspülmaschine eingeräumt. und er war immer noch nicht bei mir.

meine wohnung bin ich. und doch nicht. meine wohnung bildet meine vorstellung von wohnung vor fünf jahren ab. und dann noch ordentlich krempel drauf. all der krempel, der sich nun mal in fünf jahren ansammelt, wenn man lebt und auch noch dort arbeitet. die wohnung ist zu klein, um aufgeräumt zu sein, denke ich manchmal. menschen mit großen kleiderschränken und eleganten sideboards können einsame blüten in designervasen stecken und es sieht gut aus. bei mir würden sie kaum bemerkt werden.

es ist sehr intim, finde ich, wenn jemand hier schläft, einfach hier ist. komischerweise macht es mir bei besuch nichts oder nicht viel aus. liegt es daran, dass ich die leute in der regel schon jahrelang kenne? liegt es daran, dass sie sowieso als freunde nur einen teil von mir lieben und ich aber von IHM mit haut und haaren und meiner chaotischen wohnung dazu geliebt werden will?

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen