Dienstag, September 27, 2005

bärchen

manchmal fürchte ich, dass ich mir das hirn wegknutsche. ich bin ein bärchen. ziemlich debil. nicht wirklich produktiv zur zeit. entweder bin ich bei meinem bärchen oder aber ich denk ans bärchen. so wollte ich nie werden.

wer nicht weiß, was ein bärchen ist, solls einfach mal laut aussprechen. schön hessisch. dann isses klar.

eine freundin erzählte mir einst eine geschichte. es war ein netter tag mit einem lauschigen treffen unter freundinnen. dies konnte leider nicht ewig dauern, weil eben jene freundin mit ihrem frischangetrauten einen anderen termin hatten. einen kaffeeklatsch mit zwei weiteren personen unterschiedlichen geschlechts, die in einem gemeinsamen haushalt lebten. zum ausdruck ihres verhältnisses und weil sie sich möglicherweise auch vor urzeiten das gehirn herausgeknutscht hatten, nannten sie sich gegenseitig bärchen. wie praktisch. da traf nun also das eine bärchen das andere bärchen und statt mit freundinnen kichernd zu tratschen, traf man sich zu viert. ja, irgendwie auch schön.

mir gruselte immer vor bärchen. als ich noch sehr sehr jung und unerfahren war, war ich mal auf einem geburtstag eingeladen. außer mir nur bärchen. ich kam pünklich, was man nicht von allen bärchen sagen konnte. bei der vorspeise wechselte ich nach aufforderung brav meinen sitzplatz, damit das bärchen nebeneinander sitzen konnte. als ein weiteres verspätetes bärchen eintrudelte, wurde wieder reise nach jerusalem gespielt. niemand bemerkte, dass ich hartnäckig sitzen blieb, denn das optimierungsproblem war glücklicherweise ohne anheben meines reizenden popos von einem stuhl zu lösen. das dritte und letzte bärchen erschien bei der hauptspeise. nicht sehr höflich, würde ich meinen. ich ignorierte die optimierungsberatungen und konzentrierte mich darauf, meine gabel kunstvoll mit den unterschiedlichen dingen auf meinem teller zu belegen, um eine gesamtgeschmackserlebnis zu bekommen. gerade, als ich die voll beladene gabel nur noch wenige zentimeter vom mund entfernt hatte, genußvoll speichelte, den köstlichen duft einsog und gierig den mund öffnete, hörte ich meinen namen, ich möge mich doch bitte umsetzen, damit das bärchen beeinander sitzen könne. an genaueres, was dann passierte kann ich mich nicht mehr erinnern. ich war wohl ausfallend geworden. man verwies mich nicht der party, redete aber schlecht über mich, als wäre ich nicht anwesend. die bärchen waren sich einig darüber, dass ich wohl ein frustrierter single sei. jaja.

auch schön, letztens im kino. es ist dunkel. die werbung haben wir hinter uns gebracht. alles wartet gespannt auf den hauptfilm. eine kurze pause. man hört nur leises kruschpeln der haribotüten. die tür geht auf, ein kurzer lichtstrahl in dem man eine frau erkennt. sie schleicht sich zu den sitzreihen und flüstert kaum hörbar "bärchen?". alles lacht.

und jetzt bin ich selbst ein bärchen. ich finde es toll, dauernd zeit mit meinem bärchen zu verbringen und verabrede mich am liebsten mit anderen bärchen. ich verzichte auf den ritualen tatort und verschweige meine leidenschaft für peinliche serien, um mit meinem bärchen seine DVD-sammlung anzuschauen. initiationsrituale müssen sein. und irgendwie ist es ja auch gemütlicher. so wollte ich niemals werden und genieße es doch.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen