Sonntag, Juli 17, 2005

polizeiruf 110

in irgendeiner zeitung las ich vor ein paar tagen über den heutigen polizeiruf, dass es umstritten wäre, so deutliche bilder zu zeigen. zu zeigen, wie eine vergewaltigung von statten geht, in nahaufnahme zu zeigen, wie die vergewaltigte vor angst atmet. zu zeigen, wie einem mittäter der schwanz angeschnitten wurde. ich fand ihn gut, den polizeiruf. ich finde, so etwas kann man nicht oft genug thematisieren. und es war zwar eindringlich aber keine gebrauchsanweisung. mir gefällt es, dass in der öffentlich rechtlichen sonntagabendunterhaltung brisante themen angeschnitten werden, damit sie öffentlich diskutiert werden.

vor ein paar jahren, sah ich zum zweiten mal den film angeklagt mit jodie foster und kelly mcgillis. ich war bei meinen eltern zu besuch und es war im sommer und ich trug nur sehr wenig. eine knappe radlerhose (jaja...es ist mehr als 10 jahre her) und ein offenherziges t-shirt. ich sah den film zusammen mit meinem vater. den nachhauseweg, eine dreiviertelstunde mit öffentlichen verkehrsmitteln, durfte ich an diesem abend nicht wie gewöhnlich machen. mein vater war von dem film berührt und wollte mich unbedingt nach hause fahren. wir diskutierten die immer wiederkehrende frage, ob frauen an einer vergewaltigung eine mitschuld haben, wenn sie aufreizend gekleidet sind oder vorher mit dem täter flirten.

ich kann mich nicht nur gut daran erinnern, welche kleidung ich an diesem tag trug, sondern auch an dieses hilflose gefühl in der diskussion. wie konnte ich meinem vater begreiflich machen, dass wenn man von einer mitschuld ausgeht, dass dann das ganze leben als frau eingeschränkt wird, weil man sich bei jedem schritt der drohenden gewalt bewußt sein muß. ich weiß noch, wie es mir, nur aufgrund des unmittelbaren eindrucks durch den spielfilm, annähernd möglich war, meinem vater das gefühl zu vermitteln, was es heißt, in solchen situationen eine frau zu sein. ich habe ihm nicht gesagt, wie wenig es ihm möglich ist, mich zu beschützen.

wenig später stritt ich mich mit meinem damaligen besten freund. wir waren zu mehreren unterwegs. es war sommer, es war schon spät abends. eine frau wollte nach hause. mein freund bot an, sie zu begleiten, damit sie nicht alleine durch den park gehen muß. ich machte einen spruch dahingehend, dass die wenigsten vergewaltigungen durch einen mann geschehen, der im park hinter einem busch hervorspringt, sondern dass die meisten vergewaltigungen "date rapes" sind: vergewaltigungen durch bekannte und verwandte. der freund kündigte mir damals die freundschaft, weil er es nicht aushalten konnte, dass meine aussage implizierte, dass "alle männer potentielle vergewaltiger sein könnten". sein verhalten machte mich hilflos. ich hatte nicht gesagt, dass er ein vergewaltiger wäre und ich hatte nicht gesagt, dass alle männer potentielle vergewaltiger sind. ich versuchte nur etwas von dem gefühl der subtilen bedrohung zu vermitteln, das frauen allgegenwärtig fühlen würden, wenn sie es nicht permanent willentlich oder unbewußt unterdrücken würden.

im polizeiruf war der staatsantwalt in meine augen ein wenig zu sehr "bad guy". es war so offensichtlich, dass er tumb ist. trotzdem, wenn öffentlich rechtliches fernsehen es schafft, dass auch in gesellschaftsschichten über brisante themen nachgedacht oder sogar geredet wird, dann kann es meinetwegen auch ein bisschen tumb sein. es ist so komplex, so schwierig. es ist nicht so, dass die frauen die guten und die männer die bösen sind. und gerade weil es so komplex ist, ist es so unheimlich.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen