Samstag, Juli 30, 2005

haspa bashing

habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die haspa seit drei wochen versucht, mir eine neue ec-karte zu machen? also die entdeckung der langsamkeit liegt mitnichten daran, dass es länger dauert, weil es billig ist. nein, wenn ich mich recht erinnere, zahle ich für das sperren meiner karte 10 euro und für die neue 25. ich kann das leider nicht kontrollieren, weil ich ohne karte keine auszüge bekomme. für 50 mark konnte man sich früher einiges leisten. aber das geb ich doch gerne zuverlässigen dienstleistern. angeblich gibt es banken, die das gratis und in drei tagen erledigen. das sind aber wohl die, die mich als selbständige nicht haben wollten.

ich vergaß auch zu erwähnen, dass ich letztens wirklich interessante erlebnisse in der haspa hatte. der dauerauftrag für meinen chor lief bis vor kurzem auf den namen einer frau, die zwischenzeitlich geheiratet hatte. mir war es nicht klar, ob wenn ich nun eine überweisung ausschreiben würde, es ein problem geben würde, wenn ich den mädchennamen verwenden würde. der neue namen fiel mir einfach nicht ein und auf meinem chorvertrag stand ein gänzlich anderer name. hey, dachte ich mir, die überweisung fürs chorwochenende mache ich ganz locker in meiner freundlichen filiale. die können ruhig mal was für mich tun und schließlich sichere ich damit arbeitsplätze. es ist nicht fair, immer nur mit dem geld- und kontaauszugsautomat rumzumachen. ich füllte also ein überweisungsformular bis auf den namen des empfängers aus und bat die freundliche dame am schalter, diesen einzusetzen: es wäre der gleiche empfängerinnenname wie bei der monatlichen überweisung. die dame füllte die überweisung aus und übergab sie mir freundlicherweise noch mal zur kontrolle. in der empfängerzeile stand mein name - allerdings mit einem rechtschreibfehler. ich wies sie freundlich darauf hin, dass dies mein name wäre und fragte, ob es wohl möglich wäre, noch mal im computer zu schauen. sie kam hysterisch zurück und bestand darauf, dass dort eben genau dieser name in dieser schreibweise zu finden sei. ich fragte weiter freundlich, doch ich muß zugeben mit einem leicht gereizten unterton, ob sie nicht ein wenig stutzig werden würde. daraufhin wurde sie laut und überraschte mich mit der frage: "sie zweifeln wohl meine kompetenz an?". kurzzeitig war ich überrascht aber da ich mir vorgenommen hatte, fortan immer freundlich mit servicepersonal zu sein, weil die ja auch nichts für ihre schlimmen arbeitsplätze nebst merkwürdigen dienstanweisungen können, antwortete ich ruhig "ehrlich gesagt, ja", bevor ich laut schimpfend "das ist ja wirklich ein unfassbarer scheißladen" die bank verließ.

meine lieblingsbank, die haspa , hat für solche "kuriositäten" eine eigene kleine launige seite. ich sollte ihnen diese hübsche geschichte unbedingt für ihre webiste schicken, die mit folgenden worten anmoderiert wird:

"Nobody´s perfect - auch wir nicht. Im Laufe der Jahre haben sich so einige Dinge ereignet - lustige Zufälle, seltsame Zwischenfälle und "dramatische" Überfälle. Unterhaltsam und ein bisschen zum Schmunzeln."

so etwas schafft vertrauen und eine gute beziehung zum kunden. sind sie, liebe leserInnen, vielleicht gerade auf der suche nach einer neuen bank?

essenz

ich glaub ich habs verstanden. wer gute bücher liest, sollte auch keine schlechten schreiben. es war ein netter abend. eine nette buchvorstellungsparty eines netten buches einer wundervollen frau. von der lesung habe ich leider nichts mitbekommen, denn ich wollte nicht hintern an hintern in der hitze sitzen. draußen war es netter und das buch habe ich mit nach hause genommen. man sagt, und wenn es der lektor sagt, muß es wohl stimmen, dass es trotz rosarosa cover eine lustige mileustudie wäre und nicht nur ein frauenroman. ich habe jetzt 80 seiten gelesen und würde zustimmen. und wie gesagt, die autorin ist eine wundervolle frau und auf ihren namen bin ich so neidisch. "kirsten rick", damit kann man sogar den amerikanischen markt erobern.

zum flirten gab es nichts. entweder bin ich schnäubisch (das hat mir meine mutter als kind schon vorgeworfen) oder aber die anwesenden herren waren wirklich indiskutabel. ich entscheide mich für zweites. trotzdem hatte ich spass und ein paar erkenntnisse. aus dem mund eines betrunkenen betüdelten lektors klingt bestsellerautorin nicht schlecht, auch wenn es mir peinlich ist und wenns nicht meine welt ist, ist es eben nicht meine welt. und ein buchcover mit fotografierten frauen ist einfach nix für mich.

edit:
ja, ich gebs zu. ich schau in zuständen geistiger extremermüdung sehr gerne sat1-frauenfilme mit vorhersehbarem ende (die patente hauptdarstellerin verliebt sich schlussendlich doch in den besten freund, was sie beste freundin natürlich schon lange wußte). aber ich finde das hat damit überhaupt nichts zu tun.

Freitag, Juli 29, 2005

ausgehn

mir fällt gerade auf, dass ich zum ersten mal seit längerem wieder richtig "ausgehe". eine veranstaltung, ich kenne sogar die künstlerin, ich bin dort alleine und kenne nur einen mann, der sich aufgrund seiner vorliebe zu männern und seiner begabung für verbale wellness ganz hervorragend zum warmflirten eignet. und außerdem sehe ich gerade phantastisch aus. na! das klingt doch vielsprechend. dann nix wie los.

blöder markt

eben ein treffen mit einem lieblingslektor. nein, ich will nicht sagen, dass er mein lieblingslektor ist, schließlich liebe ich den anderen auch. aber er ist schon nen guter und ich würde liebend gerne projekte mit ihm machen. obwohl es ganz wunderbar war, ihn wiederzusehen bin ich doch frustriert. beide projekte, die ich ihm vorgeschlagen habe, werden nicht zu einer zusammenarbeit führen. und wer ist schuld? der markt und die kirche. letzte ist natürlich nicht verantwortlich, hat aber schon einfluss darauf, welche themen auf den markt gebracht werden dürfen. mein thema, das buch, das schon so gut wie fertig ist, leider nicht. natürlich gibt es andere verlage und andere lektoren. ich hätte nur zu gerne ein buch mit ihm gemacht. sehr traurig. und der andere vorschlag. ein herzblutthema von mir. das buch, für das ich zwar noch nichts geschrieben habe, das aber meine gedanken sehr beschäftigt. zu ernst. nicht gefällig genug. die leute wollen geschichten mit gutem ende. liebe, strand und heiteitei. keine schmutzigen krankheiten. ich will mich nicht mit jonathan franzen vergleichen, aber genau die schilderungen der parkinson-kranheit hat mich in den korrekturen berührt. die leute kaufen das auch, wenns gut gemacht ist. ich bin ja bereit zu lernen und zu üben. ich möchte lieber über schwierige dinge schreiben als heiteitei. blöder markt!

Montag, Juli 25, 2005

peinliche situationen

in den kommentaren wurde ich subtil verdächtigt, hygieneartikel in die toillette geworfen zu haben. nein, das habe ich nicht. es ist viel peinlicher.

das problem resultierte aus einer alltäglichen, peinlichen situation, für die ich dachte, eine wahnsinnig gewitzte lösung gefunden zu haben. bei langen telefonaten muß ich manchmal aufs klo, weil ich dabei meist tee trinke. das problem ist, dass ich es gar nicht leiden kann, wenn leute, mit denen ich telefoniere, während des telefonats pinkeln. nennt es schamhaft. ich mag es jedenfalls nicht. ich gehöre grundsätzlich zu den mit-geschlossener-tür-pinklern, wenn menschen im hause sind. ich finde, man muß sich ein paar geheimnisse bewahren, selbst wenn alle menschen wissen, wie pinkeln geht.

mein bekanntenkreis teilt sich in zwei gruppen. ich habe freundinnen, die auf meine freundliche bitte mit pinkelenthaltung reagieren und andere, die einfach machen, was ihnen gelüstet und ich bin dann auch noch zu höflich, um einfach aufzulegen. ich weiß nicht, wie ich auf die idee gekommen bin, jedenfalls hatte ich eine einfache lösung für das problem gefunden. es geht ja nicht um das pinkeln an sich. nein, es geht um die peinlichkeit des anderen, an etwas teilzuhaben, was eigentlich privat ist. da sich glücklicherweise bildtelefone noch nicht durchgesetzt haben, handelt es sich ausschließlich um eine akkustische peinlichkeit.

wenn es mich an der blase drückt, während ich ein längeres telefonat habe, dann wartete ich in den letzten monaten so lange, bis das gespräch an einem punkt angelangt war, an dem der andere gesprächspartner eine längere geschichte erzählt, die meinerseits nur durch hörbares nicken wie "mmmhjaa" oder "achso" kommentiert wird. dieser punkt ist wichtig, denn die meisten badezimmer haben ein anderes akkusstisches raumklima als der rest der wohnung. würde man also, während man das schnurlose telefon samt gesprächspartner mit ins bad nimmt, zuviel sagen, würde der andere bemerken oder zumindest ahnen, dass man sich in der nasszelle befindet. manchmal dauert es ewig, bis ich das gespräch so dirigiert habe, dass der andere sich bemüßigt fühlt, weiter auszuholen. aber das ist letztlich nur übung, bis man die geschicktesten fragen und die geeigneten themen kennt. ich gehe dann also ins bad, öffne die toillette sehr leise und lege zwei schichten toillettenpapier auf den boden meines altmodischen WCs. wenn ich sehr vorsichtig den strahl dosiere, ist von meiner erleichterung nichts zu hören. selbstverständlich betätige ich anschließend nicht die spülung.

bei dem sonntäglichen pflichttelefonat mit meinen eltern, das sich gerne zu ausufernden vorträgen meines vaters entwickelt, machte ich den fehler, anschließend diskret den toillettendeckel zu verschließen. als ich einige zeit später erneut mußte, hatte ich bereits vergessen, dass sich noch zwei lagen papier in der schüssel befanden. dummerweise hatte ich nach einer vorzüglichen mahlzeit ein größeres geschäft zu erledigen, was eine nicht unbedeutende anzahl von toillettenpapierblättern verursachte. tja, und dann hatte ich den salat. nichts ging mir. da nützt der beste mülleimer zur entsorgung von damenhygienartikeln im badezimmer nichts, frau engl.

schwierig

(achtung, etwas eklig. nicht beim frühstück lesen)

die kompliziertheiten des lebens lassen nicht nach. gut, ich weiß jetzt, wie man ein schloss auswechselt, doch das leben hält immer wieder neue überraschungen bereit. nachdem ich meine faulheitsperiode tatsächlich mit aussitzen überwunden, mein badezimmer geputzt, die steuerunterlagen fertig und auch blöde textkorrekturen gemacht hatte, war das klo im frischgeputzen bad verstopft. na super!

ich fragte mich, wie dieses ding heißen möge, mit dem man ein verstopftes klo repariert. dieses gummiding, meist in rot, auf einem stil. gelb orange würde in meinem bad allerdings hübscher aussehen. nun ja, man kann nicht alles haben. so lange es nicht von philip starck designed ist oder so lustig aussieht, wie die vibratoren der fun factory! jedenfalls fragte ich mich, in welchen läden man so ein ding kaufen könnte. ich ging im geiste durch meinen stadtteil und schüttelte den kopf. mir fiel einfach kein laden ein, der so etwas im sortiment haben könnte. fragen konnte ich ja auch niemanden, schon gar nicht meinen treuen freund das internet, weil ich ja nicht weiß, wie so etwas heißt.

ich darf es eigentlich niemand verraten, weil mir sonst alle verehrer, die sonst liebend gerne mein leben retten, den rücken zu kehren. aber ich bin total erwachsen und habe das problem selbst gelöst. einen verehrer mag eine frau ja wegen eines verstopften klos auch nicht wirklich fragen. es sah nicht schön aus und frau will ja, dass ein verehrer eine für ein überirdisches wesen hält. also ging ich es selbst an.

ich hatte lust auf einen kaffee und der tee war auch schon fertig gekocht. mir war klar, dass ich nicht beides zu mir nehmen könnte, ohne vorher das toillettenproblem gelöst zu haben. aber ich hatte lust auf einen lecker schaumigen milchkaffee, also dachte ich darüber nach, wie diese gummidinger wohl funktionierten. es schien ja ein ganz einfaches prinzip zu sein. ich hatte eine idee. wenn es um unterdruck ging, dann lag es wohl am stoßen. das erinnerte mich an eine mir liebe sache. ich beschloss, dass es kein großes finanzielles und ekelrisiko wäre, es mit der klobürste zu versuchen. es war allerdings schon ein ekelrisiko. aber es funktionierte. juchhu. tatsächlich, es entstand ein sog, der alles mit in die tiefen zog. und während ich dies hier schreibe baut sich auch der ekel langsam ab, so dass ich nun endlich den kaffee kochen kann.

Donnerstag, Juli 21, 2005

stinkfaul

wahrscheinlich muß ich so lange nichts tun, bis ich es gar nicht mehr erwarten kann, endlich die steuerunterlagen fertig zu machen, den kühlschrank auszuwaschen, die änderungen am manuskript zu erledigen und mal wieder was zu schreiben. meine güte, ich bin wirklich gut im tag-verdaddeln.

Mittwoch, Juli 20, 2005

weisheiten von freundinnen

mit m. sprach ich letztens darüber, dass ich mich bedroht fühle, seit mir die tasche und damit auch mein wohnungsschlüssel samt anschrift geklaut wurde. die wahrscheinlichkeit, dass jemand bei mir einbricht halte ich aber für nicht wirklich viel höher als sonst. das neue schloss ist genauso leicht aufzubrechen, als würde man einen einbruch planen und den geklauten schlüssel mitnehmen. die bedrohung ist also "nur im kopf". m. sagte daraufhin, dass "wenn es nur im kopf wäre, dass es dann auch leicht wieder weggehen würde". verblüffend. aber es stimmt. klar, wie schnell lösen sich die gedanken im kopf ab. fortan untersuchten wir jedes problem auf seine relevanz und stellten fest, dass es sich bei den meisten um probleme handelte, die "nur im kopf" existierten. prima, dann gehen sie auch leicht wieder weg.

s. erzählte mir heute, dass eine freundin etwas spannendes sagte. s. heulte sich letzten sommer die augen aus dem kopf, weil sie eine wunderschöne wohnung nicht bekommen hatte. einige wochen später fand sie eine ebenso wunderschöne wohnung, die aber noch größer und besser war als die, wegen der sie so geweint hatte. ihre freundin sagte, dass es ebenso mit den männern wäre. wenn s. jetzt so wegen dieses buddhistischen DJs, der sie gar nicht freundlich behandelte, weinen würde, dann wäre das eigentlich unsinnig, denn der wäre gar nicht der richtige für sie. sie würde bestimmt bald einen finden, der ebenso wunderschön wäre, der noch viel besser zu ihr passen und sie wahnsinnig freundlich behandeln würde. das leuchtet mir ein.

zipperlein

mich juckts am ganzen körper. seit tagen. überall rote punkte. das sieht nicht schön aus. es sieht auch nicht schön aus, wenn ich mich dauernd kratze. deswegen nehme ich seit zwei tagen antihistamintabletten und nun bin ich unglaublich müde und kratze mich. super!

Sonntag, Juli 17, 2005

polizeiruf 110

in irgendeiner zeitung las ich vor ein paar tagen über den heutigen polizeiruf, dass es umstritten wäre, so deutliche bilder zu zeigen. zu zeigen, wie eine vergewaltigung von statten geht, in nahaufnahme zu zeigen, wie die vergewaltigte vor angst atmet. zu zeigen, wie einem mittäter der schwanz angeschnitten wurde. ich fand ihn gut, den polizeiruf. ich finde, so etwas kann man nicht oft genug thematisieren. und es war zwar eindringlich aber keine gebrauchsanweisung. mir gefällt es, dass in der öffentlich rechtlichen sonntagabendunterhaltung brisante themen angeschnitten werden, damit sie öffentlich diskutiert werden.

vor ein paar jahren, sah ich zum zweiten mal den film angeklagt mit jodie foster und kelly mcgillis. ich war bei meinen eltern zu besuch und es war im sommer und ich trug nur sehr wenig. eine knappe radlerhose (jaja...es ist mehr als 10 jahre her) und ein offenherziges t-shirt. ich sah den film zusammen mit meinem vater. den nachhauseweg, eine dreiviertelstunde mit öffentlichen verkehrsmitteln, durfte ich an diesem abend nicht wie gewöhnlich machen. mein vater war von dem film berührt und wollte mich unbedingt nach hause fahren. wir diskutierten die immer wiederkehrende frage, ob frauen an einer vergewaltigung eine mitschuld haben, wenn sie aufreizend gekleidet sind oder vorher mit dem täter flirten.

ich kann mich nicht nur gut daran erinnern, welche kleidung ich an diesem tag trug, sondern auch an dieses hilflose gefühl in der diskussion. wie konnte ich meinem vater begreiflich machen, dass wenn man von einer mitschuld ausgeht, dass dann das ganze leben als frau eingeschränkt wird, weil man sich bei jedem schritt der drohenden gewalt bewußt sein muß. ich weiß noch, wie es mir, nur aufgrund des unmittelbaren eindrucks durch den spielfilm, annähernd möglich war, meinem vater das gefühl zu vermitteln, was es heißt, in solchen situationen eine frau zu sein. ich habe ihm nicht gesagt, wie wenig es ihm möglich ist, mich zu beschützen.

wenig später stritt ich mich mit meinem damaligen besten freund. wir waren zu mehreren unterwegs. es war sommer, es war schon spät abends. eine frau wollte nach hause. mein freund bot an, sie zu begleiten, damit sie nicht alleine durch den park gehen muß. ich machte einen spruch dahingehend, dass die wenigsten vergewaltigungen durch einen mann geschehen, der im park hinter einem busch hervorspringt, sondern dass die meisten vergewaltigungen "date rapes" sind: vergewaltigungen durch bekannte und verwandte. der freund kündigte mir damals die freundschaft, weil er es nicht aushalten konnte, dass meine aussage implizierte, dass "alle männer potentielle vergewaltiger sein könnten". sein verhalten machte mich hilflos. ich hatte nicht gesagt, dass er ein vergewaltiger wäre und ich hatte nicht gesagt, dass alle männer potentielle vergewaltiger sind. ich versuchte nur etwas von dem gefühl der subtilen bedrohung zu vermitteln, das frauen allgegenwärtig fühlen würden, wenn sie es nicht permanent willentlich oder unbewußt unterdrücken würden.

im polizeiruf war der staatsantwalt in meine augen ein wenig zu sehr "bad guy". es war so offensichtlich, dass er tumb ist. trotzdem, wenn öffentlich rechtliches fernsehen es schafft, dass auch in gesellschaftsschichten über brisante themen nachgedacht oder sogar geredet wird, dann kann es meinetwegen auch ein bisschen tumb sein. es ist so komplex, so schwierig. es ist nicht so, dass die frauen die guten und die männer die bösen sind. und gerade weil es so komplex ist, ist es so unheimlich.

Samstag, Juli 16, 2005

unterschiede

in den letzten wochen, in denen ich latent immer noch nach einer endvierzigerin suche, die "vorbild" für eine romanfigur werden könnte, ist mir verstärkt aufgefallen, dass ich unheimlich schlecht das alter der menschen schätzen kann. es scheint, als hätte niemand mehr ein alter. oder zumindest kein alter, zu dem er oder sie steht. früher hat man das alter leicht an der kleidung festmachen können. unmöglich. die meisten menschen scheinen ein gefühltes alter von 29 zu haben und kleiden und verhalten sich so. sehr merkwürdig.

diese angleichung wundert mich täglich. da ich aber derzeit sehr genau hinschaue, nehme ich aber gleichzeitig die unterschiede war. wie gesagt, ich schaue verstärkt auf frauen und sehe dort bei aller gleichmacherei trotzdem eine vielfalt, die mich immer wieder staunen lässt. es gibt nischen, z.b. sehe ich immer mal wieder erstaunt eine frau ohne bh. und es gibt große unterschiede, wenn ich mal in einem anderen stadtteil bin. schwups sehen die frauen ganz anders aus.

"weibliche identität" zu verstehen ist ein thema, dass mich sicherlich noch eine ganze weile im eigenen lernen und im schreiben begleiten wird. wenn aber frauen anfangen mit menstruationsblug zu malen, dann schaue ich verwundert und denke, neee, so weit bin ich glücklicherweise noch nicht.

Dienstag, Juli 12, 2005

träume

derzeit träume marke insomnium interruptus (ich alte nichtlateinerin will nur angeben, dank eines onlinewörterbuchs ist das ja alles heutzutage möglich). ich träume träume ohne ende. manchmal wache ich auf, manchmal reißt mich das telefon aus einem traum, wenn es gerade spannend wird. derzeit träume ich von nicht ausgelieferten botschaften.

freitag weckte mich das telefon just in dem moment, als ich im traum einen postboten empfing. er hatte ein päckchen und eine art telegramm für mich, dass er gerade vorlesen wollte, als ich völlig durcheinander aufsprang,um an das, außerhalb des traumes klingelnde, telefon zu gehen. was hatte ich mich geärgert, dass ich die botschaft verpasst hatte. trotz nochmaligem hinlegens, klingelte der postbote nicht nochmal, um es mir zu sagen. mist.

gestern träumte ich, dass eine frau in kutscherhaltung auf einem stuhl saß und ihre langen blonden locken ausschüttelte. an der körperhaltung und ihrer art sich zu bewegen, erkannte ich sie als eine freundin aus frankfurter schul- und handballerinnenzeiten. petra. sie sah auf und wir erkannten uns. wir freuten uns, uns wiederzusehen und machten eine art picknick zusammen. sie erzählte mir eine etwas komplizierte liebesgeschichte mit einem alten freund, in den sie sich plötzlich verliebt hätte und nun herauskriegen wollte, ob er in sie verliebt oder vielleicht leider schwul sei... dann wollte sie mir etwas anvertrauen - und ich erwachte.

den ganzen vormittag überlegte ich, wie diese freundin wohl mit nachnamen heißt. es machte mich fuchsig, dass ich nicht darauf kam. ich wußte noch, dass sie anders hieß, als das, was bei ihren eltern an der klingel stand. mir ist auch eingefallen, dass sie nach dem abitur tiermedizin studierte. dann war schluß. nach stunden vermutete ich unsicher: petra korth. oder so ähnlich.

kennt irgendjemand meiner leserInnen zufällig diese frau? ich würde sie gerne wiedersehen. sie müsste 38 oder 39 jahre alt sein.

gesten sammeln

ich sauge derzeit menschen, situationen, gesten etc. wie verrückt auf. komisch. das habe ich bisher noch nie gemacht. aber der sammlertrieb ist nunmal erwacht, also werde ich ihm nachgehen. lebe nach dem lustprinzip!

gestern beobachtete ich die begrüßung zweier männer. ein hübscher mann stand vor dem café, liess seinen blick schweifen und weigerte sich, meinen aufzufangen. sein freund kam mit dem fahrrad. ein lächeln huschte über das gesicht des stehenden, als sich das rad näherte. ein kurzes "hallo" und sie umarmten sich in dieser männertypischen weise: einen arm um den anderen legen und ihm drei bis fünfmal lautstark auf den rücken zu klopfen. ob sich dabei die herzen berühren? die wangen ganz sicherlich nicht. das fahrrad stand zwischen ihnen. der mir zugewandte radler schloss nicht genußvoll die augen, während des herzhaften klopfen, sondern beäugte eine entgegenkommende fußgängerin. schnell löste er sich aus der umarmung, um höflich der dame platz zu machen und rammte dabei einem anderen fußgänger, der seinem selektiven blick entgangen war, das hinterrad zwischen die beine. eine sehr schöne szene.

Montag, Juli 11, 2005

menschen sammeln

gestern, vor dem doofen taschenklau, saß ich in meinem anderen lieblingscafé. es ist so toll, für jede jahreszeit einen lieblingsplatz zu haben. wenn es richtig heiß ist und der schatten lockt, sitze ich dort.

ich versuchte zu lesen. frau hustved machte mir probleme, denn die zwei damen am nebentisch redeten laut über jobs und heimat und wie ich schon vermutete, hielt das buch nicht das, was es auf den ersten seiten versprach. nun, dachte ich, dann höre ich eben dezent zu. wer weiß, wozu ich diese szene einmal brauchen kann. unvermittelt schob sich ein winziger arsch mit polster in mein blickfeld. ein super-radfahrer mit zwei begleitern. so einen kleinen arsch hatte ich lange nicht gesehen. ein kleiner jockeyarsch auf muskulösen beinen in türkisfarbene, mit aufdringlicher werbung bedruckter enanliegender hose. rasierte beine, versteht sich. auch der radfahrerunterhaltung lauschte ich beglückt. meine güte, man hat ja als normalsterbliche keine ahnung, dass die 1000 km in der woche fahren. alles stoff.

beglückt ging ich nach hause. das gefühl machte sich breit, etwas gearbeitet zu haben. denn als ich frau hustved weglegte, holte ich herrn king aus der tasche. ich las "Das Leben und das Schreiben" und erfreute mich an seiner bodenständigen art und den wertvollen tipps. hey, das ist keine billige legitimation, den schreibtisch mit den lästigen korrekturen gegen einen mittag im café einzutauschen und es arbeit zu nennen. ich fand es wertvolle und immens beglückende arbeit. ich habe eine menge gelernt.

beklaut

gestern wurde mir im hauptbahnhof meine tasche geklaut. fast alles drin. ec-karte, mobiltelefon, monatskarte und meine allerliebstesupertolleteuer IC-sonnenbrille mit den geschliffenen gläsern. ganz abgesehen von der u&u-tasche, die es nicht mehr gibt. zumindest keine ausweise. trotzdem doof.

nachdem ich mich zunächst ganz fürchterlich über mich geärgert hatte, denn wie kann man auch nur so dumm sein und an einem solchen ort, seine tasche auf den boden zu stellen, bekam ich plötzlich angst. angst, dass die diebe schon bei mir zu hause waren, die bude umgekrempelt und das notebook mit zwei fast fertigen büchern drauf mitgenommen hätten.

komisch, ich hatte irgendwie nie angst, denn bei mir gibt es nichts zu holen. das, was ich besitze, hat höchstens für mich einen wert. so wie die tasche oder die sonnenbrille. achja und mein lieblings-BH. aber die diebe werden keinen spass mit ihrer beute gehabt haben. eine vergammelte tasche, kaum geld und die karten sofort gesperrt. es war eben auch nur eine badetasche.

doch heute nacht fühlte ich mich schrecklich. ich wälzte mich im bett herum und konnte nicht schlafen. ich fühle mich verfolgt und bedroht. alleine die möglichkeit, dass jemand in mein reich eindringen könnte, verursachte unbestimme schlimem gefühle. ich versuchte mir immer wieder einzureden, dass so ein einbruch, ebenso wie ein diebstahl, jederzeit passieren kann. und trotzdem fühlte ich mich unmittelbar bedroht.

Samstag, Juli 09, 2005

vorbilder

jetzt lese ich gerade das zweite buch von siri hustved. keine ahnung, in welcher reihenfolge sie sie schrieb, ich lese gerade "die unsichtbare frau". auch hier habe ich wieder das gefühl, sie kann das, was sie auf den ersten seiten verspricht, möglicherweise nicht bis zum schluss halten - aber dieser anfang! es ist unglaublich! so genial! so unglaublich fesselnd, wie sie auf den ersten seiten die leser an die geschichte kettet, neugierig macht, süchtig macht. wirklich bewundernswert. wenn ich groß bin, möchte ich auch mal so einen anfang schreiben. (arbeitshypothese: so einen anfang schreibt man zum schluss.)

diese einleitung einer magisterarbeit über das buch in zusammendenken mit den theorien judith butlers ideen zum thema identität lese ich mir nach der lektüre noch einmal durch. klingt, als wäre es immens spannd. aber 39.90 euro zum herunterladen einer wissenschaftlichen arbeit finde ich unglaublich teuer. erstaunlich!

Mittwoch, Juli 06, 2005

schön

es ist wunderschön aus dem lieblingscafé zu fliehen, den göttlichen kaffee herunter zu kippen, weil man an den schreibtisch zurück will, weil man einfach schreiben muß. es ist äußerst nett, ein verbessertes verlagsangebot zu bekommen und sich darauf zu verlassen, das die agentin das alles schon gut richten wird. es ist klasse, einen beruf zu haben, der spass macht und sich (zumindest manchmal) überhaupt nicht anfühlt wie arbeit.

mein unbewußtes schuftet

heute nacht habe ich im traum "das schweigen im walde" besucht. es war nicht schön. er so schlimm überarbeitet aus. ich fühlte mich gar nicht zu ihm hingezogen. ein bißchen mitleid hatte ich. er hatte keine zeit, sich mit mir zu unterhalten. ständig war er abgelenkt. dann wollte ich mich von ihm verabschieden und er war nicht zu finden. es war mir peinlich, meine familie (die aus unerklärlichen gründen mitgekommen war) warten zu lassen. ich wollte ihn nur noch mal drücken und dann gehen. irgendwie gelang das nicht. es war ein anstrengender traum. ich beendete ihn, in dem ich aufs klo ging.

Sonntag, Juli 03, 2005

lo-fi-boheme

in weiten teilen wiedererkennbar.

"Es ist doch seltsam, dass im Fernsehen immer noch "ein schöner Feierabend" gewünscht wird, dass nach einem Wochenende der kollektive Beginn der Arbeitswoche angekündigt wird, obwohl niemand mehr regelmäßig arbeitet...." mehr

(taz-artikel aus 2003 von christiane rösinger über die merkwürdige arbeitswelt, via dialogannahme)

manchmal fühle ich mich unheimlich trendy und gut für die zukunft gerüstet mit meiner wahnsinnigen flexibilität in unterschiedlichsten projekten gleichzeitig zu arbeiten. manchmal schäme ich mich für das jobben im callcenter. manchmal fühle ich mich sicher, denn viel schlimmer kann es nicht werden, denn ich bin in der lage mit wenig auszukommen und auch für drecksarbeit nicht zu schade. oft hoffe ich, vom schreiben leben zu können. immer öfter träume ich vom prinzen, der mich erlöst.

Samstag, Juli 02, 2005

nichts

ich habe diese woche eine ganze menge nichts gemacht. nichts gebloggt zum beispiel. ich habe auch nicht geputzt und nicht viel gearbeitet. nichts geschrieben und nichts korrigiert. ich habe ewig nicht mit g. telefoniert, obwohl ich es ihm versprochen habe. ich sogar noch nicht mal die karten gefragt, warum ich nichts mache. ich habe mails nicht beantwortet und an den meisten tagen war ich noch nicht mal kaffeetrinken, um dort nichts zu tun. heute gehe ich nicht auf das klassentreffen. ich wollte schon früher nichts mit diesen leuten zu tun haben. heute werden sie es endlich merken. oder auch nicht. welch stille rebellion und langweilig auch irgendwie. aber mehr war diese woche nicht drin.

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen