Sonntag, Juni 26, 2005

achdumeinegüte

vorhin am telefon jammerte ich rum bis die freundin sagte, ich solle mal mein buch lesen; da stünde alles drin. ich also das handtäschchen gepackt und ab ins lieblingscafé: 100 seiten gelesen, vor scham über mein verhalten der letzten monate errötet und erblasst, mich gewundert, wer das tolle buch geschrieben hat und woher die das weiß und beschlossen, dass jetzt wieder alles anders wird.

effizientes schreiben

mal wieder ein aha-effekt. wenn ich schreiben will, um davon zu leben, dann muß ich wenn ich bücher konzipiere auch kaufmännisch denken.

das heißt, ich hatte zwar letzten freitag eine superidee für eine zweite protagonistin um die fragmente des aktuellen buches, an dem ich arbeite anzu-reich-ern, doch ich habe die idee verworfen. erst dachte ich, ich wäre noch nicht so weit, dialoge bzw. aus der sicht einer mir völlig verschiedenen protagonistin zu schreiben. aber das ist es nicht. ich hätte das material, das ich bereits geschrieben habe, völlig überfrachtet. wahnsinnig viel aufwand, den mir wahrscheinlich niemand gedankt hätte, weil ich damit die zielgruppe verwässert hätte.

klar wurde mir das in den letzten tagen, als ich über das vertragsangebot für das fortsetzungsbuch nachdachte. an sich ist es ein batzen geld, aber er steht in keinem verhältnis zu dem zeitlichen aufwand des schreibens und dem zukünftigen aufwand für werbung und PR. wenn dies nun aber "die preise" sind, dann muß ich meinen aufwand pro werk verringern, d.h. effizienter schreiben.

das heißt dann auch, dass, wenn ich in den nächsten monaten vom schreiben leben will, ich aus den fragmenten effizient ein buch machen muß, statt da noch monatelang dran herum zu probieren. das ist machbar, denn beim korrekturlesen war ich ja bass erstaunt, wie gut das schon ist. die gute idee vom vergangen freitag werde ich weiterverfolgen und zwischenzeitlich noch das lernen, was ich zur umsetzung der idee gebrauchen könnte. aber das wird dann ein neues buch. eines, das nicht sofort geld bringen muß, sondern das mein "lernprojekt" für die nächsten monate ist. ich muß da einfach genauer unterscheiden.

außerdem schleicht sich gerade noch ein neues buchprojekt in mein leben, das ich unter effizienzgesichtspunkten genau richtig eingefädelt habe: bei einem telefonat mit meinem lektor des ersten buches habe ich ihm ein paar projektideen vorgeschlagen. eine fand er gut - seit dem rattert es bei mir im hirn. kein herzblutthema aber ein nettes kleines buch, in dem ich die verschiedenen aspekte, die mich in den letzten jahren beschäftigten reinbringen und damit sogar vielen leuten, die ich mag oder spannend finde, einen gefallen tun kann. auch schön. ein nettes kleines büchlein.

der projektplan für die nächsten monate:


  • fragmente fertigstellen und anbieten

  • fortsetzungsbuch nach verkauf überarbeiten

  • neues buchprojekt skizzieren, exposée und probekapitel machen

  • für das "lernprojekt" nach "lehrern" suchen und probeschreiben


damit dürfte ich ganz gut beschäftigt sein und finanziell müsste es auch hinkommen. wahrscheinlich erzählt mir dann wieder die künstlersozialkasse, dass ich zuviel verdienen würde. meine güte, ist das alles kompliziert. aber es ist auch toll, denn erst dachte ich letzte woche - als ich ständig die wundervolle sonne genoss - dass ich eine faule haut wäre, die zu wenig am schreibtisch sitzt und gar nicht voran kommt. jetzt merke ich aber, dass es tatsächlich in meinem hirn ratterte und ich verdammt weit gekommen bin. ich habe mich sortiert und gleichzeitig genossen. ich finde das ist unter life-work-balance-aspekten sehr effizient.

Samstag, Juni 25, 2005

traurig

ich frage mich, ob es nur mir so geht: die nettesten komplimente bekomme ich immer in körbe und schlußmachgesprächentelefonatenmails verpackt. ich werde mir den mittelteil der mail irgendwo gut aufbewahren, um es in schlechten zeiten zu lesen. aber ich werde die mail manipulieren und nur das beste aufheben. selektives erinnerungsvermögen. ich merke mir einfach nur die netten komplimente. bekomme ich ohnehin zu selten. nur eines, eines will ich definitiv nicht mehr hören. das böse k-wort. da kann ich mir wirklich was drauf backen, ein guter kumpel zu sein.

dennoch, irgendwie ist es dieses mal besser gelaufen als das letzte mal, als ich gesagt bekam, dass "reden und sex mit mir echt schön wären, aber wir sollten daraus doch lieber eine affäre machen". damals dachte ich, ich sollte geld dafür verlangen und mein herz im eisschrank verstauen. heute denke ich, dass ich was besseres verdient habe und versuche wieder strahlend schön zu werden, um weiter auf die suche nach einem vater für meine zukünftigen zwillinge zu gehen.

trotzdem finde ich es schon daneben, nähe zwischen zwei menschen per telefon oder mail zu beenden. scheiß moderne technik.

Mittwoch, Juni 22, 2005

achso!

jetzt weiß ich es, wieso ich so schwierigkeiten habe, belletristik und dialoge zu schreiben! meine spezialität sind meine lernprozesse, ich kann gut über mich und meine erkenntnisschleifen schreiben. mich in andere personen, mit einem anderen hintergrund so hineinzuversetzen, dass es überzeugend ist, wie sie handeln oder sprechen, das fällt mir schwer. keine ahnung, was ich mit dieser erkenntnis tun werde. jedenfalls erschien mir der gedanke eben wichtig genug, um noch mal aufzustehen, obwohl ich gerade schlafen wollte.

genug ist genug




genug ist genug. ich wünschte, ich könnte das dem schweigen im walde sagen, statt hier zu bloggen und dieses lied vor mich hinzusummen. keine antwort ist eine antwort!

ich habe wunderbar indisch gekocht und die bekochte freundin redete so lange mit mir darüber, bis ich in der vergangenheitsform von ihm sprach. "weil ich es wert bin" sollte ich nicht nur denken, sondern endlich fühlen. darauf gekommen bin ich, weil die freundin unter anderem sagte "wenn er mich nicht will, dann eben nicht. ich bin zutiefst davon überzeug, eine wunderbare partnerin zu sein."

heute war kein guter tag. in den verschiedensten varianten machte ich mich runter. verdammt, verdammt warum?



Donna:
If you’ve reached the end,
Don’t pretend
That it’s right,
When it’s over.

Barbra:
(it’s over)
If the feeling is gone,
Don’t think twice
Just move on,
Get it over. (over, over)

Both:
Tell him to just get out,
Say it clearly,
Spell it out:

Enough is enough is enough
I can’t go on,
I can’t go on no more no.
Enough is enough is enough
I want him out,
I want him out that door now.

Enough is enough (ooh, owww)
Enough is enough
That’s enough (ooh)


ach, ein cd-regal ist fast so schön wie ein bücherregal. ich dachte kurz nach und dann wußte ich: die CD habe ich vor jahren von meiner wunderbaren freundin lindy geschenkt bekommen. kennt ihr ihre wunderbaren klamotten, schürzen und taschengürtel? nein, dann nichts wie HIN und an der seite spielen!

"du brauchst schutz, dear", sagte sie vor vielen jahren zu mir. "du kannst doch nicht im hosenanzug arbeiten! das ist so männlich und deine empfindlichsten teile sind ungeschützt." also machte sie mir eine schürze: tailliert ohne schnörkel, die ich unter dem jacket und über der hose trug. endlich arbeitskleidung, die für mich richtig war. aber in hamburg versteht das kein mensch!

Dienstag, Juni 21, 2005

vice versa

beim kloputzen ein kleines kichern: mein kloreiniger riecht nach kaugummi. als ich letztens einen mann küsste, mußte ich auch daran denken. beides ist sicherlich gut gemeint.

Montag, Juni 20, 2005

tagesanfang

seit ungefähr 25 jahren habe ich den gleichen wecker. vor ca. 10 jahren tauschte ich das schwarze gegen ein neues weißes modell aus. gleicher weckton. heute wachte ich zum ersten mal völlig hektisch davon auf und fragte mich, wer um himmels willen um diese uhrzeit anruft.



vorher träumte ich von einer giraffe in grautönen, die jeden vormittag einen spaziergang durchs viertel macht und einem dreijährigen krebskranken kind einer frauenfußballspielenden krebskranken mutter.

keine mail im postfach. man könnte natürlich schlüsse daraus ziehen, wenn liebesbriefe nicht beantwortet werden. ich tue dies natürlich, wechselnd mit positiver und negativer interpretation. eben eher positiv.

wenn der tag so anfängt - was mag dann noch kommen?

edit:
es wurde noch ein sehr schöner tag. unendlich viele kilometer radgefahren (mein fuß sagt dazu heute "autsch") und in der elbe gebadet. erst traute ich mich nicht, dann war es aber ganz wunderbar.

Sonntag, Juni 19, 2005

zu viel sonne

ich habs ja nicht so mit den sonntagen. es ist schon komisch, dass ich immer, wenn viele draußen unterwegs sind, diese einsamkeit spüre. heute habe ich es wieder einmal versucht und bin immer wieder geflohen. zuviele menschen in paaren, in kleinfamilien in lustigen grüppchen um mich herum. da schwitze ich doch lieber alleine aber nicht einsam in meiner dachwohnung. dabei war ich gestern auch mit mehreren leuten unterwegs. und es klingelte sogar mein telefon (das tut es recht selten) und es kam noch eine freundin dazu. irgendwie bevorzuge ich wochentage, wo alleine im café sitzen normal ist.

Freitag, Juni 17, 2005

ich habe sie!

meine güte, wieviele wochen denke ich an diesem problem herum? ich weiß es schon nicht mehr. jedenfalls ist sie jetzt da, die entscheidende idee für das buch an dem ich gerade arbeiten.

seit wochen quälte ich mich damit herum, dass ich zu gerne einen roman schreiben wollte und es doch wieder so sachbuchartig kam. ich wußte einfach nicht wie. alles, was mir einfiel, war so langweilig. dabei wußte ich das dahinterliegende thema, ich habe ein belletristisches vorbild und trotzdem, der entscheidende einfall liess einfach auf sich warten.

vorhin war es dann so weit. ich fragte mich, warum ich eigentlich gestern auf der lesung von John von Düffel war. schließlich habe ich fast alles von ihm gelesen und sein neues buch, aus dem er las Houwelandt hatte ich erst vor wenigen wochen begeistert verschlungen. als er las, langweilte ich mich fast. um mich herum nur hysterische frauen. eine wundervolle szene, die erste reihe war frei, eine große schöne frau nahm dort platz. die hühner aus der zweiten reihe gackerten ganz aufgeregt, weil sie den autor nicht mehr sehen konnten. aber noch vorne traute sich auch keine.

ich lauschte also der lesung und lies meine blicke durch die buchhandlung und meine gedanken schweifen. dann wurden fragen gestellt und beantwortet. und dann sagte er etwas entscheidendes. das, was "Houwelandt" so speziell macht: die erzählperspektiven. er sagte, dass man familiengeschichten nie nur aus einer perspektive erzählen kann, weil es nie nur eine wahrheit gibt. tja, eigentlich eine banale idee und sicherlich auch nichts neues. aber 24 stunden später machte es bei mir klack: ich brauche eine zweite protagonistin! eine, die "dahinter sitzt" und die geschichte schreibt, deren leben sich dadurch verändert. vielleicht treffen sich die beiden damen sogar irgendwann. keine ahnung, das wird sich beim schreiben ergeben. so einfach, so schlicht und so voller potenzial!

jetzt gehe ich kurz in den lärm vor meinem haus. strassenfest. ich werde ein wenig durch die gassen humpeln und sehen, ob ich sie dort treffe, meine protagonistin. ich weiß schon ungefähr, wer sie ist. wie sie wohl aussieht? hach, ich bin so neugierig, sie kennenzulernen!

wagnis

ohwei ohje, ich habe mich aus dem fenster gelehnt. hoffentlich nicht zu weit. der erste liebesbrief meines lebens, wenn man den allerersten in der grundschule auslässt, der so jämmerlich kommentiert wurde, dass ich es nie mehr wagte. und dann, dreißig jahre später, schreibe ich einfach und drücke auf "senden". wie schnöde. ich hätte wenigstens den füller auspacken sollen und schönes papier. aber vielleicht war es auch gut so, dass ich nicht so viel im vorfeld darüber nachdachte. dafür denke ich jetzt umso mehr darüber nach. ohje.

Mittwoch, Juni 15, 2005

neu

während mich kinder normalerweise erst latent zu interessieren begannen wenn sie mindestens eingeschult waren, passiert derzeit etwas ungewöhnliches: ich flirte mit jedem kind in karre und wagen. den kinder gefällt es, bleiben sie doch an meinen augen, meiner sonnenbrille oder meinen grimassen so fasziniert hängen, dass mutti zwar den wagen weiterschiebt, aber der kleine kopf quasi an mir hängenbleibt. es wird sich soweit aus dem wagen gelehnt, bis ich nicht mehr sichtbar bin oder die verwunderte mutter die aufmerksamkeit auf sich lenkt. ganz sicher hat dieses neue phänomen mehr mit meinen hormonen als mit m. jackson zu tun, denn ein zweites phänomen schlich sich in den letzten tagen zusätzlich in mein leben. ich muß mich sehr beherrschen, nicht wildfremde schwangere zu fragen, ob ich ihren bauch anfassen darf. achdumeinegüte.

Dienstag, Juni 14, 2005

schreiben

ich lese was ich liebte von siri hustvedt und gehe gedanklich auf die knie vor ehrfurcht. selten habe ich schon bei den ersten sätzen und absätzen das gefühl gehabt, langsamer lesen zu müssen, damit das buch länger hält. jeder absatz schafft neue bilder. wie auch immer sich die verschiedenen themen verknüpfen werden. jeder absatz ist schon ein genuß. ob ich wohl jemals derart schreiben werde können?

ich arbeite derzeit heftig. es fällt mir kein besseres wort dafür ein, denn von außen sieht es nicht so aus. ich schlafe lange, lese viel, trinke kaffee, daddel am computer herum und schreibe hier und da ein bißchen. auf notizzettel und kleine essays. mein kopf rattert. mein gehirn arbeitet so effizient wie schon lange nicht mehr. ich spüre förmlich die synapsen wachsen.

ich bin auf der suche nach dem großen thema, weil ich weiß, dass es hinter der an sich banalen geschichte steckt, die ich gerade schreibe. ich bin wahnsinnig ehrgeizig ein gutes buch zu schreiben, obwohl es nicht unter meinem namen erscheinen wird. ich weiß, dass die erkenntnis fast schon da ist. ich weiß, dass ich sie durchlebe, bis sie so klar ist, dass ich einfach darüber schreiben kann. wenn sie fertig ist, wird sie wie von selbst aus mir herausflutschen und sehr sehr leicht klingen. ich weiß auch, dass sie hier im blog bestimmt schon drin ist. aber ich sehe sie noch nicht klar, obwohl ich fühle, dass die klarheit mit den synapsen wächst. was freue ich mich, wenn sie da sein wird!

immer mehr nähere ich mich der kunst. was war das ein abstrakter begriff für mich. früher. ohne behaupten zu wollen, dass das, was ich jetzt produziere schon kunst wäre, weiß ich, dass ich auf dem weg bin. ich denke an hannah arendt und ich denke an den begriff "werk". ich fühle den flow. ich sehe die ebbe auf meinem konto und es juckt mich nicht. obwohl es keinen anlass dafür gibt, wird die existenzangst immer weniger. ich bin ehrgeizig und weiß, dass ich noch ganz am anfang bin. aber wenn jedes buch immer ein bißchen besser wird als das vorherige, dann ist das alles schon ganz richtig so. welch ein luxus, so zu leben!

Sonntag, Juni 12, 2005

seufzen

ich lese blogs von männern, die über frauen schreiben, die sie lieben. ich lese dort faszination, anbetung, verehrung, überschäumendes gefühl und schlucke eine träne herunter. wieso sehne ich mich so verdammt nach diesem mann, dessen letzte netten worte - die bei weitem nicht dem entsprachen, was wohl anderen möglich ist - im april geschrieben wurden?

unsere vergangenheit war kurz und fühlte sich schön an. unsere gegenwart ist seit wochen absolut beschissen. aber ich sehne mich nach der zukunft, von der ich immer noch glaube, dass sie so stimmig sein könnte.

Samstag, Juni 11, 2005

nur so

ja, ich bin gerade ein wenig sentimental. gut, dass es die site von opak für genau diese momente gibt.

Wege
haben nur Stationen, keine Ziele.
Sie gehen immer irgendwie weiter.

Es gibt keine Abschiede,
so wie es kein Kennenlernen gibt.
Man immer man sich wirklich trifft,
hat man das Gefühl, sich schon ewig
zu kennen
Wann immer man auseinandergeht, weiss
man, das man sich nie wirklich trennt.

ob kurz oder lang
nah oder fern

Raum und Zeit sind Begriffe
die Menschen erfunden haben
damit sie wissen wo im Sommer
der Grill hinkommt

Freitag, Juni 10, 2005

unsexy

ungeschminkt hinkend, nur noch in turnschuhen, den einzigen, in denen ich laufen kann, werde ich mehr und mehr zum neutrum.

zwischendinge

zwischendinge machen mich völlig handlungsunfähig. ich versuche seit einer stunde das haus zu verlassen und scheitere daran, weil ich nicht weiß, was ich anziehen soll. wie fühlen sich 16 grad an? muß ich socken anziehen? ich hasse solche unlösbaren entscheidungssituationen. kann es nicht einfach kalt oder warm sein?

zwischendinge machen mich depressiv. es ist nicht so, dass ich mich schlecht fühle. mein fuß tut weh und friert, weil ich keine socken anhabe und gestern auf dem "fettes brot" konzert mitwippend spenden sammelte. ich bin nicht wirklich traurig und habe keine schlechte laune. ich drücke mich um eine bestimmte sache aber ich mache auch nichts anderes. es ist ein verdammtes zwischending. leiden wäre irgendwie schöner.

Donnerstag, Juni 09, 2005

so schnell gebe ich nicht auf

"Ich lerne sehen, ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles
tiefer in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen,
wo es sonst immer zu Ende war. Ich habe ein Inneres, von dem
ich nichts wußte, alles geht jetzt dorthin.
Ich weiß nicht, was dort geschieht."

Rainer Maria Rilke
via opak

so schnell gebe ich nicht auf. und so lange lasse ich es trotzdem nicht mit mir machen, wie in den neunzigern. jahre meines lebens hatte ich auf die hoffnung verschwendet und weil der mann mich "irgendwie mochte", konnte ich nicht von ihm lassen. ich schwor mir anschließend, mir niemals, wirklich niemals mehr eine geschichte schön zu reden. und trotzdem.

dann beschloss ich, dass ich nicht mehr nur krümel sondern den ganzen kuchen haben will. weil ich es wert bin. ich lerne aufzubegehren, wenn ich nicht genügend bekam, wenn ich mich nicht genügend wertgeschätzt fühlte. ich war glücklich, dass ich es endlich fühlte, wenn man mir unrecht tat. viele jahre hatte es mich gekostet, den eisblock aufzutauen und endlich zu fühlen. leider sind meine reaktionen immer noch ungelenk und oft zu brutal. ich möchte lernen geschickter, weniger nervend oder verletzend zu sein. schneller aufzumucken, statt ewig in mich hereinzufressen, bis ich explodiere. es ist nicht falsch was ich sage, nur wie ich es sage und wann. don't be to pushy. und trotzdem.

gibt es wirklich den passenden deckel zu meinem topf? ist es nicht schon ganz wunderbar, wenn ganz viele dinge stimmen? ist es nicht unsere aufgabe, sich bei den anderen dingen zusammen zu raufen? ich bin doch kein teenie mehr, die auf den märchenprinz wartet. und trotzdem.

woher soll ich wissen, ob es meine aufgabe ist, "vorbei" zu sagen, um frei für neues zu sein, wenn das gefühl derzeit noch ein ganz anderes ist?

„Lieben ist zunächst nichts, was aufgehen, hingeben und sich mit einem Zweiten vereinen heißt (...), es ist ein erhabener Anlass für den einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen (...) Nur als Aufgabe, an sich zu arbeiten, zu horchen und zu hämmern Tag und Nacht, dürften junge Menschen die Liebe gebrauchen“

Rainer Maria Rilke

Mittwoch, Juni 08, 2005

unprofessionell

nüchtern betrachtet, habe ich alles falsch gemacht. ich habe mich zu schnell entschieden, mich eingelassen, statt wochenlang parallel mit mehreren kandidaten auszugehen. tja, wo waren sie nur die kandidaten, ich war doch gar nicht auf der suche, ich war doch gar nicht strategisch. ich hätte warten sollen, ob paarungsbereitschaft (nein, nicht sexlust, sonderen der wille zur bindung) signalisiert wird, bevor ich meine absichten klar formuliere. ich hätte meine bedürnisse verschweigen sollen, um den kandidaten nur nicht zu verängstigen und ihn in die flucht zu schlagen. schließlich soll er doch das gefühl haben, erobern zu könnern, das heft in der hand zu halten blablabla. wenn meine leserinnen wüssten, wie diletantisch ich, die "frau doktor", mich verhalten. wie peinlich. und doch fühlte sich alles so richtig an. es war kein projekt, es war gefühl. es ist gefühl.

wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass sich meine prioritäten verschoben haben. unmerklich und es verwirrt mich gehörig. zum ersten mal in meinem leben steht nicht "ich und der job" an erster stelle. ich habe keine ahnung, wie ich damit umgehen soll.

Dienstag, Juni 07, 2005

im überfluss verhungern

ich habe einen großen haufen unnützer liebe übrig. sie ist überall. es geht nicht, sie zu übersehen. wo soll ich nur hin mit ihr? ob es jemand gibt, der sie brauchen könnte?

gleichzeitig hungere ich nach liebe. ich bin wie ausgedörrt und lechze nach nur einem klitzekleinen tropfen. woher? warum nur nicht?

es ist, als wären es verschiedene blutgruppen, wie zwei chemikalien, die man besser nicht mischt, wie ein schlüssel, der nicht ins schloss passt. einfach unverträglich. ich kann mich nicht von meiner eigenen liebe nähren.

auf und ab

eher ab. gerade. ich hasse hoffnung.

immer, wenn ich mal mutig aus meinem gefrierschrank krieche, haut man mir zwischen die beine. dann stehe ich nackt, frierend und schutzlos da. die tränen gefrieren in meinem hals, ich renne gegen die eisschranktür, reiße sie panisch auf und verkrieche mich im hintersten winkel. ganz sicher, dass ich mich so schnell nicht wieder heraustraue.

ich hasse es, nicht in mir zu ruhen. ich hasse es, mich einzulassen und gegen eine wand zu laufen. ich wäre so gerne autark. es haut mich völlig um. alles scheiße.

so viel

so viel gefühl füllt gerade mein herz. es jauchzt und jubiliert. einfach so.

es war schön, wieder nach hause zu kommen. my home is my castle. aber in hamburg ist herbst und ich dachte gestern den ganzen abend nur, dass ich fort will. weg von hier. klar, war es schön im eigenen quitschebett zu schlafen. klar, war es nett durch den kiez zu laufen. klar, war es nett. irgendwie. aber ich will wegggggg.....verdammt, woher kommt nur immer meine touristische ader. es ist nur eine erklärung, dass die stimme des schweigenimwaldes mein herz hüpfen liess. es ist soviel mehr. ich will was neues. eine neue lebensphase. es ist kein geographischer ruf, sondern ein bild, ein stern. jedenfalls glitzert es ganz gewaltig - egal, wo es ist.

zu wissen, dass ganz sicher etwas anderes kommen wird. egal wo. egal wie. das macht mich glücklich.

"Für viele Menschen hängt ihr Glück von Tausenden Dingen ab. So fehlt ihnen logischerweise immer irgendetwas zum Glücklichsein. Wenn sie ihr Glück allein von der Liebe abhängig machen würden, könnten sie ihr Glück in Tausenden Dingen entdecken."
Ernst Ferstl

Donnerstag, Juni 02, 2005

mein tag

letztes jahr um die zeit, waren die tränen für tage nicht zu stoppen. wie gut, dass dieses jahr wirklich alles anders ist. wer hätte das gedacht. wie schön!

es ist skurril den geburtstag im haus der eltern zu verbringen, das nicht mein elternhaus ist, da ich dort nur wenige monate lebte. ob ich wohl mit gesang und kuchen geweckt werde wie früher? und wie seltsam, abends mit freunden zu feiern, mit denen ich vor 15 jahren ähnliche wege einschlug, um heute festzustellen, wie anders und gleichzeitig lieb sie mir immer noch sind. jedes gespräch bringt viel nachdenken. welch wertvollen geschenke. ein bißchen trauer mischt sich in die verwunderte freude: wenn der geburtstag der tag ist, an dem die menschen, die mich mögen feiern, dass es mich gibt, dann ist es umso trauriger, dass der, an den ich am meisten denke, wohl noch nicht einmal weiß, wann meiner ist. doch welch nebensächlichkeit im vergleich zu den tränen des letzten jahres!

edit
der erste mann, den ich an meinem geburtstag dieses jahr sah, konnte mir nicht gratulieren, weil ich exakt um 12 in die strassenbahn stieg. er erinnert mich so verdammt an das schweigen im walde oder vice versa. der zweite mann, der mich per sms weckte und der dritte mann, der mit mir das erste stück kuchen aß, heißen genauso wie das schweigen im walde. nur von dort schweigt es leider weiterhin. es ist nicht leicht
/edit

die zwei größten geschenke, die ich mir im vergangenen lebensjahr selbst gemacht habe, ist mein vertrauen in mich und der wunsch nach nähe, die so sehr gewachsen sind, dass immer öfter die angst besiegt wird. das ist die tränen des letzten jahres allemal wert.

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen