Dienstag, Februar 08, 2005

mein neuer freund

ich habe mir einen wasserkocher gekauft. der geneigte leser, mag jetzt zwar enttäuscht sein, dass ich einen wasserkocher als freund bezeichne, aber er darf nicht vergessen, dass dieser neue freund das ist, was morgens als erstes und zumindest im winter abends als letztes berühre. schlaftrunken wandele ich morgens in die küche, um teewasser aufzustellen und abends ersetzt mir die wärmflasche ein menschliches wesen. weiblich, nicht mehr so jung, ledig.

der alte wasserkocher war ein treuer freund. vermutlich habe ich ihn 1995 gekauft. so recht kann ich mich nicht mehr daran erinnern, denn es ist, als wäre er schon immer bei mir. die kecke gelbe verzierung weißt aber darauf hin, dass er für die gelbe küche der schönen wohnung mit dem blick auf den volkspark friedrichshain gekauft wurde. sein name ist "exklusiv". ich gestehe, ich war jung, arm und unerfahren und wußte damals noch nicht, dass je exklusiver der name, desto größer die geschmacksverirrung sein könnte. so schlimm war er aber nicht. ich mochte ihn, weil er schlank und vergleichsweise unauffällig war. und treu und zuverlässig. er starb an materialschwäche.

ich mag diese todesursache, auch wenn sie wesentlich profaner ist als ein kurzschluß. sein altes, müdes material wurde schwach und er konnte immer weniger sein wasser bei sich behalten. faltige risse zierten seine rechte seite. es wurde immer mehr wasser. mit den pfützen konnte ich zunächst leben. schließlich hatte ich ihn lieb und auch alte elektrogeräte verdienen ihr gnadenbrot. aber schließlich fand ich es doch zu riskant, ihn mit nassen füßen zu benutzen. außerdem konnte ich meine wärmflasche nur noch zur hälfte füllen, denn während des erhitzens lief leider die andere hälfte durch die küche. ich mußte mich entscheiden, ein neuer wasserkocher oder ein mann. ich entschied mich selbstverständlich für den wasserkocher.

um meinen neuen freund zu erwerben investierte ich mehr als eine halbe stunde. glücklicherweise gibt es in meinem städtischen dorf nur eine möglichkeit, einen wasserkocher zu erwerben, wenn man von dem tschibo-prozenteladen absieht. ich finde, dass ich aus dem ikea-alter draußen und in dem tschibo-prozenteladen-alter noch nicht drin bin. also ging ich in das elektrofachgeschäft. 18 wasserkocher gab es dort zur auswahl. das untere preissegmente fiel sofort aus der wahl, weil schlechtes design einfach nicht in meine wohnung darf. ich gestehe, natürlich gibt es bei mir auch schlechtes design, aber ich finde, es ist ein zeichen des alters und der reife, wenn man mit der zeit wert auf gutes design legt und jugendsünden ersetzt. die umweltverschmutzung durch schlechtes design für augen und ergonomie gilt es, soweit es der geldbeutel erlaubt, zu bekämpfen. es war liebe auf den ersten blick, aber ich studierte die konkurrenz dennoch genau. braun enttäuschte mich, zu bullig. ich wollte einen zarten freund. obwohl ich es schon tricky fand, dass braun an links- und rechtshänder dachte. aber welcher linkshänder darf bei mir schon wasserkochen!

jetzt steht er hier bei mir. die erste tasse tee ist gekocht. brav las ich vorher die gebrauchsanweisung. leider konnte ich nichts daraus lernen. er steht tapfer neben dem dreckigen geschirr. statt blogeinträge zu schreiben, sollte ich vielleicht lieber spülen, damit er es mit dem einleben leichter hat; mein neuer freund.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen