Sonntag, Februar 06, 2005

elke

kaum hatte ich das posting über freundschaft fertig,lief im radio "eternal flame". für mich ein ganz besonderes lied, weil es der letzte schöne abend mit meiner freundin elke war, die nun schon lange tod ist. wenn ich mich recht erinnere, dann ist sie am 26. februar 1991 gestorben. jedenfalls war es ende februar und sie war anfang zwanzig. ihr 4 monatiges sterben hat mich zutiefst geprägt. die 5 jahre freundschaft davor waren klasse.

dieser letzte abend war mit viel alkohol verbunden. ein paar junge männer und ein paar junge frauen hatten einen lustigen abend. noch lustiger war es aber, als wir frauen anschließend ohne die männer im auto saßen, um nach hause zu fahren. elke, meine freundin n., die kurz darauf nach bremen zog und ich. kaum saßen wir im auto, lief das lied im radio. wir machen lauter und sangen lautstark mit "give me your hand, darling, do you feel my heart beating.....is this burning, an eternal flame". bei give me your hand, hielten wir uns an den händen. ich erinnere mich noch genau an die freudentränen, die ich dabei in den augenwinkeln hatte und das schöne gefühl.

es war ende oktober. wenige tage später ging elke zum arzt, weil sie schon wieder husten und fieber hatte. dieser wies sie ins krankenhaus ein. die diagnose: hodgkinsche krankheit. ich hatte keine ahnung, was diese diagnose bedeutete. aber die worte "lympfdrüsen" und "krebs" verfehlten ihre wirkung nicht. am 9. november wurde sie nach vielen anstrengenden untersuchungen operiert. sie schnitten ihr den gesamten brustkorb auf, schauten rein und nähten sie wieder zu. es gab nichts mehr zu tun. der krebs war schon an allen organen.

eigentlich wollten wir im jahr darauf gemeinsam nach mexiko. sie bestand darauf, dass ich ihr einen reiseführer mit ins krankenhaus bringen sollte und schmiedete pläne, während mir das herz blutete. weihnachten war sie noch mal zu hause, danach ging es rapide bergab. sie sah entstellt aus, keine zähne mehr, der ganze mund lila. sie war nur noch ein schatten ihrer selbst. sie hatte aussetzer, konnte aufgrund der vielen medikamente nicht mehr klar denken und war sich dessen bewußt. wenn sie klare momente hatte, war sie oft verzweifelt, dass ihr reger verstand, auf den sie vorher so stolz war, sie im stich lies. es fiel mir schwer, sie trotzdem wöchentlich im krankenhaus zu besuchen. oft erschien es mir, als tröstete sie mich und gab mir kraft. dabei wollte ich doch stark sein und sie unterstützten. doch sie hatte viel mehr kraft als ich. mein letzter besuch war der schwerste, sie erkannte mich nicht mehr.

bei der beerdigung drückte ich die hand ihres bruders. jahrelang konnte ich ihn nicht leiden, hatte fast angst vor ihm. aber er hatte sich so rührend um seine sterbende schwester gekümmert. dieser händedruck war einer der intensivsten momente des gefühlsaustausches meines lebens.

merkwürdigerweise machte mich elkes früher tod nie verzweifelt. ich hatte das gefühl, dass sie so schnell gelebt hatte, als hätte sie gewußt, dass ihr nicht viel zeit bleibt. sie war so rege, so gierig auf das leben. sie hat immer so viele freunde miteinander in kontakt gebracht und tolle parties organisiert. sie rannte von einem termin zum anderen, aber wenn wir zusammen saßen, war sie immer voll und ganz da. während ihres sterbens, haben wir freunde unendlich viel über leben und tod gelernt. vielleicht war das eine ihrer lebensaufgaben.

ich rede gerne und oft von ihr. so lange von verstorbenen menschen noch geredet wird, sind sie nicht wirklich weg. es war so unglaublich bereichernd für mich, mit ihr befreundet zu sein, dass ich anderen gerne von ihr erzähle. leider beschränken sich die erzählungen häufig auf ihr sterben. als wäre ihr sterben das wichtigste in ihrem leben gewesen. war es sicherlich nicht. aber für mich schon. im alltag vergesse ich sie oft, aber zwei dinge erinnern mich immer an sie. der hässliche waschbeckenstöpsel, den sie mir schenkte und den ich niemals wegwerfen würde und das lied. jedes mal, wenn es irgendwo läuft, singe ich es - egal wo und mit wem ich gerade bin - lauthals mit und habe diese kleinen tränen in den augenwinkeln. tränen der trauer und der freude. tränen, die mir klar machen, wie wahnsinnig wichtig für mich freundschaft ist.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen