Samstag, Februar 26, 2005

sinn

ich bin sehr berührt. gestern habe ich mir ein neues tarotbuch gekauft. die systematik dieses buches kommt mir sehr entgegen. vieles wird auf einmal sehr klar und ich kann es mir gut merken, weil alles so solide begründet wird.

die rührung und die aufgeregtheit kommt daher, weil ich die große weisheit erkenne, die in den karten abgebildet ist. (kein grammatikalischer irrtum). kartenlegerei ist wirklich kein schabernack; einzige bedingung, man muß an die jungsche synchronizität glauben. es hilft dem unbewußten auf die sprünge, genau wie träume und doch anders. denn im tarot ist wirklich alles - das ganze leben, lernen und der sinn - enthalten. so viele denk- und lernanstöße!

Samstag, Februar 12, 2005

schmerzhafte verschwendung

die migräne wird immer schlimmer. seit donnerstag abend macht sie mich fertig. dabei hatte ich mich so auf 3 tage intensive bucharbeit gefreut. nächste woche geht die anstrengende lohnarbeit wieder los, die meine nervenzellen klumpen und meine muskeln verspannen lässt. es ist so fatal, dass die schmerzen immer in den anderen zeiten kommen. und es ist so schrecklich, dass sie mir immer so langsam entgegenkriechen. den ganzen donnerstag hatte ich es schon gespürt, wie sie langsam meinen körper immer mehr verspannt. heute ist an arbeit gar nicht zu denken und ich fürchte, es ist auch schon zu spät für den sport. das hätte donnerstag machen sollen. es kann dohc nicht angehen, dass ich jeden monat zwei tage im bett verbringe und diese migränetage nur hinter mich bringe. das ist doch verschwendete lebenszeit. ob es wohl helfen würde, wenn ich in den arm genommen werden würde, wenn ich massiert werden und beim weinen gehalten werden würde? manchmal fliessen mir die tränen vor schmerzen. ohne grund. das hilft ein bißchen, mich in den schlaf zu weinen. schlafend gehen die tage schneller rum. hoffentlich wache ich morgen ohne schmerzen wieder auf.

edit (21.21 uhr):
der schmerz ist weg. als hätte ich mir den kopf zerbrochen, etwas geahnt. dafür weint und seufzt nun mein herz, weil es sich über die klärung nicht wirklich freuen kann. wieso ist das leben so kompliziert?

Freitag, Februar 11, 2005

ordnung, geschafft!

seit wochen drückte ich mich um diese aufgabe herum, endlich die vielen buchfragmente des fortsetzungsbuches zu ordnen und in einen guß zu bringen. vor ein paar wochen habe ich sie schon alle das erste mal korrektur gelesen und war schockiert darüber, wie schlecht formuliert einige teile waren. ich beschloss dann aber, mich nicht davon frustrieren zu lassen, sondern es als weiterentwicklung zu betrachten. außerdem war ich damals enttäuscht, dass ich durch die verschiedenen dateiversionen der illusion unterlegen war, mehr als 150 seiten zu haben. nach der zusammenfassung kam ich nur noch auf 88. schlecht. jetzt habe ich die stilkorrekturen in der ersten runde hinter mir und da und dort noch ein paar seiten geschrieben. 117 seiten. heute dann das große räumen. jedes kapitelchen auf einem post-it erfasst und nach der gliederung, die ich letzte woche machte, neu sortiert. ich glaube, so ergibt sich aus den fragmenten tatsächlich so etwas wie ein buch.



was ich sonderbar fand: früher liebte ich es konzepte zu machen. wochen- und monatelang sammelte ich stoff und grübelte über die perfekte gliederung nach. seit dem orgiastischen schreiben des ersten buches (im vergleich zu den projekten früher, das erste, dass ich auch richtig fertigstellte außer der diplomarbeit), bin ich dazu übergegangen in fragmenten zuschreiben. immer dann, wenn es mich juckt, wenn ich glaube, gerade einen aha-effekt zu haben, habe ich ein essay geschrieben. erinnert mit fatal ans bloggen. wo ist das huhn und das ei? jedenfalls ist es im nachhinien gar nicht so einfach, diese essays in einen größeren zusammenhang zu stellen, was ich von einem buch schon erwarte.

ich weiß schon, woran es liegt. früher interessierte ich mich für "themen". interessante dinge, die aber relativ weit von mir entfernt waren. heute interessiere ich mich für meine lernprozesse und versuche diese prozesse und zwischenergebnisse für andere nachvollziehbar zu machen. ich schreibe sehr viel näher am leben. da das leben aber ungeordnet und konfus ist, ist es gerade noch einmal ein qualitätssschritt aus diesen ungerodeneten erkenntnissen ein nachvollziehbares gesamtwerk zu machen. ich bin dran.

Dienstag, Februar 08, 2005

tapfer, mach weiter!

"sie sind ganz schön tapfer" sagte er. ich verstand nicht recht. er erklärte, dass er den hut ziehen würde, wie sehr ich versuchen würde, mich selbst kennenzulernen und mein leben bewußt zu leben, auch wenn es oft schwer sei. ein schönes kompliment.

auch wenns manchmal schwer ist. immer wieder wird mir bewußt, wieviel hilfestellung ich von außen bekomme. ein schönes gefühl.

gestern abend sagte ein freund "mach weiter", als ich bei meinem derzeitigen lieblingsthema war. ich erzählte von der schulung bei der aidshilfe und wir kamen im gespräch auf "safer sex". immer wenn das gespräch auf dieses thema kommt, dann lauschen die leute wissbegierig und es macht mir freude, dass ich etwas geben kann. sein "mach weiter" war ein schöner dank.

es fällt mir nicht leicht, meinen eigenen weg zu finden, aber es hilft, wenn freunde an der wegstrecke stehen und wie ein sanftes geländer meinen weg schützen, damit ich nicht von der bahn abkomme. nicht direktiv, sondern sanft unterstützend. sie erkennen die energie und bestärken mich darin, dass zu tun, wofür mein feuer brennt. auch wenn das ziel noch völlig unklar ist.

auch wenn diese unklarheit mich häufig völlig zu boden reist. wenn ich mich oft frage, ob ich es mir wirklich leisten kann, nachdem zu suchen, was wirklich meins ist. wenn ich mich frage, ob das nicht ein fürchterlicher luxus ist, weil doch andere auch nur "einfach arbeiten gehen", dann bestärken mich solche momente. ohne freunde, würde ich es nicht schaffen. es ist ein segen!

mein neuer freund

ich habe mir einen wasserkocher gekauft. der geneigte leser, mag jetzt zwar enttäuscht sein, dass ich einen wasserkocher als freund bezeichne, aber er darf nicht vergessen, dass dieser neue freund das ist, was morgens als erstes und zumindest im winter abends als letztes berühre. schlaftrunken wandele ich morgens in die küche, um teewasser aufzustellen und abends ersetzt mir die wärmflasche ein menschliches wesen. weiblich, nicht mehr so jung, ledig.

der alte wasserkocher war ein treuer freund. vermutlich habe ich ihn 1995 gekauft. so recht kann ich mich nicht mehr daran erinnern, denn es ist, als wäre er schon immer bei mir. die kecke gelbe verzierung weißt aber darauf hin, dass er für die gelbe küche der schönen wohnung mit dem blick auf den volkspark friedrichshain gekauft wurde. sein name ist "exklusiv". ich gestehe, ich war jung, arm und unerfahren und wußte damals noch nicht, dass je exklusiver der name, desto größer die geschmacksverirrung sein könnte. so schlimm war er aber nicht. ich mochte ihn, weil er schlank und vergleichsweise unauffällig war. und treu und zuverlässig. er starb an materialschwäche.

ich mag diese todesursache, auch wenn sie wesentlich profaner ist als ein kurzschluß. sein altes, müdes material wurde schwach und er konnte immer weniger sein wasser bei sich behalten. faltige risse zierten seine rechte seite. es wurde immer mehr wasser. mit den pfützen konnte ich zunächst leben. schließlich hatte ich ihn lieb und auch alte elektrogeräte verdienen ihr gnadenbrot. aber schließlich fand ich es doch zu riskant, ihn mit nassen füßen zu benutzen. außerdem konnte ich meine wärmflasche nur noch zur hälfte füllen, denn während des erhitzens lief leider die andere hälfte durch die küche. ich mußte mich entscheiden, ein neuer wasserkocher oder ein mann. ich entschied mich selbstverständlich für den wasserkocher.

um meinen neuen freund zu erwerben investierte ich mehr als eine halbe stunde. glücklicherweise gibt es in meinem städtischen dorf nur eine möglichkeit, einen wasserkocher zu erwerben, wenn man von dem tschibo-prozenteladen absieht. ich finde, dass ich aus dem ikea-alter draußen und in dem tschibo-prozenteladen-alter noch nicht drin bin. also ging ich in das elektrofachgeschäft. 18 wasserkocher gab es dort zur auswahl. das untere preissegmente fiel sofort aus der wahl, weil schlechtes design einfach nicht in meine wohnung darf. ich gestehe, natürlich gibt es bei mir auch schlechtes design, aber ich finde, es ist ein zeichen des alters und der reife, wenn man mit der zeit wert auf gutes design legt und jugendsünden ersetzt. die umweltverschmutzung durch schlechtes design für augen und ergonomie gilt es, soweit es der geldbeutel erlaubt, zu bekämpfen. es war liebe auf den ersten blick, aber ich studierte die konkurrenz dennoch genau. braun enttäuschte mich, zu bullig. ich wollte einen zarten freund. obwohl ich es schon tricky fand, dass braun an links- und rechtshänder dachte. aber welcher linkshänder darf bei mir schon wasserkochen!

jetzt steht er hier bei mir. die erste tasse tee ist gekocht. brav las ich vorher die gebrauchsanweisung. leider konnte ich nichts daraus lernen. er steht tapfer neben dem dreckigen geschirr. statt blogeinträge zu schreiben, sollte ich vielleicht lieber spülen, damit er es mit dem einleben leichter hat; mein neuer freund.

Sonntag, Februar 06, 2005

elke

kaum hatte ich das posting über freundschaft fertig,lief im radio "eternal flame". für mich ein ganz besonderes lied, weil es der letzte schöne abend mit meiner freundin elke war, die nun schon lange tod ist. wenn ich mich recht erinnere, dann ist sie am 26. februar 1991 gestorben. jedenfalls war es ende februar und sie war anfang zwanzig. ihr 4 monatiges sterben hat mich zutiefst geprägt. die 5 jahre freundschaft davor waren klasse.

dieser letzte abend war mit viel alkohol verbunden. ein paar junge männer und ein paar junge frauen hatten einen lustigen abend. noch lustiger war es aber, als wir frauen anschließend ohne die männer im auto saßen, um nach hause zu fahren. elke, meine freundin n., die kurz darauf nach bremen zog und ich. kaum saßen wir im auto, lief das lied im radio. wir machen lauter und sangen lautstark mit "give me your hand, darling, do you feel my heart beating.....is this burning, an eternal flame". bei give me your hand, hielten wir uns an den händen. ich erinnere mich noch genau an die freudentränen, die ich dabei in den augenwinkeln hatte und das schöne gefühl.

es war ende oktober. wenige tage später ging elke zum arzt, weil sie schon wieder husten und fieber hatte. dieser wies sie ins krankenhaus ein. die diagnose: hodgkinsche krankheit. ich hatte keine ahnung, was diese diagnose bedeutete. aber die worte "lympfdrüsen" und "krebs" verfehlten ihre wirkung nicht. am 9. november wurde sie nach vielen anstrengenden untersuchungen operiert. sie schnitten ihr den gesamten brustkorb auf, schauten rein und nähten sie wieder zu. es gab nichts mehr zu tun. der krebs war schon an allen organen.

eigentlich wollten wir im jahr darauf gemeinsam nach mexiko. sie bestand darauf, dass ich ihr einen reiseführer mit ins krankenhaus bringen sollte und schmiedete pläne, während mir das herz blutete. weihnachten war sie noch mal zu hause, danach ging es rapide bergab. sie sah entstellt aus, keine zähne mehr, der ganze mund lila. sie war nur noch ein schatten ihrer selbst. sie hatte aussetzer, konnte aufgrund der vielen medikamente nicht mehr klar denken und war sich dessen bewußt. wenn sie klare momente hatte, war sie oft verzweifelt, dass ihr reger verstand, auf den sie vorher so stolz war, sie im stich lies. es fiel mir schwer, sie trotzdem wöchentlich im krankenhaus zu besuchen. oft erschien es mir, als tröstete sie mich und gab mir kraft. dabei wollte ich doch stark sein und sie unterstützten. doch sie hatte viel mehr kraft als ich. mein letzter besuch war der schwerste, sie erkannte mich nicht mehr.

bei der beerdigung drückte ich die hand ihres bruders. jahrelang konnte ich ihn nicht leiden, hatte fast angst vor ihm. aber er hatte sich so rührend um seine sterbende schwester gekümmert. dieser händedruck war einer der intensivsten momente des gefühlsaustausches meines lebens.

merkwürdigerweise machte mich elkes früher tod nie verzweifelt. ich hatte das gefühl, dass sie so schnell gelebt hatte, als hätte sie gewußt, dass ihr nicht viel zeit bleibt. sie war so rege, so gierig auf das leben. sie hat immer so viele freunde miteinander in kontakt gebracht und tolle parties organisiert. sie rannte von einem termin zum anderen, aber wenn wir zusammen saßen, war sie immer voll und ganz da. während ihres sterbens, haben wir freunde unendlich viel über leben und tod gelernt. vielleicht war das eine ihrer lebensaufgaben.

ich rede gerne und oft von ihr. so lange von verstorbenen menschen noch geredet wird, sind sie nicht wirklich weg. es war so unglaublich bereichernd für mich, mit ihr befreundet zu sein, dass ich anderen gerne von ihr erzähle. leider beschränken sich die erzählungen häufig auf ihr sterben. als wäre ihr sterben das wichtigste in ihrem leben gewesen. war es sicherlich nicht. aber für mich schon. im alltag vergesse ich sie oft, aber zwei dinge erinnern mich immer an sie. der hässliche waschbeckenstöpsel, den sie mir schenkte und den ich niemals wegwerfen würde und das lied. jedes mal, wenn es irgendwo läuft, singe ich es - egal wo und mit wem ich gerade bin - lauthals mit und habe diese kleinen tränen in den augenwinkeln. tränen der trauer und der freude. tränen, die mir klar machen, wie wahnsinnig wichtig für mich freundschaft ist.

reich

es ist keine neue erkenntnis aber ich staune immer wieder erfreut darüber. reich ist man wohl nur, wenn man seinen reichtum erkennt, würdigt und sich darüber freut. also freue ich mich mal wieder. immer wieder und immer wieder, denn ich bin so reich an freundInnen. in den letzten tagen habe ich viel zeit mit menschen verbracht. jede begegnung war kraftspendend, bereichernd, genußvoll, lehrreich, einfach schön.

die tage in hannover, der lust und des kennenlernens gewidmet. voller erstaunen, fallen lassen und einfach ich sein. eine neue rolle für mich. es ist schon so lange her, dass ich mich das letzte mal bewußt auf jemand neuen eingelassen habe. oft, wenn kein mann-frau-interesse dabei ist, ergeben sich dinge einfach so. bei anderen begegnungen muß man aufpassen, dass die wünsche und sehnsüchte das kennenlernen nicht überfrachten und erschweren. ich habe aber das gefühl, dass genau diese erfahrungen jetzt anstehen. ich möchte ja lernen und mich weiterentwickeln, endlich mal wieder mehr privat, statt immer nur für das berufliche weiterkommen zu ackern. wie schön, wenn das lernen dann auch noch mit schönen gefühlen verbunden ist.

am freitag dann der kurze besuch meines "mitbewohners" aus berlin ganz schnell waren im gespräch beieinander und bei den wichtigen themen. es ist schön, miteinander älter zu werden und dies mit erstauntem kichern zu würdigen. "wenn du jetzt noch bis morgen bleiben würdest, könnten wir bei nächtlichen diskussionen bei den wichtigen themen noch tiefer und auf den punkt kommen." sagte ich. aber wir waren schon ziemlich nah dran und leider konnte er nicht bleiben. es machte mich sehr glücklich, dass er spontan und aus vollem herzen meinen entschluss zum schreiben bejahte. solche zuwendung gibt mir kraft.

danach diverse heiß- und kaltgetränke mit einer neuen frau. auch mit dieser sofort bei den heißen themen. viel neues, viel gemeinsames, viele punkte im gespräch an denen ich so neugierig wurde, dass ich am liebsten gleich das nächste treffen vereinbart hätte. es ist immer wieder so toll, neue leute kennenzulernen!

gestern ein kaffeetrinken mit einer freundin, dass sich wie von selbst auf ein abendessen und ein gemütliches bier auf der couch verlängerte. manchmal wundere ich mich schon darüber, wie man 8 stunden ununterbrochen reden kann. es ist so schön, freundinnen bei ihrer entwicklung zu beobachten. zu sehen, dass auch bei ihnen krisen in kreative prozesse münden. das macht mut. und wieder habe ich viele anregende, kluge gedanken geschenkt bekommen.

freunde sind schon was tolles!

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen