Dienstag, November 02, 2004

räder und männer

vielleicht ist es mit den männern ähnlich wie mit den fahrrädern. bisher hatte ich noch nie wirklich längere beziehungen mit fahrrädern. früher wollte ich immer kleine rolls royce-räder haben. am liebsten stellte ich sie mir selbst zusammen, wählte den passenden lenker und achtete auf so kleine details wie die zusammenstellung des zahlenkranzes. es fuhr sich ganz gut. aber es klaute sich auch ebenso gut. sieben fahrräder wurden mir in den vergangenen 20 jahren geklaut und zwei gewaltsam zerstört.

als ich in vietnam war sah ich, wie die jungen schönen vietnamesinnen hochherrschaftlich auf hollandrädern fuhren. die haare und die rockschöße wehten im wind, sie saßen aufrecht und hatten alles im blick. und das zu einer zeit, in der bei uns diese mountainbikes in waren, auf denen jeder wie ein affe saß. zurück in deutschland kaufte ich mir ein wundervolles hollandrad. allerdings natürlich eines mit allerlei technischem schnickschnack. supergute gangschaltung und extra dicke reifen für das berliner kopfsteinpflaster. es störte mich nicht, dass ich das rad ein wenig hässlich fand. die farben lagen mir nicht. es waren die gleichen farben wie meine schultüte, die mir mein verhältnis zur schule versaut hatten - aber das ist eine andere geschichte. als mir dieses wunderbare fahrrad geklaut wurde, habe ich sehr geweint. ich fand es so ungerecht. sollten sie doch mercedessterne abknicken und autos klauen. wie kann man nur armen leuten ihr fahrrad klauen!

zwei meiner fahrräder wurden zertreten. anscheinend macht es betrunkenen jungsgruppen spaß, fahrräder zu zertreten. auch hier mein unverständnis. macht es nicht auch spass autspiegel abzuknicken? muß es mein fahrrad sein? es ist sehr traurig, ein zusammengetretenes fahrrad zu sehen.

nachdem mein "vietnamesisches" rad geklaut war, habe ich mir eine gebrauchte rübe gekauft. ich hatte immer das gefühl überhaupt nicht mit ihr vorwärts zu kommen. klar,sie fuhr irgendwie, aber kleinste erfolge waren mit immensem kraftaufwand verbunden. dieses rad hasste ich so, dass ich sehr selten mit ihm gefahren bin. ich liess es immer unangeschlossen draußen herumstehen - gerne auch an bahnhöfen - aber das verflixte ding war sehr anhänglich. ich wurde es erst los, als ich es wie ein hund in den ferien an der autobahn anband, mich umdrehte und wegging. es war keine autobahn, sondern ein berliner hinterhof.

jetzt habe ich ein ganz mittelmäßiges rad. von weitem ähnelt es meinem vietnamesischen liebling, außer dass es schwarz ist. es ist von einem freizeit-discounter und diverse brüder und schwestern fahren hier in der gegend herum. es hat eine mittelmäßige gangschaltung, ist mittelmäßig schwer und mittelmäßig bequem. es ist nützlich. ich mag es, aber ich liebe es nicht. es ist mir auch zu gefährlich, eine tiefere beziehung mit einem fahrrad aufzubauen. ich könnte ja wieder verletzt werden.

in den ersten drei jahren habe ich es immer in den vierten stock getragen, damit es nicht nass oder geklaut wird. seit einem jahr mache ich es nicht mehr. ich habe mich damit abgefunden, dass fahrräder und ich nur lebensabschnittspartner sind. obwohl ich in einer kneipengegend wohne, in der nachts oft auf der straße randaliert wird, steht es draußen. wir kommen gut zusammen klar. es fährt einigermaßen gut. vor zwei wochen habe ich entdeckt, dass ich keine fünf-gang-schaltung habe, sondern sogar sieben gänge. man muß sich nur aufeinander einlassen, dann gibt es immer wieder neues zu entdecken.

es ist mit zwei billigen schlössern angeschlossen und steht treu und brav immer am selben platz. weil ich es schon gerne hätte, dass es mir weiter zur verfügung steht, habe ich seit einem jahr noch ein spirituelles schloss. ich habe die da oben gebeten, auf mein rad aufzupassen. erstaunlicherweise ist es immer noch bei mir. vielleicht passt dieses mittelmäßige fahrrad ganz gut zu mir und vielleicht halten anspruchslose beziehungen doch ein leben lang. aber vielleicht ist alles auch ganz anders

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen