Montag, Oktober 11, 2004

noch nicht ganz unten

irgendwie ist es auch schön zu merken, dass es immer noch weiter nach unten gehen kann. man ist noch nicht an der talsole angelangt. steigerungen sind noch möglich. eigentlich hätte ich letzte woche so ne art jubiläum feiern sollen. der vier-monatige-geburtstag meiner depression. mensch, so lange kann man damit leben, ohne sich vor den zug zu werfen. ist doch auch irgendwie schön. aber geplatzte termine und meine erkältung kamen dazwischen. wenn man dann so in sein taschentuch schneuzt und sich zum ersten mal im leben nicht mehr sorgen darüber macht, dass das, was man dort findet die hart erarbeitete hirnmasse sein könnte, dann ist doch irgendwie alles gut. oder alles ziemlich scheiße, weil sowieso egal.

zum ersten mal in meinem leben weiß ich wirklich nicht mehr weiter. es fehlt mir das wohin. bisher hatte ich immer ziele. leider haben sie sich in luft aufgelöst. da stehe ich nun mit all meinen anstudierten kenntnissen und fähigkeiten, huste mir die seele aus dem leib und zucke mit den achseln. vorhin rief mein finanzbeamter an und fragte, wieso meine umsätze im jahr 2002 so schlecht waren und wohin denn nun mit dem verlustvortrag. ha, sagte ich, sie kennen die von 2003 und 2004 noch nicht. wußten sie eigentlich, dass wir rezession haben? er hat eine schöne stimme, mein finanzbeamter, aber das bringt mich auch nicht weiter.

es ist schon faszinierend was alles nicht klappen kann, wenn man erst mal bemerkt hat, dass nichts klappt. kaum hat man die wahrnehmung darauf gerichtet, wird scheitern zu einer wunderbaren kettenreaktion. nur das beschissen gute wetter hält mich ab, völlig in trüben gedanken zu versinken. glücklicherweise habe ich ja noch meine erkältung. es wäre aber auch sonst zu schön!

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen