Montag, August 16, 2004

auf leben und tod

bei den essentiellen fragen des lebens ist man immer alleine. das fühlte ich zum ersten mal und am schmerzhaftesten beim letzten besuch im krankenhaus meiner sterbenden freundin elke. 1992 niemand kann einer helfen, wenn sie mit dem thema tod konfrontiert wird. ich weiß. und trotzdem wünsche ich mir, habe ich die illusion, dass es doch anders sein könnte. das irgendwann es auch für mich die große liebe gibt, die in solchen momenten meine hand hält und intuitiv das richtige tut. oder das man sich in der familie hilft, statt sich zusätzlich steine in den weg zu legen. nicht, weil man das wirklich will. sondern weil jeder für sich alleine ist. weil jeder für sich so beschissen alleine und hilflos ist.

ich weiß nicht was ich tun soll. dabei bin ich doch sonst so gut im tun. und so schlecht im weinen. ich weiß nicht, ob ich nach frankfurt fahren soll. es ist irgendwie so theatralisch. in den letzten jahren, war jeder abschied von meiner oma für mich ein möglicher abschied für immer. ich war vor 3 wochen dort. wieso sollte ich jetzt fahren. die akute situation ist sowieso vorbei. aber niemand weiß, wie es weitergeht, niemand weiß, was das richtige ist und niemand kann wissen, was für mich das richtige ist.

ich kämpfe mit mir, weil verdrängen nicht funktioniert. so wenig, wie ich die letzten tage gearbeitet habe, hätte ich auch fahren können. aber ich fühlte mich nicht willkommen. hatte das gefühl, eine zusätzlich belastung für meine eltern zu sein. also hielt ich mich zurück. und zog mich zurück. wie üblich. wenns hart ist, ist man nun mal alleine. den tränen half es auch nicht zu fließen. ich bin nicht traurig, weil ein alter mensch möglicherweise auf der schwelle des todes steht. ich bin traurig darüber, alleine zu sein. und traurig darüber, keine lösung zu haben und mich mit verdrängung davon abzuhalten, nach meiner persönlichen lösung zu suchen. vielleicht ist das gar nichts besonderes. aber muß das so sein?

es fällt mir beschissen schwer, schwäche zuzulassen. hilfe zu suchen. gemeinsamkeit in der schwäche auch nur in erwägung zu ziehen. aber das kenne ich ja gut aus meiner familie. die verstopfte nase, die harten wangen, die sublimierten gelüste. früher, wäre ich wenigstens zu einer freundin gegangen. heute mache ich noch nicht mal mehr das. verdammt, soll ich fahren? jedeR würde "ja" sagen - und warum fahre ich nicht? wovor habe ich angst? vor meiner familie? vor noch nicht geweinten tränen.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen