Sonntag, Juli 11, 2004

reisen bildet

statt mit dem ICE von hamburg nach berlin zu düsen und nebenher zu lesen, damit die fahrt auch ja schnell vorbeigeht, entschloss ich mich, mit a. mit dem auto zu fahren. netter nebeneffekt: da ich die fahrkarte umtauschte, habe ich jetzt als gutschein eine halbe fahrkarte nach berlin. das ist eine schöne option. ich freue mich, einfach mal so nach berlin zu fahren.

wir fuhren von der autobahn ab, um in der nähe von wittstock etwas abzuholen. a. hätte es fast hier her, aufs land verschlagen. ich war schon neugierig, mir das anzuschauen. wollte sehen, was er hier gemacht hatte. von den arbeitsergebnissen hatte ich ja schon in seiner wissenschaftlichen arbeit gelesen. wir parkten am museum und gingen in den beelower wald. dort blieben die häftlinge des todesmarsches des KZ sachsenhausens ein paar tage vor kriegsende. wieso, habe ich vergessen, obwohl es mir a. erklärte. wieso ist es so schwer, sich mit der vergangenheit auseinanderzusetzen? wieso vergesse ich so etwas? das schöne an dem museum ist, dass die gefühle, die im wald hatte, als a. mit dir bäume und damit die spuren der häftlinge zeigte, nicht vergessen kann. es war kalt und beschaulich im wald. eine intensive stimmung. ohne fotografien zu sehen und sich die menschen vorzustellen, waren sie doch anwesend. es ist kaum vorstellbar, sich in das leid hineinzuversetzen, doch die bäume erzählten diskret die geschichte. es braucht nicht viele worte der erklärung, um sich an diesem ort in die vergangenheit zu fühlen.




an den bäumen fehlte rinde. die häftlinge haben sie gegessen. andere verewigten sich mit symbolen und inschriften in den rinden. ich wunderte mich, dass ein lebendiges ding wie ein baum, sich in 50 jahren nicht so sehr verändert, dass diese zeichen nicht verschwinden. ohne mich daran zu erinnern, dass die ausstellung so hieß, konnte ich die bäume nicht anders als „stumme zeugen“ nennen. sie bewahren die erinnerung.

Keine Kommentare:

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen