Dienstag, Juli 27, 2004

wieder im fluss

die tage in frankfurt haben mir gut getan. als ich akzeptierte, dass es urlaub ist und nicht schreibzeit, fing ich es an, richtig zu genießen. jetzt, zurück in hamburg, fühle ich mich sehr erholt. und es fließt wieder. wie schön. heute habe ich eine menge abgearbeitet (und vor lauter tun einen termin verpasst, auf den ich mich eigentlich gefreut hatte). dann vorhin ein anruf. ein spaziergang an der elbe und neue ideen tun sich auf. ich tue hamburg manchmal unrecht, wenn ich mich nach berlin oder frankfurt sehne. wenn ich es vergessen sollte, sollte ich mal wieder öfter bei bildagentur-hamburg.com schauen.

der? das? blog heißt "wundervolles leben" weil mein leben voller wunder ist. gerade, wenn es mir nicht so gut geht, vergesse ich das oft. auch deswegen schreibe ich es auf. wie wundervoll, dass krisen tatsächlich enden haben und wie schade, dass man das ende oft in der krise noch nicht sehen kann wie das licht im tunnel. aber beim elbtunnel fährt man auch erst abwärts und dann nach der hälfte wieder aufwärts. erst dann erkennt man das licht am ende des tunnels. in diesem sinne ist meine krise auch noch nicht zu ende. aber es geht aufwärts und ich sehe licht. ohne zu wissen, was hinter dem tunnel liegt und was das licht bedeutet.

es ist so wundervoll, dass das universum wieder überraschungen für mich bereit hält. wieso rafft man in der krise nicht, dass es nur der erholung und entspannung bedarf, um wieder aufnahmebereit zu sein? aber wie wundervoll ist es, wenn man von mit den kleinen geschenken überrascht wird. der anruf von a. vorhin und der darauf folgende spaziergang war wieder so ein kleines geschenk. auch wieder ein rohdiamant. ich weiß noch nicht, was es wird. aber es fühlt sich gut an ... und macht lust auf neue ideen.

Mittwoch, Juli 21, 2004

mut!

ein wunderschönes geschenk heute: "Mut!"
ich hatte es tatsächlich schon vergessen. wahrscheinlich, weil ich es erst heute verstanden habe. G. hatte mir beim korrekturlesen meiner diplomarbeit desöfteren "Mut!" an den seitenrand geschrieben. ich hatte es auch deshalb vergessen, weil B. meine unachtsam verfremdeten redewendungen so hübsch illustrierte, dass ich es niemals vergessen würde. "wenn man aktuelle zeitungsartikel verfolgt" kommentierte sie mit einer zeichnung einer rennenden zeitung und einem verfolger mit schmetterlingsnetz....

nach vielen jahren, habe ich heute G. wieder getroffen. als wir uns langsam in das treffen reingeholpert hatten, mußte ich mich beherrschen, nicht ihm nicht ständig zu erzählen, wie sehr ich mich freue. in jeder sekunde wurde mir wieder deutlich, warum ich diesen mann so mag. es ist irgendwie verrückt. vorletzte woche in berlin, diese woche in frankfurt, treffe ich lauter alte freunde. leute, die mich schon ein ganzes stück meines weges begleitet haben und mich weiter brachten. jahrelang habe ich meine frankfurter kontakte konzentriert. jetzt, wo ich länger hier bin und mich auch von abhängigkeiten befreit habe, kann ich alte kontakte wiederbeleben, die so lange brach lagen. auch morgen habe ich wieder eine verabredung mit einem alten studienfreund. ich freu mich genau so!

er erzählte mir, dass auch er gerade auf los steht. von seinem frust, irgendwie noch nicht richtig erwachsen geworden zu sein. auch hier musste ich mich beherrschen, nicht dauernd "ja, genau" zu skandieren. denn es ist ja doch bei jedem/jeder anders. aber beziehung stellt sich nun mal auch aus gemeinsamkeiten her. er erzählte von aktionen, die ich aus berlin kenne und heute oft vermisse. einen salon gründen! was hatte ich die idee jahrelang und die umsetzung zumindest monatelang geliebt. mir fehlen diese ideellen projekte. ich habe die sehnsucht beides in meinem leben zu integrieren: die philosphisch-intellektuelle-kreativen traumprojekte und das unternehmerische in mir.

"Mut!" bedeutet heute für mich, herauszufinden, was ich wirklich will und es dann nicht nur zögernd, sondern mit ganzem herzen umzusetzen. (auch wenn mein herz manchmal weh tut, weil andere meinen mut nicht zu schätzen wissen). diese sichtweise spiegelt sich im coaching durch M. "Mut!" heißt aber heute auch für mich, stolz auf das zu sein, es endlich zu feiern, was ich aus eigener kraft und mit dem mir eigenen mut erreicht habe. danke!

und einmal mehr die erkenntnis der letzten tage: es steht verdammt noch mal an, mir mal wieder gedanken darüber zu machen, wie ich leben will.

vergleichen

eigentlich genieße ich die tage gerade sehr. ich genieße die sonne, die wärme auf meiner haut. der garten meiner eltern ist wunderbar und das schönste daran ist, dass ich ihn von dem großen balkon aus sehen kann. nennt es komisch, aber ich mag das getier, das im rasen um mich herumschwirrt, auf mir krabbelt oder von meinem blut trinken möchte einfach nicht. ich finde es wunderbar, die vielen grünschattierungen aus vom balkon zu sehen, in der nähe des kühlschrankes mit den gekühlten getränken zu sitzen und mit dem laptop zu spielen. also genieße ich ohne eigentlich.

wenn da nur das vertrackte vergleichen nicht wäre. der anlass meiner reise: 10 jahre diplom. ein picknick. nett. eigentlich nicht spektakulär, weil nur studienbekannte statt studienfreunden da waren. trotzdem. dieses verfluchte vergleichen. jedes mal, wenn mir jemand von familie erzählt, zucke ich zusammen und fühle mich anders. es ist nicht normal immer noch single zu sein. schon wieder wäre akzeptiert. und bilde ich mir das nur ein? sind die leute genauso neidisch auf mein freies, wildes leben und den bestseller wie ich auf ihr normales, spießiges leben, das ich bisher immer abgelehnt hatte? ein ironisches detail der lebensgeschichte am rande: eines meiner wahlfächer im studium beschäftigte sich tatsächlich mit vergleichen. merkwürdig.

in mir rumort es. es fällt mir schwer, buch II zu schreiben, denn ich fühle mich gerade so wenig klug. ich stehe auf "los" und weiß noch nicht, wohin die neue reise hingeht. ich fühle, dass das, was passiert gut ist. das ich es brauche. das ich verdammt noch mal etwas verarbeiten muß, bevor der nächste lernschritt da ist. ich bin aber nicht sicher, ob er thematisch zu buch II passt. die kurzgeschichte, die ich in den letzten tagen schrieb kostete mich viel kraft und erleichterte gleichzeitig. in kleinen häppchen kann ich gerade verarbeiten. für die großen fehlt mir der mut. und die sonne und die schöne stimmung auf dem balkon lenkt mich ab, verführt mich zum lesen und genießen. vielleicht soll es so sein.

Freitag, Juli 16, 2004

sehnsucht

die sehnsucht nach dem schützenden vater oder der nährenden mutter... jaja.... im gespräch mit einem bekannten gelernt, dass das bei mir gar nicht mehr funktioniert. ich fragte ihn, ob er nicht jemand kennt, der mich managen könne. seine gegenfrage war die antwort. würde es funktionieren? will ich mich wirklich jemand ausliefern? mich jemand anvertrauen, der das alles für mich unternimmt? nein, wahrscheinlich nicht. dazu habe ich doch zu sehr meinen eigenen kopf. trotzdem: ich verhandele noch zu schlecht und ich brauche eine art kontrollmoment, klare kriterien und den willen, sie umzusetzen. um besser auf mich aufzupassen, nur noch das zu tun, was ich wirklich will. beides lässt sich lösen. aber erst, wenn ich die kindliche sehnsucht nach jemand, der mich um-sorgt los bin.
 
heute abend gehts für zehn tage zum schreiben nach ffm. hoffentlich klappts. hoffentlich hilft der ortswechsel. das wetter verspricht gut zu werden. auch wenn es nicht das haus am see ist - ich stelle es mir nett vor, im garten zu schreiben.
 
werbung: im cd spieler liegt AROMA "The Current Music of ..."



Donnerstag, Juli 15, 2004

warum?

warum melden sich alle, wirklich alle, männer immer wieder, mit denen man irgendwann mal sex oder ähnliches hatte? was denken sie sich, wenn sie sich nach wochen, monaten oder sogar jahren melden? was denken sie sich, wenn man diverse anrufen, mails oder, modernerweise diese verfluchten sms, ignoriert hatte. denken sie überhaupt oder juckt es sie nur? kommen sie auf die idee, dass ihre kontakversuche zu herzklopfen oder herzeleid führen könnten, auch wenn sie unbeantwortet bleiben? ziehen sie in erwägung, dass es einer möglicherweise ein mal das herz gebrochen hatte? stört es sie? interessiert es sie? männer sind mir ein rätsel.

Mittwoch, Juli 14, 2004

lesen

das ZDF macht mal wieder nen ranking: das große lesen. ich konnte nicht anders. ich mußte einfach zählen. von 200 vorgeschlagenen büchern waren 33 von frauen. hey cool 17% bücher von frauen. unglaublich! unglaublich! unglaublich! ich meine, es ist zwar doof, werbung für sich zu machen. aber ihr, meine lieben leserInnen, könntet ruhig einfach so für mein buch stimmen. finde ich. :-)

Dienstag, Juli 13, 2004

selbst-ausbeutung

gestern habe ich mit einer therapeutin gesprochen und sie gefragt, wie sie ihre klienten auswählt. ihre antwort bestürzte mich. sie sagte, dass sie 4-5 probestunden macht und erst dann eine entscheidung trifft und fordert. unglaublich, sagte ich, da ist ein coaching dann schon wieder vorbei, denn selten habe ich mehr als 6 stunden in folge. natürlich weiß ich, dass ein coaching und eine therapie von der tiefe her nicht zu vergleichen ist... sie antwortete, dass sie früher auch in der wirtschaft gearbeitet, gecoached und trainiert hätte und dass sie es nicht mehr tun würde, weil sie es ausbeutend findet. puh! sie hat recht.

Montag, Juli 12, 2004

stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Quelle:
Hermann Hesse, Die Gedichte, Zweiter Band, hier: Aus den Jahren 1929 - 1941, Suhrkamp Verlag, Berlin

Sonntag, Juli 11, 2004

zurück auf los

was hält mich eigentlich davon ab, meine kram hier zu verkaufen, meine wohnung unterzuvermieten und mit meinem laptop ab in den süden zu ziehen? irgendwo zu kellnern und zu schreiben.

das schreibe ich jetzt nicht, weil ich wegen des ausbleibenden sommers frustriert bin. das finde ich nur schade und frage mich, warum es gerade in dem jahr, in dem ich mal kein abo für die öffentlichen verkehrsmittel habe, so viel regnen muß. nein, ich frage mich das, weil ich wirklich in einer situation bin, in der ich "zurück auf los" angelangt bin - besser als im gefängnis. ich werde noch mal alles überdenken: meine selbständigkeit in frage stellen, meinen traumberuf überprüfen, meinen wohnort bedenken, in mich hineinfühlen, ob da nicht doch ein kinderwunsch ist... ich bin alleine, unabhängig und nur wenig verschuldet. wenn buch II verkauft wäre, könnte ich reinen tisch machen, einen koffer packen und einfach abhauen. wieso eigentlich nicht? meine feng shui versuche vom beginn des jahres zeigen mir, dass mir so eine entscheidung noch schwer fallen würde. aber sie zeigen auch, dass ich auf dem weg dahin bin. heute morgen dachte ich noch, dass der zustand, in dem ich seit jahren lebe eigentlich "armut" heißt. während ich diese gedanken aufschreibe, empfinde ich meine lebenssituation als luxuriös.

freunde

nachdem ich mich in den letzten wochen sehr einsam fühlte, habe ich nun eine woche geredet. eine woche lang, habe ich mich insgesamt mit 5 verschiedenen freundinnen und freunden unterhalten – jetzt freue ich mich auf mein zuhause, mein bett und meine stille wohnung, aber es war toll. jeder dieser freunde hat mir eine erkenntnis als geschenk mitgegegen

1.wenn du lust auf schreiben hast, dann mach es doch, sagte a. du kannst schreiben, du weißt so vieles, du hast so viele talente, es macht spass, deine texte zu lesen. dann schreib doch.

2. sei königlich und arbeite nicht für umsonst, sagten s und d.. klar, klingt es wie eine tolle chance, aber wieso wollen sie dir dafür kein geld zahlen. was denken die denn von dir, wenn du nichts verlangst? was denkst du von dir, wenn du es machst, obwohl du lieber geld dafür gehabt hättest. verlange geld, weil du es wert bist.

3. du darfst mir die meinung sagen, sagte k, ich finde das sogar gut. dazu sind freunde doch da, dass sie auch mal korrigierend eingreifen. sag mir, wenn dir etwas nicht passt. damit macht man doch eine freundschaft nicht kaputt. gestatte dir, die wut und den ärger zu fühlen und gib deinen gefühlen ausdruck. und zwar sofort und nicht erst tage später.

4. vergiß die alten ziele, sagten k. und a. du machst dir etwas vor, du läufst deinen träumen schon viel zu lange hinterher. es klingt glaubwürdig, weil du es im brustton der überzeugung sagst. aber sieh doch selbst, wie wenig du davon erreicht hast. vielleicht sind das gar nicht die richtigen ziele. folge deiner lust – und damit schließt sich der kreis.

5. auch wenn es sich im moment anfühlt, als würden sie wieder „zurück auf los“ stehen, sie haben eine menge erreicht, sagte frau s. seien sie stolz auf sich. das leben ist zum lernen da. sie sind dabei und sie schaffen es, sich zu ernähren. das ist ne ganze menge. und es ist gut und richtig, sich wieder dazu etwas hilfe zu holen.

eigentlich wusste ich das schon alles. aber depression heißt auch, keinen zugang zu den eigenen gefühlen zu finden. freunde sind wundervoll. sie halten mir einen spiegel vor und waschen mir den kopf, wenn ich spinne. sie nehmen mich an die hand, und begleiten mich ein stück, wenn ich am liebsten stehen bleiben und mich unter der decke verkriechen würde.

mein schönstes „mitbringsel“ aus berlin trage ich aber im herzen. genauer gesagt, trägt es meine freundin i. im bauch. es ist mir nicht leicht gefallen, sie darum zu bitten, denn eigentlich wollte ich immer gefragt werden. nachdem ich aber in der vergangenen woche wiederholt in büchern gelesen hatte, dass frauen häufig ewig wie schneewittchen darauf warten, gefragt zu werden, habe ich es einfach getan. und sie sagte einfach ja. das eine mädchen in ihrem bauch wird mein patenkind. ich freue mich schon darauf, es kennenzulernen und es jahrelang zu verwöhnen.

meine kleine nichte passt zu mir. schon jetzt ihr lieblingshobby: kaffee-trinken-gehen


berlin

wie jedes mal bin ich ganz wehmütig, wenn ich aus berlin komme. es gelingt mir nicht, im zug zu sitzen, und die wunderschönen wolkenbilder zu genießen. ich denke an berlin. an die breiten straßen, die hohen räume und an meine freunde, die mich einfach länger und besser kennen, als die hamburger.




die wohnungen machten mich bei diesem besuch noch neidischer als sonst. gerade zu dem zeitpunkt, an dem ich in hamburg feststellte, dass ich meine wohnung schrabbelig finde, weil ich in den vergangenen vier jahren nichts mehr investierte und veränderte, fangen meine berliner freunde, die mir normalerweise in ihrer entwicklung ein paar jahre hinterher hängen, an, sich zu etablieren. oder habe ich das vor vier jahren getan, als ich nach 6 jahren WGs in eine eigene wohnung zog? nun, es ist müssig, allzusehr zu vergleichen und es nützt auch nichts neidisch auf das handwerkliche geschick der anderen zu sein – das wußte ich ja schon lange, dass dies nicht zu meinen stärken gehört. und trotzdem. trotzdem bewegt es mich, dass ich zur zeit meine wohnung nicht mag und die wohnungen der freundinnen so toll fand. es hat was mit liebe zu sich selbst zu tun. damit, dass eine wohnung auch abbildet, wie sehr man sich um sich kümmert. es ist mir nicht unbekannt, dass ich dies in den letzten jahren zu wenig tat. vielleicht kann ich in den nächsten tagen diese energie nutzen, und tatsächlich wenigstens eine kleinigkeit in meiner wohnung verändern.

reisen bildet

statt mit dem ICE von hamburg nach berlin zu düsen und nebenher zu lesen, damit die fahrt auch ja schnell vorbeigeht, entschloss ich mich, mit a. mit dem auto zu fahren. netter nebeneffekt: da ich die fahrkarte umtauschte, habe ich jetzt als gutschein eine halbe fahrkarte nach berlin. das ist eine schöne option. ich freue mich, einfach mal so nach berlin zu fahren.

wir fuhren von der autobahn ab, um in der nähe von wittstock etwas abzuholen. a. hätte es fast hier her, aufs land verschlagen. ich war schon neugierig, mir das anzuschauen. wollte sehen, was er hier gemacht hatte. von den arbeitsergebnissen hatte ich ja schon in seiner wissenschaftlichen arbeit gelesen. wir parkten am museum und gingen in den beelower wald. dort blieben die häftlinge des todesmarsches des KZ sachsenhausens ein paar tage vor kriegsende. wieso, habe ich vergessen, obwohl es mir a. erklärte. wieso ist es so schwer, sich mit der vergangenheit auseinanderzusetzen? wieso vergesse ich so etwas? das schöne an dem museum ist, dass die gefühle, die im wald hatte, als a. mit dir bäume und damit die spuren der häftlinge zeigte, nicht vergessen kann. es war kalt und beschaulich im wald. eine intensive stimmung. ohne fotografien zu sehen und sich die menschen vorzustellen, waren sie doch anwesend. es ist kaum vorstellbar, sich in das leid hineinzuversetzen, doch die bäume erzählten diskret die geschichte. es braucht nicht viele worte der erklärung, um sich an diesem ort in die vergangenheit zu fühlen.




an den bäumen fehlte rinde. die häftlinge haben sie gegessen. andere verewigten sich mit symbolen und inschriften in den rinden. ich wunderte mich, dass ein lebendiges ding wie ein baum, sich in 50 jahren nicht so sehr verändert, dass diese zeichen nicht verschwinden. ohne mich daran zu erinnern, dass die ausstellung so hieß, konnte ich die bäume nicht anders als „stumme zeugen“ nennen. sie bewahren die erinnerung.

Samstag, Juli 03, 2004

rosinenbrötchen

bisher habe ich dieses phänomen nur in hamburg beobachtet. ich frage mich, ob es es noch woanders gibt oder ob die hamburger eine ganz spezielle merkwürdige frühkindliche prägung haben. betrete ich eine bäckerei, um ein rosinenbrötchen zu kaufen, spielt sich meist folgender dialog ab:

"guten tag, ich hätte gerne ein rosinenbrötchen"
"mit oder ohne rosinen?"

am anfang schaute ich noch irritiert. mittlerweile muß ich mich sehr zusammenreißen, um keine wutanfälle zu bekommen, übelst rumzuschimpfen und den ganzen laden zu verwüsten. hatte ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt? wenn ich ein milchbrötchen will, dann sage ich das doch und wenn ich nicht weiß, das das ding milchbrötchen heißt, dann ordere ich doch ein "rosinnenbrötchen ohne rosinen". gibt es in hamburg keine bezeichnung für milchbrötchen? haben die hamburger allesamt eine rosinenallergie, die ihnen das hirn wegpustet, so dass sie ausversehen, rosinenbrötchen essen und dann sterben und die bäckerereiverkäuferinnen sind strengstens angewiesen, die hamburger vor rosinenbrötchen zu schützen? wieso hängen dann keine warnschilder in bäckereien? wieso gibt es überhaupt rosinenbrötchen in hamburg? das tolle ist, es gibt den dialog auch noch in variationen.

"guten tag, ich hätte gerne ein rosinenbrötchen"
"ein rosinenbrötchen oder ein kluten?"
irritierter blick meinerseits mit frage "was ist denn ein kluten?"
"das ist eine art rosinenbrötchen mit orrangatst und zitronatstückchen drin."

ich hasse orangat und zitronat, deswegen esse ich auch ungern stollen und möchte eigentlich nur in ruhe ein rosinenbrötchen kaufen. nach vier jahren, bin ich in hamburg immer noch nicht heimisch. die rosinenbrötchensache könnte irgendwann der berühmte tropfen sein, der mich umziehen lässt.

Donnerstag, Juli 01, 2004

texten

eben beim aufräumen habe ich "nimm das" gehört. meine legendäre band. neunziger jahre. berlin. wir waren in der lage, liebe zu erzeugen. das machte uns so erfolgreich. 4 sängerinnen, 4 sänger, gitarre, bass, schlagzeug, saxofon. und fans, die auf fast jedes unserer 22 (?) konzerte kamen und fast jedes wort mitsingen konnten. wundervolle lieder voller liebe, herz und schmerz. schamlos deutsch.

eben mit berlin telefoniert. wehmütig. ein musiker, nun der freund einer bandkollegin und freundin, lobte meine texte. ein bisher wenig genutzte talent. hach, ich würde so gerne diese band wiederbeleben. ein kleines schmankerl aus vergangene zeiten. ich habe eine alte diskette mit den texten wiedergefunden. 80% der texte kann ich noch und bangte schon, der rest wäre auf ewig verloren. aber nein. jippie. es ist nichts verloren. wer errät, um welches lied es sich handelt? lasst euch durch den rhythmus führen.

es war mühelos für dich
richtig einfach
gestern kannt ich dich noch nicht
heut' sind wir ein paar
alles, was ich noch weiß
du schautest rüber
es wurde mir kalt und heiß
ich war hinüber
ich fühlte aalles glück der erde
und ich hoff' es bleibt für immer.

ich wartete nur auf dich
mein halbes leben
ich fühlte es war richtig
mich hinzugeben
du bist so unglaublich schön
so tolle augen
ich kann dir nicht widerstehn
will dir vertrauen
auch wenn ich waaahnsinnig werde
hoff' ich doch es bleibt für immer.

chorus:
oh oh oh ooooh
niemand liebt mich
so wie du mich
macht mich glücklich
machts mir so gut wie du
niemand liebt mich
macht mich glücklich
wie duuuuu

du fragtest gehen wir zu mir
ich nickte seelig
wir waren kaum durch die tür
versank die welt um mich
ich fühlte mich wie im traum
es war unglaublich
du warst mit mir in einem raum
und wolltest nur mich
wir lösen uns in wonne auf
und ich hoff' du bleibst für immer.

chorus:
oh oh oh oooh
niemand liebt mich,
so wie du mich
macht mich glücklich
machts mir so gut wie du
niemand liebt mich
so wie du mich
macht mich glücklich
machts mir so gut wie duuuu

du wirbst mit allem charme um mich
jetzt legst du deinen arm um mich
ich kann dir echt nicht wiederstehen
heut' nacht lass' ich mich wieder gehen
in deine augen tief versunken
fühle ich mich völlig trunken
sei mein traumprinz mach mich glücklich
komm gib mir alles tu es für mich

niemand liebt mich ...

NEIN, ich bin nicht verliebt. ich bin nur guter laune. also, wer errät, um welches lied es sich handelt?


wellness

meine güte, wieso halte ich mich eigentlich nicht an die von mir postulierten prinzipien? rhetorische frage. aber sinnvolle frage. jede königin sollte wissen, dass es nicht schlimm ist, wenn ihr mal die königlichkeit entgleitet und eine krise die laune verdirbt. aber wenn das licht am horizont auftaucht, sich die wogen glätten sollte eine frau die nacht durchvögeln. nichts macht so schön, gut gelaunt und königlich. ich könnte bäume ausreißen!

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen