Dienstag, Juni 01, 2004

jubiläumsrückblick

heute, vor vier jahren, bin ich nach hamburg gezogen. ich erinnere mich noch gut an diesen merkwürdigen tag. früh in berlin aufgestanden, die letzten sachen gepackt und dann völlig gerührt darüber gewesen, dass die leute, die sich meine freunde nennen, mir dabei helfen, sie zu verlassen. dann mit dem lahmen lkw nach berlin gefahren. allein. ich hatte gehofft, dass jemand mit mir fährt, aber die wichtigen dinge im leben, muß man wohl alleine machen. total müde und verspätet in hamburg angekommen. erstaunlicherweise warteten dort, in der neuen stadt 10 leute auf mich, die mir halfen, meine damals 26 bücherkisten und meine anderen habseligkeiten (schickes wort bytheway) in den vierten stock zu tragen. meine oma sagt über mich, dass es sensationell wäre, wie schnell ich leute kennenlernen und wie viele leute mir immer helfen. ja? heute habe ich zu niemanden, dieser 10 leute mehr kontakt. das leben ist wirklich seltsam. in der ersten nacht in der uneingerichteten wohnung konnte ich nicht schlafen, weil ich - im gegensatz zu der wohnungsbesichtigung - in ruhe dem dönerabzug zuhören konnte. noch heute nervt mich dieses geräusch, dass mich meist 22 stunden umgibt. am nächsten tag der erste kontakt zu der türkischen mehrheit in meiner straße und die fahrt mit dem lkw zurück nach berlin. ein seltsamer geburtstag und am 5.6. dann der aufgeregte anfang in der neuen firma.

jedes mal, wenn ich die stadt wechselte, versuchte ich meinen freunden rational zu erklären, dass ich das einfach tun muß. es war für mich immer so sonnenklar. die anderen schauten meist verständnislos. der umzug von berlin nach hamburg symbolisierte meinen damaligen entschluss, endlich erwachsen zu werden, normal zu werden. ich nutzte das letzte aufbeben der new economy - nur wußte ich das damals natürlich noch nicht. ich stellte mir vor, in der festanstellung mich finanziell zu konsolidieren, meinen wüstenrot-traum-mann kennenzulernen, wenig später hinter finkenwerder eine verfallene scheune zu entdecken. wie in der wüstenrot-werbung wäre diese dann eine einstellung später renoviert (ich hasse renovieren!) und ich säße, wie selbständig, mit meiner reizenden tochter (sie auf der schaukel, ich mit dem laptop am tisch) in unserem verwildert-verwunschenem garten. tja...

wer hätte gedacht, dass ich in diesen nur vier jahren, zwei firmenpleiten (als angestellte) erleben und mich zweimal selbständig machen würde, eine verrückte lebensphase erlebte und diese in einem buch beschreiben und statt architekten in meinem freundeskreis hauptsächlich unternehmerinnen haben würde. wer hätte gedacht, dass ich mich nach vier jahren in hamburg immer noch nicht heimisch fühle und mich wahlweise nach berlin oder sogar nach frankfurt zurücksehne. und wer hätte gedacht, dass ich immer noch kein neues sofa gekauft hätte?

wie jedes jahr hoffe ich, dass es am nächsten tag regnet. zumindest nachmittags, damit die leute sich nicht nur verpflichtet fühlen, zu mir zu kommen, obwohl sie lieber draußen wären. was ich mir noch wünsche? na, das was links steht und das, was ich auf meine silvester-collage klebte. sonst nichts. doch, ich wünsche mir ein patenkind und mehr life-work-balance, dass ich es lerne, mir mehr zu gönnen und dass ich als meike wieder mehr unter leute komme.

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen