Mittwoch, Juni 30, 2004

sowohl als auch

wie schön. immer mehr überlagert das gefühl, dass in mir etwas neues gährt die trüben gedanken. ich bin zwar noch immer nicht wirklich fleissig, aber ich merke, dass ich nicht mehr nur lese, um mich abzulenken, sondern dass ich lese und daraus neue gedanken entwickele. insofern deklariere ich das heutige lesen am hellichten tag als arbeit.

natürlich kenn ich die idee "sowohl - als auch" die ich eben in dem buch schöner werden wir morgen von ursula nuber, las. und ich wußte auch schon, dass er irgenwie besser ist. aber ich konnte das "besser" nie recht in worte fassen. hier fand ich es:

"Denken wir aber nicht länger "Entweder-oder", sondern erlauben uns ein überzeugtes "Sowohl-als-auch", dann geben wir uns die Erlaubnis, eine schillernde, flexible, nicht uniformierte Person zu sein: mal schüchtern, mal mutig, mal gut gelaunt, mal schlecht drauf, mal dicker, mal schlanker ... "

nein

das buch business games von gail evans beschäftigt mich gedanklich immer noch, obwohl ich es schon vor einer woche zu ende gelesen habe. so wünsche ich mir bücher!

mich lässt der gedanke nicht los, dass männer und frauen das simple wörtchen "nein" ganz unterschiedlich verstehen - so sagt zumindst gail evans. hören frauen ein "nein", dann verstehen sie "nein, nie, niemals" und begraben das projekt, den wunsch etc. das sie jemand anders angetragen haben. meist fühlen sie sich dann auch noch persönlich abgelehnt und leiden. je nach schwere des projektes. männer verstehen bei einem "nein" eher so etwas wie "jetzt noch nicht" oder "naja, schon ganz gut aber irgendetwas stimmt daran noch nicht". aus diesen gründen fällt es männern nicht so schwer, diese niederlage einzustecken und es bricht ihnen auch kein zacken aus der krone, wenn sie den gleichen oder einen auch nur gering modifizierten vorschlag zu einem späteren zeitpunkt der gleichen person noch einmal machen.

ich war perplex und bin es noch, wenn ich darüber nachdenke. klar, wenn ich "nein" höre, verstehe ich auch "nein". und wie oft ist es so, dass ich dann persönlich getroffen bin, mich beleidigt in meine höhle zurückziehe, die person abhake und sie nie mehr mit meinem anliegen belästige. ist es echt so, dass männer das "nein" nicht so absolut hören? kommt daher dieses "mißverständnis" bei vergewaltigungen von wegen " sie hat zwar nein gesagt aber wollte es doch auch..." unglaublich!

Samstag, Juni 26, 2004

was haben wir zu verlieren?

alles! sagte sie und dann küssen sie sich. hach. der film, männerzirkus. denn: "ray wird nicht der letzte mann sein, den du geliebt hast!" hach. (sollen die banausen doch ruhig währenddessen fußball schaun!)

sonne

endlich wieder ein bißchen sonne. draußen und im herzen. wie schön, eben saß ich mehr als zwei stunden auf meinem improvisierten balkon, las etwas, hörte endlich wieder musi und lies mir erdbeeren schmecken. gut, man könnte es auch küchenfenster nennen, aber immerhin, mein gesicht fühlt sich an, als hätte ich in der sonne gesessen. darüber vergesse ich fast, dass ich seit dienstag abend mit keinem menschen, dem ich vis á vis gegenüber hatte, mehr als 2 sätze gesprochen habe.... so isses halt manchmal, wenn man alleine lebt und arbeitet. aber morgen bin ich auf einem brunch eingeladen, wo ich außer der gastgeberin niemand kenne. ich freu mich drauf. wenn die gäste nur halb so interessant sind, wie die gastgeberin wird es toll. ich bete, dass dort nicht nur pärchen sind!

Donnerstag, Juni 24, 2004

träne

seit drei tagen wache ich mit migräne auf und gehe mit migräne ins bett. unschön. außerdem sind meine augen so merkwürdig. um die augen herum ist alles geschwollen, ich habe richtige schlupflieder. aus dem linken auge rinnt regelmäßig eine träne heraus wie bei einem heiligenbild. die haut unter dem auge ist schon entzündet. ich hatte die hypothese, dass dies alles aufgestaute tränen sind, die nur aufs rausweinen warten. leider funktioniert das nicht auf knopfdruck. oder ist es nur mein körper und eine schlichte erkältung?

Mittwoch, Juni 23, 2004

hoppla

ich habe den sinn aus den augen verloren. erst meine zielgruppe und dann den sinn. das ist der preis für den ruhm. der verlag wollte "bärbel aus traben-trabach" und den boulevard - ich nicht. leider habe ich mich dadurch verheizt, bin trotz ruhm immer noch am knappsen und dann auch noch den sinn verloren. kein wunder, wenn ich keine kraft mehr habe. ohne sinn keine energie. bei all dem trubel habe ich ihn verloren. das bißchen kraft, dass ich noch habe bündel ich in sinnlosen kleinen explosionen der selbstzerstörung oder ablenkung.

ich lebe noch, weil ich mich manchmal aufraffe und versuche, mich aus eigener kraft am schopf zu packen und aus dem sumpf zu ziehen. dann räume ich auf, miste ich aus und lasse meine wut an mir, an anderen oder an anderen dingen aus. obwohl ich gar nicht weiß, woher diese wut kommt und ob es wirklich wut ist, was ich fühle. aber ich freue mich, wenn ich überhaupt etwas fühle, denn das weiß ich, dass es keine depression ist.

mein gefühl sagt mir, dass ich da durch muß. wahrscheinlich kann mir niemand helfen. heute bin ich seit drei wochen in der krise. aber es macht mut, dass sich die krise von woche zu woche verändert. vielleicht geht es ja schon aufwärts und ich sehe nur noch nicht das licht am horizont.

es ist merkwürdig. ich lese extrem viel zur zeit und gehe mal wieder ins kino. manchmal ist es wie eine flucht in eine traumwelt, manchmal kann ich mich dann aber auch gegenüber guten gedanken nicht erwehren. auf das mit dem sinn bin ich gekommen, als ich zum zweiten mal eben den wunderbaren film kick it like beckham sah.

Dienstag, Juni 22, 2004

spielregeln

eben las ich in dem buch business games von gail evans, wieso männer auf statussymbole (großes büro, dienstwagen etc.) stehen. ich habe mir aus diesen dingen nie wirklich etwas gemacht - genau wie ich immer dachte, es käme auf die inneren werte an. pustekuchen!

das buch ist wirklich schonunslos. es sagt in kurzform: männer sind anders, frauen auch - aber pech, wir leben, und vor allen dingen wir arbeiten, nun mal in einer männerwelt. also lerne das spiel und spiele nach den regeln, wenn du dort mitspielen willst. jetzt kapiere ich, wieso ich in den letzten monaten so viel wert darauf legte, endlich in ein büro zu ziehen. warum es sich mies anfühlt auf diesem erbärmlichen gebrauchten bürostuhl zu sitzen. was ich bisher tat passte in meine welt - aber ich hatte beschlossen das spiel zu wechseln, dann brauche ich auch die ausrüstung dafür. diese gedanken sind recht einfach zu denken und die zielerreichung ist zwar noch nicht übermorgen aber zumindest in sichtweite.

aber lässt sich dieser gedanke auch auf das private übertragen. gestern sagte ein mann zu mir, dass ich schon seine traumfrau wäre, wenn ich für ihn 20 kg abnehme und zur freizeitsportlerin mutiere. erst war ich traurig, denn er erschien mir als ein überaus adäquater mann. dann wurde ich wütend. was bildet der sich ein, von mir so etwas zu fordern. ich würde nie zu einem mann sagen: hey junge, du siehst klasse aus. mach doch das abitur nach, studiere ein paar jahre etwas geistvolles, damit ich ordentlich mit dir reden kann, dann können wir über eine mögliche beziehung ins gespräch kommen.

es leuchtet mir ein, dass die arbeitswelt von männern gebaut ist. dass das spielfeld und die regeln männlich sind und ich als frau nach diesen regeln spielen muß, wenn ich mitspielen will. wenn ich nicht mitspielen will, mache ich mich selbständig und spiele in meiner kleinen welt nach meinen spielregeln, werde aber nie an großen turnieren teilnehmen. (eine mir fremde männer-sport-sprache aber in meinen worten kann ich es nicht beschreiben). aber kann es sein, dass diese denke auch das privatleben beherrschen? wie kann es sein, dass bei beziehungen auch männliche regeln greifen? und warum unterstützen frauenzeitschriften genau dieses? warum verlangen männer von frauen, dass sie sich ändern und warum versuchen frauen ständig männer zu verändern? ich glaube, das ist der grund, wieso ich single bin - ich habe keine lust, nach anderer leute regeln zu spielen.

Montag, Juni 21, 2004

fast nichts

es fühlt sich gerade eben so an, als wäre irgendetwas anders.

per mail eben meine wohnung einem bekannten beschrieben und festgestellt, dass ich in den letzten jahren, wenig geld in diese investierte. kein wunder, es waren ja auch andere dinge wichtig. als ich eben darüber nachdachte, stellte ich fest, dass wenn ich zu einem mann mit einer geschmackvoll eingerichteten wohnung ziehen würde, ich wirklich fast nichts mitnehmen würde: ca. die hälfte meiner bücher, meine louis poulsen lampe, ein paar cds, das ding, auf dem mein fernseher steht, die vier vision-2002-stühle, das rote ding aus plastik und sonst fast nichts. ich war perpex! jahrelang bin ich mit immer größeren umzugswagen umgezogen und jetzt, mit mitte dreißig habe ich kaum etwas, an dem mein herz hängt. kaum etwas, was identitätstiftend wäre. kaum etwas wo ich sagen würde: ja, man sieht "hier wohne ich". es ist unglaublich! irgendwas ist anders.

Samstag, Juni 19, 2004

radiosender

es ist vertrackt: ich habe schon seit fast zwei jahren zu hause keine richtige musikanlage mehr. erst war der cd-spieler kaputt und nachdem ich einen neuen geschenkt bekam, brannten bei der letzten party die boxen durch. na klar, ich kann über den pc musik hören aber das klingt ein wenig so, wie wenn jemand in der s-bahn walkman hört. nicht, dass ich wirklich anspruchsvoll in dieser hinsicht wäre. aber diese soundqualität genügt meinen ansprüchen für musikhören beim aufräumen oder träumen nun doch nicht.

heute fühlte ich mich innovativ genug, einen neuen lebensabschnitt damit zu beginnen, einen neuen radiosender zu suchen. in den letzten wochen hatte ich eine oldiesender gehört. irgendwie hatte ich das gefühl, dass das zu meinen neuen grauen haaren passt - außerdem fand ich es zunächst nett, jedes lied mitzusingen zu können. ich versuchte darüber zu witzeln aber die leute lachten nicht. entweder sie denken, ich wäre tatsächlich ein oldie oder aber sie haben etwas mitleid.

heute morgen drehte ich also an dem drehknopf, ehrlich gesag auf der suche nach 90,3, denn denen habe ich am freitag ein interview gegeben. anscheinend hat aber die anzeige auf der der strich beim drehen wandert, nichts zu tun mit dem eigentlich sender. keine korrelation zwischen strich und zahlen und der welt. das ist schon tragisch aber was will man von einer anlage von aldi, bei der der cd-spieler auch schon kaputt ist, erwarten.

jetzt läuft gerade ein anspruchsvoller sender in dem dauernd gequatscht wird. ich fand, man könnte ja sozusagen vom oldiesender zum akademikersender wechseln. wenn ich mich beschreiben sollte, dann würde ich mich da wohler fühlen. oldiesender weckt ja irgendwie schliddermann-assoziationen. aber diese anspruchsvollen features nerven ganz gewaltig. dabei konzentriert zu bloggen ist eine herausforderung. vielleicht sollte ich doch wieder auf meinen teniesender wechseln, den ich die letzten jahre hörte...

ich fühle mich nirgendwo zuhause. kein sender passt zu mir. ich wollte wirklich aufräumen, ausmisten (schließlich gehts morgen auf den flohmarkt) und dabei mutig meinen radiosender wechseln, um ein neues leben zu beginnen. aber wenn ich noch nicht mal weiß, was für ein radiosender zu mir passt, wie soll ich dann neue ziele finden?

Freitag, Juni 18, 2004

neu

es ist vollbracht. mein blog ist umgezogen.

ich hatte lange mit mir gerungen, ob ich es mache. jetzt fühlt es sich gut an. ich weiß noch nicht genau, wie ich es machen werde, aber erst einmal ist dieser blog in einem kleinen dunklen eckchen des internets und das fühlt sich gut an.

in den letzten wochen hatte ich mich immer wieder zensiert. nachdem ich nun ein gewisses maß an bekanntheit erreicht habe und viele journalisten über mich recherchieren, ging es gar nicht mehr anders, als beim bloggen eine maske aufzusetzen. der spagat zwischen meinem öffentlichen leben, in dem ich "königin" sein muß und meiner derzeitig sehr grauschwarzen seele war genau das, was mich anstrengte. rein äußerlich ist meine derzeitige lebenssituation nicht wirklich etwas neues. aber noch nie habe ich dabei so im rampenlicht gestanden.

den blog umzuziehen hat etwas mit macht zu tun. der macht, mich zu entziehen. nein zu sagen. grenzen zu ziehen.

direkt nach dem spiegel-online-artikel hätte ich es nicht gekonnt. es wäre mir feige vorgekommen. aber jetzt mußte ich es einfach tun. es wird zeit, dass ich lerne, diesbezüglich für mich zu sorgen. auf mich aufzupassen. mich abzugrenzen und nein zu sagen. ich muß mir orte des rückzugs schaffen und darauf achten, dass andere diese orte respektieren. meine wohnung und der blog gehören dazu. basta.

lizenz zum muffeln

ich bilde mir ein, dass wenn ich einen zopf habe und brille trage, dass ich dann eine andere bin, als die autorin mit den wilden locken und den kontaktlinsen. wenn ich brille trage, dann darf ich muffeln und muß nicht immer ständig die strahlende königin heraushängen lassen. schon schizophren.

ich muffel zur zeit zu viel. bin zu selten unter leuten und erlaube deswegen meinen gesichtszügen, muffelig zu schauen. das gefällt mir nicht, denn lachen macht schönere falten. aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann.

Donnerstag, Juni 17, 2004

kommentare

eben in nosexandthecity einen interessanten beitrag inklusive interessanter kommentare zum thema "unliebsame kommentare in gästebüchern und blogs gelesen.

das thema beschäftigt mich seit ein paar tagen gewaltig. auch wenn ich vom kopf her mir sage, dass sich jemand selbst durch fiese einträge, disqualifziert, verletzen sie mich doch. meine erste reaktion ist häufig antworten zu wollen, aber das fordert denjenigen, der auf krawall aus ist nur noch heraus. genauso wie das löschen von einträgen. es wird als ein machtkampf ausgetragen, bei dem es darauf ankommt, einen längeren atem zu haben. oft ist es so, dass andere für mich in die bresche springen und fiese kommentare besonnen kommentieren. das ist schön und ich freue mich meist darüber.

aus irgendeinem grund verbinde ich den impuls, unliebsame kommentare zu löschen in meinem kopf mit zensur. dabei sagt mein herz dazu, dass ich es ja auch nicht akzeptieren könnte, wenn jemand in meine wohnung eindringen und dort dreck verbreiten würde. im falle der wohnung scheint die lage klar zu sein - wieso ist es bei blogs oder gästebüchern anders. oder ist es gar nicht anders? habe ich auch dort ein hausrecht?

wenn ich unliebsame kommentare lösche oder kommentiere, dann habe ich immer das gefühl uncool zu sein, dinge nicht einfach gelassen hinnehmen zu können. wieso denke ich mit 36 jahren in kriterien wie "coolness"? ist es vielleicht eine form von masochismus, negative dinge stehen zu lassen. ist tief in mir drin vielleicht ein gefühl, dass ich so etwas irgendwie verdient habe? achdumeinegüte!

es ist mir ein rätsel, wieso mich das so beschäftigt!

nette idee

wieder einmal ein problem wunderbar nicht gelöst. nette idee automatische PR-meldungen
gefunden bei nosexintheciy

nährende blicke

es ist schon eine ganze weile her, dass ich von einem mann so angeschaut wurde, wie julie delphy von ethan hawke...
leider hat man mich eben durch rüdes klingeln aus der melancholischen stimmung, die der film eben hinterließ, herausgerissen. und es war noch nicht mal für mich. jemand hatte sich in der klingel geirrt. selbst schuld. wenn man auch zu einer uhrzeit ins kino geht, bei der der tag noch erwartungen hat. wäre es schon später, könnte ich auf der fensterbank sitzen und den nachthimmel anschauen kann, um anschließend träumend ins bett zu gehen. aber ich wollte einer freundin etwas gutes tun, in dem ich sie für 90 minuten vor einem ungemütlichen abend ins kino entführte. ich glaube, das ist mir gelungen.
in den letzten monaten hatte ich es nicht wirklich vermisst. mein leben war so aufregend, erfüllend und anstrengend - in den letzten wochen hatte ich ganz andere sorgen. aber jetzt, gerade jetzt, könnte ich heulen, weil ich gerade jetzt nichts mehr gebrauchen könnte, als so einen blick. aber leider gibt es noch nicht mal in der weiten welt des internets ein bild aus dem film mit genau diesem blick. diesen "ich-will-dich-anfassen-weil-du-die-schönste-frau-auf-der-welt-bist"-blick. ein blick, in dem ich baden könnte, dem ich glauben kann, der kraft gibt, den man niemals vergisst. ein blick, bei dem man das, was gerade dummes gesagt wurde, sofort vergisst, weil man sich in diesem blick einfach wie eine königin fühlt. ein kleiner kompromiss:



aber dafür ist kino ja da: dass man für ein paar stunden den alltag vergisst. ich freue mich auf before sunset!

Mittwoch, Juni 16, 2004

erfrischend

wie erfrischend: eben im fernsehen frau schwarzer und frau potente mit frau maischberger im gespräch. aber wenn ich die wahl hätte: ich würde mit frau schwarzer essen gehen. egal, ob sie etwas über visionen, politik oder pumps sagt. sie sagt es kompetent, wertschätzend und immer humorvoll und charmant.

Samstag, Juni 12, 2004

NEIN, keine dummchen!

es empört mich so, dass ich nicht mehr schlafen kann und an einem freien tag um 5.38 uhr den computer anmachen muß. ich will keine frauen zu dummchen machen! und ich bin wirklich entsetzt darüber, dass journalisten diese blöde behauptung aus dem spiegel-online artikel 1.immer wieder aufgreifen und 2. mir kaum gelegenheit lassen, diese these zu wiederlegen.

im fernsehen ist es meist so, dass ich im genau das im interview nicht gefragt werde bzw. die fragen mich in eine richtung lenken, die mir keine wahl lassen aus dieser richtung wieder rauszugehen. oder noch subtiler: sie sagen das in der anmoderation - dann habe ich sowieso keine chance. begründung -ich kann sie nicht mehr hören - das fernsehen braucht bilder, deswegen greife sie sich alle genau diesen teil aus dem buch heraus.

ok, ich habe gesagt, dass das 6. prinzip "lass andere für dich arbeiten" leichter funktioniert, wenn man das köpfchen schief legt und hilflos tut. dazu stehe ich auch, denn es geht mir ja darum, dass frauen ihre ach so starke seite auch mal links liegen lassen und sich helfen lassen. aber ich schreibe auch, dass es nur funktioniert, wenn sie es ehrlich meinen. und damit meine ich nicht, dass sie sich ehrlich dumm stellen sollen, sondern dass sie sich wirklich darüber freuen sollen, dass ihnen jemand hilft. ich will weder frauen zu dummchen machen noch gegen die emanzipation anarbeiten. es ist mir unverständlich, dass journalisten, die sich immer ach so freundlich und witzig geben, nicht in der lage sind, das charmante kleine augenzwinkern dabei zu erkennen. ich bin so wütend, dass das in den allermeisten beiträgen so dargestellt wird.

daraus resultiert dann ein problem, mit dem ich mich rumschlagen muß, dass meine energie frisst und nach wie vor meinem herz weh tut: kritik bis hin zu beleidigungen, dass ich frauen verdummen will, ihnen schlechtes will, männer wie frauen ausnutzen will etc. etc. natürlich haben diese menschen, die glauben ihre zeit sinnvoll damit zu verbringen, mich zu beleidigen, das buch nicht gelesen und berufen sich ausschließlich auf die besprechungen in den medien. ich bin es sooo leid!

ich kann ja verstehen, dass journalisten nicht immer die zeit haben, sich ordentlich auf interviews vorzubereiten und ganze bücher lesen. aber ich finde es ziemlich peinlich, wie sie voneinander abschreiben. angeblich sollen sich ja frau maischberger, herr kerner und konsorten sehr gut auf interviews vorbereiten. ich wünsche mir nichts sehnlicher, als mal auf diese art die chance zu bekommen, meine thesen in der öffentlichkeit vorzustellen!

Freitag, Juni 11, 2004

heimat

eben komme ich vom "hessenabend". vor ein paar wochen hatte ich eine frankfurterin, die in hamburg lebt bei einem besuch in frankfurt kennengelernt. wir vereinbarten, unsere versuche, hessenabende zu organisieren, zusammenzulegen. gesagt getan. heute abend war es, wenn auch sehr spontan, soweit. wir trafen uns im miller. ich hätte nie gedacht, dass sich das so rumspricht. es wäre auch zu zweit nett gewesen, aber wir waren definitiv mehr als 12 leute, denn wir passten nicht mehr alle auf zwei "boppes an boppes" bierbänke.

es ist schon erstaunlich, was passierte. alle genossen das gute wetter und das "stöffche". jeder neuankömmling wurde mit "ei guude" begrüßt. die um uns herum sitzenden hamburger schauten betreten. es war irgendwie wie in einer selbsthilfegruppe. jeder stellte sich vor "ich heiße ..., komme aus ... und wohne seit ... jahren in hamburg. mehr war an information war nicht nötig aber ich habe seit ewigkeiten an einem abend nicht mehr so viel gelacht.

ganz erstaunlich war es, wie sehr wir uns daran erfreuten, uns gegenseitig hessische wörter zu erzählen, die wir viel zu selten hören und die uns irgendwie in gutes gefühl machen (umvollständige liste):


  • kolter (decke)

  • bobbelscher (kinder)

  • anderster (anders)

  • simpel (idiot)

  • hannebambel (idiot)

  • knörzche (das ende vom brot)

  • ach komm - geh fort (lass es sein)

  • trottoir (bürgersteig)

  • plümerant (unwohl)

  • maabotscher (zu große schuhe)


es ist wirklich erstaunlich, dass wir, im schnitt mitte dreißig, uns zu einem heimatabend treffen. warum eigentlich nicht? ich fand, es war toll!

Dienstag, Juni 08, 2004

sortieren

ich sortiere mich wieder. eine woche habe ich nun in zwei völlig unterschiedlichen zuständen gelebt, und immer bei bedarf mal den einen oder mal den anderen herausgekramt. weinen oder funktionieren. so schien es mir zumindest. dabei waren es doch mehrere gemütszustände. am samstag habe ich das gemeinsame gammeln genossen, zwischendurch war ich hin und wieder mal zynisch, um ein vertrautes ventil zu finden und wenn ich es recht überlege, wurden die phasen des weinens von tag zu tag weniger und die phasen des nachdenkens mehr und mehr. meine gedanken sind immer noch nicht so sortiert, dass ich wirklich schlüsse daraus ziehen und in buch II verarbeiten könnte. aber mein leben fühlt sich sortierter an und das ist schön. ich beobachte mich verwundert und lerne mich neu kennen.

Sonntag, Juni 06, 2004

was fehlt?

mir fehlt eine ehefrau. sie müsste meine diktierten oder handgeschriebenen texte nicht mühsam abtippen, aber sie auf tipp- und kommafehler zu korrigieren wäre schon schön. es wäre auch nett, wenn sie mein heim sauber halten würde, den kühlschrank füllen, regelmäßig warme, lecker und gesunde mahlzeiten auf den tisch stellen würde und für mich zur reinigung gehen würde. ich hätte auch nichts gegen ein paar muntere kinder einzuwenden, die mein erbgut weitertragen würden und meine gedanken mit spannenden fragen bereichern würden. meine treue ehefrau würde sich schon darum kümmern, dass sie mir nicht allzusehr zur last fallen würden. zwei mal die woche, würde mir meine ehefrau auch sexuelle erleicherung besorgen. das wäre schon schön.

eine freundin schlug mir vorhin einen neuen gedanken vor: vielleicht bin ich auf der suche nach einem versorger. ich bin total verwirrt. das passt so gar nicht in mein bild. schon als kind, wollte ich lieber vater werden.

Samstag, Juni 05, 2004

aussichtslos

vielleicht sollte ich mal drogen nehmen. in der richtigen stimmung wäre ich jedenfalls dazu.

aber auf koksen habe ich keine lust, diese wichtig-wichtig-super-spass-stimmung ist irgendwie nix für mich und ausdauernde gespräche etc. kann ich auch ohne. heroin scheidet aus, denn selbst geübte sprechstundenhilfen finden meine venen nicht. ich würde da eine einzige sauerei anrichten. ich könnte mir psychopharmaka verschreiben lassen, aber dazu müsste ich bei irgendeinem arzt im wartezimmer sitzen und darauf habe ich keine lust; außerdem ist sowieso gerade wochenende. rauchen wäre auch ganz nett. sieht ja cool aus aber ich mag es nicht, wenn meine haare nach dem qualm stinken, wenn sie neben mir auf dem kopfkissen liegen. kiffen scheidet aus, weil ich mangels raucherfahrung das zeug nie in die richtige röhre atme. alkohol finde ich doof, denn ich möchte mich nicht so schlecht benehmen, wie die jungs und mädels, denen man so auf der straße begegnet. ich könnte fressen und kotzen, aber ich kann den ekligen nachgeschmack nicht leiden. zu viel arbeiten, soll ja auch eine droge sein, aber das wäre ja nichts aufregendes neues. und nach sinnlosem durch die gegend vögeln steht mir gerade auch nicht der sinn.

schon schade. hätte ich eine droge, könnte ich sie eine weile genießen. anschließend hätte ich wenigstens einen grund zum leiden. würde es mir dann zuviel damit werden, würde ich damit aufhören und in talkshows darüber erzählen, um mein neues buch zu promoten. das wäre schon schön.

Mittwoch, Juni 02, 2004

"warum" fragt man nicht

wieso feiert man eigentlich geburtstag? normalerweise würde ich solche fragen meine mutter fragen. wäre ich bei mal bei herrn jauch, wäre sie definitiv der eine telefonjoker. nur, wer kennt sich noch mit sport aus? aber meine mutter mag ich jetzt nicht anrufen. sie soll das tun. ich habe dann google gefragt. aber leider ist google nicht gewillt mir diese frage präzise zu beantworten, weil es einfach das wort "warum" streicht. das würde zu oft gefragt. meine güte, das ist ja wie in der DDR!

die ZEIT verrät mir immerhin wie in deutschland gefeiert wird "Seit wann genau man auf der Welt ist, in der Türkei kommt’s nicht so drauf an – welch ein Unterschied zur präzis getakteten Bundesrepublik! Hier ist der Geburtstag für viele von Kindheit an das größte Fest – es geht ja auch um die wichtigste Person." das dachte ich mir. geburtstag feiern heißt, man ist wichtig. wenn ich jemand einlade, dann sage ich, ich bin wichtig, wenn er oder sie kommt, heißt das ich bin ihm oder ihr wichtig. nicht das schlechteste für meine derzeit abgrundtief depressive stimmung. hoffentlich kommen die leute nachher trotz des guten wetters.

Dienstag, Juni 01, 2004

jubiläumsrückblick

heute, vor vier jahren, bin ich nach hamburg gezogen. ich erinnere mich noch gut an diesen merkwürdigen tag. früh in berlin aufgestanden, die letzten sachen gepackt und dann völlig gerührt darüber gewesen, dass die leute, die sich meine freunde nennen, mir dabei helfen, sie zu verlassen. dann mit dem lahmen lkw nach berlin gefahren. allein. ich hatte gehofft, dass jemand mit mir fährt, aber die wichtigen dinge im leben, muß man wohl alleine machen. total müde und verspätet in hamburg angekommen. erstaunlicherweise warteten dort, in der neuen stadt 10 leute auf mich, die mir halfen, meine damals 26 bücherkisten und meine anderen habseligkeiten (schickes wort bytheway) in den vierten stock zu tragen. meine oma sagt über mich, dass es sensationell wäre, wie schnell ich leute kennenlernen und wie viele leute mir immer helfen. ja? heute habe ich zu niemanden, dieser 10 leute mehr kontakt. das leben ist wirklich seltsam. in der ersten nacht in der uneingerichteten wohnung konnte ich nicht schlafen, weil ich - im gegensatz zu der wohnungsbesichtigung - in ruhe dem dönerabzug zuhören konnte. noch heute nervt mich dieses geräusch, dass mich meist 22 stunden umgibt. am nächsten tag der erste kontakt zu der türkischen mehrheit in meiner straße und die fahrt mit dem lkw zurück nach berlin. ein seltsamer geburtstag und am 5.6. dann der aufgeregte anfang in der neuen firma.

jedes mal, wenn ich die stadt wechselte, versuchte ich meinen freunden rational zu erklären, dass ich das einfach tun muß. es war für mich immer so sonnenklar. die anderen schauten meist verständnislos. der umzug von berlin nach hamburg symbolisierte meinen damaligen entschluss, endlich erwachsen zu werden, normal zu werden. ich nutzte das letzte aufbeben der new economy - nur wußte ich das damals natürlich noch nicht. ich stellte mir vor, in der festanstellung mich finanziell zu konsolidieren, meinen wüstenrot-traum-mann kennenzulernen, wenig später hinter finkenwerder eine verfallene scheune zu entdecken. wie in der wüstenrot-werbung wäre diese dann eine einstellung später renoviert (ich hasse renovieren!) und ich säße, wie selbständig, mit meiner reizenden tochter (sie auf der schaukel, ich mit dem laptop am tisch) in unserem verwildert-verwunschenem garten. tja...

wer hätte gedacht, dass ich in diesen nur vier jahren, zwei firmenpleiten (als angestellte) erleben und mich zweimal selbständig machen würde, eine verrückte lebensphase erlebte und diese in einem buch beschreiben und statt architekten in meinem freundeskreis hauptsächlich unternehmerinnen haben würde. wer hätte gedacht, dass ich mich nach vier jahren in hamburg immer noch nicht heimisch fühle und mich wahlweise nach berlin oder sogar nach frankfurt zurücksehne. und wer hätte gedacht, dass ich immer noch kein neues sofa gekauft hätte?

wie jedes jahr hoffe ich, dass es am nächsten tag regnet. zumindest nachmittags, damit die leute sich nicht nur verpflichtet fühlen, zu mir zu kommen, obwohl sie lieber draußen wären. was ich mir noch wünsche? na, das was links steht und das, was ich auf meine silvester-collage klebte. sonst nichts. doch, ich wünsche mir ein patenkind und mehr life-work-balance, dass ich es lerne, mir mehr zu gönnen und dass ich als meike wieder mehr unter leute komme.

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen