Mittwoch, Mai 19, 2004

netter versuch

noch was, was mir nicht aus dem kopf geht: vorletzte woche in frankfurt. der abend war spät, das eine oder andere kaltgetränk bereits vernichtet. mein an sich liebenswerter und intelligenter bester freund hatte eine gewagte these: frauen können keine wichtigen bücher schreiben.

ich schnappte nach luft. was ist mit anais nin und christa wolf versuchte ich es. es galt die ehre der frauen zu verteidigen, da mußte ich auf sicherem terrain bleiben. beider werke habe ich vollständig (ups, fast vollständig bei christa) gelesen und immerhin schreibt anais über psychoanalyse und mein bester freund liebt die psychoanalyse. er liess sich nicht darauf ein; beide autorinnen mag er nicht. abgewürgter diskussionsstrang.

er setzte noch einen drauf: frauen schreiben über frauenzeugs und männer über die abstrakten, relevanten fragen. ich würde doch schließlich auch männerbücher mögen. das war hart. ich liess gedanklich mein bücherregal revue passieren. stimmt, es gab eine sorte von büchern (selbstverständlich von frauen), die ich sehr schätzte, aber meinem intellektuellen freund nicht schenken würde. und da gibt es die anderen, die, die wir beide lasen. gerne gleichzeit, um auch mal darüber philosphieren zu können. also männerbücher für beide, frauenbücher nur für frauen.

ich versuchte es kapitalismuskritisch: alles eine frage des marketings und der vorauswahl. es werden eben mehr "allgemeingültige" bücher von männern verlegt oder beworben. frauen schreiben bestimmt auch. vielleicht sogar viel mehr aber die texte werden eben nicht so verbreitet. auch dieses argument wurde von seiner seite aus nicht weiter beachtet.

ich gab nicht auf und erzählte von meiner quote: vor ein paar jahren beschlich mich schon mal dieser verdacht und ich führte eine quote in meinem bücherregal ein. bewußt kaufte ich fortan nur noch belletristik von frauen. ich sortierte um, so dass der zuwachs sichtbar würde und fand entdeckte schätze: connie palmen und amélie nothomb nur um meine beiden liebsten zu nennen. kenne ich nicht, sagte er. auch damit war dieser diskussionsstrang beendet.

er zog sein letztes as aus dem ärmel: die titanic. angeblich schreibt dort nur eine erwähnenswerte autorin, die vor seinen humoransprüchen genügt. mein argument, dass ich die titanic nur zu ca. 10% lustig fände, disqualifizierte mich in seinen augen.

meine güte, bin ich ein dummes weibchen und seit jahrzehnten mit einem oberflächlichen chauvi befreundet, der glaubt intellektuell zu sein, weil er nur bücher von männern liest?

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wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen