Freitag, April 29, 2016

Sichtbar werden.

Es fängt an zu laufen. Ich traue mich das noch gar nicht so richtig zu formulieren, aber ich irgendwie habe ich das Gefühl, dass es doch noch alles gut werden könnte.

Woran ich das fest mache? Nun, nicht am Kontostand. Aber ich beginne sichtbar zu werden.

Als ich das Büro mietete bin ich ja besonders auf die Idee des Türschildes (Logo sichtbar im Vorgarten und Treppenhaus) abgefahren und es war doch schwieriger, als gedacht, mich für ein Logo zu entscheiden und herauszufinden, wie das mit so Beschriftungen ist. Aber die Lösung ist in Sicht und ab Mitte Mai bin ich sichtbar. Mir gibt das ein professionelles Gefühl, jemand einladen zu können, Veranstaltungen in "meinen" Räumen stattfinden lassen zu können. Das gibt mir Sicherheit und es fühlt sich gut und richtig an, auch wenn ich bei den Kosten für diese "Äußerlichkeiten" zusammenzucke. Aber das gehört dazu und ich war viele Jahre viel zu sparsam in solchen Dingen.

Anfang der Woche veröffentlichte ich, dass ich nun auch Workshops anbiete. Zunächst hatte ich großen Frust, als auf der Veranstaltung mit dem rasanten Ticketverkauf nur meine Workshops wie Ladenhüter herumstanden, während der Rest binnen einer Stunde ausverkauft war. Ich arbeitete hart dran, mich nicht runterziehen zu lassen. Auch wenn ich eine große Blogleserinnenschaft habe, diese ist nicht identisch mit der Zielgruppe der Veranstaltung, die das schnelle Buchen gewöhnt ist. Meine Spezialisierung bedeutet auch, dass nur ein Teil der Veranstaltungsteilnehmerinnen sich angesprochen fühlt. Meine Fans mussten sich vielleicht erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass es bei mir etwas Neues zu kaufen gibt. Die neuen Produkte sind wirklich neu im Sinne von neuartig und bedürfen Erkläuterungen. Meine Produkte sind nicht ganz billig und verlangen Einsatz von den Kundinnen, das ist kein Spaßprodukt, was einfach so in den Einkaufkorb wandert. Und nicht zuletzt reicht es nicht, im TV gewesen zu sein, um alle anderen Punkte wett zu machen.

Statt mich komplett runterziehen zu lassen, überlegte ich, woran es liegen könnte und schrieb einen erläuternden Blogbeitrag. Alles ist noch nicht verkauft, aber das macht nichts. Aber siehe da, prompt kam eine Anfrage aus einer anderen Stadt bezüglich Workshops.

Überhaupt, läuft es mit den Veranstaltungen gut. 7 Lesungen sind fest gebucht, eine hatte ich schon im März gemacht, eine Option für August müsste ich nur noch zusagen. Nächste Woche halte ich einen Vortrag in Berlin und für Ende Mai bin ich für Hannover angefragt, da geht es nur noch um Details. Das ist doch schön. Ich werde sichtbar.

Letztes Jahr habe ich so mit mir gerungen, ob es sinnvoll ist "Kandidatin" zu sein, wo ich doch als Expertin wahrgenommen werden will. Ja, ich würde sagen, das Kandidatin-sein war ein Kick-off, dafür war der TV-Auftritt nützlich, auch wenn er nicht in meinem Sinne war. Veranstaltungen sind mühsam und nicht so arg ertragreich.

Bei den Vorträgen wird davon ausgegangen, dass Ruhm und Ehre das Honorar sind.  Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, nicht mehr für Ruhm und Ehre zu arbeiten! Trotzdem bin ich dazu geneigt, die beiden Vorträge im Mai auch genau dafür zu machen, denn sie machen mich sichtbar und vielleicht gilt in diesem Fall: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Aber ich bin stolz darauf, dass ich nicht alles einfach schlucke. Ich habe mehrmals nachgefragt, ob wenigsten die Fahrtkosten "als Zeichen der Wertschätzung" übernommen werden könnten. Und siehe da, das war auf einmal möglich. Auch wenn ich das Hotel bezahle und nichts für den Vortrag bekomme, die Fahrtkosten erstattet zu bekommen fühlt sich tatsächlich gut an. Und es fühlt sich gut an, dran geblieben zu sein und nachgefragt zu haben.

Zusammengefasst ist eine Menge seit Anfang des Jahres passiert. Ich beginne mich, durch meine Blogserie und die Veranstaltungen, als Expertin zu positionieren. Ich habe das Gefühl, das meine Preise für meine Produkte ok sind, bzw. das da sogar noch was nach oben geht, wenn ich noch bekannter bin. Ich bin auf dem Weg, den ich mir erträumte. Ich werde sichtbar. Es ist noch nicht das Ziel, aber es ist der richtige Weg. Die Welt merkt, dass ich ihn eingeschlagen habe.  Das ist schön.

Dienstag, April 19, 2016

Mich verkaufen

Seit Wochen ist es ein ewiges Hin- und Her mit dieser potentiellen Workshop-Veranstalterin. Ich weiß nicht wie viele Mails und der versprochene Anruf kam auch nicht, obwohl mir immer wieder versichert wurde, dass Interesse bestehen würde. Nach ausführlicher Kalkulation und dem Vorsatz, wenn es dieses Mal nix wird, ist aber Schluß mit Kommunikation, habe ich mir ein Herz gefasst und angerufen.

1. Erkenntnis:
Das hätte ich schon vorher tun sollen. Die Frau brauchte ein gutes Gefühl, mit mir zu sprechen, statt Mails zu lesen. Ich weiß nicht, ob es wirklich um Ängste ging (meine Workshops zu diesem Preis nicht verkaufen, auf den Kosten sitzen zu bleiben o.Ä.). Ich hatte den Eindruck, dass es darum ging, noch mal den echten Menschen an der anderen Seite der Leitung zu fühlen. Ich habe dieses Bedürfnis eigentlich nicht, aber ich sollte das in Erwägung ziehen, das andere das haben.

In den Mails wurde "irgendwie ein andere Workshop mit mehr Wellness und konkretem Tun" gewünscht und ich überlegte hin und her, ob ich das will und kann. Am Telefon war ich sehr klar und verteidigte meine "Schuster bleib bei deinen Leisten"-Strategie. Ich formulierte sehr klar, was ich kann und biete und grenzte mich ab von dem, was üblicherweise bekannt ist. Am Telefon war es tatsächlich einfacher, das rüberzubringen, das gebe ich zu.

2. Erkenntnis
Mir war klar, was ich will und was ich nicht will. Mir geht es weniger um einzelne Euros bei der Kalkulation als ein Niveau. Ich habe partout keine Lust, auf Volkshochschulniveau zu arbeiten oder mich mit einer Schneiderin zu vergleichen. Wenn ich klar bin, kann mein Gegenüber das auch annehmen.

Ja, vielleicht war Telefonieren genau richtig und vielleicht sollte ich mich öfters dazu aufraffen. Aber diese ganze gedankliche Vorarbeit war auch wichtig. Für mich ist nun klar, was mein Produkt ist und warum es einzigartig ist. Und das verrückte ist: es scheint, als könne tatsächlich nur ich (in Deutschland) so etwas anbieten. Diese Kombination aus Kompetenzen und Bekanntheit scheint mir keine andere zu haben. Hui! Mir ist auch klar geworden, dass dieses Produkt mehr Erklärung verlangt, weil es eben neu ist, dass ich mich aber auch ein bisschen auf meine Bekanntheit verlassen kann.

Hauptsache ich bin klar.

Das Ganze hat jetzt noch nicht den Praxistest bestanden. Es ist immer noch nicht klar, wie die Endkundinnen darauf reagieren, aber die erste Veranstalterinnenhürde ist genommen. Es ist weder absurd, was ich anbiete, noch zu teuer. Außerdem habe ich es ja schon einmal für den Herbst "verkauft", nur war da die Kalkulation eine ganz andere, weil ich dort direkt an Endkundinnen verkaufe und damit das Risiko aber auch den Gewinn der Einnahmen komplett übernehme. Aber für diese Workshops konnte ich einen Veranstalter begeistern und habe damit die erste "Einlasskontrolle" überstanden. Es bleibt spannend!

Ich freue mich, dass ich um einige Schritte weiter bin, als noch vor wenigen Wochen. Jetzt muß ich nur noch Butte bei die Fische machen und nach einem Praxislauf das Ding anbieten und dann bin ich wirklich auf einem guten Weg.

Mittwoch, April 13, 2016

Respekt

Der Liebste hat Ärger mit einem (Geschäfts-)freund. Ich konnte den noch nie leiden. Einmal nur habe ich ihn getroffen und ich weiß, dass ich mich anschließend schlecht fühlte und dass er dafür verantwortlich war. Es ist schon viele Jahre her. Ich schob noch einen Kinderwagen vor mir her und war mit dem Liebsten und seinen Kollegen zum Lunch verabredet. In dem Gespräch mit dem Geschäftsfreund, hatte ich das Gefühl, nicht bestehen zu können. Ich verstand mich als "pausierende Beraterin", studiert, berufserfahren, kompetent, aber derzeit pausierend und durchaus auch prüfend, ob das noch der richtige Beruf für mich wäre. Der Geschäftsfreund machte alles, was ich sagte nieder und gab mir das Gefühl minderwertig und inkompetent zu sein. Kein Wunder, dass ich ihn nicht leiden konnte.

Das war nun ein sehr deutliches Beispiel, aber was, wenn auch andere mehr oder weniger offen respektlos mit mir, mir als Frau, mir als Mutter umgehen um mir - vielleicht auch nur um sich selbst besser zu fühlen - signalisieren, dass ich nichts wert bin. Und was ist, wenn ich das glaube. Wenn ich das Gefühl habe, ich mag diese Menschen nicht, aber das Gesagte trotzdem wirkt. Was ist, wenn Mütter, egal ob in der Elternzeit oder danach, dauernd solche Botschaften bekommen. Wäre es ein Wunder, wenn es Selbstwertzweifel gäbe. Und was soll überhaupt dieser Konjunktiv.

Ich bin noch nicht sicher, was das alles zu bedeuten hat, aber ich habe das Gefühl, dass diese Begegnung oder dieser aktuelle Streit sichtbar macht, was ein Grund ist, das ich mir im Weg stehe. Vielleicht ist es nur ein Teil, ein Baustein, aber ich kann mich so gut an dieses Gefühl erinnern, in dem Gespräch zu strampeln um irgendwie kompetent wahrgenommen zu werden, und einfach nicht auf einen grünen Zweig kommen zu können. Anscheinend hat mich das sehr getroffen.

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Ein weiterer Aspekt, der in dem aktuellen Streit ans Tageslicht kam bzw. formuliert wurde. Der Geschäftsfreund ist verärgert, weil er angeblich nicht die Leistung bekam, die er erwartete. Er hätte sich bewusst für eine GmbH statt für einen Freelancer für seinen Auftrag entschieden, denn er hätte erwartet, dass die GmbH ausreichend Ressourcen hat, um auch schwierige Situationen ausgleichen zu können. Blabla.

Für mich macht das noch mal deutlich, warum es - trotz immer wieder auftauchender Zweifel - sinnvoll ist, mit dem eigenen Namen als Freiberuflerin zu firmieren, statt wie vor 17 Jahren den Versuch zu unternehmen, mit einem Unternehmensnamen professioneller aufzutreten. Das fühlte sich nach kurzer Zeit damals nicht richtig an und mir wurde durch den Streit von dem ich erzählt bekam, noch mal klarer, warum: ich möchte halten können, was ich verspreche und nicht vorgeben etwas zu sein, was ich nicht bin.

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Fazit: Statt auf meine Defizite zu schauen, möchte ich auf das stolz sein, was ich erreicht habe. Das heißt nicht, dass mir für manche Projekte möglicherweise Wissen, Erfahrung oder Übung fehlt. Aber deswegen muß ich mich nicht niedermachen oder frustriert sein. Ich kann einfach nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten und ich kann durchaus darauf vertrauen, dass ich die Ressourcen in mir trage, das gut zu machen.

Und ich werde vorsichtig sein, bei Begegnungen, die mir nicht gut tun. Es ist nicht ok, abgewertet zu werden. Ich sollte meinem Gefühl trauen. Und ich freue mich, dass sich der Liebste streitet, denn das bedeutet, dass er das strikte Arbeiten auf der Inhaltsebene und den damit verbundenen Tunnelblick überwunden und sich weiterentwickelt hat. Ich freue mich, dass er den mangelnden Respekt einfordert. Da kann ich auch noch was davon lernen.

Montag, April 11, 2016

Abgekoppelt von den Idealen

Am Samstag bummelte ich mit dem Kind durch die Schanze. Wie lange habe ich so etwas nicht mehr gemacht: Flohmarkt, "Knöpfchen kaufen" und Kaffee trinken. Früher war so etwas ein ganz normaler Samstag vormittag. Freizeit, Entspannen, Schaulaufen. 


Zum ersten Mal kam ich mir vor wie eine Touristin. Diese Lebensphase ist definitiv vorbei. Mich irritierten weniger die 20-Jährigen, die mich garantiert siezen. Ich schaute belustigt auf die Eltern mit den Babys, Kleinkindern und jungen Schulkindern. Die machen wirklich alles richtig - denken sie zumindest. Die Kinder trugen sehr teuere Schuhe, Kleidung, wie die Erwachsenen und der Spielzeugladen und die Buchhandlung fand mein Kind langweilig, weil es dort hauptsächlich pädagogisch wertvolles Zeug gab, dass den Eltern besser gefällt als den Kindern. 

Wie eine Außerirdische schaute ich mir diese Spezies an und war froh, nicht dazu zu gehören. Während ich vor 8 Jahren auch noch versuchte, alles richtig zu machen und die richtigen Dinge zu kaufen, finde ich das mittlerweile nur noch belustigend. Durch das Selbermachen koppelte ich mich stark ab von den Konsum-Posing-Notwendigkeiten. Das Leben im "Blümchenweg" in Suburbia, das Älterwerdens von mir und dem Kind taten sicherlich auch ihren Teil. 

Ich fand es so entspannend zu entdecken, dass ich tatsächlich diesen "urbanen Karotten" nicht mehr hinterherlaufen muss. Es ist nicht so, dass ich mich als Suburbia-Mutti sehe und darin aufgehe. Aber ich finde mein Leben, so wie es ist, schon ziemlich prima.

Freitag, April 08, 2016

Krabbenkorb

"Ich rate Dir, die üblichen Honorare zu nehmen. Es haben schon öfters mal Kolleginnen versucht, höhere Honorare zu nehmen, aber die waren dann immer ganz schnell wieder verschwunden."

Warum hatte ich eigentlich nicht nachgefragt, als die Frau mir dies sagte?

Ich glaube, ich dachte mir meinen Teil und wollte sie aber weiterreden lassen.

Ich beschäftige mich immer noch intensiv mit Honorarkalkulation im neuen Feld und es wurmt mich, dass es so ein Frauen-Volkshochschul-Feld ist. Verdorben. Es war schon immer so und es scheint wenig Bestrebungen zu geben, es zu ändern. Und wahrscheinlich bekommen diejenigen, die es versuchen zu ändern, dann auch noch von den Kolleginnen einen auf den Deckel. Krabbenkorb eben. Wenn wir schon gekocht werden, dann soll es keiner gestattet werden, vorher auszubrechen. Wenn, dann sollen alle leiden.

Doch ich weigere mich, dieses Spiel mitzumachen und der Lunchtermin mit meiner Yogalehrerinfreundin mit den hohen Preisen unterstützte mich natürlich in meinen Gedanken. Das, was ich anbiete, macht sonst Keine. Mein Produkt ist neu konzipiert und einzigartig. Ich habe zwar mit dem Thema noch keine super langjährige Erfahrung, aber mit den Methoden, dem unterrichten und dem konzipieren. Ich kann mit fester Stimme sagen, dass mein Produkt gut ist. Ich bin sicher, die Teilnehmerinnen gehen mit einem guten Gefühl und etwas handfest Gelerntem nachhause. Und ich bin kein Neuling. Mich kann man googlen und man findet mich, ich war im Fernsehen ich habe Tausende von Büchern verkauft, ich schreibe seit Jahren öffentlich zum Thema, mein Gesicht ist in diesen Kreisen bekannt. Um es mit den Worten meiner Freundin zu sagen "Du bist nicht schwer zu verkaufen!".

Vielleicht ist es nicht so absurd zu glauben, dass die amerikanischen Verhältnisse mit etwas Zeitverzögerung auch zu uns kommen. Dort gibt es die "Kurse um die Ecke" und es gibt die "Stars". Die Stars sind in den Medien präsent und haben eine große Fanbase. Niemand würde auf die Idee kommen, das ein Kurs bei einem Star das gleiche kostet wie um die Ecke.

Ok, ich habe Facebook "verschlafen", da könnte ich mehr Fans haben. Aber ist das die Währung? Außerdem bin ich dran und so schlecht sieht es nicht aus. Und meine Website ist immer noch nicht fertig. Das sollte langsam mal passieren, um mein gesamtes Portefolio abzubilden und die etwas brach liegenden Bereiche zu reaktivieren. Aber in dem neuen Feld bin ich bekannt und vor allen Dingen gut auffindbar. Ich muss mich nicht verstecken und es ist ok, anders zu sein als die anderen - ich bin keine Krabbe. Ich würde gerne Krabbencocktail essen. (Damit meine ich nicht, dass ich die Kolleginnen verspeisen will, sondern eher, dass es mir zusteht, mir etwas zu gönnen.)

Ich brauche ein paar Textbausteine, die ich lesen kann, wenn ich mit jemand telefoniere, um mich zu verkaufen. Textbausteine, mit denen ganz selbstverständlich formuliert ist, warum meine Produkte und ich toll sind. Ich vermute, es ist die Geisteshaltung, die den Unterschied macht. Es kann einfach nicht sein, dass ich schwer zu verkaufen bin! Ich bin leicht zu verkaufen!

Donnerstag, April 07, 2016

Umdefiniert

Es ist gar nicht so leicht, eine Mutter zu sein. Mir fällt es immer noch schwer, meine Ansprüche an mich mit den Veränderungen des Kindes anzupassen. Das hatte ich schon mal: irgendwann musste ich lernen, dass das Kind kein Säugling mehr ist und ich nicht bei jedem Heulen springen muss. Jetzt ist gerade wieder so eine Stufe erreicht, bei der ich von außen gemeldet bekomme "verändere dich", es ist kein Kleinkind mehr.

Ich spreche von der Quality Time, dieser Verfluchten! Mein Kind geht in die Betreuung, ich arbeite - in Teilzeit. Übrig bleiben Nachmittagsstunden, die wir gemeinsam verbringen. Es ist eine bewusste Entscheidung von mir und uns, dass ich nicht Vollzeit arbeite. Ich finde schon, dass wen man sich für ein Kind entscheidet, auch Zeit mit ihm verbringen sollte. Aber mir ist nicht klar, was in dieser gemeinsamen Zeit gemacht werden soll. Ganz ehrlich: wir haben ziemlich unterschiedliche Interessen.

Bisher dachte ich, dass ich die Zeit am Nachmittag wirklich gemeinsam mit dem Kind verbringen sollte und etwas mit ihm zusammen mache. Erst eimal runterkommen, meinetwegen dabei etwas Fernsehen, dann machen wir etwas gemeinsames. Wollen wir basteln? Raus? Ehrlich gesagt, bin ich immer froh, wenn das Kind beginnt zu spielen. Wozu hat es denn das ganze Zimmer voll Spielzeug. Wenn ich etwas im Haushalt mache, fängt es an zu spielen. Nehme ich mir ein Buch, liege ich auf dem Sofa ist dem Kind langweilig. Meine Strategie seit Monaten: nach der Pause etwas Haushalt. Dann beginnt das Kind zu spielen und ich habe eine undefinierte Zeit für mich. Erstaunlicherweise wurde mir dann langweilig. Ich wusste gar nicht recht, was ich mit mir anfangen sollte. Das ist ja auch gar nicht so einfach, wenn ungewiss ist, wie lange diese Zeitspanne ist. Es rentiert nicht für 17 Minuten die Nähmaschine auszupacken.

Der Liebste und die beste Freundin meinen ich spinne.

Ich solle doch nicht glauben, ich wäre zur Unterhaltung des Kindes da. Ich wäre da, um auf es aufzupassen und ansprechbar zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Immerhin bekommt es doch Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf.

Mmmmmh.

Habe ich da wieder etwas verpasst? Habe ich übersehen, dass da ein neuer Lebensabschnitt begann? Ich hoffte immer, dass "alles anders wird, wenn das Kind endlich mal alleine nach draußen geht", aber ich änderte nichts an der Zeit drinnen.

Nach den Gesprächen mit dem Liebsten und der Freundin nun die Planänderung. Gestern raffte ich mich auf, kramte ein vom letzten Jahr unvollendetes Nähprojekt raus, suchte mühsam die Sachen zusammen und machte einfach mein Ding. Und das Kind spielte. Es war gar kein Problem. Ok, es war nur ein kurzer Nachmittag. Wir sprechen von ungefähr einer Stunde. Aber es ist ein Anfang.

Sollte Veränderung möglich und ganz leicht sein, wenn ich einfach in meinem Kopf etwas ändere?

Solche Sachen erzähle ich im Coaching. Eigentlich schwierig, wenn ich selbst nicht immer dran glaube.

Ich bin ein bisschen überrascht von der Aussicht, die in Sichtweite ist. Könnte es sein, dass ich die Nachmittage tatsächlich mir gehören? Dass ich machen kann, was ich will? Das wäre phänomenal. Ich kann das gar nicht glauben. Ob es wirklich so einfach ist, etwas umzudefinieren?

Dienstag, April 05, 2016

Bürogemeinschaft

Erste kleine Krise in der Bürogemeinschaft. Die Tischnachbarin ist genervt, dass die Kolleginnen und ich so viel Husten und Schnäuzen. Ja, irgendwie kann ich das verstehen. Aber soll ich wegen Husten zuhause bleiben?

Erwartungen

Der Liebste sagt, ich hätte zu hohe Erwartungen. Ständig wäre ich himmelhochjauchzend voller Tatkraft, Pläne und Ziele und dann im tiefen Loch, wenn sich meine Erwartungen nicht erfüllen.

Ist das schlecht?

Gut, das Loch, die Enttäuschungen, mag ich auch nicht. Aber ist das nicht das Leben? Ist es nicht ein ständiges Auf- und Ab und ist es nicht wunderbar, dass ich (bzw. wir Menschen) immer wieder die Kraft aufbringen, wieder aufzustehen, uns aufzurappeln und neu anzufangen nach einer Enttäuschung?

Er sagt, das Leben wäre ein Kreis und kein Auf- und Ab.

Ja?

Er schraubt seine Erwartungen niedrig und strengt sich ordentlich an, verlang von sich das Beste und darüber hinaus. Ich bin eher lässig, gehe davon aus, dass ich Dinge schaffe, dass alles, was ich brauche in mir ist und dass ich notfalls eben noch etwas lerne - lernen macht Spaß. Ich gehe davon aus, dass wenn ich etwas mit Freude und Elan mache, dass das dann schon außergewöhnlich gute Ergebnisse bringt. Ich versuche nicht mit Kraft gegen Widerstände zu rennen, mühevoll mit Schweiß zu arbeiten sondern mit Hingabe und Begeisterung. Ja und ich gebe zu: ich bin auch bequem und manchmal ein bisschen faul. Aber das bin ich niemals, wenn ich etwas tue, das ich liebe.

Wir kommen aus so unterschiedlichen Familien und leben konsequent deren Wertesysteme. Während mir vermittelt wurde, dass ich die Welt erobern kann und das ich super bin ("Lehrer haben nicht immer recht"), wurde ihm vermittelt, dass er sich ordentlich anstrengen und abrackern muß und dann wird sein Leben zumindest ein bisschen besser als das seiner Eltern. Mir wurde erlaubt, ich wurde sogar dazu aufgefordert, nach den Sternen zu greifen. Ich wurde rausgeschubst in die Welt, um sie zu erobern.

Ich mag so ungerne von diesen Werten und Idealen lassen, auch wenn ich einsehe, dass ich mich verändern muß, um erfolgreicher zu werden. Das bin doch ich! Entweder, ich muss diese Werte konsequenter leben und alles aus dem Weg räumen, was mich davon abhält, das zu tun, was ich liebe oder ich muß mich von meiner bisherigen Vorgehensweise verabschieden fleissig, beharrlich und kämpferisch werden. Oder von beidem ein bisschen und die angeblich so gesunde Mitte?

Was wünsche ich meinem Kind? Gönne ich ihm die Träume von der Superkraft und versuche ihn stark zu machen, für die Abenteuer des Lebens oder trimme ich ihn darauf zu keulen, sich anzupassen, zu ackern und zu kämpfen, damit er mit den Schwierigkeiten, die das Leben für ihn bereit hält, umgehen kann? Vielleicht hat unser Kind ja mehr davon, wenn seine so unterschiedlichen Elternteile ihm diese so unterschiedlichen Strategien vorleben und er dann selbst herausfinden kann, was für ihn gut ist?

Vielleicht spreche ich deswegen lieber mit meinen Freundinnen, weil sie meine Lebensphilosophie teilen und vergesse so einiges, dem Liebsten zu erzählen. Von den Freundinnen bekomme ich wohlwollende Unterstützung. Von dem Liebsten zwar Liebe, aber auch Forderungen, schonungslose Kritik und klare Ansagen. Er würde sagen, dass wir Frauen Heititei machen, aber ich habe nicht das Gefühl, von Speichelleckerinnen umgeben zu sein, die mir nach dem Mund reden. Es ist wahrscheinlich so, dass ich mir genau diese Freundinnen ausgesucht haben, weil wir eine Weltsicht teilen.

Er sagt, ich solle meine Erwartungen korrigieren.

Ich nehme das als Hinweis, um darüber nachzudenken, aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, so werden zu wollen, wie er. Ich mag mein Leben, auch wenn es diese grauen, trüben Phasen hat, wenn die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Aber es hat eben auch die Höhepunkte.

Und wie kann ich ein Buch schreiben, ohne die Hoffnung, dass es ein Bestseller wird?

Donnerstag, März 31, 2016

Es dauert und dauert...

Überall das gleiche: Freundin L. braucht Ewigkeiten, um ein Computerprogramm zu lernen, obwohl sie Lust darauf hat und weiß, wie sehr es ihre Arbeit zum Positiven verändern würde. Freundin J. kommt mit ihrem Buchprojekt nicht voran, obwohl ich ganz sicher weiß, dass alles schon bei ihr da und gut ist. Ich könnte noch diverse solcher Beispiele aufzählen.

Ganz zu schweigen von mir und meinem Rumdgedudel mit dem Geheimprojekt. Was schob ich in den letzten Wochen die Aufgaben vor mich hin. Ich hatte keine Lust, Details abzuarbeiten, weil im großem Ganzen der Wurm drin war. Der Wurm ist nun tot, ich habe heute geklärt und zum 100 000. Mal den Startschuss von wegen "jetzt geht es richtig los" gegeben. Hoffen wir das beste!

Manchmal denke ich, dass wir uns das Leben nur unnötig schwer machen. Wie toll wäre es, einen Chef zu haben, der vorgibt, welche Regale einzuräumen wären. Stattdessen machen wir einen Beruf, der uns angeblich Spass macht und quälen uns.

Mein Nebenjob quält mich auch. Ich hasse es, Dienstpläne zu bekommen und mich danach richten zu müssen. Ich zähle quasi die Tage, wann ich genug mit den Lieblingsaktivitäten verdiene, um den Nebenjob, der mir gerade Büro und Krankenkasse finanziert, aufzugeben.

Wenn ich optimistisch bin, dann denke ich "es braucht eben seine Zeit", "es braucht den richtigen Zeitpunkt". Na hoffentlich merke ich, wenn es soweit ist! Wenn ich an Projekte wie "ein Buch schreiben" denke, dann weiß ich, dass es erst richtig zur Sache geht, wenn der Vertrag in trockenen Tüchern ist und das erste Honorar auf dem Konto. Vielleicht ist es das Ziel, bei Lieblingsprojekten erstmal einen Protoypen zum Laufen und an den Markt zu bringen, damit es ernst wird und der Rubel rollt. Können wir es erst dann glauben und richtig ernst nehmen? Irgendwie spricht das nicht für viel Selbstbewußtsein und Glauben an das eigene Können. Wo kommen die ganzen Selbstzweifel her und warum machen sie (oder wir?) uns das Leben so schwer?

Donnerstag, März 24, 2016

Auf dem Weg!

"Ich verdiene viel Geld, aber ich fühle mich zu gehetzt." sagte B. gestern beim Netzwerktreffen. Die Probleme möchte ich auch mal haben! Nach einer Nacht darüber schlafen realisierte ich, dass B. auch einige Jahre älter ist als ich. Und ihre Tochter heiratet dieses Jahr!

Mein Kind ist in der ersten Klasse. Kein Wunder, dass ich diese Probleme noch nicht habe. Ich hatte das echt unterschätzt, wie schwierig es ist, als Freiberuflerin nach der Familienphase in den Beruf zurück zu kehren. Es wartete kein klar definierter Job und kein drängelnder Chef auf mich. Ich hatte mich verändert und muss nun alles neu definieren von "wer bin ich" bis "was will ich". Das braucht Zeit. Als ich B. kennenlernte, verkaufte sie Gummihandschuhe - ein Muddi-Nebenverdienst. Das war vor ungefähr 13 Jahren und jetzt heiratet das Kind. Das Kind war damals älter als mein Kind jetzt. Egal, wie ich es rechne, es dauert. Es dauert, bis das Profil klar geschärft ist und die Welt erkennt, was sie an mir hat. Das zu akzeptieren fällt nicht leicht und an die Zeit der Rente mag ich gar nicht denken. Das geht nur, wenn die Ehe hält.

Aber ich habe das Gefühl, auf dem Weg zu sein. In den letzten Tagen habe ich einige Angebote für Workshops und Vorträge rausgeschickt. Das war kein Problem, weil ich verschiedene Produkte formuliert hatte und nur an den jeweiligen Auftraggeber anpassen musste. Yeeeeaaaaaah, Produkte!

Danach hatte ich lange gesucht!

Mir war schon länger klar, dass ich Produkte definieren muss, damit die Welt überhaupt weiß, was sie bei mir kaufen kann. Dass die Produkte dann individualisiert werden müssen ist klar. Bisher war es aber eher so, dass ich mich auf meine Kompetenzen und mich als Person fokussierte und dann kam da so ein merkwürdiger Gemischtwarenladen heraus.

Ich glaube, die Idee Produkte anzubieten ist ein guter Weg. Die Produkte zeigen klarer, was ich zu bieten habe, was es bei mir gibt und es ist ja nicht in Stein gemeißelt, dass es stets die gleichen Produkte sein müssen. Als ich die Angebote in den letzten Wochen ausarbeitete, war mir gar  nicht klar, dass ich gerade dabei bin, Produkte zu definieren. Jetzt wird mir klar, dass es doch manchmal um klein-klein geht und nicht immer um den großen Wurf. By the way: die Website, die ich quick-and-dirty im Januar erstellen wollte, ist immer noch nicht online.

Und wie Freundin C. ganz richtig bemerkte. Je mehr Angebote ich schreibe, umso weniger bange muß ich hoffen, ob etwas beauftragt wird. Das "Prinzip Schrotflinte" bedeutet auch, sich selbst als Person nicht mehr so stark einzubringen und eine Ablehnung persönlich zu nehmen.

Ich bin auf dem Weg und das gefällt mir!

wünsche:

  • ein häuschen in den elbvororten
  • ein klavier
  • ein tanzkurs mit meinem liebsten
  • einen kochkurs (am liebsten indisch)
  • ein städteurlaub in rom oder barcelona oder kopenhagen